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    Berlin, Gegessen, Geteilt, München

    Was bisher geschah: November 2016 – Bloggeburtstag mit Jamie Oliver und amerikanischem Frühstück

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    November, der Geburtstagsmonat. Nicht unser eigener, aber trotzdem der eines Quasi-Familienmitglieds: Der Blog ist vor gut zwei Wochen heimlich, still und leise fünf Jahre alt geworden und somit im besten Alter, um aufmüpfig zu sein. Wir sind gespannt, was er sich einfallen lässt und harren der Dinge, die da kommen. An dieser Stelle aber vor allem ein riesiges DANKESCHÖN an euch, dass ihr es schon fünf Jahre mit uns aushaltet, hier immer wieder reinklickt, mitlest, kommentiert und nachkocht. Darüber freuen wir uns noch so sehr wie am ersten Tag (okay, blödes Beispiel – damals hat hier vermutlich überhaupt niemand reingeschaut und kommentiert, aber ihr wisst schon wie das gemeint ist)! Genauso freuen wir uns immer noch über das, was sich durch den Blog in den letzten Jahren ergeben hat – Freundschaften, Bekanntschaften, Begegnungen und vieles mehr. Dass so ein kleines Internetding mal so viel Auswirkung auf unser Privatleben haben würde, hätten wir vor fünf Jahren nie gedacht. Wir lassen uns überraschen, was das nächste Jahr für den Blog bereithält und freuen uns, wenn ihr uns weiterhin begleitet.

    Auch abseits des Geburtstags war der November ein recht vollgepackter Monat: Wir waren viel unterwegs, haben gut gegessen und hatten einen kleinen Fan-Moment (zumindest einer von uns) – mehr dazu im Monatsrückblick.

    Ach ja, und um es für euch (und uns) ein bisschen nachvollziehbarer zu machen, wer von uns hier im Rückblick über was geschrieben hat, ergänzen wir ab jetzt einfach unsere Namen. Wir sorgen auf Twitter ja schließlich schon für genug Verwirrung (#Schizoblogger).

    Unterwegs

    Berlin: So viel gutes Essen, so wenig Zeit

    Es scheint sich eingependelt zu haben, dass ich zumindest einmal im Jahr nach Berlin komme. Wie immer war auch dieser Besuch straff durchgetaktet und ich habe die meiste Zeit im eher unansehnlichen Lesesaal des Bundesarchivs in Lichterfelde verbracht. Aber wie es sich für reisende Foodblogger gehört, blieb auch das Kulinarische nicht auf der Strecke und ich habe ein paar spannende neue Orte kennengelernt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Gleich am ersten Abend hatte ich richtig Glück. Wer (wie ich) Lust auf syrisches Essen hat und unprätentiöse Restaurants mag, der wird das Yarok lieben. Etwa 35-40 Plätze in einem Raum, der eher für 20-30 Personen geeignet wäre, bemalte Wände, bunte Hocker und eine offene Küche – ich fühle mich sofort wohl. Die Speisekarte bietet typische Mezze-Küche mit kleinen Twists und das in hervorragender Qualität. Kein Wunder, dass ich selbst an einem Montagabend zehn Minuten vor der Tür auf einen Tisch warten muss. Allerdings ist der Service derart freundlich und zuvorkommend – ich werde sogar mit wärmendem Ingwertee versorgt -, dass das sofort wieder vergessen ist. Für den sehr guten Fattoush und die köstlichen frittierten Teigtaschen hat sich das Warten in jedem Fall gelohnt.

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    Wen es dagegen mehr nach indischer Küche gelüstet und man ohnehin gerade im Prenzlauer Berg unterwegs ist, sollte im Chutnify vorbeischauen. Hier ist alles seeeeehr bunt eingerichtet und auf der Karte stehen vor allem Dosas, gefüllte Teigrollen, die es auch vegetarisch und vegan gibt. Kein indisches Restaurant von der Stange und gerade deswegen einen Besuch wert! Ein paar Straßen weiter gibt es im Bierlinie Biershop Craft Beer aus aller Welt (auch gekühlt!) und natürlich aus Berlin zu kaufen. Das kompetente Personal unterstützt gerne bei der Auswahl. Wer noch weitere ungewöhnliche Mitbringsel sucht, könnte im gleichen Viertel im Erfinderladen fündig werden, wo viel sympathischer Krimskrams auf euch wartet. Wie immer standen noch gefühlt 100 weitere Läden auf meiner Liste – aber ich bin mir fast sicher, dass auch 2017 ein Berlin-Besuch noch irgendwo reinpassen wird. (Steffen)

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    München: Schuhbecks Teatro*

    Man kann von der Person Alfons Schuhbeck halten, was man will (und ich bin alles andere als ein Fan), aber seine Rezepte haben sich bislang immer als gelingsicher und gut erwiesen – ich kenne und schätze das Team, das hinter seinen Kochbüchern steht, und auch diverse Firmenweihnachtsfeiern in den Südtiroler Stuben wurden meist von gutem Essen begleitet. Dementsprechend neugierig (und zugegebenermaßen auch etwas skeptisch) war ich, als die Einladung für die Premierengala des neuen Programms „Sweet Dreams“ in Schuhbecks Teatro reinflatterte. Was uns dort erwartete: ein recht spezieller Abend mit bunter Dinnershow, Vier-Gänge-Menü und hoher Promidichte. Zu Songs von Abba bis Queen wurden Akrobat_innen durch die Gegend gewirbelt, mehr oder weniger gelungene Comedy-Einlagen zum Besten gegeben und in knappen Glitzeroutfits getanzt und gesungen. Während die Akrobatik-Performance wirklich toll und beeindruckend war, mischten sich unter die restliche Show immer wieder unangenehme Altherrenwitze aus einem vergangenen Jahrhundert, die wohl, wenn überhaupt, eher ein Publikum der älteren Generation ansprechen. Gut, dass der Wein in Strömen floss und auch das Menü, das erfreulicherweise sogar als vegetarische Variante angeboten wird, zwar nicht restlos, aber dennoch glücklich stimmen konnte. Gestartet wurde mit einer nicht nur wunderschön angerichteten, sondern auch leckeren Terrine von mediterranem Gemüse mit Tomaten-Basilikum-Pesto, gefolgt von einer wahnsinnig guten getrüffelten Maronensuppe mit Vanillepolenta und Waldpilzravioli – mein kulinarisches Highlight des Abends! Die Hauptspeise enttäuschte dagegen – die Ricotta-Spinat-Knödel waren trocken, statt des angekündigten Kürbisgemüses gab es Paprika, Möhre und grünen Spargel, auf den ich im November wirklich gut verzichten kann. Das Dessert versöhnte jedoch schnell mit einer Bayrisch Creme im Himbeermantel und einem hervorragendem Mango-Chili-Eis auf Joghurt-Hafer-Streusel. Das reguläre (nicht vegetarische) Menü kann auch hier nachgelesen werden. Alles in allem, auch dank der netten Tischnachbarn, ein leckerer und interessanter Abend, auch wenn ich nicht ganz zur Zielgruppe gehöre, die mit einer Dinnershow dieser Art erreicht wird. (Sabrina)

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    Fanboy-Moments mit Jamie Oliver*

    Wer unsere „Über uns“-Seite aufmerksam gelesen hat, wird verstehen, warum ich mir ein Loch in den Bauch gefreut habe, als hier die Einladung zum Meet & greet mit Jamie Oliver eintrudelte. Höchst persönlich stellte der umtriebige britische Koch sein Weihnachtskochbuch einer Horde hibbeliger Blogger_innen und Journalist_innen in München vor. Im Gespräch mit Monika Schlitzer, der Programmleiterin des Dorling Kindersley Verlags, erzählte Jamie Oliver von englischen Weihnachtstraditionen und warum er das Fest bis heute liebt. Am liebsten würde ich mich nun selbst zum Weihnachtsfest der Olivers einladen, denn was Jamie Oliver von seinen Familienfeiern berichtete, klang mehr als sympathisch – locker, lustig und gemütlich gehe es zu. Das schlägt sich übrigens auch im Kochbuch nieder, denn die Rezepte eigenen sich mehr für eine Feier im Wollpulli, als für steife Veranstaltungen in Jackett und Cocktailkleidchen. Etwas mehr Infos zum Buch folgen hier schon bald in Form einer ausführlicheren Rezension. Viel Zeit für individuelle Gespräche gab es beim Meet & greet zwar nicht, aber auch während der kurzen Begegnung vermittelte Jamie Oliver einen höchst sympathischen Eindruck. Ich warte also weiterhin freudig auf die Einladung nach England, damit wir uns beim BBQ in seinem Garten gemeinsam die Hände dreckig machen können … (Steffen)

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    Ihr Knödelein kommet*

    Erinnert ihr euch noch an unseren Knödelburger? Vor zwei Jahren waren wir schon einmal in Sachen Knödel unterwegs und haben damals einen nicht ganz alltäglichen Burger kreiert. Als uns Burgis nun im November zu sich nach Hause einlud, mussten wir nicht lange zögern. Also, ab ins Auto, Ines und Björn eingepackt und schon ging es in Richtung Bayrisch Sibirien. In Neumarkt in der Oberpfalz stellte die Großmutter von Firmenchef Timo Burger einst die ersten Portionen Kartoffelknödelteig zum Verkauf her. Damals wurden die rohen Kartoffelraspel noch in der Waschmaschine geschleudert, um die Flüssigkeit herauszudrücken. Heute läuft die Produktion deutlich professioneller ab und 100 Mitarbeiter_innen kümmern sich darum, dass aus bayrischen Kartoffeln ganz verschiedene Produkte entstehen. Die Knollen werden von über 75 Vertragsbauern geliefert, mit denen die Firma teilweise schon jahrzehntelang zusammenarbeitet – kommuniziert wird übrigens per WhatsApp-Gruppe (das ständige Gebimmel will man sich gar nicht vorstellen). Rund 80-90% aller angelieferten Kartoffeln erreichen laut Timo Burger die höchste Qualitätsstufe, für die die Bauern eine Bonuszahlung erhalten.

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    Für uns ging es an diesem Samstag aber darum, zusammen mit Blogger_innen aus ganz Deutschland kreativ zu werden. Die Aufgabe: Vier Teams sollten „süße Knollen“ zu unterschiedlichen Themen entwickeln – zum Beispiel ein feuriges Knödelgericht oder die Knödel in ganz untypische Form bringen. Mit Tipps und Unterstützung von TV-Koch Andreas Geitl ging es dann an die Rezeptentwicklung. Herauskamen erstaunlich unterschiedliche Gerichte: Schokoladenknödel im Knuspernussmantel mit flüssigem Erdnusskern, Maronenknödel auf Glühwein-Cranberry-Sauce mit Tonkaschaum und Spekulatiuscrunch, Kartoffeltaler mit Rosmarinkaramell und süß-scharfes Knödelsushi. Letzteres habe ich zusammen mit Madame Dessert (bei der ihr auch das Rezept findet), Kalinkas Kitchen und Applethree zubereitet und wir waren selbst ein bisschen erstaunt, wie gut unsere etwas verrückte Idee letztendlich geschmeckt hat. Also, seid mutig und experimentiert mehr in der Küche! (Steffen)

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    Entdeckt

    La Kaz

    Karins Erinnerung sei Dank, dass wir es endlich ins La Kaz ins Westend geschafft haben, das schon seit einer halben Ewigkeit auf unserer „da müssen wir endlich mal hingehen“-Liste stand. Am Sonntagabend ist es hier angenehm entspannt, die Musik gut, der Service ausgesprochen aufmerksam und nett – beste Voraussetzungen, sich hier mit Freunden zu treffen, die man gefühlt seit 100 Jahren nicht mehr gesehen hat. Angenehm unprätentiös zeigen sich Inneneinrichtung und Karte. Die Portion Hummus mit Salat, Oliven, getrockneten Tomaten und Brot (6,90€) ist größer als erwartet und zu dritt trotzdem schnell weggeatmet. Die üppigen Portionsgrößen setzen sich auch bei den Hauptgerichten fort. Meine Linguine mit Ofenkürbis, Lauch, Tomaten und Ricotta (9,50€) schmecken toll, auch wenn sie etwas kräftiger gewürzt sein könnten, doch der Teller ist nur mit Unterstützung des Mannes zu bewältigen. Dabei hat er eigentlich selbst genug zu tun mit dem Balsamico-Schmorbraten vom bayrischen Rind mit Tomaten-Lauchgemüse, gebratener Polenta und einem gemischten Salat (14,90€), der ihn offenbar auch recht glücklich stimmt. Der Abend ist so nett, dass wir das La Kaz schon als neues (Beinahe-)Nachbarschaftslokal ins Herz geschlossen haben. La Kaz // Ligsalzstraße 38, München. (Sabrina)

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    Das Maria

    Mensch, Maria – da leben wir schon so lange in der gleichen Stadt und haben uns jetzt erst kennengelernt. Das Maria kann man fast schon als Institution bezeichnen, denn bereits seit über zehn Jahren gibt es das hübsche, etwas orientalisch anmutende Café im Münchner Glockenbachviertel, das vor allem für seine Frühstückskarte bekannt ist. Auf der Karte begleitet man Maria bei verschiedenen Aktivitäten. Hinter „Maria bei Fatima“ steckt eine knusprige Scheibe Röstbrot mit warmem Ziegenkäse, Walnüssen, Datteln und Rucola, meine Begleitung folgt Maria ins Training und bekommt Müsli mit Joghurt, Obstsalat und Orangensaft. Eigentlich hätten wir gerne nahtlos Marias Backkünste getestet, denn die Kuchen auf der Theke sehen toll aus, doch wir sind pappsatt und beschließen, dass wir ohnehin bald noch mal zurückkommen müssen. Das Maria // Klenzestr. 97, München. (Sabrina)

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    American Breakfast in München*

    Wer uns regelmäßig liest, sollte gemerkt haben, dass wir eine gewisse Vorliebe für amerikanisches Frühstück hegen. Egal ob auf Reisen oder zu Hause – mit Pancakes, Hash Browns und Frühstücksburrito kann man uns jederzeit aus dem Bett locken. Das schaffte auch das Münchner Marriott Hotel, das im November zum American Breakfast einlud, um das umfangreiche Frühstücksangebot des Restaurants Fresh Fields zu präsentieren. Zunächst probierten wir uns durch Pancakes, Waffeln und Hash Browns und durften dann an der Live-Koch-Station auch selbst ans Werk. Dort entstanden kleine (leckere) Waffelperversitäten mit flambierten Marshmallows und Schokosauce oder mit Bacon und Karamellpopcorn. Besonders spannend war die Lektion bei Frühstückschef Bruno, der uns in das Geheimnis des perfekten Omeletts einführte. Er beherrscht es aus dem Effeff, denn bis zu 150 Eierspeisen bereitet der portugiesische Koch jeden Morgen zu. Wichtig sei dabei, das Ei nicht einfach stocken zu lassen, sondern leicht zu verrühren, damit luftige Falten entstehen, und es dann relativ schnell wie eine Calzone zu falten – so bleibt das Omelett in der Mitte noch flüssig, während es von außen gut durchgebacken wird. Es wird wohl ein paar Eier brauchen, bis wir so ein Ergebnis auch am eigenen Herd perfektioniert haben, aber ich denke, das Üben lohnt sich! Schade nur, dass für die vielen Eierspeisen im Marriott nur Bodenhaltungseier verwendet werden – in einem Restaurant mit dem Namen Fresh Fields wäre etwas mehr Sensibilität wünschenswert! Neben dem amerikanischen Angebot beinhaltet der Brunch im Marriott auch ein äußerst üppiges Frühstücksbüfett, das auch für Gäste, die nicht im Hotel übernachten, für 26€ pro Person zur Verfügung steht. Fresh Fields im Marriott // Berliner Str. 93, München. (Steffen)

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    Slow Food in Schwabing: HeimWerk*

