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    Deutschland, Gegessen, Gekauft, Gereist, Getrunken, Ulm

    Grabenhäuschen, Gin & Löwenmensch: Ein (nicht nur kulinarischer) Streifzug durch Ulm

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    Oft liegt das Gute so nah, und nah heißt in diesem Falle Ulm. Von München gerade einmal 155 km entfernt und somit in gut 1,5 Stunden mit dem Auto erreichbar, wurden das baden-württembergische Städtchen Ulm und seine bayrische Schwester Neu-Ulm bisher von uns sträflich vernachlässigt. Ein grober Fehler! Schon nach ein paar Stunden in der Stadt wird uns klar, dass Ulm ungeahnte Kurzurlaubsqualitäten besitzt – quasi ein Naherholungsgebiet für gebeutelte Großstädter_innen aus der näheren und weiteren Umgebung.

    Ein ganzes Wochenende verbringen wir in der schönen Stadt an der Donau, von der wir bislang nur wussten, dass sie den höchsten Kirchturm der Welt beheimatet. Höchste Zeit also, unsere Ulm-Kenntnisse zu vertiefen, und das tun wir am besten mit einer Stadtführung.

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    Die schönsten Ecken in Ulm

    Wir haben Glück und Ulm präsentiert sich uns bei allerschönstem Sommerwetter, als wir uns am Hotel mit unserer Gästeführerin treffen und dort beginnen, wo wir am Abend zuvor aufgehört haben: an der Donau, wo gerade das Internationale Donaufest stattfindet und die Flussufer mit Leben erfüllt. Zwischen den Zelten erfahren wir einiges über den Ursprung der Stadt, die 854 erstmals schriftlich erwähnt wurde und damals nur aus einigen Lehmhütten zwischen den Strömen Donau und Blau bestand. Am Flussufer fällt zuerst die Stadtmauer auf, die heute natürlich keine Verteidigungsanlage mehr ist, sondern vielmehr zum Flanieren einlädt. Beispielsweise durch den romantischen Rosengarten, von dem man einen herrlichen Blick auf den Fluss hat und die zahlreichen Boote beobachten kann, die das Wasser bevölkern. Direkt nebenan werden wir an der Stiege vorbeigeführt, einer auf den ersten Blick unscheinbaren Bar und Galerie, in der man im Sommer in Ulm aber definitiv einmal gewesen sein sollte.

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    Von dort aus führt der Weg in die Altstadt, wo unsere Begleitung viele Geschichten aus der Vergangenheit der Stadt bereithält. So erfahren wir beispielsweise, dass sich hinter der Benennung der Profosengasse Folgendes verbirgt: Der Profose war eine Art Scharfrichter, der vor allem die Frauen der Stadt während der Frühen Neuzeit in Schach halten sollte. Überhaupt war das frühe Ulm ein hartes Pflaster. Stritt sich ein Ehepaar zu heftig, steckte man sie mit einer Schüssel Suppe in den Kerker, gab ihnen aber nur einen Löffel. Am Ende hatten sich die beiden hoffentlich vertragen (und am besten gleich für Nachwuchs gesorgt) oder dem Scharfrichter die Arbeit abgenommen.

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    Heutzutage geht es in der Stadt etwas gemütlicher zu, was man besonders gut am Rande der Altstadt an den Grabenhäuschen im Frauengraben erkennen kann. Diese waren ursprünglich als Soldatenunterkünfte errichtet worden und gehören heute zu den begehrtesten Immobilien der Stadt. Und während wir in der Mittagssonne die kleinen Häuser mit den bunten Bänken, Blumen und schlafenden Hunde vor der Tür bewundern, wünschen wir uns ebenfalls, hier einziehen zu dürfen.

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    Etwas lebhafter geht es rund um das Ulmer Münster zu, besonders am Markttag. Der Turm ist übrigens von fast jedem Punkt der Stadt zu sehen – verlaufen kann man sich so wenigstens nicht. Bei der Besichtigung der Kirche erfahren wir auch, was ein Münster von einem Dom oder einer Kathedrale unterscheidet: Das Münster ist eine Bürgerkirche, wurde also von den Einwohner_innen der Stadt erbaut und ist nicht etwa der Sitz eines Kirchenoberen. Dementsprechend stolz sind die Ulmer_innen auch heute noch auf das eindrucksvolle Gebäude mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Den zu besteigen, lassen wir uns natürlich nicht nehmen, auch wenn die 768 Stufen eine ordentliche Herausforderung für unsere außer Übung geratene Kondition sind. Allerdings entschädigt der Blick von der Aussichtsplattform in 143 Meter Höhe für einiges und sollte bei einem Besuch der Stadt auf keinen Fall fehlen. Von hier aus kann man zudem erkennen, wie gut sich in Ulm alte und neue Architektur vertragen. Moderne Gebäude wie die Kunsthalle Weishaupt und die gläserne Pyramide der Stadtbibliothek stehen nicht weit entfernt von jahrhundertealten Gebäuden wie dem Rathaus mit seiner opulenten Fassadenbemalung und passen sich perfekt ins Stadtbild ein. Sie bestätigen auch, was wir während der Führung über die Mentalität der Stadt erfahren: dass Ulm nicht in der Vergangenheit verharre, sondern immer auch das Neue suche.

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    Dieser Gegensatz lässt sich auch einige Schritte vom Münster entfernt gut beobachten, wo sich die 2012 eingeweihte moderne Synagoge und das ursprünglich im 17. Jahrhundert erbaute Schwörhaus entgegenblicken. Der Balkon dieses Hauses steht zudem im Mittelpunkt des Schwörmontags, an dem der Ulmer Oberbürgermeister jedes Jahr am vorletzten Montag im Juli vor den Bürger_innen öffentlich Rechenschaft ablegen muss. Biegt man hinter dem Haus ab, kommt man schließlich ins wunderschöne Fischer- und Gerberviertel, wo wir uns sofort an unsere Reise nach Straßburg erinnert fühlen. Fachwerkhäuser direkt am Wasser, malerische Mühlbäche und viele kleine Cafés und Restaurants, um nach einer anstrengenden Tour durch die Stadt auszuspannen. Gelegenheiten gibt es dazu übrigens in der ganzen Stadt genügend, denn – noch so ein Superlativ – Ulm besitzt die höchste Kneipendichte Deutschlands. Auf 120.000 Einwohner_innen kommen aktuell über 500 Gasthäuser, Restaurants und Kneipen. Wir haben uns bemüht, alle zu besuchen, doch ein Wochenende war dann leider doch etwas zu knapp. Ein paar besonders schöne haben wir aber für euch herausgesucht.

    Ulm kulinarisch

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    {Fruchtrausch}

    Wer den ganzen Tag in praller Sonne durch die Stadt läuft, findet im Fruchtrausch eine gesunde und bunte Abkühlung. Die Smoothie-Bar bietet neben einer Vielzahl an leckeren fruchtigen und grünen Smoothies auch kleinere Snacks wie Sandwiches, Müslis und Suppen. Wir nehmen unseren Weltenbummler (Ananas, Papaya, Mango, Kirsche, Orange) und Hirnakrobat (Ananas, Honigmelone, Apfel, Banane, Kokos) to go und lassen uns weiter durch die Gassen Ulms treiben. Fruchtrausch // Hafengasse 1, Ulm.

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    {BellaVista}

    Schon unten vom Wochenmarkt aus sehen wir es, unser Plätzchen hoch oben auf der Dachterrasse des BellaVista. Kurz darauf nehmen wir unter einem der großen Sonnenschirme Platz – direkt neben uns das Ulmer Münster, unter uns die Stadt. Das BellaVista bietet moderne Küche mit mediterranem Einschlag, dazu ein wirklich schönes sommerliches Ambiente. Die Wochenkarte liest sich toll – abwechslungsreiche Gerichte, viele davon vegetarisch oder vegan und zu absolut fairen Preisen. Wir bestellen hausgemachte Tagliatelle mit Prosecco-Orangen-Sauce, Garnelen und Spargel (10€) sowie das vegane Mittagsangebot – gefüllte Portobello-Pilze mit Ratatouille, Salat und Kräuterbaguette (12€) -, das zudem mit einem Gurken-Minz-Smoothie serviert wird. Besonders gefällt uns, dass hier viel selbst hergestellt wird – Apfelsaft, Honig und auch Craft Beer, das natürlich sofort probiert werden muss. BellaVista OPALE (ein IPA mit leichter Limetten- und Kiwinote) und Bianco (ein spritziges Witbier mit Koriander und Curaçao-Orangenschale) nennen sich zwei der insgesamt sieben verschiedenen Biersorten des Hauses. Allein der Smoothie kann nicht überzeugen, alles andere auf unserem Tisch schmeckt ganz hervorragend! BellaVista // Münsterplatz 35, Ulm.

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    {Café Fräulein Berger}

    Spätestens nach Erklimmen der 768 Stufen des Ulmer Münsters und dessen Abstieg verlangen zittrige Beine nach einem Stück Kuchen. Den findet man z. B. mitten im Herzen der Stadt bei Fräulein Berger, einem kleinen, netten Café im Stil der 50er-Jahre mit täglich hausgemachten Kuchen (auch vegan) und Fokus auf regionalen Produkten. Am späten Sonntagnachmittag ist die Kuchenauswahl schon etwas eingeschränkt, doch wir ergattern noch zwei Stücke des leckeren Käsekuchens und Cappuccino bekommen wir natürlich auch. Und wer nach einem Stück Kuchen noch einen größeren Zuckerschock verträgt, kann sich beim gegenüberliegenden Ulmer Zuckerbäcker mit traditionellem Zuckerbrot mit Malaga, Rosenwasser und Anis eindecken. Café Fräulein Berger // Herrenkellergasse 14, Ulm.