    München hat ein neues Slow-Food-Restaurant: HeimWerk nennt es sich, der Name nimmt dabei schon die Idee vorweg – heimatliche Klassiker wie Knödel, Schnitzel, Kartoffelpuffer und Kaiserschmarrn sollen hier handwerklich perfekt und innovativ umgesetzt werden. Beim Opening verrät Küchenchefin Alexandra Kuhl noch etwas mehr vom Konzept: Ganz dem Slow-Food-Gedanken verschrieben sollen hier nur regionale Zutaten aus artgerechter Haltung und ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe verarbeitet werden. Die Küche verfolge zudem den Ansatz, möglichst nachhaltig und vorausschauend zu kalkulieren, sodass das Restaurant auch zukünftig nur eine Restmülltonne pro Woche produziere – für ein Lokal in dieser Größe in der Tat erstaunlich wenig. Faire Preise für die Speisen sowie eine faire Bezahlung der Produzent_innen und Mitarbeiter_innen seien ebenso Teil des Konzepts. Klingt alles vielversprechend – nun bleibt nur zu hoffen, dass sich die Ideen auch weiterhin praktisch umsetzen lassen und das Angebot auch geschmacklich überzeugen kann. So ganz kann ich mir beim Opening nämlich noch keine Meinung bilden – es ist zu viel los, als dass ich ein Gefühl für das Lokal und dessen Ambiente bekommen könnte. Das Flying Buffet präsentiert eine Auswahl der regulären Karte in Probiergröße: Kürbissuppe und Süßkartoffelpommes finde ich gut abgeschmeckt, die Minispinatknödel sind dagegen zu fest und trocken und der begleitende Salat kommt leider ganz und gar nackt und ohne Dressing – aber auch über das Essen möchte ich mir lieber noch einmal bei einem ausgedehnteren Besuch ein Urteil bilden. Interessant ist jedenfalls, dass alle Speisen individuell als Snack- oder Mahlportionen zum schnellen Mitnehmen an der Theke (Fast Slow Food sozusagen) oder gemütlichen Essen an einem der Holztische bestellt werden können. Wir sind gespannt, wie sich das HeimWerk bei unserem nächsten Besuch präsentieren wird. HeimWerk // Friedrichstr. 27, München. (Sabrina)

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    Bier des Monats: Amarsi Double IPA

    Eigentlich kein neues Bier, aber irgendwie dann doch. Alexander Himburg, der Brauer hinter dem Label BrauKunstKeller ist nach einer Insolvenz nach München gezogen und nutzt die Gelegenheit gleich für einen Neuanfang. Die immer schon hervorragenden Biere haben jetzt auch ein schönes Etikett bekommen und schaffen es damit hoffentlich, sich im immer unübersichtlicher werdenden Angebot im Craft-Beer-Regal zu behaupten. Wir haben uns jedenfalls ein wenig in das Amarsi Double IPA verliebt, das vielleicht sogar das Zeug zum Klassiker hat. In der Nase viel Frucht, im Mund zunächst ein leichter, karamelliger Malzkörper, aber dann platzt auch hier die Hopfenbombe: Zitrusfrüchte und Grapefruit füllen den Mund. Alles schließt mit einem süß-bitteren Finish und die Flasche ist schneller leer als man nachgießen kann. Davon landet bestimmt bald wieder eine Flasche in unserem Kühlschrank! (Steffen)

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    Lesenswert

    Blumenkohl is the new kale

    Foodtrends kommen und gehen – gefühlt sinkt die Halbwertszeit dabei immer schneller und meist wartet schon ein neuer Hype darauf, durchs (digitale) Dorf gejagt zu werden. Nachprüfen lässt sich diese Einschätzung nun in den schönen Grafiken, die im Rahmen des Projekts The Rhythm of Food erstellt wurden. Dabei wurden amerikanische Google-Suchanfragen mit Kulinarikbezug der letzten zwölf Jahre analysiert. Eine ganz spannende Zusammenfassung der Ergebnisse gibt es bei Wired. (Sabrina)

    Hinweis: Zu den mit Sternchen (*) markierten Veranstaltungen wurden wir freundlicherweise eingeladen – wie immer bleibt unsere Meinung davon jedoch unberührt.
    Fotocredits: Vielen Dank an Thomas von omoxx, der Steffens Fanboy-Moment mit Jamie Oliver fotografisch festgehalten hat! Wunderkerzen-Foto via unsplash.com.

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    Frankreich, Gereist, Metz

    Kulinarisch durch Elsass & Lothringen #4: Metz – Quiche Lorraine, Moselwein & Quartier impérial

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    Wie bereits zuvor auf unserer Reise durch den Nordosten Frankreichs, haben wir auch bei Metz zunächst wenig Vorstellung von der Stadt. In den Tiefen meines Gedächtnisses tauchen während der Fahrt von Nancy nach Metz Bilder aus der Nibelungensage auf, nur äußerst dunkel erinnere ich mich an die Pflichtvorlesungen zum Mittelalter und versuche im Kopf Ordnung in die Geschichte des deutschen Kaiserreichs zu bringen – denn irgendwie bin ich sicher, dass das auch mit Metz zusammenhing. Mein Gedächtnis täuscht mich nicht und schon bald wird klar, dass die Stadt noch mehr als Mulhouse, Nancy und Straßburg für die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich steht. Somit findet unsere Reise durch eine Grenzregion, deren wechselhafte Geschichte wir in den Tagen zuvor schon ausführlich erkundet haben, in der Stadt an der Mosel ein passendes Ende.

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    Gleich nach unserer Ankunft treffen wir auf unsere Gästeführerin Estelle, die uns die kommenden beiden Tage begleiten wird und uns zunächst durch das Kaiserviertel führt, das wie kein anderer Teil der Stadt noch heute die Spuren der deutsch-französischen Geschichte trägt. Metz fiel nach dem Krieg von 1870/71 an das Deutsche Reich und wurde in den folgenden Jahren zu einer großen Festungsstadt ausgebaut. Dementsprechend kommen wir während unserer Stadttour an vielen Kasernen- und Verwaltungsgebäuden vorbei, die sich deutlich von der Altstadt innerhalb der Stadtmauern abheben. Durch die vielen neuen Militärs und Verwaltungsbeamten kam es zudem zu einem Bauboom an Privathäusern, die wir beim Spaziergang entlang der Avenue Foch bewundern können. Dabei ist ein bunter architektonischer Stilmix entstanden, der die Straße, die die Verbindung zwischen Alt- und Neustadt schafft, noch heute spannend macht: Jugendstilvillen stehen hier neben Renaissance- und Barockbauten.

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    Ein besonderes Highlight ist aber der Gare de Metz-Ville, der von 1905 bis 1908 im Auftrag von Wilhelm II. erbaute monumentale Bahnhof der Stadt. Er sollte vor allem den Transport der vielen Soldaten, die hier stationiert waren, gewähren. Estelle nimmt sich viel Zeit, uns auf die vielen kleinen Details aufmerksam zu machen, die den 300 Meter langen Bau schmücken. So verraten uns die Verzierungen der Säulen zum Beispiel, in welchem der Räume damals die Wartesäle der dritten Klasse untergebracht waren (dort, wo die Biertrinker zu sehen sind) und wo dagegen die feinen Herrschaften der ersten Klasse ihre Zeit verbringen durften (erkennbar am Wein). Nach dem ausgedehnten Spaziergang durch das Quartier impérial können wir auf jeden Fall nachvollziehen, warum Metz für die einzigartige Mischung aus königlich-französischer und kaiserlich-deutscher Stadtgeschichte die Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe beantragt hat.

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    Aber Metz hat natürlich noch viel mehr zu bieten: Ebenso viel Spaß macht es, sich durch die Gassen der Stadt treiben zu lassen, die von italienisch anmutenden Plätzen – wie der Place Saint-Louis, auf der (wenn das Wetter mitspielt) draußen gegessen und gefeiert wird – bis zur monumentalen Kathedrale genügend Abwechslung für unseren dreitägigen Aufenthalt bereithält. Und die Kulinarik kommt hier natürlich auch nicht zu kurz.

    Metz kulinarisch

    {Marché Couvert}

    Mitten in der Stadt, im Schatten der Kathedrale finden wir die lokale Markhalle. Während der Stadtführung erfahren wir, dass dies ursprünglich der Bischofspalast werden sollte, aber dann (glücklicherweise) die französische Revolution in die Quere kam. Die Geschichte erklärt auch die ungewöhnliche Gestaltung der Markthalle, die sich nun seit 1831 hier befindet. U-Förmig und über zwei Stockwerke (im unteren befinden sich zwei Restaurants) erstreckt sich das Gebäude und beherbergt eine Vielzahl an schönen Ständen. Sie ist zwar nicht so groß wie die Markthalle in Mulhouse, aber trotzdem einen Besuch wert, vor allem am Samstag, wenn auf dem Platz zwischen den Gebäudeflügeln noch Dutzende weitere Händler ihre Stände aufbauen und uns noch ein letztes Mal die volle Palette der Köstlichkeiten Ostfrankreichs präsentieren. Marché Couvert // Place du Marché Couvert, Metz.

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    {Chez Mauricette}

    Wer sich seit 18 Jahren mit seiner Épicerie inmitten des Trubels der Markthalle halten kann, muss irgendwas richtig machen. Wir setzen uns also an einen der einfachen Tische neben dem Stand und bekommen gleich ein Gläschen Moselwein vorgesetzt. Um 11 Uhr ist es ja auch höchste Zeit für einen Drink (da sind die Franzosen den Spaniern sehr ähnlich) und außerdem klappt es dann auch mit der Verständigung gleich viel besser. Hier gibt es nochmals das volle Frankreicherlebnis inklusive sprachlichem Hand-und-Fuß-Mischmasch, viel Hektik und noch mal so viel Herzlichkeit. Auf dem Tisch landet ein Degustationsteller, den es bei Mauricette in verschiedenen Varianten und Größen gibt. Darauf finden wir typischen Käse aus der Region wie Tomme oder Brie de Lorraine und jede Menge Wurstspezialitäten, denn darauf ist Madame Mauricette ganz besonders stolz. Man lässt uns nicht gehen, ohne die hausgemachte Mirabellentarte probiert zu haben, doch die könnte ehrlicherweise besser sein und kann nicht ganz mit den lokalen Käse- und Wurstdelikatessen mithalten. Dafür werden wir gleich als „blogueurs allemands“ dem Lokalradio vorgestellt, das wenige Meter von uns live aus der Markthalle berichtet. Chez Mauricette // Place du Marché Couvert, Metz.

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    {Fresson}

    Paris-Metz nennt sich die gigantische zweifarbige Macaron, die uns in der ganzen Stadt immer wieder begegnet. Natürlich reisen wir nicht ab, ohne die ostfranzösische Hommage an Paris-Brest probiert zu haben. Besonders hübsche (und leckere!) Exemplare der mit Himbeeren und Vanillecreme gefüllten Macarons finden wir in der Patisserie Fresson. Das Herz der Frau hüpft sofort höher, als sie dort auch noch schwarze Lakritz-Macarons erspäht. Und so wandert ein nicht ganz so kleines Tütchen mit französischem Gebäck in unsere Tasche. Fresson // 17 Rue du Grand Cerf, Metz.

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    {El Theatris}

    Nach einer ausgedehnten Tour durch die Altstadt und entlang der Mosel haben wir uns das Mittagessen redlich verdient und finden direkt vor der ältesten noch betriebenen Theater-Oper Frankreichs einen wunderschönen Platz. Mit Blick auf den im Kaiserreich erbauten Temple Neuf  und den Türmen der Kathedrale im Hintergrund genießen wir erst einmal bei einem Glas Weißwein den Gruß aus der Küche (eine überzeugende Lauch-Pannacotta) und verstehen plötzlich, warum man sich in Frankreich so viel Zeit fürs Mittagessen nimmt. Es wäre ja auch schade, wenn man die Kleinigkeiten wie das geröstete Brot mit Oliventapenade (okay, vor allem Sabrina findet an Letzter Gefallen) nicht in Ruhe genießen könnte. Die Hauptspeisen bestätigen unseren Eindruck, dass es in Metz nicht so sehr darum geht, um jeden Preis eine „traditionelle“ Küche zu servieren, was vielleicht auch daran liegt, dass man weniger Tourist_innen zu versorgen hat, als beispielsweise Straßburg. Uns soll es recht sein, denn wir kommen im Theatris in den Genuss kreativer französischer Küche, die auch nicht vor einer vegetarischen Auswahl zurückschreckt. Sabrinas Salade Maraichère sieht nicht nur frisch und bunt aus, er schmeckt auch ganz hervorragend. Meine Mirabellen-Wachtel mit Gemüsecouscous und gerösteten Mandeln ist nicht nur toll angerichtet, sondern überzeugt auch geschmacklich. Das Fleisch ist zart, die verschiedenen Saucen auf dem Teller sorgen für ganz unterschiedliche Geschmackskombinationen. Davon abgesehen mag ich die Kombination aus Obst und Fleisch wirklich gerne. Eigentlich sind wir danach nicht mehr furchtbar hungrig, aber wie so oft in den letzten Tagen sieht der Nachtisch auf den Nachbartischen einfach zu gut aus, um ihn nicht zu probieren. Der Financier mit Minze, Melonen-Bayrisch-Creme und Melonensorbet und die Sesam-Tube-Croustillant mit Zitronencreme und -sorbet schmecken mindestens so gut wie sie aussehen. El Theatris // 2, place de la Comédie, Metz.

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    {Les Amis de Saint-Louis}

    Am Rande der Altstadt nimmt die Dichte der Restaurants schlagartig ab und in Richtung Centre Pompidou kann es für nicht Einheimische schwierig werden, ein nettes Plätzchen fürs Mittagessen zu finden. Doch im Inneren eines ehemaligen Klosters und heutigen Priesterseminars entdecken wir eine kleine Ruheoase. Wir ergattern einen Platz auf der schönen Terrasse im Garten des Restaurants Les Amis de Saint-Louis und werden wieder einmal mit den kulinarischen Realitäten Frankreichs konfrontiert. Auch hier gibt es kein vegetarisches Hauptgericht auf der Karte und selbst auf Nachfrage zeigt sich der ohnehin leider nicht besonders aufmerksame Service sichtlich überfordert von der Idee eines fleisch- und fischfreien Tellers. Na gut, dann eben nur eine Vorspeise für Sabrina – der Rührei-Cappuccino mit Trüffel klingt schließlich nicht übel und ist es auch nicht. Ich habe dagegen Glück, denn es sind Muschelwochen und ich bestelle – wie fast alle an den umliegenden Tischen – meine ersten Moules frites. Die Kombination aus Miesmuscheln in Weißweinsauce und Pommes sieht zwar auch auf dem Tisch etwas gewöhnungsbedürftig aus, schmeckt aber großartig. Wir nutzen das schöne Wetter und die Tatsache, dass wir uns immer noch in der Mirabellenregion befinden, noch etwas aus und bestellen zum Abschluss Kaffee und Nachtisch: Die Tarte Tatin mit Mirabellen und Mirabellensorbet ergänzt die bisherigen Desserts aus der gelben Frucht ganz hervorragend. Alles in allem bietet das Restaurant ein wirklich schönes und ruhiges Ambiente, man sollte zwar etwas Zeit mitbringen, doch die Qualität der Speisen ist gut – allein Vegetarier_innen sollten ihr Glück besser woanders versuchen. Les Amis de Saint-Louis // 4 Avenue Jean XXIII, Metz.