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    {Drei Kannen}

    Einer der schönsten Biergärten Ulms eröffnet sich uns, als wir den Innenhof der Drei Kannen betreten – eine fast italienisch anmutende Enklave samt historischer Loggia. Die Traditionsgaststätte mit historischem Brauhaus braut heute jedoch nicht mehr selbst, sondern lässt sich mit dem exklusiv für sie hergestellten „Drei Kannen Spezial“-Bier von der in Ulm ansässigen Gold-Ochsen-Brauerei versorgen. Neben toller Innenhofatmosphäre und leckeren Bieren werden hier die Gäste mit deftigen schwäbisch-bayrischen Gerichten versorgt. Drei Kannen // Hafenbad 31/1, Ulm.

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    {Ronnie Biggs}

    Wer in Ulm von spontaner Burgerlust überkommen wird, steht vor der Qual der Wahl: Ronnie Biggs oder Damn Burger? So heißen die beiden Hotspots für Buns und Patties. Wir entscheiden uns für Ronnie Biggs und ergattern den letzten freien Tisch – samstagbends ist hier einiges los. Auch wenn wir mittlerweile viele Burgerläden durchprobiert haben, kann uns die Karte durchaus überraschen. Die Burgerkombinationen sind ungewöhnlich und spannend, die Auswahl der Drinks ist für einen Burgerladen erstaunlich gut. Unser Tisch platzt fast aus allen Nähten als unser Blue Dream (mit BBQ-Pfirsich-Sauce, Rucola, Blue Cheese, Preiselbeeren, Walnüssen, roten Zwiebeln und getrockneten Tomaten; 8,90€) und der vegetarische Meatless Sunshine (mit Rosmarin-Halloumi, grünem Spargel, Kürbis, Preiselbeeren, Rucola, Walnüssen und BBQ-Senf; 8,40€) sowie eine Portion Sweet Potato Fries mit einer sehr erfrischenden und leckeren Jalapeño-Koriander-Minze-Sauce (4€) serviert werden. Die einzelnen Komponenten harmonieren prima mit den hausgemachten Saucen, die selbst gemachte Zitronenlimo trinkt sich weg wie nix und der Service ist ausgesprochen aufmerksam. Zufrieden? Und wie! Was wir uns noch wünschen würden? Eine stärker saisonal ausgerichtete Karte, denn Spargel und Kürbis auf dem Veggie-Burger liegen jahreszeitlich schon recht weit auseinander. Ronnie Biggs // Donaustr. 14, Ulm.

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    {Rosebottel}

    Eine Bar, die es uns ganz besonders angetan hat, ist das Rosebottel. Dort dürfen wir an einem Gin-Tasting teilnehmen und uns dabei gleichzeitig von der Longdrink-Kompetenz der sympathischen Belegschaft überzeugen. Die im Stile einer 20er-Jahre-Prohibitionsära eingerichtete Bar serviert keine geshakten Cocktails. Aufgrund der Nähe zum Theater und dem entsprechenden Betrieb am Abend, muss es schnell gehen – daher besteht die Karte aus Longdrinks und fassgelagerten Cocktails, die ratzfatz an den Gast gebracht werden können. Für eine gute Auswahl ist dennoch gesorgt; schon bei über 20 Gins dürfte für jede_n was dabei sein. Besonders gut hat uns außerdem gefallen, dass die Bar eigene Sirups produziert und man somit hausgemachtes Tonic, Ginger Ale oder Orangenlimo genießen kann (selbstverständlich auch ohne zusätzliche Spirituosen). 50 Liter werden pro Woche hergestellt und nicht nur für die Bar in hübsche Flaschen abgefüllt. Wer in Ulm die Augen offen hält, kann sie in einigen Läden kaufen. Rosebottel // Zeitblomstr. 21, Ulm.

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    {Vegane Kochkurse}

    Die Anzahl der Ulmer Restaurants, Cafés und Bistros, die veganes Essen anbieten, ist zwar noch überschaubar, doch sie nimmt stetig zu. Für diejenigen, die Ulm vegan erleben möchten, hat Sabrina vom Blog Vegtastisch einen kleinen Guide zusammengestellt, der die veganen Optionen, die die Stadt zu bieten hat, aufzeigt. Wer gleich selbst aktiv werden möchte, kann darüber hinaus einen von Sabrinas veganen Kochkursen besuchen, die die Ulmerin zu verschiedenen Themen anbietet.

    Und sonst so?

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    {Übernachtung}

    Wir übernachten im Golden Tulip Parkhotel am Neu-Ulmer Ufer der Donau. Für unseren Besuch des Internationalen Donaufests ist die Lage des Hotels als Ausgangspunkt ideal, denn näher am Fest könnte man kaum wohnen. Dennoch würden wir beim nächsten Ulm-Besuch ein anderes Hotel wählen, da das Golden Tulip mit seinem 70er-Flair schon etwas in die Jahre gekommen ist und wir einen Standort auf der Ulmer Seite bevorzugen würden. Bei unserem Spaziergang durch das Fischerviertel kommen wir z.B. am Schiefen Haus, dem schiefsten Hotel der Welt, vorbei – ein altes Fachwerkhaus, ganz idyllisch an der Blau gelegen und perfekt geeignet für die Erkundung der Stadt.

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    {Shoppen}

    Viel Zeit zum Shoppen bleibt uns an diesem Wochenende zwar nicht, doch wir sehen einige interessante Läden, an denen wir nicht vorbeigehen können. Magisch angezogen werden wir vom großen Küchen- und Einrichtungsgeschäft abt am Münsterplatz, das uns mit einem erstaunlich stylishen Sortiment überrascht. Im Ochsen-Shop der gleichnamigen Brauerei erspähen wir ein Ulmer Pale Ale sowie den Ori-Gin, in dem Wacholder und Bier aufeinandertreffen. Im Fischerviertel entdecken wir beim Vorbeischlendern einige nette kleine Läden wie z.B. Gutes von hier oder die Donauwelle, in denen man Kulinarisches und Handgemachtes aus der Region kaufen kann.

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    {Museen}

    Auch in Sachen Museen hat Ulm einiges zu bieten. Die kostengünstigste Variante dafür bietet die UlmCard, mit der man für 18€ zwei Tage lang nicht nur den ÖPNV nutzen kann, sondern auch noch freien Eintritt in gleich acht Museen erhält. Das für Foodblogger_innen eigentlich prädestinierte Museum der Brotkultur schaffen wir zeitlich leider nicht, doch immerhin zwei andere Einrichtungen. Die Kunsthalle Weishaupt hat keine Dauerausstellung, sondern zeigt wechselnde Ausstellungen mit moderner Kunst. Daher lohnt sich hier ein Blick auf die Museumsseite, um zu schauen, ob einem die aktuell gezeigte Kunstrichtung grundsätzlich zusagt. Mit den Lackmalereien von Gerold Miller können wir beispielsweise recht wenig anfangen, doch über eine Brücke gelangen wir schnell ins nebenan gelegene Ulmer Museum, das neben Kunst aus unterschiedlichen Epochen auch einen großen Teil seiner Fläche der Archäologie und Frühgeschichte widmet. Hier steht auch das zentrale Stück der Sammlung – der Löwenmensch, eine über 35.000 Jahre alte Mensch-Tier-Skulptur. Aufgrund der umfangreichen Ausstellungsfläche kann man im Museum ohne Probleme auch einen verregneten Nachmittag verbringen.

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    Falls ihr bisher von Ulm nur wusstet, dass es dort den höchsten Kirchturm der Welt zu sehen gibt, hoffen wir, dass wir euch mit unserem Food & City Guide ein bisschen neugierig machen konnten auf das hübsche Städtchen in Baden-Württemberg.

    Herzlichen Dank an Ulm/Neu-Ulm Touristik, das Internationale Donaufest und die ARGE Deutsche Donau für die Einladung zu diesem schönen Wochenende! Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene. Ebenfalls ein dickes Dankeschön geht an unsere nette Reisetruppe: Burgturm, Traveltelling, Reisehappen & Annanikabu – es war schön mit euch!

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    Gekocht

    Panzanellas kleine Schwester: Fattoush mit Orangen

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    Seit einigen Wochen verfolgt mich ein Gericht. Es begegnet mir in fast jedem Kochbuch, das ich in die Hand nehme (und das sind in letzter Zeit viele), in Reportagen wird es mir als landestypische Spezialität vorgestellt, mir wird von einer superguten Variante vorgeschwärmt, die man kürzlich gegessen hätte, ich besuche Events und es wird mir vorgesetzt: Fattoush – der libanesische Brotsalat mit knackigem Gemüse, frischen Kräutern und würzigem Pitabrot. Die Vehemenz, mit der sich das Gericht aufdrängt, kann nur eines bedeuten: Ich soll es zubereiten. Sofort!

    Wie es der Zufall (oder vielmehr der Kaufrausch) will, haben wir die saftigsten und aromatischsten Orangen im Haus, die wir uns aus dem Mallorca-Urlaub mitgebracht haben. Sie landen kurzerhand im Salat und verleihen dem Fattoush einen noch mediterraneren Touch. Und für den Fall, dass die Sonne in diesem Jahr doch noch beschließen sollte, mal um die Ecke zu schauen, ist der Salat auch der perfekte Begleiter durch laue Sommernächte.

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    Fattoush (für 2-3 Personen)

    Für das Brot

    1-2 dünne Pitabrote (wir haben unsere in einem türkischen Supermarkt gekauft, aber das Brot lässt sich auch schnell und einfach selbst machen)
    1 Knoblauchzehe
    3 EL Olivenöl
    1 TL Za’atar
    1/2 TL Sumach
    Salz

    Für das Dressing

    2 Knoblauchzehen, fein gehackt
    1/2 TL Honig
    2,5 EL Olivenöl
    1 EL Orangenessig (oder ein anderer Fruchtessig)
    Saft einer 1/2 Zitrone
    1/2 TL Sumach
    1/2 TL Za’atar
    1/4 EL Harissa
    Salz, Pfeffer

    Außerdem

    1 kleiner Kopf Romanasalat
    2 Orangen
    3 Frühlingszwiebeln
    150 g rote Cocktailtomaten
    150 g gelbe Cocktailtomaten
    1 kleine Salatgurke
    je 1 große Handvoll Petersilie und Minze

    1. Für das Brot den Backofen auf 160 °C vorheizen. Das Pitabrot in kleine Stücke reißen und auf einem mit Backpapier ausgelegtem Blech verteilen. Den Knoblauch schälen und in feine Streifen schneiden. Das Olivenöl zusammen mit Knoblauch, Za’atar, Sumach und etwas Salz verrühren und die Pitastücke damit einpinseln. Im Ofen auf mittlerer Schiene etwa 12-15 Minuten kross backen.