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    {La Brasserie Christophe Dufossé}

    Nach acht Tagen Entdeckungstour durch Elsass und Lothringen und über 130 zu Fuß zurückgelegten Kilometern, sind wir an unserem vorletzten Abend fast ein bisschen froh, dass wir für das Abendessen nicht noch einmal das Hotel verlassen müssen. Wir haben das Glück, dass das Hotel Citadelle über zwei ganz hervorragende Restaurants verfügt – beide unter der Leitung von Christophe Dufossé. Das sterneprämierte Gourmetrestaurant Le Magasin aux Vivres besichtigen wir allerdings nur außerhalb der Öffnungszeiten, als uns der Chef persönlich durch die Küchen führt, in denen sich sein Team gerade konzentriert auf das Dinner vorbereitet. Stattdessen besuchen wir die Brasserie gleich nebenan, die für deutlich weniger Geld ebenfalls hervorragendes Essen bietet. Wenn Christophe Dufossé behauptet, es handele sich dabei um eine typische französische Brasserie, untertreibt der Küchenchef ein wenig, denn man merkt den servierten Tellern den Einfluss der benachbarten Sterneküche durchaus an. Hier wird mit viel Raffinesse die traditionelle Küche der Region modernisiert und um internationale Einflüsse ergänzt. Im Gespräch erzählt der Sternekoch auch, dass er dort die Zukunft für sich und andere sehe. Eine leichte, moderne Art des Kochens, die sich wieder auf das Produkt an sich besinnt, lokale Produzenten wertschätzt und auf höchste Qualität bei den Zutaten setzt. Auf diesem Niveau gibt es auch kein Problem mit speziellen Wünschen der Gäste – ein vegetarisches Menü ist selbstverständlich und ist alles andere als ein fader Ersatz. Die Gazpacho mit Guacamole ist wunderbar angerichtet und perfekt abgeschmeckt, das Pilzrisotto wunderbar cremig. Highlight des regulären Menüs ist mit Sicherheit die dekonstruierte Quiche Lorraine, die mich dieses einfache Gericht mit ganz neuen Augen sehen lässt. Das Dessert kommt ähnlich hübsch angerichtet – die Kokos-Ile Flottante mit Erdbeer-Gazpacho ist luftig leicht, die Mousse au Chocolat mit Pistazienkuchen sehr schokoladig. Die Brasserie ist jedenfalls eine gute Gelegenheit, die Küche von Christophe Dufossé kennenzulernen, ohne sich auf die doch recht hohen Menüpreise des Magasins einlassen zu müssen. La Brasserie Christophe Dufossé // 5 Avenue Ney, Metz.

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    {Les Pas Sages}

    Wir sind zwar nur drei Tage in Metz, doch eine Ecke zieht uns immer wieder an – die Rue Taison, ein malerisches Kopfsteinpflastergässchen mit vielen jungen und kreativen Boutiquen (wie dem Concept Store Vélo Rose) Spezialitätenläden, Cafés und kleinen Restaurants. Gleich als wir das erste Mal die Straße entlanggehen, fällt uns ein kleines Lokal auf, das erst vor ein paar Tagen eröffnet wurde. Doch die gute Küche des Les Pas Sages scheint sich offenbar schon herumgesprochen zu haben, denn wir ergattern draußen gerade so noch den letzten Tisch. Das Konzept ist jung und modern, die täglich wechselnde Karte übersichtlich und der Service überaus freundlich. Und so sitzen wir bei schummerigem Licht auf zwei wackeligen Stühlen an einem kleinen Tisch mitten in der Fußgängerzone und freuen uns, so etwas Unkompliziertes gefunden zu haben. Ein letztes Mal versuchen wir das Menü der von Tisch zu Tisch wandernden Kreidetafel mithilfe unseres Schulfranzösisch zu dechiffrieren. Das gelingt offenbar, denn bald darauf stehen zwei Gläser Wein, eine überbackene Süßkartoffel mit Nuss-Kräuter-Füllung und ein kreativ angemachtes Steak tartare auf dem Tisch. Über uns schwebt Graoully – der ewig hungrige Drache von Metz – und wir sind uns einig, dass es wohl keinen besseren Ort für unseren letzten Abend gegeben hätte. Les Pas Sages // 21, Rue Taison, Metz.

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    Raus aus der Stadt

    Umgeben von Mirabellenbäumen liegen entlang der Mosel zahlreiche kleine Orte, durch die sich die Weinstraße Route des vins de Moselle schlängelt. Wer von Nancy kommt, sollte also in Betracht ziehen, die Autobahn etwas früher zu verlassen und ein paar Winzereien und Destillieren anzusteuern, die auf dem Weg nach Metz liegen. Die meisten Produzenten bieten einen Hofverkauf an und normalerweise kann man sich vor dem Kauf auch ein wenig durch das Angebot probieren.

    {Domaine Buzea}

    Auf unserem Nachmittagsausflug machen wir zunächst Halt in Ancy sur Moselle, wo sich hinter einem unscheinbaren Hoftor die Domäne Buzea versteckt. Dort werden wir herzlich von Georgian begrüßt, der die junge Winzerei 2009 von seinem Vater übernommen hat, der selbst erst 1998 ins Weingeschäft eingestiegen war. Der französische Teil des Moseltals ist bis heute keine Weinregion mit großen Anbauflächen und erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts bei Weinliebhaber_innen wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Georgian lässt sich davon nicht beeindrucken und keltert fröhlich und mit spürbarer Begeisterung ein Dutzend verschiedene Weine – weiß, rosé und rot aus sechs unterschiedlichen Trauben. Wir sitzen mitten in der Werkstatt der Winzerei (hinter uns stehen Maschinen zum Etikettieren, Flaschensäubern und Verkorken) und probieren uns durch das aktuelle Angebot. Die Verständigung gelingt mit einem lustigen Mischmach aus ein paar Brocken Schuldeutsch und -französisch, dazwischen etwas Englisch gemischt mit wilden Hand- und Fußgesten. Mit jedem Glas Wein klappt es etwas besser. Wir lachen viel während dieser Verkostung, bei der man dem jungen Winzer die Leidenschaft fürs Weinmachen in jeder Sekunde anmerkt. Er liebt seine Weine und freut sich wie ein kleines Kind, wenn ein Jahrgang besonders gut gelungen ist. Natürlich kann man die Weine hier direkt kaufen, was man ausnutzen sollte, denn einen Internethandel gibt es für die vergleichsweise kleine Jahresproduktion von etwa 25.000 Flaschen bisher nicht. Besonders gut schmecken uns der superfruchtige Riesling von 2015 und ein halbtrockener Pinot Blanc von 2015 (Cuvée des Arches), der erst im April abgefüllt wurde. Hier bewährt es sich wieder, dass wir mit dem Auto nach Frankreich gereist sind und so eine volle Kiste Wein mit nach Hause nehmen können. Domaine Buzea // 10 Rue Raymond Mondon, Ancy sur Moselle.

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    {Distillerie de Mélanie}

    Einige Dörfer weiter sind wir mitten im Mirabellenland gelandet. Weite Obstplantagen bestätigen noch einmal, dass Lothringen das Zentrum der weltweiten Mirabellenernte ist, bieten doch die Sommer der Gegend mit ihren warmen Tagen und kühlen Nächten ideale Bedingungen für die Obstbäume. Wie wir bald erfahren, landet der größte Teil der Früchte in Brennanlagen und wird zu Schnaps verarbeitet. In der familiengeführten Distillerie de Mélanie bekommen wir die Herstellung dieses Markenzeichens der Region von echten Fachleuten erklärt. Wir sind froh, mit Vivienne vom Office de Tourisme in Metz eine sympathische Dolmetscherin an der Seite zu haben – ohne sie wären wir wirklich aufgeschmissen, denn den komplexen technischen Abläufen hätten wir auf Französisch wohl nicht folgen können. Als wir ankommen, trifft gerade eine frische Lieferung Mirabellen auf dem Hof ein und die reifen Früchte wandern kurz darauf über ein klappriges Förderband ins Innere der Halle, wo sie zerhackt und dann für die Fermentierung in große Edelstahlbehälter gefüllt werden. Rund zweieinhalb Monate lagern sie darin, dann erst beginnt der eigentliche Brennvorgang, bei dem in zwei Durchgängen aus 1500 Kilo Mirabellen 250 Liter Schnaps gewonnen werden. Mehrfach werden bis hierhin die strengen Anforderungen überprüft, die erfüllt werden müssen, um das begehrte AOC-Label (kontrollierte Herkunftsbezeichnung) erhalten zu können. Ist alles in Ordnung, wandert der Brand in Eschenholzfässer und reift dort ein bis 15 Jahre. Aus den verschiedenen Fässern werden dann Blends zusammengestellt, die in drei unterschiedlichen Qualitäten in den Handel kommen. Besonders die höchste Qualitätsstufe begeistert uns bei der anschließenden Verkostung. Zehn bis 15 Jahre alt sind die Fässer, die hier zusammenkommen; die lange Lagerzeit gibt dem Obstbrand eine spannende Tiefe, die man bei so einem Produkt niemals erwarten würde. Der hofeigene Laden bietet alle Brände und noch unzählige weitere Mirabellenprodukte direkt zum Kauf an – wir schlagen natürlich zu! Distillerie de Mélanie // 2 rue des Vignerons, Marieulles-Vezon.

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    Und sonst so?

    Auch in Metz sind wir nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, sondern verlassen uns lieber auf unsere Füße. Allerdings macht es uns die Stadt auch sehr leicht, sie auf diese Weise zu erkunden. Die vielen unterschiedlichen architektonischen Einflüsse lassen die Wege nie langweilig werden und zudem grünt es an jeder Ecke. Wir verstehen, warum Metz als die „Stadt der Gärten“ bekannt ist und erfahren, dass sie sogar die fünftgrünste Stadt Frankreichs ist. Besonders schön sind die Wege entlang der Mosel, wo man kaum noch das Gefühl hat, in der Stadt zu sein. Hier ist es ruhig und entspannt, Schwäne ziehen ihre Kreise und im Sommer kann man entspannt mit den Booten rausfahren.

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    {Centre Pompidou-Metz}

    Noch hinter dem Bahnhof, mitten in einem von Baukränen durchbrochenen neu erschlossenen Teil der Stadt, steht seit 2010 die Dependance des berühmten Pariser Museums. Der futuristische Ausstellungsbau ist auch dann einen Besuch wert, wenn man sonst mit (moderner) Kunst nicht viel am Hut hat. Wie ein UFO liegt das teflonbeschichtete (was einem als Foodblogger eben so im Gedächtnis hängen bleibt …) Gebäude am Rand der Innenstadt und bringt Metz hoffentlich den erwünschten Bilbao-Effekt. Die Ausstellungen wechseln regelmäßig und man kann wie wir auch etwas Pech haben und eine besonders spannende Retrospektive um zwei Tage verpassen. Andererseits passt die stattdessen zu besichtigende und ebenfalls spannend konzipierte Kooperationsausstellung „Zwischen zwei Horizonten. Deutsche und französische Avantgarden aus dem Saarlandmuseum“ dafür perfekt zum Thema unserer Stadtführung und dem, was uns die letzten Tage beschäftigt hat. Centre Pompidou-Metz // 1 Parvis des Droits de l’Homme, Metz.

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    {Kathedrale Saint-Étienne}

    Ein nicht zu verpassendes und unübersehbares Highlight in Metz ist die Kathedrale Saint-Étienne. Wie es sich für eine Stadt gehört, die bereits seit 1700 Jahren Bischofssitz ist, handelt es sich um ein ziemlich eindrucksvolles Gebäude. Die von 1220 bis 1552 errichtete Kirche wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch einen Brand stark beschädigt, jedoch aufwendig restauriert und u.a. mit einem neuen Portal versehen. Als wir die Kirche betreten, beeindruckt uns zunächst die Größe – tatsächlich haben wir eine der größten Kathedralen Frankreichs vor uns. Dieser Eindruck verstärkt sich auch durch die hohe, schmale und lang gestreckte Bauweise – eine kleine optische Täuschung, durch die die Kathedrale noch höher wirken soll, als sie ohnehin schon ist. Obwohl wir nach unzähligen Kirchenbesuchen in den letzten Jahren von Kathedralen, Münster & Co. mittlerweile etwas übersättigt sind, wirkt Saint-Étienne doch irgendwie besonders atmosphärisch. Das liegt nicht zuletzt auch an den unzähligen bunten Fenstern mit aufwendigen Glasmalereien, die den Innenraum in ein angenehmes Licht tauchen und dem hinteren Teil der Kirche den Beinamen „la lanterne du Bon Dieu“ („die Laterne Gottes“) verleihen. Besuchen sollte man das imposante Bauwerk auf jeden Fall – nicht allein wegen der von Marc Chagall gestalteten Fenster. Kathedrale Saint-Étienne // Place d’Armes, Metz.

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    {Übernachtung}

    Wer seinen Aufenthalt in Metz mit etwas Luxus verbinden möchte, dem sei die Übernachtung im Hotel La Citadelle empfohlen. Das Vier-Sterne-Haus liegt zwischen Altstadt und Kaiserviertel hinter der Place de la République und damit in Laufnähe zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten. Historisch aufgeladen ist der Ort darüber hinaus, denn in unmittelbarer Umgebung zum Hotel lassen sich Überreste aus 2000 Jahren Stadtgeschichte – von Römern über Templern bis zu Napoleon – entdecken. Antiquiert ist im Hotel allerdings nichts, vielmehr regiert pompöser Charme mit vielen Rotelementen, weichen Teppichen und moderner Einrichtung. Der Service ist überaus freundlich und aufmerksam und auch die großzügige Suite lässt keine Wünsche offen. Sogar das Frühstück ist erwähnenswert und mit Abstand das umfangreichste und qualitativ hochwertigste, das uns auf unserer Reise begegnet ist. Viele unterschiedliche Brotsorten, hausgemachte Marmelade und Aufstriche, ein toller Käseteller und vieles mehr erwarten die Gäste. Doch das Frühstück hat auch einen hoteltypisch hohen Preis. La Citadelle // 5 Avenue Ney, Metz.

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    Hinweis: Mit diesem Beitrag nehmen wir am French City Award 2016 teil, der vom französischen Tourismusamt ausgerufen wurde. Herzlichen Dank an Atout France und das Office de Tourisme de Metz für die Einladung und Unterstützung. Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene.

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    Gebacken

    Guilty Pleasure Food: Kürbis-Pancakes mit Zimtbutter

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    Seit Wochen, ach was, Monaten spielen die Menschen in den sozialen Netzwerken verrückt. Sie drücken ihre Zugehörigkeit zu irgendwelchen Teams aus, teilen zum 72. Mal den gleichen Trailer und zählen aufgeregt die Tage bis zum 25. November. Es geht um die Gilmore Girls, natürlich, und die heiß ersehnte Fortsetzung auf Netflix (für alle, die noch nie von der Serie gehört haben, hier die Kurzfassung: Mutter-Tochter-Gespann, eine verschrobene Kleinstadt und jede Menge Kaffee). Ich bin zwar kein Die-hard-Fan (und von einigen Charakteren ziemlich genervt), doch irgendwie habe ich mich vom Fieber anstecken lassen und die letzten Monate damit verbracht, alle Folgen noch einmal anzuschauen. Vielleicht weil mich die Serie sieben Jahre jünger macht, denn ich verbinde sie ganz stark mit meinem letzten Jahr an der Uni. Sie hat mich durch die sechs Monate meiner Magisterarbeit begleitet, bot mir Erholung an, wenn ich sie brauchte (oder einfach keine Lust hatte), und belohnte mich am Abend, wenn ich genügend Text zu Papier gebracht hatte. Okay, eigentlich war die Serie für mich Prokrastination deluxe – ich entdeckte sie in einem schwachen Moment, zu dem ich eigentlich partout keine Zeit für sie hatte (und ja, die Magisterarbeit war erstaunlicherweise dennoch ganz passabel).

    Nun suchte ich mich also seit Wochen durch die alten Folgen und nehme Details wahr, für die ich in meiner Magisterphase wohl keinen Kopf hatte. Kürbis-Pfannkuchen zum Beispiel. Irgendwo in Staffel vier bekommt Lorelai von Diner-Besitzer Luke einen Stapel Pumpkin pancakes mit homemade cinnamon butter vorgesetzt. Das möchte ich auch und schlage sie dem Mann vor, der gleich Feuer und Flamme ist (von der Serie übrigens nicht – er zwingt mich, dies hier zu betonen). Und da die Pfannkuchen so gut und herbstlich schmecken, werden wir sie am Wochenende gleich noch einmal machen. Dabei schaue ich mir dann die neuen Gilmore-Girls-Folgen an und freue mich über mein kleines guilty pleasure auf dem Bildschirm und auf dem Teller.