    2. Für das Dessing alle Zutaten gründlich miteinander verrühren, dann beiseitestellen.

    3. Den Romanasalat waschen, trocken schleudern und in Streifen schneiden. Die Orangen mit einem dünnen, scharfen Messer schälen und die Spalten filetieren. Die Frühlingszwiebeln waschen und in dünne Ringe schneiden. Die Tomaten waschen und halbieren. Die Gurke waschen, der Länge nach halbieren und in Halbkreise schneiden. Die Kräuter waschen, trocken schütteln und grob hacken. Alle Zutaten miteinander vermischen und auf einer großen Platte anrichten.

    4. Das Dressing über den Salat träufeln und die gerösteten Pitastücke darüber verteilen.

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    Gegessen, Gereist, Getrunken, München

    RiminiRimini – eine Adria-Brise weht durch München

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    Dass München die nördlichste Stadt Italiens ist, wissen wir längst. Doch dass nun mitten in Münchens Innenstadt auch ein adriatisches Herz schlägt, mag einigen vielleicht noch nicht bekannt sein. Seit letzten Freitag bereichert RiminiRimini die Stadt – ein neues Pop-up-Restaurant, das sich den Spezialitäten aus der Emilia-Romagna verschrieben hat und einen Hauch Dolce Vita rund um den Viktualienmarkt versprüht. Und wo wäre so ein Restaurant besser aufgehoben als im Eataly – dem italienischen Feinkostmarkt in der Schrannenhalle?

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    Nach dem Betreten der Schrannenhalle ziehen rot-weiß gestreifte Sonnenschirme an der Decke die Blicke der Besucher_innen auf sich und locken ins Zwischengeschoss, wo ein kleiner italienischer Sommernachtstraum der 60er Jahre auf die Gäste wartet. Auch hier ist man dem Farbkonzept treu geblieben und so kann man auf ebenso rot-weiß gestreiften Stühlen Platz nehmen und von dort aus dem bunten Treiben in der Markthalle zusehen.

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    Die Speisekarte setzt auf leichte italienische Sommerküche – eine schöne Ergänzung zu den bisherigen Angeboten des Eataly (wo der Fokus auf Pizza, Pasta, Fleisch, Backwaren und Süßspeisen liegt) – und hält dem Konzept entsprechend eine große Auswahl an landestypischen Fisch- und Muschelgerichten bereit. Gestartet wird mit täglich wechselnden Antipasti, die wir beim Pre-Opening ausführlich probieren dürfen. Egal ob Meeresfrüchtesalat, Artischocken, marinierte Sardellen, sautierten Miesmuscheln in Weißweinsauce oder gefüllte Paprika: Alles ist unglaublich frisch, perfekt abgestimmt und sieht auf dem hübschen bunten Porzellan ganz besonders sommerlich aus. Besonders angetan haben es uns die Piadina, dünne Fladenbrote aus der Romagna, die u.a. mit Burrata, Rucola und Schinken belegt werden (8,50€).

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    Wer anschließend noch Hunger hat, kann zwischen frischem Fisch vom Grill, hausgemachter Pasta (z.B. Fischravioli oder Spaghetto mit Fischragout) und Muscheln wählen (10€-20€). Auch hier kann uns die Auswahl voll überzeugen, gerade der Fisch war auf den Punkt gebraten und so zart und saftig, wie nur möglich. Überhaupt bestechen alle Gerichte durch das Bemühen, der italienischen Küche so nahe wie möglich zu kommen: wenige, aber dafür hochwertige Zutaten und angenehme Zurückhaltung beim Würzen der Gerichte. Die Produkte sollen für sich sprechen, was der Küche wirklich hervorragend gelingt.

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    Den krönenden Abschluss bildet die Ankunft des Dessertwagens, von dem man sich verschiedene Dolcetti (5 Stück für 6€) aussuchen kann, sofern man im Magen noch ein Plätzchen dafür findet. Der kulinarische Ausflug nach Italien wird natürlich auch durch passende Drinks abgerundet. Lemon Spritz mit Limoncello, 6PM Spritz mit Montanaro oder unser Favorit, der Capotonic mit Amaro del Capo – einem leicht bitteren Kräuterlikör – sorgen dafür, dass man sich spätestens nach dem letzten Drink nicht mehr in München, sondern in Italien wähnt.

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    RiminiRimini_Eataly_Schrannenhalle-22Das Pop-up-Restaurant RiminiRimini kann voraussichtlich bis zum 31. Oktober im Zwischengeschoss von Eataly München besucht werden. Geöffnet ist diese Mittelmeer-Oase Dienstag bis Freitag von 18.00 bis 22.30 Uhr und samstags von 11.30 bis 15.00 Uhr sowie von 18.00 bis 22.30 Uhr. Mehr Adria war in München noch nie!

    Vielen Dank an Eataly für die Einladung zum Pre-Opening. Unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

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    Gebacken

    Fürs Wochenende: Himbeer-Blondies mit weißer Schokolade

    Himbeer-Blondies mit weißer Schokolade Rezept Feed me up before you go-go-2-2

    Zu einem richtigen Wochenende gehört auch ein Kuchen. Okay, das trifft bei uns zwar nur auf etwa jedes fünfte Wochenende zu, aber die Lust auf Kuchen klopft zumindest jeden Sonntag an die Tür. Wenn der Duft von frisch Gebackenen durch die Wohnung strömt und einem schon beim Gedanken an das noch warme erste Stück das Wasser im Mund zusammenläuft, sieht auch der verregnete Sommer nur noch halb so schlimm aus. Und wenn einem zudem nicht der Sinn nach aufwendigen Torten oder komplizierten Kuchen steht, sind Brownies oder Blondies genau das Richtige. Der Teig ist fix zusammengerührt, schnell im Ofen und man kann sich relativ sicher sein, dass das, was man gleich wieder herausholt, auch schmecken wird. Okay, diese Blondie-Variante erfordert noch ein Wasserbad und das sorgsame Verteilen von Himbeeren auf dem Teig, aber ich bin mir sicher, dass ihr das gut hinbekommt. Die knatschige Kombination aus Frucht und Schokolade ist es auf jeden Fall wert.

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    Himbeer-Blondies mit weißer Schokolade (für eine 20 x 20 cm-Brownie-Backform):

    225 g weiche Butter + etwas mehr zum Einfetten der Form
    90 g brauner Zucker
    70 g Palm- oder Muskovadozucker
    1 Vanilleschote
    abgeriebene Schale von 1 Bio-Zitrone
    2 Eier
    225 g Mehl
    1 TL Backpulver
    1 gute Prise Salz
    100 g weiße Schokolade
    200 g frische Himbeeren
    Puderzucker zum Bestäuben

    1. Butter und beide Zuckersorten in einer Schüssel schaumig schlagen. Vanilleschote auskratzen und das Mark zusammen mit der Zitronenschale hinzufügen. Die Eier einzeln unterrühren. Mehl, Backpulver und Salz vermischen und unter die Buttermischung rühren.

    2. Den Ofen auf 175°C vorheizen. Die Schokolade in kleine Stücke brechen und in einer Schüssel im Wasserbad schmelzen, dann unter den Teig rühren. Die Himbeeren in der Zwischenzeit waschen. Den Teig in eine gefettete Backform geben und glatt streichen. Die Himbeeren darauf verteilen und leicht in den Teig drücken.

    3. Den Kuchen ca. 35 Minuten auf der mittleren Schiene des Ofens backen. Der Teig sollte am Rand gerade durch, aber in der Mitte noch etwas klebrig sein. Nach dem Abkühlen mit Puderzucker betäuben, in kleine Quadrate schneiden und servieren.

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    Gegessen, Gekauft, Gereist, Getrunken, Ulm

    Zwischen Hahnhoden & Balkan-Pop: das Internationale Donaufest in Ulm

    Ulm Internationales Donaufest 2016 Feed me up before you go-go-6

    Wir sind absolut keine Stadtfest-Typen! Schuld daran ist wohl das Aufwachsen in der mittelhessischen Provinz, in der sich kulturelle Highlights besonders in den jährlich wiederkehrenden und mit zunehmenden Alter immer unerträglicher werdenden Stadtfesten manifestierten. Drittklassige Coverbands mit den durchgenudelsten Hits von vorgestern, heute und übermorgen, Gymnastikeinlagen des Turnvereins Hintertupfingen und verkokelte Bratwurstmeter versprühen einen Charme, dem wir bis heute ziemlich gut widerstehen können. Auch die Tatsache, dass wir während des Studiums mitten in der Marburger Fußgängerzone wohnten und an Festtagen Panflöten-Trios mit vier-Lieder-Sets in Endlosschleife direkt unter unserem Fenster ertragen mussten, ließ uns und Stadtfeste keine Freunde werden.