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    Kürbis-Pancakes mit Zimtbutter (für 2-3 Personen):

    Für die Pancakes

    150 g Mehl
    1 1/2 TL Backpulver
    3 TL Zucker
    1/4 TL Salz
    1 1/2 TL Zimt
    1/2 TL Ingwer
    je eine ordentliche Prise Muskat, Nelken und Piment (alles gemahlen)
    1 großes Ei
    250 ml Buttermilch
    2 EL Butter, geschmolzen
    6 EL Kürbispüree
    etwas neutrales Pflanzenöl oder Butter zum Braten

    Für die Zimtbutter

    50 g Butter
    2 EL Ahornsirup
    1 1/2 TL Zimt

    Außerdem

    30 g Pecannüsse

    1. Mehl, Backpulver, Zucker, Salz und Gewürze in einer Schüssel vermischen. Ei, Buttermilch, geschmolzene Butter und Kürbispüree hinzufügen und alles verrühren – der Teig muss nicht ganz glatt sein, ein paar Klümpchen dürfen bei amerikanischen Pfannkuchen drinbleiben.

    2. Etwas Öl oder Butter in einer beschichtete Pfanne erhitzen und darin die Pancakes nacheinander in gewünschter Größe von beiden Seiten ausbacken. Auf einem Teller geben und zum Warmhalten abdecken, bis der gesamte Teig verbraucht ist.

    3. Für die Zimtbutter währenddessen die restliche Butter in einem kleinen Topf zum Schmelzen bringen. Ahornsirup und Zimt dazugeben und mit einem Schneebesen verrühren, sodass sich eine homogener Sirup bildet. Bis zum Essen warm halten und ggf. nochmals verrühren, damit sich alles wieder verbindet.

    4. Die Pecannüsse in einer Pfanne anrösten, dann grob hacken. Die Pancakes als Stapel servieren, mit so viel Zimtbutter wie man mag begießen und die Nüsse darüber verteilen.

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    Frankreich, Gegessen, Gereist, Getrunken, Nancy

    Kulinarisch durch Elsass & Lothringen #3: Nancy – Bergamotte, Mirabellen & Art nouveau

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    Wir verlassen Straßburg und das Elsass und machen uns auf in Richtung Westen. Je näher wir Nancy kommen, desto besser wird das Wetter – es scheint, als hätten wir die Regentage endlich hinter uns gelassen. Sonne und Nancy – das passt ohnehin viel besser zusammen. Denn wenn ich Nancy in nur zwei Farben beschreiben müsste, wären es Gold und Weiß. Strahlend blauer Himmel bietet da die beste Leinwand, lässt die pompösen weißen Bauten strahlen und die Sonne in den vielen Goldverzierungen rund um die Place Stanislas glitzern.

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    Nancy ist so anders. Nach Fachwerkhäusern und engen Kopfsteinpflastergässchen in Mulhouse und Straßburg, präsentiert sich die Hauptstadt der Herzöge Lothringens mondän und prunkvoll und versprüht ein fast schon südländisches Flair. Innerhalb kürzester Zeit schafft es die Stadt, uns zu begeistern, was nicht zuletzt am spannenden Architekturmix liegt. Begrüßt werden wir vom Prunk des 18. Jahrhunderts auf der Place Stanislas, auf der ein klassizistisches Ensemble thront, das einst zu Ehren Ludwigs XV. errichtet wurde. Heute erinnert der Platz an dessen Schwiegervater, den ehemaligen König von Polen und Herzog von Lothringen Stanislas. Palastartig erstreckt sich im Süden das riesige Rathaus, umrandet wird der Platz vom Musée des Beaux-Arts, der Oper, einem Hotel und zwei imposanten Brunnen. Hier blitzt und blendet es gülden an jedem Tor und jeder noch so kleinen Verzierung.

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    Der Triumphbogen am nördlichen Ende führt uns schließlich über die Place de la Carrière in die aus dem Mittelalter und der Renaissance stammenden Altstadt. Die Häuser werden schroffer, die Türen dafür umso schöner. Offenbar teilen die Einwohner_innen Nancys meine Vorliebe für türkise Eingänge und ich könnte nach zwei Tagen locker einen kleinen Fotoband veröffentlichen. Ebenso oft klickt die Kamera aufgrund der vielen Jugendstilfassaden, die uns immer wieder begegnen. Aber dazu später mehr, denn zunächst ruft ein Termin in einem der wohl schönsten Feinkostläden der Stadt.

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    Nancy kulinarisch

    {L’Épicerie du Goût}

    Um in die kulinarische Vielfalt von Nancy, Lorraine und der gesamten Region einzutauchen, sei jedem ein Besuch in der Épicerie du Goût empfohlen. Gleich hinter der Place Stanislas versteckt sich der kleine Feinkostladen. Hier ist es eng, die Regale sind bis unter die Decke gefüllt mit Köstlichkeiten und der Duft, der uns begrüßt, kündigt an, dass es gleich lecker wird. Mit etwas Glück trifft man im Laden auf Marie de Metz Noblat, eine der beiden Besitzerinnen, die mit so viel Leidenschaft, Enthusiasmus und Kenntnis von den Spezialitäten der Region erzählt, dass man am liebsten von allem im Geschäft etwas mit nach Hause nehmen möchte. Zu jedem ihrer Produkte kann sie eine Geschichte erzählen. So erfahren wir von der Erfindung der berühmten Bergamote de Nancy im Jahr 1852, als der Herzog von Lorraine die Bergamotte aus Italien eingeführt hatte und somit die Grundlage für eine der beliebtesten Spezialitäten Nancys legte. Hier finden wir auch all things mirabelle – immerhin stammt 70% der weltweiten Mirabellenproduktion aus der Gegend. Eine Flasche des lieblichen Mirabellenweins landet sofort in unserer Tasche, beim Mirabellenbrandy mit Vanille können wir uns gerade noch beherrschen. Marie (die außerdem Vorsitzende des lokalen Vereins der Bierfrauen ist) überzeugt uns, dass auch ein Mirabellenbier unbedingt mit nach München sollte. Dann gehen wir zum Käse über, denn Käsesommelier ist die Frau, deren Liebe für gutes Essen auf jeden sofort überschwappt, auch noch. Wir probieren den Munster-Géromé, einen relativ milden Kuhmilchkäse, aber auch Besonderheiten wie den mit Mirabellenbrandy gewaschenen Motte Lorraine Mirabelle. Völlig überwältigt, mit schweren Taschen und einem soliden Grundlagenwissen für die kommenden Tage ausgestattet, verlassen wir den Laden und würden alleine schon für den Besuch der Épicerie noch einmal nach Nancy kommen. L’Épicerie du Goût // 4 Place de Vaudemont, Nancy.

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    {Marché Central de Nancy}

    Wie fast alle etwas größeren französischen Städte kann auch Nancy mit einer sehr ansehnlichen Markthalle aufwarten (etwas, woran in Deutschland definitiv gearbeitet werden sollte). Gleich nach dem Eintritt überwältigt uns der Duft der frischen Mirabellen – immerhin reisen wir mitten in der Erntezeit durch Lothringen. Bergeweise stapeln sich die gelben Früchte an den über 60 Marktständen in der u-förmigen Halle und wechseln sich ab mit riesigen Kräuterbüscheln und Gemüsetürmen. Besonders angetan sind wir von den langen Käsetheken und erfahren endlich, was es mit den vielen unterschiedlichen Formen beim für die Gegend typischen Ziegenkäse auf sich hat: Jeder Produzent hat seine eigene Form, sodass die Kunden problemlos ihre Lieblingssorte in der Theke finden können. Schade nur, dass wir nicht genügend Zeit haben, uns durch die verschiedenen Sorten zu probieren und unseren persönlichen Favoriten zu küren. Aber das heben wir uns einfach fürs nächste Mal auf. Marché Central // Place Charles Trois, Nancy.

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    {L’Impromptu}

    Zur Markthalle gehören auch drei Restaurants, von denen uns das farbenfrohe L’Impromptu besonders ins Auge sticht. Auf einer großen Tafel können wir (zumindest soweit unsere Französischkenntnisse ausreichen) lesen, was die Küche heute aus dem Angebot der angrenzenden Stände zubereiten wird. Das Menü wechselt täglich; es gibt frische französische Bistroküche mit einem modernen Dreh zu fairen Preisen. Mein Salat wird problemlos vegetarisiert und ich bekomme einen bunten Teller mit Melone, Avocado, Erdbeeren und Pasta – alles herrlich aromatisch! Steffen ist ebenfalls glücklich mit seiner Zitronenhühnchen-Tajine mit Couscous und Gemüse und bestellt gleich noch ein Dessert hinterher, das sich einfach zu gut anhört: Das Ananas-Bananen-Gazpacho mit Kiwi ist nicht nur hübsch angerichtet, sondern auch ein leichter und erfrischender Nachtisch. L’Impromptu // Marché Central, Place Henri Mengin, Nancy.

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    {Aux Merveilleux de Fred}

    Eine Spezialität, die eigentlich aus dem Norden Frankreichs stammt, uns aber so verführerisch anlächelt, dass wir nicht umhinkommen, sie zu probieren, sind die Merveilleux. Dabei handelt es sich um kleine, hauchzarte Bällchen, die es kalorientechnisch aber faustdick hinter den Ohren haben. Wir beschließen deshalb, uns ein kleines Kügelchen zu teilen. Dass die Mischung aus Baiser, Pralinensahne, Mandelsplitter und karamellisierten Haselnüssen schmeckt, ist eigentlich nicht anders zu erwarten. Fast ebenso hübsch wie die Spezialität selbst, ist die niedliche Einzelverpackung, die samt Inhalt vorsichtig ins Hotel getragen wird. Aux Merveilleux de Fred // 25 Rue Saint-Dizier, Nancy.

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    {Les Frères Marchand}

    Ein Restaurant, das uns sofort neugierig macht, ist das der Frères Marchand. Ursprünglich hatte die Familie nur einen Käsehandel betrieben, der aber wohl so gut lief, dass man nun auch in der Gastronomie sein Glück versucht. Wir können dank der sommerlichen Temperaturen draußen sitzen und haben so einen perfekten Blick auf die Außenfassade des Renaissance-Palasts der Ducs de Lorraine, von dessen Dach uns etwas gruselige Wasserspeier bei der Lektüre der Speisekarte beobachten. Erfreulicherweise ist die Auswahl für Vegetarier_innen für französische Verhältnisse richtig groß und sogar ein vegetarisches Mittagsmenü findet sich auf der ziemlich umfangreichen Karte. Ich entscheide mich für einen Salat mit getrockneten Tomaten und Ziegenkäse-Pesto-Croutons, Steffen bekommt das Tagesgericht – ein Rindersteak mit Bratkartoffeln und Rotweinzwiebeln. Beides schmeckt hervorragend und ist so portioniert, dass noch Platz für einen Nachtisch bleibt. Jetzt fällt die Entscheidung richtig schwer, denn die käseverrückten Brüder sind offensichtlich ebensolche Dessertliebhaber wie wir. Süße Flammkuchen? Profiteroles? Einen Eisbecher mit Bergamotte-Bonbons? Am Ende teilen wir uns gleich zwei Desserts. Die regionale Spezialität Fontainebleau, ein mit Sahne aufgeschlagener Frischkäse, der mit Salzkaramell übergossen wurde, ist vielleicht etwas mächtig für die Mittagszeit, aber auch wirklich gut. Auch die Crème brûlée mit Bergamotte hält, was sie verspricht, und so rollen wir glücklich weiter in Richtung Altstadt, die nur wenige Schritte hinter dem Restaurant beginnt. Les Frères Marchand // 99 Grande Rue, Nancy.

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    {Les Pissenlits}

    Oberhalb der Markthalle schließt sich ein großer Platz an, auf dem sowie in der angrenzenden Straße man viele kleine Restaurants findet, die eine große Bandbreite an kulinarischen Themen abdecken. Wir entscheiden uns für einen Abend im Les Pissenlits – dem Löwenzahn –, um noch tiefer in die kulinarische Tradition Lothringens einzutauchen. Im Inneren zeigt sich das Restaurant ganz im Stil des Art nouveau mit Holzkunstwerken und Buntglasdecke und wirkt aufgrund der sparsamen Einrichtung und Granittische zunächst etwas kühl. Der überaus freundliche Service und ein Crémant mit Crème de Mirabelle wärmen uns jedoch schnell auf. Die Zutaten auf der Karte verfolgen einen regionalen Ansatz, ohne dabei allzu dogmatisch sein zu wollen. Vegetarische Gerichte sind zwar rar, aber der Fromage Blanc klingt durchaus ansprechend und entpuppt sich ein wenig später als riesige Schüssel Frischkäsequark mit ebenso großzügig bemessenen Portionen Kartoffeln, Zwiebeln, Kräutern und Bohnen. Alles sehr frisch und lecker, doch wie ich die ebenfalls gebrachte Schüssel Crème fraîche noch hätte einsetzen sollen, weiß ich bis heute nicht so recht. Steffen bekommt Ente in Orangensoße, die zwar etwas zarter sein könnte, aber toll abgeschmeckt ist. Zum Abschluss des Abends nutzen wir die Saison aus und teilen uns ein Mirabellensorbet auf flambierten Mirabellen. Jedes Dessert an diesem Abend wird mit einem Tellerchen Baiser serviert, das sich über unseren Mirabellen zerbröselt ganz wunderbar macht. Die tollen Nachtische, denen wir auf unserer Frankreichreise begegnen, wirken sich so langsam auf unsere Hosen aus. Les Pissenlits // 27 Rue des Ponts, Nancy.

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    {Brasserie l’Excelsior}

    Auch am kommenden Abend tauchen wir ein in vergangene Zeiten und sind sofort hin und weg vom Geist der Belle Époque, der durch die Brasserie l’Excelsior weht. Das Jugendstilambiente ist wunderschön, die Räumlichkeiten beeindruckend, doch Vegetarier_innen stellt das Restaurant vor eine Herausforderung. Kein einziges fleisch- und fischfreies Gericht findet sich auf der eigentlich recht umfangreichen Karte, ein vegetarischer Hauptgang sei aber kein Problem, versichert der Service. Letztendlich erhalte ich eine wenig inspirierte Ansammlung sämtlicher Beilagen, leider ohne jegliche Sauce, teils verkocht und wenig bis gar nicht abgeschmeckt. Steffen hat mit seinem Lachs auf Gemüserisotto deutlich mehr Glück und ich kann ihm ein paar Löffel der wirklich guten Honig-Senf-Sauce für mein Gemüse abschwatzen. Herkommen sollte man aber vor allem für das Dessert, das die Enttäuschung über den Hauptgang fast wieder wettmacht. Das Millefeuille mit Chiboust-Crème und Salzkaramell ist nicht nur optisch ein Highlight und die Dessertkomposition „Le tout Nancy“ vereint tatsächlich sämtliche Spezialitäten der Stadt auf einem Teller: Die typischen Macarons de Nancy werden auf einer Bergamotte-Eistorte zusammen mit Mirabellen-Coulis serviert. Fantastique! Brasserie l’Excelsior // 50 Rue Henri Poincaré, Nancy.

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    Und sonst so?

    Nancy ist gut überschaubar, sodass sich die meisten Sehenswürdigkeiten (abgesehen von einigen Jugendstilgebäuden) ohne Probleme zu Fuß erreichen lassen. Es fällt leicht, sich durch die verwinkelten Straßen treiben zu lassen – wer dabei noch ein paar Infos zur Stadt ins Ohr geflüstert bekommen möchte, leiht sich am besten einen der beiden Audioguides (zum historischen Zentrum oder zum Art nouveau) in der Touristeninformation und nimmt sich dazu noch einen kostenlosen Stadtplan mit, auf dem alle Jugendstilgebäude eingezeichnet sind. So verpasst man garantiert keine Fassade (was ja auch wirklich schade wäre).