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    Man verzeihe uns also, dass wir eine ordentliche Portion Skepsis im Gepäck haben, als wir Anfang Juli für ein Wochenende nach Ulm reisen. Denn man hat uns nicht nur eingeladen, die Stadt kennenzulernen, sondern auch das Internationale Donaufest zu besuchen. Gespannt, was uns erwarten würde, beziehen wir zunächst unser Hotel in Neu-Ulm. Als wir die Fenster öffnen, wird klar, warum wir im Golden Tulip Parkhotel untergebracht sind – näher am Donaufest könnte man wirklich nicht wohnen, wir sind quasi mitten im Geschehen: Die Donau zum Greifen nah, Essensgerüche in der Nase, rund ums Flussufer Stände und direkt vor dem Fenster eine Band, die sich für ihren Auftritt bereitmacht. Es scheint, als wäre es Zeit, unser Stadtfesttrauma zu überwinden und uns ins Donaufest zu stürzen!

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    Seit 1998 findet das Internationale Donaufest im Zwei-Jahres-Turnus statt und bringt die zehn Länder, durch die sich der zweitlängste Fluss Europas schlängelt, ganze zehn Tage lang im Sommer in den Schwesterstädten Ulm und Neu-Ulm zusammen. Dabei steht nicht nur das Feiern im Vordergrund, sondern auch der kulturelle, künstlerische und kulinarische Austausch über Ländergrenzen hinweg und das gegenseitige Kennenlernen. Zunächst müssen wir allerdings eine Ländergrenze anderer Art überwinden und vom bayrischen Neu-Ulm ins baden-württembergische Ulm wechseln. Wir könnten natürlich zu einer der vielen Brücken laufen, doch wir sind faul und finden eine viel bequemere (und aufregendere) Möglichkeit: Gemächlich schiebt sich eine Solarfähre von Flussufer zu Flussufer (1€) und gleich nebenan sind die Zillenfahrer_innen am Werk, die die Gäste des Festes gegen ein Trinkgeld in kleinen Ruderbooten – den traditionellen Ulmer Zillen – auf die andere Seite der Donau befördern.

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    In Ulm angekommen bahnen wir uns den Weg durch die immer zahlreicher werdenden Besucher_innen. Es ist Freitagabend, herrlichstes Sommerwetter – beste Voraussetzungen also für ein Abendessen im Freien. Beim Schlendern über den Markt der Donauländer dringen so viele unterschiedliche Gerüche zu uns, dass wir uns kaum entscheiden können, welches Land unser Abendessen servieren darf. Im Gegensatz zu anderen Stadtfesten ist die Auswahl der angebotenen Speisen auf dem Donaufest äußerst abwechslungsreich – so bieten die teilnehmenden Donauländer typische Landesspezialitäten an, die man sonst außerhalb der Landesgrenzen vermutlich eher selten probieren kann. Es gibt Gulasch in zahlreichen Varianten, deftige Fleischgerichte, Fischsuppe im Brotlaib, Holzofen-Burger, vegetarische Dinnele, Palatschinken und mehr. Bestimmendes kulinarisches Thema des Festes ist jedoch ein ungarisches Hahnhodengulasch, das angeblich „nicht so schlimm wie erwartet“ schmecken soll – keine allzu verlockende Beschreibung des Abendessens, also ziehen wir weiter und landen vor einem Stand mit regionalen Spezialitäten aus Bulgarien. Bulgarische Pommes mit sehr viel Knoblauch und geriebenem Schafskäse sollen es sein, dazu eine Banitza – ein gefüllter Teigfladen mit Ei, Käse und Joghurt. Ein paar Stände weiter greift der Mann noch einen Teller Lamm vom Spieß mit Mangold-Kräuter-Pesto und Kartoffeln auf und zeigt sich überrascht ob der hohen Qualität des Essens. Schön sind die vielen Sitzmöglichkeiten, die das Fest bietet – überall entlang des Marktes findet man Bänke und Tische zum Niederlassen. Besonders nett ist es im „Weindorf“, in dem, wie der Name vermuten lässt, Weine aus unterschiedlichen Anbaugebieten angeboten werden und zwischen Ständen und Bühnen immer wieder kleine Sitznischen zum Verweilen einladen. Und wer keinen Sitzplatz finden sollte, nimmt sein Essen einfach mit ans Flussufer und kühlt beim Essen und Weinschlürfen die müden Füße in der Donau.

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    Auch in den nächsten Tagen zieht es uns noch einige Male auf das Donaufest – vielleicht liegt’s am guten Wetter (oder am Wein??), aber die Atmosphäre am Fluss ist so einladend und entspannt, dass selbst wir Gefallen am Stadtfest finden. Jedes Fest sollte sich wohl einen Fluss „besorgen“! Wir schlendern gemütlich über den Markt – auch dort zeigt sich die Vielfalt der Kulturen der Donau-Anrainerstaaten in einem abwechslungsreichen Angebot an Kunsthandwerk und Kulinarik: Handgefertigtes wie Keramik, Schmuck, Kleidung & Co. wechseln sich ab mit Honig, Baumstriezeln, Marzipanbällchen und anderen Spezialitäten aus dem Donauraum. Untermalt wird unser Bummel von traditioneller Musik, Jazzklängen und Balkan-Beats, die von den unterschiedlichen Bühnen zu uns vordringen.