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    {École de Nancy}

    Ich gebe es zu, ich bin ein kleiner Jugendstiljunkie. Als ich davon las, dass Nancy zu Beginn des 20. Jahrhunderts Zentrum des französischen Art nouveau war und überall in der Stadt noch heute zahlreiche vom Jugendstil beeinflusste Bauwerke zu finden sind, habe ich mich umso mehr auf unseren Besuch gefreut. Und es stimmt, viele Häuserfassaden, Schriftzüge, Buntglasfenster, Glaskuppeln, Möbel und Mosaikböden belegen bis heute den hohen Stellenwert, den die Kunst des Art nouveau und der École de Nancy – ein Zusammenschluss bedeutender Jugendstilkünstler um Émile Gallé – in Nancy einnahm. Neben einem Audioguide zum Thema, kann man sich im Office de Tourisme auch für eine der regelmäßig stattfindenden Führungen anmelden, bei denen man nicht nur die relevanten Orte im Innenstadtbereich abläuft, sondern auch viele Infos zur Geschichte der Stadt und zum Kunststil selbst erhält. Wem das zu viel Verpflichtung ist, sollte zumindest den bereits erwähnten Stadtplan mitnehmen und einen der vier Spaziergänge unternehmen. Besonders beeindruckt sind wir vom Bankhaus des Crédit Lyonnais in der Rue St-Georges und seinem bunt verzierten Glasdach von Jacques Gruber.

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    Wer – wie wir – noch etwas tiefer in die kunstgeschichtliche Vergangenheit Nancys eintauchen möchte, sollte das Stadtzentrum hinter sich lassen und sich das malerische Viertel Parc Sainte-Marie etwas näher anschauen. Hier befinden sich nicht nur wunderschöne Jugendstilvillen mit opulentem Blumendekor und filigranen Fensterverzierungen, sondern auch das Musée de l’Ecole de Nancy, das im ehemaligen Wohnhaus des Mäzens Eugène Corbin untergebracht ist und eine beeindruckende Sammlung von Kunstwerken des Art nouveau beheimatet. Hier führt Corbin selbst durch seine Sammlung – zumindest in Form eines wirklich gut gemachten Audioguides. Musée de l’École de Nancy // 38 Rue Sergent Blandan, Nancy.

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    {Musée des Beaux-Arts de Nancy}

    Obwohl wir durch die vielen Stationen zum Jugendstil bereits die volle Dröhnung Kunstgeschichte abbekommen haben, sind wir froh, auch dem Museum der schönen Künste einen Besuch abstatten zu können. Ganz früh am Morgen sind wir mit die Ersten, die das am Place Stanislas gelegene Gebäude betreten dürfen und haben so für die Zeit unseres Besuchs fast ein EmptyMuseum für uns. Die Sammlung deckt Gemälde, Skulpturen und Grafiken vom 14. bis zum 21. Jahrhundert ab, doch besonders viel Zeit verbringen wir in der untersten Etage des Museums, die sich vor allem der zeitgenössischen Kunst widmet. Insbesondere die Installation „Fireflies on the Water“ von Yayoi Kusama mit ihren Spiegelflächen und dem schier unendlich wirkenden Lichtermeer strahlt eine schwer zu beschreibende Faszination aus. Schön auch, dass das Museum viele Sitzmöglichkeiten bietet und das Fotografieren erlaubt ist. Leider ist der deutsche und englische Audioguide etwas mager und funktioniert nur bei einer kleinen Auswahl der Objekte. Musée des Beaux-Arts de Nancy // 3 Place Stanislas, Nancy.

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    {Rendez-vous Place Stanislas}

    Multimedia-Spektakel scheinen in Frankreich gerade en vogue zu sein, denn nach Straßburg kommen wir auch in Nancy in den Genuss angestrahlter Gebäude. Projektionsfläche sind die Gebäudefassaden auf der Place Stanislas, die uns nach Einbruch der Dunkelheit fast vollständig mit der Geschichte des namensgebenden polnischen Regenten umgeben. Da sich dessen Todestag 2016 zum 250. Mal jährt, widmet sich die farbenfrohe Lichtshow seiner Lebensgeschichte und seiner Rolle für Nancy. Während sich Straßburgs angestrahltes Münster etwas düsterer und geheimnisvoller gab, prasselt hier auf dem ohnehin schon schimmernden Platz das volle Spektrum des Regenbogens auf uns ein. Wir wissen gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollen, so erstaunt sind wir über das, was den Besucher_innen dort bis Mitte September jeden Abend geboten wird.

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    {Übernachtung}

    Untergebracht sind wir diesmal in einem ganz besonderen Gebäude. Das Hôtel des Prélats befindet sich gleich neben der Kathedrale im ehemaligen Bischofspalast aus dem 17. Jahrhundert und versprüht einen entsprechend mondänen Charme. Die Zimmer sind mit Himmelbetten und Antiquitäten eingerichtet, doch gleichzeitig hell und modern. Wer nicht die Zeit mitbringt, um jeden Morgen zu baden, sollte gleich nach einem Zimmer mit Dusche fragen, denn wir sind kurz irritiert, als wir nur eine Badewanne (ohne Duschvorhang) in unserem Bad vorfinden. Doch wir haben Glück und dürfen noch einmal umziehen – in eines der schönsten und größten Zimmer mit offenem Bad (und Dusche!), das direkt an die Wand der Kathedrale anschließt. Das Hotel erweist sich als idealer Ausgangspunkt, denn in nur wenigen Minuten ist man an der Place Stanislas und somit mitten im Geschehen. Hôtel des Prélats // 56, Platz Mgr Ruch, Nancy.

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    Hinweis: Mit diesem Beitrag nehmen wir am French City Award 2016 teil, der vom französischen Tourismusamt ausgerufen wurde. Herzlichen Dank an Atout France und Nancy Tourisme für die Einladung und Unterstützung. Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene.

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    Gebacken

    Ein Scheibchen vom Herbst: Süßkartoffel-Kokos-Gratin aus der Pfanne

    Suesskartoffel-Kokos-Gratin aus der Pfanne. Rezept von feedmeupbeforeyougogo Manchmal bin ich ein Pinterest-Opfer und lasse mich zu sehr von Äußerlichkeiten einlullen. Von einer Peppermint White Chocolate Tart mit Hazelnut Crust und Candied Mint Leaves zum Beispiel. Sie wird gleich neben die violetten veganen, gedämpften Kartoffel-Chia-Buns und die puffige Weihnachts-Pavlova mit roten Beeren gepinnt, die ich niemals machen werde, weil mir allein schon vom Anschauen der filigranen Schönheiten schwindelig wird (und ich ahne, dass die Pavlova nur ein paar Sekunden fürs Foto hübsch aussehen und zwei Minuten später durchgesuppt sein wird). Doch hin und wieder lasse ich mich in die Irre führen und glaube für eine Millisekunde, dass ich auch so hübsches Essen hervorbringen könnte. Die Ernüchterung folgt meist in Form eines klassischen Pinterest-Fails.

    So auch beim Sweet Potato Roast, der auf meiner Pinnwand ganz wunderbar aussieht, in meiner Pfanne dann aber kläglich versagt – unterschiedlich große Kartoffelscheiben, ungleichmäßig geschnitten und vor allem: viel zu wenig! Mit Mühe und Tricksen kommt gerade einmal ein äußerer Ring mit Süßkartoffelscheiben zusammen. Schön geht anders, das Fotografieren wird verworfen, die Pfanne natürlich trotzdem in den Ofen geschoben. Ich halte mich weiterhin grob ans Rezept, variiere ein bisschen, gebe Kokosmilch, etwas Schärfe und frische Kräuter hinzu. Was mich kurz darauf auf dem Teller erwartet, schmeckt dermaßen gut, cremig-weich, leicht süßlich, scharf und nussig, dass ich beschließe, das nun öfter essen zu wollen. Zwei Tage später stehe ich also wieder vor der Pfanne, hoble Süßkartoffeln (diesmal habe ich genug gekauft) und sortiere die Scheiben fein säuberlich nach Größen. Klingt etwas nervig? Ist es! Aber Geschmack UND Optik entschädigen diesmal gleichermaßen.

    Suesskartoffel-Kokos-Gratin aus der Pfanne. Rezept von feedmeupbeforeyougogo

    Süßkartoffel-Kokos-Gratin aus der Pfanne (als Beilage für 4 Personen):

    2 EL Butter
    2 EL Kokosöl
    1 kg Süßkartoffeln (möglichst gleich große Kartoffeln)
    125 ml Kokosmilch
    2-3 EL Schmand
    1 Handvoll Koriandergrün
    Piment d’Espelette, Salz, Pfeffer

    1. Den Ofen auf 190°C vorheizen. Die Butter mit dem Kokosöl und etwas Salz in einem kleinen Topf erwärmen und zum Schmelzen bringen. Etwa ein Viertel des geschmolzenen Öls in eine kleine ofenfeste Pfanne oder eine runde Auflaufform (etwa 20 cm ∅) geben und sie damit einölen.

    2. Die Süßkartoffeln schälen und in dünne, gleichmäßige Scheiben hobeln. Die Kartoffelscheiben einigermaßen nach Größen sortieren – aus den größeren Scheiben einen äußeren Ring in die Pfanne setzen, aus den kleineren Scheiben einen inneren Ring. Die Kartoffeln mit dem restlichen Öl übergießen, salzen und pfeffern. Die Pfanne auf die mittlere Schiene des Ofens stellen und alles etwa 40-50 Minuten im Ofen backen.

    3. Kurz vor Ende der Backzeit die Kokosmilch mit dem Schmand in einen Topf geben, gut verrühren und leicht erwärmen. Dann alles mit etwas Piment d’Espelette, Salz und Pfeffer abschmecken. Das Koriandergrün waschen, trocken schütteln und grob hacken. Die Pfanne mit den fertig gebackenen Kartoffeln aus dem Ofen holen, kurz etwas abkühlen lassen, dann mit Kokos-Schmand übergießen und mit Koriander bestreut servieren. Dazu passt zum Beispiel ein herbstlicher Salat.

    Suesskartoffel-Kokos-Gratin aus der Pfanne. Rezept von feedmeupbeforeyougogo

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    Frankreich, Gegessen, Gekauft, Gereist, Getrunken, Straßburg

    Kulinarisch durch Elsass & Lothringen #2: Straßburg – Bredele, Käsekoma & Lichtspektakel

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    Ich sehe rot. Genauer gesagt einen roten Koffer und einen roten Mantel. Sie wohnen bereits in unserem Hotelzimmer, als wir es beziehen. Wer sie da vergessen hat, ist schnell herausgefunden: Die Dame, die aussieht, als sei sie einem Tarantino-Film entsprungen und gleich zwei Wände unseres Hotelzimmers ziert. Zu verdanken haben wir sie der Fotografin Estelle Hoffert, die eines der 38 Zimmer des Graffalgar Hotels designt hat. Das kleine Hotel im Bahnhofsviertel überrascht uns zudem mit einem großen Zimmer, einfacher, aber moderner Einrichtung und Liebe zu nerdigen Details. Wir fühlen uns sofort wohl und sind fast ein bisschen traurig, dass wir nur eine Nacht hier verbringen werden.

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    Die zweite Station unserer kleinen Tour de France führt uns nach Straßburg. Raus aus dem Hotel, rein in die Stadt, wir haben nicht viel Zeit und wollen so viel wie möglich von der hübschen elsässischen Stadt mitbekommen. Wir finden uns schnell zurecht, denn unser letzter Besuch liegt nur ein paar Monate zurück. Insbesondere freuen wir uns darauf, einige Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Bars zu besuchen, die wir beim letzten Mal nicht geschafft haben. Gerade die vielen gastronomischen Highlights sind uns noch in guter Erinnerung und wir ahnen schon jetzt, dass wir Straßburg mit Taschen voller Gebäck, Macarons, Käse und anderer Spezialitäten verlassen werden. Wir starten also mit einer kulinarischen (Shopping-)Tour durch die Stadt.

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    Straßburg kulinarisch

    {Au Pain de Mon Grand-Père}

    Unser erster Stopp ist ein absolutes Muss, denn der Geschmack des Feigen- und Dattel-Mandel-Brots ist uns noch in bester Erinnerung. Schon beim letzten Mal sind wir in der kleinen Bäckerei am Rande der Altstadt in Shoppingrausch verfallen und haben uns mit dem hervorragenden Bio-Gebäck von Au pain de mon Grand-Père eingedeckt. Das Oliven-Fougasse ist noch immer bombastisch gut, so wie eigentlich alles, was wir hier bisher probiert haben. Nach wie vor eine absolute Empfehlung! Au pain de mon Grand-Père // 58 Rue de la Krutenau, Straßburg.

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    {Maison Lorho}

    Wir tasten uns vor ins Herz der Altstadt, genauer gesagt in die Rue des Orfèvres, die für Genussmenschen ein kleines Feinkostparadies offenbart. Hier reihen sich Patisserien, Bäckereien, Weinhandlungen und andere Spezialitätenläden aneinander und verführen mit all jenen Delikatessen, für die Frankreich so berühmt ist. Dazu zählt auch ein kleiner Laden, der sich schon ein paar Meter zuvor durch seinen strengen Geruch ankündigt. Hinter den Türen der Maison Lorho versteckt sich ein kleines Käseparadies. Hübsch aufgereiht und nach Regionen und Milcharten geordnet, stapeln sich in der ganzen Fromagerie Käsesorten, von denen wir noch nie gehört haben. Aufgrund der langen Schlange von Käsehungrigen, die bis auf die Straße warten, fällt die Beratung leider knapp aus und wir müssen uns auf unsere Nasen verlassen. Ein kräftiger Comté und ein grandioser Ziegenkäse mit Piment d’Espelette dürfen mit und bescheren uns zusammen mit dem zuvor gekauften Brot einen leckeren Snack für die Weiterfahrt. Maison Lorho // 3, Rue des Orfèvres, Straßburg.

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    {Maison Alsacienne de Biscuiterie}

    Auch wenn der Beginn der Weihnachtszeit noch einige Wochen entfernt liegt, spüren wir in Straßburg an vielen Ecken den hohen Stellenwert, den die Adventszeit hier einnimmt. Neben Geschäften, die das ganze Jahr nichts anderes als Christbaumschmuck verkaufen, bieten viele Bäckereien und Patisserien auch außerhalb der Saison die berühmten elsässischen Bredele an – Weihnachtsplätzchen in allen Formen und Farben. Besonders leckere probieren wir in der Maison Alsacienne de Biscuiterie, die im Elsass gleich mehrere Filialen hat – Geranien-Mandel-Plätzchen, Pistazien-Makronen und Anisbredele schmecken definitiv auch bei Sonnenschein! Auch das wohl bekannteste Elsässer Gebäck wird hier frisch gebacken und in verschiedenen Varianten angeboten: der Kougelhopf. Wir entscheiden uns aber für den nur hier erhältlichen Langhopf, einer Art Gourmet-Brioche mit Walnüssen, Haselnüssen, Mandeln, Rumrosinen und Gewürzen, der auch noch frisch und saftig ist, als wir einige Tage später in München ankommen. Maison Alsacienne de Biscuiterie // u.a. 16 rue du Dôme, Straßburg.

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    {Pain d’Epices Mireille Oster}

    Wenn man ohnehin schon dabei ist, elsässische Spezialitäten für zu Hause oder zum Verschenken einzukaufen, sollte man Mireille Oster und ihrer kleinen Boutique einen Besuch abstatten. Der ganze Laden duftet herrlich nach Gewürzen, denn hier hat man sich ganz und gar auf Pain d’Epices spezialisiert. In den Regalen stapeln sich unterschiedlichste Sorten des Gewürzbrots, einer Art Deluxe-Lebkuchen, die hier nicht nur zu Weihnachten gegessen wird. Ganz besonders hat es uns die Variante mit Ingwer und Zitrone angetan, sodass ein sehr kleines Tütchen für ein nicht ganz so kleines Vermögen in unserer Tasche landet. Pain d’Epices Mireille Oster // 14 Rue des Dentelles, Straßburg.

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    {Thierry Mulhaupt}

    Straßburg ohne Macarons zu verlassen, wäre in Anbetracht der Dichte an hervorragenden Patisserien undenkbar. Für die Salzkaramell-Macarons von Maison Naegel, in die wir uns beim letzten Mal verliebt haben, sind wir morgens zu früh dran und müssen auf die Patisserie Thierry Mulhaupt ausweichen, deren kleine bunte Kunstwerke in fast jedem Reiseführer empfohlen werden. Die leckeren Zitrone-Basilikum-, Johannisbeer-, Himbeer- und Piña Colada-Macarons werden uns die Autofahrt nach Nancy versüßen, doch ein bisschen wundern wir uns schon über die gigantische Macaronpyramide im Schaufenster und fragen uns, wer um Himmels willen 100 Macarons für 197€ kaufen würde. Thierry Mulhaupt // u.a. 18, Rue du Vieux Marché aux Poissons, Straßburg.

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    {Strasbourg Bière Import & Village de la Bière}

    Um ein weiteres Stück Elsass mit nach Hause zu nehmen, steuern wir die beiden Bierboutiquen Strasbourg Bière Import und Village de la Bière an und hoffen, dort auf ausgefallene regionale Bierspezialitäten zu treffen. Unsere Hoffnung wird erfüllt, denn die kleinen Läden widmen elsässischen und französischen Craft-Beer-Erzeugnissen gleich mehrere Regale. Mit nach München dürfen u.a. ein Matten Highway to Ale und ein Sainte Crucienne Apocalypse now (besonders Letzteres trifft genau unseren Geschmack). Strasbourg Bière Import // 3 Rue de la Division Leclerc & Village de la Bière // 22, rue des Frères, Straßburg.

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    {Au Brasseur}

    Biershopping macht durstig, deshalb gehen wir zum praktischen Teil über und finden hinter der Kathedrale eine nette Brasserie mit eigener Brauerei. Um einen guten Überblick über die hausgebrauten Biere zu bekommen, bestellen wir das Degustationsbrett mit vier verschiedenen Sorten: Blanche de l’Ill, Blonde des Bateliers, Ambrée St Guillaume und ein dunkles Brune du Quai. Die vielen Biercocktails auf der Karte klingen auch verlockend und die Speisen, mit denen die Nachbartische versorgt werden, sehen super aus. Besonders die Flammkuchen-Happy-Hour lacht uns an. Da uns jedoch gleich ein besonderes Abendessen erwartet, auf das wir uns schon seit Tagen freuen, müssen wir passen und merken uns Au Brasseur einfach für unseren nächsten Besuch in Straßburg. Au Brasseur // 22, rue des Veaux, Straßburg.

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    {La Cloche à Fromage}

    Die größte Käseglocke der Welt. 200 verschiedene Käsesorten. Ein Affineur, der sich auf die Veredelung von Rohmilchkäse spezialisiert hat. Braucht es noch mehr Gründe, in die Cloche à Fromage zu gehen? Für uns nicht! Bereits bei unserem ersten Besuch in Straßburg liebäugelten wir mit René Tourettes Restaurant und Käseladen und freuen uns, dass sich an diesem Abend alles um das Thema Käse drehen wird. Dennoch stellt uns die Karte vor eine Herausforderung, denn sie ist erstaunlich umfangreich und fast alles klingt nach unserem Geschmack. Um möglichst viele verschiedene Käsesorten kennenzulernen, entscheide ich mich für einen Degustationsteller mit elf Sorten Schafs- und Ziegenkäse. Mild, cremig, bröckelig hart, fast brennend kräftig im Geschmack – auf meinem Teller beginnt eine Entdeckungsreise durch die Welt des französischen Käses. Ich bin im Käsehimmel! Ausgewählt wurden die Sorten vom fachkundigen Personal, das jeden Teller nach persönlichen Vorlieben zusammenstellt – keiner gleicht dem anderen. Der äußerst aufmerksame und freundliche Service erklärt ausführlich die Spezialitäten, die sich mir präsentieren und sagt mir, ich solle ihn rufen, wenn ich beim letzten Stück Käse angelangt sei, denn er hätte noch etwas Besonderes für mich. Steffens Wahl fällt dagegen schnell – Raclette mit Morbier soll es sein. Kurz darauf wird ein riesiger halber Laib Morbier an unseren Tisch gebracht und in eine Raclettevorrichtung gespannt. Und tatsächlich bringt der cremige Aschekäse das beste Raclette hervor, das wir je probiert haben. Ich bin in der Zwischenzeit bei meinem letzten Stück Käse angekommen und rufe nach dem Käsemeister, der mir als „Dessert“ einen weißen süßen Sherry bringt, der nicht besser mit dem supercremigen, kräftigen Blauschimmelkäse harmonieren könnte. Was ein köstlicher Abschluss! La Cloche à Fromage // 27 Rue des Tonneliers, Straßburg.

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    {What the Fox}

    What does the fox drink? Irgendwie schaffen wir es trotz Käsekoma, uns aufzuraffen und uns in die Bar mit dem weißen Fuchs zu begeben, die sich auf Bier und Cocktails spezialisiert hat. Vermutlich sind wir die Ältesten hier – das Publikum in der jungen, hippen Bar ist ebenso jung, doch die Atmosphäre ist nett und entspannt, und außerdem leuchtet mein Cucumber Collins, der im Übrigen auch sehr gut schmeckt. Der Mann schlürft an einem cremigen White Fox mit Whisky, Crème de Cacao White, Cookie-Sirup und Sahne – lecker, aber nach dem ausladenen Käsedinner vielleicht doch etwas zu üppig. What the Fox // 13 rue de la Douane, Straßburg.

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    Und sonst so?

    {Barrage Vauban}

    Diesmal haben wir etwas Zeit, um die Aussicht von den Terrassen der Barrage Vauban zu genießen. Der Damm war einst Teil der Befestigungen Straßburgs und sollte im Notfall helfen, das Umland zu überfluten. 1870 wurde das Bauwerk übrigens wirklich dafür eingesetzt, sehr zum Pech der Bewohner_innen des Vorortes Neudorf, der danach ebenfalls unter Wasser stand. Aber da die Preußen vor den Toren standen, hielt man das wohl für das kleinere Übel. Heute hat man vom Damm aus einen tollen Ausblick auf die Stadt, besonders auf das Viertel Petite France und die drei Brückentürme der Ponts Couverts. Von dort aus kann man auch den Ausflugsschiffen auf der Ill zuschauen, die im Schatten der 120 Meter langen Mauer wenden.

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    {La Petite France}

    Von der Barrage Vauban aus lässt es sich anschließend durch das benachbarte Viertel La Petite France schlendern, in dem früher Fischer, Müller und Gerber zu Hause waren, was auch heute noch an vielen Verzierungen der Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu erkennen ist. Das einst raue und gefährliche Viertel versprüht heute mit seinen Kanälen, Staumauern und kleinen Gassen einen romantischen Charme, der viele Tourist_innen anlockt. Dennoch kann man hier immer wieder ruhige Ecken und eine Vielzahl an Restaurants und Cafés finden. Der Kaffee im Suspenders Coffeeshop schmeckt immer noch hervorragend und gibt uns den nötigen Antrieb, um nach dem Altstadtbummel noch ein Museum zu besuchen.

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    {Musée des Beaux-Arts}

    Auf Städtereisen versuchen wir immer, in der jeweiligen Stadt mindestens einen Museumsbesuch unterzubringen. Straßburg bietet dafür gleich eine Fülle an spannenden Museen. Diesmal lacht uns das Musée des Beaux-Arts an, das sich gleich neben dem Musée des Arts Décoratifs im prächtigen Palais Rohan, dem ehemaligen Stadtpalais der Fürstbischöfe, befindet. Wer nicht nur auf moderne Kunst steht und auch mit europäischer Malerei bis ca. 1870 etwas anfangen kann, wird hier locker ein bis zwei interessante Stunden verbringen können. In dem an sich schon sehr sehenswerten Gebäude werden die Kunstwerke wirklich toll in Szene gesetzt. Mit dem in der Touristeninformation erhältlichen Strasbourg-Pass bekommt man übrigens für 18,90 € den Eintritt in ein Museum seiner Wahl (sowie 50% Rabatt in einem weiteren), den Aufstieg auf die Kathedrale Notre-Dame, eine Bootsfahrt und einige weitere Vergünstigungen. Das Ticket ist drei Tage gültig und lohnt sich, wenn man mehrere Tage in der Stadt ist.

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    {Straßburger Münster}

    Eine der Hauptattraktionen der Stadt ist nicht zu übersehen: Das imposante Straßburger Münster (oder auch Kathedrale Notre-Dame) reicht 142 Meter in die Höhe, dessen Aussichtsplattform über 332 Stufen erklommen werden kann. Da wir den tollen Ausblick, der sich einem von dort bietet, bereits bei unserem letzten Besuch bewundern konnten, haben wir uns die Kirche diesmal aus einem etwas ungewöhnlicheren Blickwinkel angeschaut. Denn zwischen Juli und Mitte September dient die Seitenwand des Münsters als Leinwand für die imposante Lichtshow „La lumière intemporelle“. Erwartet hatten wir um ehrlich zu sein nur ein paar bunte Scheinwerfer, umso begeisterter sind wir von dem, was vor unseren Augen an die Kirchenwand projiziert wird. Über mehrere Beamer und viele Lautsprecher entfaltet sich über die gesamte Länge der Kirche eine richtige Geschichte, die vom Bau des Gebäudes und der Entstehung der Welt erzählt. Wer im Sommer in der Stadt ist, sollte sich das täglich stattfindende, kostenfreie Spektakel also nicht entgehen lassen.

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    Wer zum ersten Mal nach Straßburg kommt, sollte hier auf jeden Fall mehr als eine Nacht einplanen. Am besten erschließt sich einem die Stadt bei einem etwa drei- bis viertägigen Besuch. Selbst nach unserem zweiten Aufenthalt bleiben immer noch ein paar spannende Museen unbesucht und bis nach Krutenau haben wir es auch diesmal nicht geschafft. Also muss es wohl ein dritter Anlauf richten. Dann aber in der Vorweihnachtszeit, denn im Dezember soll sich die Stadt noch einmal von einer ganz anderen Seite präsentieren. Und wir möchten natürlich wissen, welche Lebkuchensorten die Bäckereien noch für uns bereithalten. 

    Hinweis: Mit diesem Beitrag nehmen wir am French City Award 2016 teil, der vom französischen Tourismusamt ausgerufen wurde. Herzlichen Dank an Atout France und Strasbourg Tourisme für die Einladung und Unterstützung. Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene.

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    Belgrad, Gegessen, Gelesen, Gereist, Geteilt, Serbien

    Was bisher geschah: Oktober 2016 – Weinwanderungen, Fleischkoma & baskische Pintxos

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    Öfter mal was Neues. Nach fast fünf Jahren Feed me up before you go-go (ja, nicht nur wir werden langsam alt, sondern auch der Blog), ist das vielleicht auch höchste Zeit. Rückblickend auf die letzten Wochen, Monate und vielleicht sogar Jahre müssen wir uns eingestehen, dass wir nicht so oft zum Bloggen kommen, wie wir es gerne würden. Berufliche Verpflichtungen, Freizeitstress, Offlineleben und so – ihr kennt das. Das ist ein bisschen schade, denn eigentlich hätten wir genügend Ideen, stolpern über viele schöne Dinge und erleben interessante Begegnungen, über die wir gerne berichten würden, die es dann aber aus Zeitgründen doch nicht auf den Blog schaffen. Deshalb haben wir uns überlegt, in einem monatlichen Rückblick ein paar dieser Sachen zu sammeln und mit euch zu teilen. Das kann ein Restaurant sein, das wir entdeckt haben, neue Kochbuchzugänge, die den Stapel im Wohnzimmer zum Wackeln bringen (im Regal findet sich schon längst kein Platz mehr) und andere lesenswerte Beiträge, spannende Events, Städte oder Länder, die wir besucht haben, oder auch mal ein Rezept-Quickie (wenn es abends mal wieder zu dunkel für ein richtiges Fotoshooting war, uns das Gericht aber dennoch begeistert hat). Mal kurz, mal in etwas ausführlicher Form. Ihr merkt – so ganz wissen wir selbst noch nicht, wohin das alles führen soll. Ob wir das jeden Monat durchhalten? Keine Ahnung! Ob euch das überhaupt interessiert? Das müsst ihr uns sagen! Wir nennen es vorerst mal ein „Experiment“ und freuen uns über euer Feedback und eure Anregungen.

    Unterwegs

    Südtirol

    Anfang des Monats haben wir ein weinlastiges Wochenende in Südtirol verbracht. Die Nähe zu Italien nutzen wir viel zu selten, daher waren das Törggelen und das Kalterer Weinkulinarium ein schöner Anlass, uns mal wieder in Richtung Brenner aufzumachen. Wie immer geht ein Kurztrip nach Südtirol mit gutem Essen und kulinarischen Mitbringseln einher. Bald berichten wir hier noch etwas ausführlicher darüber.

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    Belgrad

    Das Schöne am meinem Job ist mitunter, dass er es mir ermöglicht, in Länder zu reisen, die sonst nicht ganz oben auf der Liste unserer Urlaubsziele stehen – Serbien zum Beispiel. Leider bleibt neben dem Besuch von Gedenkstätten, Museen und NGOs oft zu wenig Zeit für die kulinarischen Highlights der jeweiligen Länder. Wobei sich die Highlights in Serbien relativ einfach mit einem Wort zusammenfassen lassen: FLEISCH! Wer glaubt, die bayrische Provinz sei in dieser Hinsicht gewöhnungsbedürftig, war noch nicht in Belgrad essen. Gerade die etwas traditionelleren Restaurants scheinen der Meinung zu sein, dass Gemüse nur frittiert eine Berechtigung hat. Positiv ist dagegen, dass der Craft-Beer-Boom auch in Serbien voll eingeschlagen hat. Egal ob in Belgrad oder Novi Sad, es gibt an vielen Orten nicht nur die jungen serbischen Brauereien als Alternative zum Einheitslager, sondern oft auch internationale Biere von Brew Dog oder der Brooklyn Brewery. Mein Favorit war das Kaš Ryezen IPA, das eine schöne Balance aus fruchtigen und bitteren Noten bietet.
    Grundsätzlich sollte man sich in Belgrad nicht von Äußerlichkeiten abschrecken lassen. Die Fassade des Cafés Smokvica ist wie so vieles in der Stadt ziemlich heruntergekommen, doch drinnen erwartet einen moderner Shabby Chic und ein internationales Angebot an Mezze, Curry, Burger & Co. – eine gute Abwechslung zur sonst sehr deftigen serbischen Küche. Überhaupt ist der Burgertrend auch an Serbien nicht vorbeigezogen, entsprechende Läden sprießen an allen Ecken aus dem Boden. Zu empfehlen ist das Submarine BBQ, das am Rande der Fußgängerzone ein ganz hervorragendes Pulled Pork serviert. Etwas abseits liegt dagegen das maritim eingerichtete Mala Fabrika Ukusa. Auf der Karte stehen modernisierte serbische Gerichte, aber an Frittiertem und Fleischigem kommt man auch hier nicht vorbei. Noch versteckter in einem Hinterhof liegt das Mezestoran Dvorište. Hier wird griechisch gekocht, aber mit deutlichen Einflüssen anderer Mittelmeerstaaten. Die Grenzen zur Mezze-Küche sind fließend und durchaus gelungen. Wem es danach noch nach etwas Süßem gelüstet, kann sich entweder bei Dukat Halal die volle Dröhnung Baklava geben oder bei Moritz Eis ein superleckeres Ananas-Rucola-Eis holen. Tolle Cocktails in gediegener Atmosphäre bietet die Bar Central, während im Gunners Pub Craft Beer in eher studentischer Umgebung ausgeschenkt wird.
    Ansonsten solltet ihr euch neben den üblichen Sehenswürdigkeiten Zeit für das Museum der Geschichte Jugoslawiens und den Markt nehmen. Wer noch mehr Tipps für spannende und schöne Ecken in Belgrad sucht, sollte mal auf Igors Happy Interior Blog vorbeischauen – er war im Sommer in der Stadt und hat seinen Highlights gleich mehrere Posts gewidmet. Grundsätzlich ist Belgrad definitiv eine spannende Stadt, auch wenn sie sich Besucher_innen nicht unbedingt (besonders bei grauem Himmel) auf den ersten Blick erschließt – aber sie ist es wert, entdeckt zu werden.
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    München: Siemens-Event

    Kommuniziert ihr schon mit eurem Kühlschrank? Flüstert ihr dem Ofen leise Anweisungen ins Ohr? Das mag vielleicht etwas absurd klingen, doch so weit hergeholt ist das gar nicht. Mitte Oktober waren wir eingeladen, um uns bei einem Event die neuen vernetzten Haushaltsgeräte von Siemens Home etwas näher anzusehen. Unter dem Namen Home Connect hat Siemens alle Großgeräte miteinander verbunden, womit sich nun im Idealfall Ofen, Kühlschrank, Spülmaschine & Co. über eine App steuern lassen. Wir waren vor allem von den vielen kleinen Möglichkeiten angetan, die sich dadurch ergeben – z.B. lässt sich per App und Kühlschrankkamera mal eben checken, was noch fürs Abendessen fehlt. Gekocht wurde natürlich auch und dank der unzähligen in den Backöfen eingespeicherten Vorgaben, musste man sich kaum Gedanken um die Einstellungen machen. Spannend wäre nun, diese Spielereien mal im Alltag zu testen. Habt ihr schon Erfahrungen damit gemacht?
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    München: KitchenLab

    Im Küchenstudio Ludwig 6 von Dross & Schaffer findet nun regelmäßig das KitchenLab statt, bei dem bei Fingerfood, Drinks und netter Atmosphäre Expert_innen unterschiedliche Aspekte rund ums Essen, Kochen und Genießen vorstellen und diskutieren. Im Oktober drehte sich einen Abend lang alles um den/die „perfekte/n Gastgeber_in“. In der Diskussionsrunde: Bartender und Besitzer des Barroom – Münchens kleinster Cocktailbar – Emanuele Ingusci, Knigge-Expertin Janine Katharina Pötsch, Floristin und Dekorateurin Barbara Held und Betreiber des Supper Clubs Gourmandpunk Sebastian Hoffmann, die berichteten, was für sie den perfekten Abend ausmacht. Auch wenn die Meinungen im Detail durchaus auseinandergingen, waren sich doch alle einige, dass man als Gastgeber/in die Regie des Abends übernehmen sollte und sich in jedem Falle genügend Zeit nehmen muss. Das gilt genauso für die Gäste, die auch mal bereit sein sollten, sich z.B. auf einen ruhigen Abend in der Bar einzulassen und die Atmosphäre aufzunehmen.
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    Entdeckt

    Pintxos und Wein im Glockenbach

    Wiederentdeckt müsste es eigentlich heißen, denn unsere Restaurantempfehlung ist die Tapas- und Pintxos-Bar Itxaso im Glockenbachviertel. Die baskische Bar zählt zu unseren absoluten Lieblingsspaniern in München, doch da man dort zwischenzeitlich nicht mehr reservieren konnte, hatten wir öfters etwas Pech und konnten in dem fast immer rappelvollen Lokal nur noch selten einen Platz finden. Umso schöner, dass uns letzte Woche ein Event zum Thema Wein aus Spanien mal wieder ins Itxaso führte. Gemeinsam mit anderen Blogger_innen verkosteten wir zehn verschiedene Weine, die von Sommelier Peer F. Holm passend zu vorab eingereichten Fotos zum Thema „Spanish Moments“ ausgewählt wurden. Eine wirklich tolle Idee, um unterschiedliche spanische Weine kennenzulernen! Dabei merkten wir mal wieder, wie sehr wir uns mittlerweile vom Rotwein weg und hin zum Weißwein bewegt haben. Unsere Favoriten des Abends: Tapas Wine Collection Moscato 2015 und den liebevoll als „Saufwein“ betitelten Segura Viudas Xarel-lo 2015 – und natürlich die leckeren Tapas! Itxaso // Pestalozzistr. 7, München.

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    New Supper Club in Town

    Ein nettes Konzept, um Kochbücher noch etwas erlebbarer zu machen, hat sich Connecting Companies zusammen mit dem GU-Verlag und den Siemens lifeKochschulen ausgedacht. Ab sofort wird monatlich ein Kochbuch des Verlags samt Autor/in in den Fokus gerückt und zum gemeinsamen Dinner geladen. Natürlich werden bei der neuen Supper-Club-Reihe Gerichte aus den entsprechenden Büchern verköstigt. Zum Auftakt im November gibt es deutsch-türkische Fusion-Küche mit Filiz Penzkofer und ihrem Buch „Cook mal türkisch“. Wir waren zum Kick-off-Event in der AllianzArena eingeladen und wurden u.a. mit Orangen-Carpaccio mit roter Bete, Spinat(börek)strudel, „Frauenschenkel“, einem hervorragenden Dessert aus Couscous, weißer Schokolade und gemischten Beeren und unterhaltsamen Anekdoten über die türkische Oma der Autorin versorgt. Der Supper Club findet nicht nur in München, sondern auch in anderen Städten statt – Tickets und Termine gibts auf der Website.

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    Der Weizen: schnurrt, kratzt & beißt

    Tilman Ludwig, der mit „Das Helle“ ein echtes Lieblingsbier produziert und auch sonst ein sympathischer Kerl ist, hat endlich Bier Nummer 4 auf den Markt gebracht. Knackig benannt ohne komplizierte Fantasienamen hört es einfach auf „Der Weizen“. Der Wiedererkennungswert speist sich eher aus dem hübschen Etikett, das diesmal ein asiatisch anmutender Tiger ziert. Auch im Glas macht sich das Bier ganz gut. Der Geruch ist sehr angenehm, die typisch bananigen Noten sind deutlich, aber nicht penetrant. Die Hopfensorten Comet aus der Hallertau und Strisselspalt aus dem Elsass ergänzen das Ganze stattdessen um weitere fruchtige Komponenten. Im Mund dürfte die Banane für unseren Geschmack noch etwas ausgeprägter sein, andererseits bleibt „der Weizen“ so recht erfrischend und ist nicht so schwer, wie viele bayrische Weißbiere. Irgendwie erinnert das Bier auch an belgisches Wit, nur ohne die würzige Komponente. Schön, aber fast schon etwas zu gewöhnlich. Vielleicht ist es aber auch einfach die falsche Jahreszeit für die Flasche mit dem Tiger. Also im Zweifel einfach auf den Sommer warten und dann noch einmal ausführlich an der Isar, im Westpark oder auf dem Balkon testen.

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    Lesenswert

    Der ultimative Wein-Guide

    Nachdem wir uns im Oktober deutlich mehr mit Wein beschäftigt haben als sonst, war dieses Buch der perfekte Begleiter. Der ultimative Wein-Guide ist ein Grundlagenwerk, das sich an alle richtet, denen das vinophile Gehabe der Szene manchmal zu elitär ist und trotzdem gerne mehr über Wein erfahren wollen. Das Buch basiert auf dem amerikanischen Blog Wine Folly und kommt ähnlich unprätentiös, locker und mit netten Grafiken daher.

    USA vegetarisch

    Das Kochbuch, aus dem wir im Oktober am meisten gekocht haben, war definitiv „USA vegetarisch“. Der fünfte Band der vegetarischen Länderküche aus dem Brandstätter Verlag widmet sich einem unserer Lieblingsurlaubszielen und beweist, dass die USA kulinarisch mehr zu bieten haben als Burger, Hot Dogs & Co. Die Kürbis-Tarte daraus findet sich bereits auf dem Blog, in Kürze folgt eine ausführlichere Rezension.

    Food Gentrification

    Einen spannenden Artikel über die Auswirkungen von Hipster-Food und Food Gentrification haben wir über Vivi gefunden, auch wenn wir zugeben müssen, dem Avocado-Boom selbst ein wenig verfallen zu sein – doch auch das sollten wir wohl noch einmal überdenken.

    Hinweis: Wie oben erwähnt, wurden wir zu einigen der Veranstaltungen eingeladen – unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.
    Fotocredit: Kürbis-Foto via unsplash.com

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    Frankreich, Gegessen, Gereist, Getrunken, Mulhouse

    Kulinarisch durch Elsass & Lothringen #1: Mulhouse – Street Art, Fleischschnacka und der kleine Prinz

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    Wir lieben es, wenn uns eine Stadt überrascht. Wenn wir ohne große Erwartungen an einen unbekannten Ort kommen und dann eine schöne Ecke nach der anderen entdecken. Mulhouse, die erste Station unserer spätsommerlichen Rundreise durch das Elsass und Lothringen, ist genau so ein Fall. Fast fünf Stunden Autofahrt liegen hinter uns, als es die Stadt schafft, uns schon bei der Einfahrt in ihren Bann zu ziehen. Wir warten an einer Ampel, blicken nach rechts und stehen genau vor einem riesigen bunten Mural, das die Hauswand neben uns schmückt. Nicht die einzige Spur, die die globale Street-Art-Bewegung in Mulhouse hinterlassen hat, wie wir bald lernen werden. Zum Glück haben wir die perfekte Person gefunden, die uns einen Nachmittag lang in die Geheimnisse ihrer Stadt einführt. Martine ist nicht einfach eine Stadtführerin, sondern eine Greeterin. Dahinter verbirgt sich eine Gruppe von Einwohner_innen, die in ihrer Freizeit Tourist_innen durch ihr ganz persönliches Mulhouse führen. Jede/r setzt eigene Schwerpunkte – dabei geht es nicht darum, einen Komplettüberblick über die Stadt zu vermitteln, sondern vielmehr um die verborgenen Ecken, die geheimen Orte in der Stadt, die vielleicht nicht jede/r Besucher_in gleich auf dem Schirm hat. Eine tolle Idee und der ideale Einstieg für jeden Besuch!

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    Wir beginnen unsere Entdeckungsreise auf der Place de la Reunión. Zwischen sorgfältig renovierten farbenfrohen Renaissancegebäuden, der Kirche Saint-Étienne aus dem 19. Jahrhundert und dem roten Rathaus stehend, glaubt man kaum, dass Mulhouse auch den wenig schmeichelhaften Namen „Manchester Frankreichs“ trägt (leider ohne die musikalische Tradition des britischen Vorbilds). Im 19. Jahrhundert erlebte hier vor allem die Textilindustrie (und später der Autobau) einen massiven Aufschwung, der zwar Geld für repräsentative Gebäude in der Innenstadt oder im Villenviertel mit sich brachte, aber gleichzeitig für graue Industriekultur sorgte. Auch heute steht die Stadt für viele noch mehr für Industrie als für Kultur, was sich auf den zweiten Blick jedoch schnell revidieren lässt. Die kleine, aber feine Altstadt verbirgt neben ein paar Einkaufsstraßen auch viele Überreste der bis ins Jahr 803 zurückreichenden Stadtgeschichte. Besonders das hübsche Rathaus aus dem Jahr 1552 sticht heraus mit den Wappen der Schweizer Kantone, die auf die lange Zugehörigkeit zum Nachbarland hinweisen. Heute befindet sich im Rathaus ein Museum, in dem auch der originale „Klapperstein“ aufbewahrt wird, von dem eine Nachbildung an der Außenseite des Hauses zu sehen ist. Diesen (natürlich ziemlich schweren) Stein hatten zu früheren Zeiten Lästermäuler als Strafe fürs Schwätzen um den Hals durch die Stadt zu tragen. Heute geht es in Mulhouse allerdings etwas gesitteter zu.

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    Inzwischen ist es vor allem die Street Art, die der Industriestadt weitere Facetten verleiht. Ein jährlich stattfindendes Street-Art-Festival sorgt für stetigen Nachschub an Installationen und Graffiti in der Stadt. Auf unserer Tour entbrennt deswegen ein regelrechter Wettbewerb: wer kann mehr Kunstwerke auf den Häuserwänden (oder auch Briefkästen) der Stadt entdecken? Eine andere Greeterin, die wir während unseres Rundgangs treffen, ist von diesem Aspekt ihrer Heimatstadt sogar so begeistert, dass sie gleich einen Bildband mit den schönsten Murals herausgebracht hat. Können wir verstehen. Unser Favorit bleibt allerdings trotz der großen und schönen Auswahl bis zum Schluss El Sembrador von INTI. Es war eben Liebe auf den ersten Blick.

    Mulhouse kulinarisch

    Aber auch kulinarisch hat unser erster Stopp im Elsass viel zu bieten. Sehr viel sogar. Denn wie man uns – nicht ohne Stolz – berichtet, sei das Elsass die einzige Region Frankreichs, die für ihre großen und deftigen Portionen bekannt ist. Und wirklich: Wer mit Frankreich nur winzige Happen auf großen weißen Tellern verbindet, wird hier eines Besseren belehrt. Vielleicht sind es die harten Winter im Elsass, die die Menschen zwingen, sich ordentlich Winterspeck anzufuttern – oder eben nur ein gesunder Appetit auf Flammkuchen & Co.

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    {Le Marché de Mulhouse}

    Es gibt wohl kaum einen besseren Ort, um die kulinarischen Eigenheiten einer Stadt kennenzulernen, als die lokale Markthalle. Mit bis zu 350 Händlern ist der Marché de Mulhouse einer der größten Märkte in ganz Frankreich. Schon vor seinen Toren werden wir von der angebotenen Vielfalt fast erschlagen, denn der Markt ist unterteilt in einen überdachten Bereich im Inneren der Markthalle und einen Außenbereich mit zahlreichen Ständen im Freien. Man liest öfter mal, dass Obst und Gemüse bei vielen unserer europäischen Nachbarn eine höhere Qualität hätten, und hier glaubt man das sofort. Auswahl und Größe der Lebensmittel ist nicht mit den Produkten eines deutschen Wochenmarkts zu vergleichen. Hier darf noch etwas Erde an den Rüben hängen und auch krummes Gemüse türmt sich vor den Käufern. Und der Geruch! Ein riesiges Kräutermeer erstreckt sich über die Tische und verströmt einen fast unwiderstehlichen Duft. Schade, dass unser Hotelzimmer keine Küche hat, denn wir würden am liebsten den ganzen Rucksack vollpacken und uns an den Herd stellen. Gute Angebote findet man hier außerdem, besonders gegen Marktende, wenn überall kleine Körbe an den Ständen auftauchen, in denen leicht angehauenes Gemüse für 1-2€ pro Körbchen angeboten wird. Besonders lachen uns die für das Elsass so typischen saftigen Zwetschgen an und auch die Kaktusfeigen (die hier Figue de barbarie heißen) lassen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ähnlichen Verlockungen sind wir in der Halle ausgesetzt. Hier wechseln sich lokale Anbieter von Wurst, Käse, Bredele, Honig und anderen (teilweise auch internationalen) Spezialitäten ab und spiegeln z.B. in den zahlreichen Gewürzständen auch die Einwanderungsgesellschaft der Stadt wider. Die Marktbetreiber achten bei der Auswahl der Anbieter stark auf Qualität und Abwechslung und prüfen die Bewerbungen für die heiß begehrten freien Plätze gründlich. Le Marché de Mulhouse //

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    {FoodLink}

    Der Food-Truck ist einer von sechs Street-Food-Ständen, die hungrige Marktbesucher_innen mit Essen versorgen, und eine wahre Besonderheit im fleischfixierten Frankreich. Die beiden Betreiber bieten ausschließlich vegane Produkte an und leisten damit laut eigener Aussage echte Pionierarbeit im Elsass. „We do what we love“, antworten sie, als ich sie nach der Resonanz frage und auch die Rückmeldung der Kunden sei mehr als positiv. Es ändere sich langsam, aber sicher etwas im Bewusstsein der Franzosen. Ein Lichtblick, denn im Laufe unserer Reise haben wir den Eindruck, dass die Änderungen sehr, sehr langsam verlaufen und selbst vegetarisches Essen für viele Restaurants eine schier unmögliche Aufgabe darstellt. FoodLink zeigt sich hier fortschrittlich und die Veggie-Salat-Box und der Wrap de la mer mit Gemüse und Algen (jeweils 6€) sind ein leckerer, leichter Snack nach dem Marktbesuch. FoodLink // Vor dem Marché de Mulhouse und an anderen wechselnden Standorten.

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    {Au Bouton d’Or}

    Das hübsche gelbe Häuschen auf der Place de la Reunión, das den Namen Butterblume ziert, beheimatet im Untergeschoss ein wahres Käseparadies. Im Au Bouton d’Or findet man von Bibeleskäs bis Münster alle typischen Sorten der Region und mindestens alle anderen 363 Käsesorten, die Frankreich so zu bieten hat. Au Bouton d’Or // 5, Place de la Réunion, Mulhouse.

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    {Atelier des Glaces}

    Während unserer Stadtführung kommen wir in der Altstadt am Atelier des Glaces vorbei. Ein kurzer Blick genügt und Sabrina erspäht ein in Deutschland kaum erhältliches Lakritzeis, das unbedingt probiert werden muss. Um auch mich glücklich zu stimmen, bringt sie mir eine Kugel Brombeereis mit. Während wir zufrieden an unserem Eis schlecken, entfacht zwischen unseren beiden französischen Begleiterinnen eine Diskussion um die beste Eisdiele der Stadt. Das Atelier des Glaces vs. Engel’s Coffee in der Maison Engelmann. Leider sind unsere Eiskugeln zu groß, um im zweiten Eisladen einen Direktvergleich anzutreten. Atelier des Glaces // 14, rue Henriette, Mulhouse.

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    {Maison Engelmann}

    Noch relativ jung ist die Maison Engelmann, die eine Galerie mit kleinen, feinen Geschäften und Feinkostläden beheimatet wie die Pâtisserie Dany Husser mit ihren süßen Wunderwerken, eine Weinhandlung, eine große Buchhandlung und andere nette Läden. Wir schaffen zwar keine zweite Kugel Eis, doch die Erinnerung an das hausgemachte Schokoladen-Rotwein-Eis von Engel’s Coffee löst bei unserer Stadtführerin große Begeisterung aus. Maison Engelmann // Rue du Moulin, Mulhouse.

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    {La Quille}

    Es könnte wohl keinen besseren Ort geben, um am frühen Abend nach einer ausgiebigen Stadttour etwas runterzukommen, als diese Weinbar am Rande der Altstadt. Bei gutem Wetter sitzt man am besten draußen und bewundert die regelmäßig wechselnde Street-Art-Installation an der gegenüberliegenden Hauswand. Wir sind froh, uns bei der Weinauswahl auf die fachkundige Beratung des Besitzers verlassen zu können. Rund 500 verschiedene Sorten lagern im Weinkeller – genügend Auswahl für die ebenfalls regelmäßig angebotenen Weinproben. Wir bekommen einen leichten, lieblichen Riesling aus dem Elsass, der perfekt als Aperitif zu unserem ersten Abend in Frankreich passt. Begleitet wird der Wein von einigen Holzplatten mit hervorragenden regionalen Käsesorten, Wurst aus dem Elsass und ein paar Lachsbroten. Käse, Wein und ein lauer Spätsommerabend – so ungefähr hatten wir uns unseren Frankreichaufenthalt vorgestellt. Santé! Eine zweite Filiale gibt es übrigens im Metz. La Quille //10 rue de la Moselle, Mulhouse.

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    {Le Cellier}

    Ein paar Schritte von der Innenstadt entfernt, finden sich am Ende der Rue des Trois Rois gleich mehrere Restaurants, darunter auch Le Cellier – der Keller. Zum Glück dürfen wir draußen sitzen und dort beste Elsässer Spezialitäten ohne unnötigen Touristenkitsch genießen. Zwar ist die vegetarische Auswahl nicht besonders groß, aber es gibt sehr guten Flammkuchen mit Münsterkäse. Damit man den dünnen Fladen möglichst frisch und warm genießen kann, wird er nacheinander in zwei Hälften serviert – eine wirklich gute Idee! Ich muss natürlich die lokale Spezialität probieren, die wir bei unserer Greeterin schon investigativ in Erfahrung bringen konnten: Fleischschnacka. Dahinter verbirgt sich genau das, wonach es klingt: eine Teigschnecke, die mit Fleisch gefüllt ist. Serviert wird die sehr würzige Kalorienbombe traditionell in einem Teller Brühe, und glaubt mir, deftiger geht es kaum. Schade eigentlich, denn die Desserts, die an uns vorbeigetragen werden (Pfirsich Melba ist im Elsass noch immer in Mode), sehen mehr als gut aus, aber unsere Bäuche haben sich noch nicht an die lokalen Portionsgrößen gewöhnt. Le Cellier // 4, rue des Trois Rois, Mulhouse.

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    {La Taverne de l’Écomusée}

    Das zum Écomusée d’Alsace gehörende Restaurant überzeugt uns schon beim Eintreten, denn wir werden von einer großen Kuchentheke empfangen. Die Hauptspeise darf also nicht zu groß ausfallen, schließlich soll noch etwas Platz für den Nachtisch sein. Ehrlicherweise waren unsere Erwartungen an die Taverne nicht besonders hoch, richtet sich das Angebot doch hauptsächlich an die Parkgäste. Uns kommen sofort Erinnerungen an lieblose Mahlzeiten in den Freizeitparks unserer Kindheit in den Sinn, allerdings werden wir schon beim Blick in die Karte des bis auf den letzten Platz gefüllten Restaurants positiv überrascht. Zwar gibt es (passend zum Park) typische deftig-elsässische Küche, aber eben oft mit einem kleinen Dreh. Der Flammkuchen mit Lachs, Kapern und Zitronenzeste ist nicht gerade alltäglich und schmeckt hervorragend. Die Variante mit frischen Pilzen und Zwiebeln kann glücklicherweise ohne Speck bestellt werden und überzeugt ebenfalls. Zudem gibt es eine erstaunlich gute Bierauswahl, sodass man sich bereits beim Mittagessen durch verschiedene Craft-Biere der Region probieren kann. Wie geplant lassen wir Platz für den Nachtisch – das ist auch nötig, denn die Kuchenstücke (Apfel-Zimt und Preiselbeere) sind riesig und erfüllen unsere Erwartungen voll und ganz. Die Preise sind für ein Lokal, das durch die Anbindung an den Park ein gewisses Monopol hat, erstaunlich fair und nicht höher, als in ähnlichen Restaurants in Mulhouse. La Taverne de l’Ecomusée // Chemin du Grosswald, Ungersheim.

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    {Peonia at Home}

    Ein richtiger Geheimtipp versteckt sich hinter Peonia at Home mitten in Rebberg, dem Villenviertel der Stadt, in dem die durch die Industrie reich gewordenen Bürger_innen im 19. Jahrhundert ihre Häuser errichten ließen. Auch diese Villa, die heute ein Bed & Breakfast beherbergt, gehörte einst Textilfabrikanten, der Familie Dreyfus. Heute empfängt das italienisch-französische Architektenehepaar Andréa und Antonio D’Onghia im opulent eingerichteten Salon nicht nur Übernachtungsgäste, sondern bekocht auf Anfrage auch andere Besucher_innen. Die Hausherrin ist Autodidaktin, ihre italienisch-mediterrane Küche köstlich und zudem eine perfekte Abwechslung von den doch eher deftigen elsässischen Gerichten. Aber nicht nur das Essen ist hervorragend, auch die Tischgesellschaft. Antonios Bruder (zufällig Besitzer des einzigen 2-Sterne-Restaurants der Stadt Il Cortile), seine elsässische Frau und die Tochter der Köchin, die in Südamerika aufwuchs und sich mit uns den ganzen Abend auf Spanisch unterhält, sorgen für ein babylonisches Sprachgewirr am Tisch. Auch wenn uns nach dem ständigen Wechsel zwischen Französisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch am Ende der Kopf ein wenig dröhnt, ist es ein perfekter Abend. Dazu trägt nicht zuletzt das viergängige Menü bei. Die Gazpacho mit Basilikum wird mit Strohhalm serviert, die hausgemachte Pasta mit Pesto ist auf den Punkt abgeschmeckt, der Fisch ist perfekt gegart, die Auberginenlasagne unglaublich intensiv und die knackigen Bohnen mit Knoblauch viel zu gut, um sie nur als Beilage zu bezeichnen. Die abschließende Rhabarbertarte mit Beerensorbet, Rosenblüten und Bergamotte ist zwar fast zu viel, aber auch viel zu lecker, um den Teller nicht restlos leer zu kratzen. Mehr als glücklich und beseelt ob der herzlichen Gastfreundschaft verlassen wir das Haus und machen uns auf den Rückweg in Richtung Altstadt. Peonia at Home // 48, Boulevard Léon Gambetta, Mulhouse.

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    {Und sonst so?}

    Mulhouse hat erstaunlich viele Museen zu bieten, die vor allem die Industriegeschichte der Region aufarbeiten. Ein besonderer Publikumsmagnet ist das größte Automobilmuseum der Welt – die Cité de l’Automobile. Da unsere Herzen jedoch mehr für Künstlerisches als für Autos schlagen, geben wir dem Stoffdruckmuseum den Vorzug. Aber auch das größte Freilichtmuseum Frankreichs und der noch recht neue Parc du Petit Prince liegen nicht weit entfernt und sind definitiv einen Abstecher wert.

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    {Musée de l’Impression sur Étoffes}

    Auch das Stoffdruckmuseum greift die Geschichte der Stadt als Industriemetropole auf. Die Dauerausstellung ist nicht riesig, aber mit vielen alten Maschinen, hübschen Stoffen, erklärenden Filmen und Bildern aus allen Epochen der Textilherstellung auch für Laien mehr als interessant. Dazu kommen verschiedene Wechselausstellungen, die besondere Aspekte vertiefen. Während unseres Besuchs ist die Ausstellung Chantal Thomass gewidmet und es ist äußerst schade, dass wir nicht noch mehr Zeit haben, uns die spannend gestaltete Retrospektive intensiver anzuschauen. Das Museum bietet auch Workshops an, in denen man die Geheimnisse des Textildrucks ganz praktisch erleben und unter Anleitung selbst Stoffe bedrucken kann. Das klingt so spannend, dass wir gleich den ganzen Vormittag damit verbringen. Dabei arbeitet man mit den originalen Holzstempeln, die alle weit über 100 Jahre alt sind und bekommt so einen Eindruck von der Arbeit, die Mulhouse zu Beginn der industriellen Revolution berühmt gemacht hat. Unter Anleitung einer lokalen Künstlerin bekommen wir alles genau erklärt und können am Ende unsere eigenen (mehr oder weniger gelungenen) bedruckten Küchenhandtücher mit nach Hause nehmen. Stoffdruckmuseum // 14, rue Jean-Jacques Henner, Mulhouse.

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    {Écomusée d’Alsace}

    Das seit den 80er-Jahren bestehende Freilichtmuseum verdankt seine Existenz einer Gruppe von Studierenden. Diese hatten traditionelle elsässische Häuser, die vom Abriss bedroht waren, auf ein brachliegendes Industriegelände umsiedeln lassen und legten somit den Grundstein für das Museum. Heute findet man 20 Autominuten vor Mulhouse ein riesiges Gelände, auf dem ein echtes elsässisches Dorf aus dem frühen 20. Jahrhundert aufgebaut wurde und über 70 historische Gebäude besichtigt werden können. Hier stehen nicht nur einfache Hütten, sondern ganze Bauernhöfe, verschiedene Werkstätten, ein Wehrturm und kunstvoll verzierte Fachwerkhäuser. 200 Freiwillige sorgen zudem dafür, dass man die Alltagsgeschichte des Elsass hautnah erleben kann. Auch wir bekommen historische Kopfbedeckungen aufgesetzt, die uns allerdings deutlich schlechter stehen, als den Schmieden, Köchinnen und Bäuerinnen, die im Park ihr Handwerk zeigen. Leider spielt das Wetter bei unserem Besuch nicht so recht mit, sodass wir die vielen Aktivitäten gar nicht gebührend wahrnehmen können: Spaziergänge mit dem Imker, Stocherboottouren oder Ausflüge mit dem Traktor aufs Feld – im Écomusée kann man ohne Probleme einen ganzen Tag verbringen. Darüber hinaus gibt es viele Stationen und wechselnde Ausstellungen, bei denen man Spannendes über die Region erfährt. Die schnarchenden Schweine und um frische Kuhmilch bettelnden Enten haben es uns ganz besonders angetan. Écomusée d’Alsace // Chemin du Grosswald, Ungersheim.

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    {Parc du Petit Prince}

    Gleich nebenan hat 2014 ein Freizeitpark eröffnet, der sich ganz Antoine de Saint-Exupérys berühmten (Kinder-)Buch Der kleine Prinz widmet. Zwischen den beiden Parks führt ein 15-minütiger Fußweg durch idyllische Landschaft, doch bequemer ist es, die kostenlose Pferdekutsche zu besteigen, die zwischen beiden Einrichtungen hin- und herpendelt. Auch wenn die Lektüre des Buchs bei uns ziemlich lange her ist, kommen nach den Eintritt in den Park doch einige Erinnerungen hoch. Die vielen Begegnungen des kleinen Prinzen werden hier in Form von einzelnen Attraktionen nachgestellt. Sofort ins Auge sticht der große Heißluftballon, mit dem man sogar in die Luft steigen kann (der Park wurde vom Besitzer einer Heißluftballonfabrik erbaut). Leider ist der Wind zu stark und so müssen wir mit der „Aerobar des Trinkers“ vorliebnehmen, einer Bar, mit der man 35 Meter in die Höhe steigt und bei einem Drink den tollen Blick auf das Elsass und die Vogesen genießen kann. Insgesamt richtet sich der Park jedoch vor allem an (französische) Familien, die das Buch lieben. Alle anderen sollten sich überlegen, ob ihnen die (recht gemütliche) Reise ins Reich des kleinen Prinzen wirklich 20€ wert ist. Parc du Petit Prince // Ungersheim.

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    {Übernachtung}

    Übernachtet haben wir in Mulhouse im Hotel Kyriad, das vor allem aufgrund seiner zentralen Lage in der Fußgängerzone besticht. Ansonsten ist das Haus etwas in die Jahre gekommen und bietet den üblichen Standard eines 3-Sterne-Hotels. Wer sich dagegen etwas Besonderes gönnen möchte, sollte im bereits erwähnten Bed & Breakfast Peonia at Home ein Zimmer reservieren. Man merkt dem Haus und seinem japanischen Garten die Handschrift des Architekten an, der in den wenigen Zimmern und Appartements auf jedes Detail geachtet hat. Fast jede Ecke schmückt ein Kunstwerk, darunter viele Designklassiker und Originale von Le Corbusier. Besser und stilvoller lässt es sich in Mulhouse vermutlich nicht übernachten. Hotel Kyriad Mulhouse Centre // 15, Rue Lambert, Mulhouse & Peonia at Home // 48, Boulevard Léon Gambetta, Mulhouse.

    Hinweis: Mit diesem Beitrag nehmen wir am French City Award 2016 teil, der vom französischen Tourismusamt ausgerufen wurde. Herzlichen Dank an Atout France und Visit Mulhouse für die Einladung und Unterstützung. Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene.

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