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    Zu den Ständen gesellt sich während der zehn Tage ein umfangreiches Begleitprogramm mit Konzerten, Theatervorführungen, wissenschaftlichen Vorträgen, literarischen Abenden und Workshops. Leider verpassen wir das erstmals stattfindende Brückenfrühstück, bei dem Ulmer Bürger_innen und Vereine am letzten Tag des Festes jeweils die Patenschaft über einen Tisch übernehmen und auf der Herdbrücke Gäste bewirten. Eine schöne Idee, die hoffentlich zu einer regelmäßigen Veranstaltung wird. Ordentlich gefeiert wird auch der letzte Abend des Festes mit einem bombastischen Feuerwerk über der Donau. Wir suchen uns einen Platz am Neu-Ulmer Ufer, um so die explodierenden Farben vor der Kulisse des Ulmer Münsters und der Altstadt vor uns zu haben. Belohnt werden wir mit einem der gigantischsten Feuerwerke, die wir bisher erlebt haben. Ein letztes Mal laufen wir über den Markt zu unserem Hotel, ein Gläschen Wein in der einen Hand, Zimt-Baumstriezel in der anderen. Stadtfestversöhnt und mit Balkan-Pop im Ohr schlafen wir ein. Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns in zwei Jahren zum Donaufest wieder – das Brückenfrühstück müssen wir ja schließlich noch nachholen!

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    Ganz herzlichen Dank an Ulm/Neu-Ulm Touristik, das Internationale Donaufest und die ARGE Deutsche Donau für die Einladung zu diesem schönen Wochenende! Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene.

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    Gebacken, Gekocht

    Big in Hawaii: Big-Hahuna-Burger mit Kokos-Chili-Mayo

    Big Hahuna Burger mit gebratener Ananas und Kokos-Chili-Mayo Rezept Feed me up before you go-go-3

    Wisst ihr, was als Kind meine Lieblingspizza war? Die eine Sorte, die ich bis zu meiner Jugend einfach immer bestellt habe und mir in leicht abgewandelter Form auch während des Studiums in Marburg mehr als einen verkaterten Abend gerettet hat? Pizza Hawaii! Genau, die mit Ananas (aus der Dose natürlich) – der Albtraum aller Pizzapuristen und Neapolitaner. Die erwachsene Variante, meine Studiumskaterkonterpizza, war außerdem mit Mais, Hackfleischsoße und Tabasco belegt, womit jeglicher Restalkohol äußerst wirksam bekämpft werden konnte. Bis heute liebe ich die Kombination aus süßen Früchten und herzhaften Zutaten, auch abseits von Pizza. Mit diesem Hintergrundwissen solltet ihr verstehen, warum mir schon nach dem ersten Durchblättern unseres neuesten Burgerbuchs „Burger unser“ (die Rezension dazu folgt in Kürze) klar war, welcher Burger zuerst ausprobiert werden musste: der Big-Hahuna-Burger!

    Ein Burger, bei dem saftiges Fleisch, in Sirup eingelegte, gebratene Ananas und frischer Koriander aufeinandertreffen, kommt meiner Vorstellung eines perfekten Hamburgers schon ziemlich nahe. Darüber hinaus wird im Buch genialerweise empfohlen, den Burger mit einem Kartoffel-Brioche-Bun zu servieren. Seit unseren letzten USA-Aufenthalten stehen Potato Buns ganz oben auf meiner Nachbackliste – der leicht süßliche Geschmack und die knatschige Konsistenz der Brötchen sind genau mein Ding. Glücklicherweise kann das Rezept halten, was es verspricht, und der Big-Hahuna gehört zu den besten Burgern, die unsere Küche bisher verlassen haben. Fazit: Auch wenn ihr Pizza Hawaii hasst (wie könnt ihr nur??!), solltet ihr diesem Burger eine Chance geben!

    Noch ein paar Hinweise zum Rezept: Statt gekauftes Passionsfruchtpüree zu verwenden, könnt ihr, wie ich, auch 1-2 Passionsfrüchte auskratzen und mit dem Stabmixer bearbeiten. Die Kerne bleiben dabei knackig und verleihen dem Püree eine schöne Textur. Selbst gemachte Mayonnaise ist natürlich die erste Wahl, aber ihr könnt auch eine hochwertige gekaufte Soße verwenden.

    Big Hahuna Burger mit gebratener Ananas und Kokos-Chili-Mayo Rezept Feed me up before you go-go-1

    Kartoffel-Brioche-Buns (für 10 Brötchen):

    300 ml Milch
    8 g Trockenhefe
    70 g brauner Zucker
    310 g Weizenmehl (Type 405)
    200 g Kartoffeln, gekocht und abgekühlt
    250 g Weizenmehl (Type 550)
    1 TL Salz + 1 Prise
    1 großes Ei
    80 g weiche Butter
    1 Eiweiß
    2 EL Wasser
    2 EL Kokosflocken

    1. Die Milch in einem Topf warm werden lassen, vom Herd nehmen und Hefe, 1 EL braunen Zucker und 1 EL Mehl (405) hinzufügen. Alles verrühren und 10 Minuten gehen lassen. Die Kartoffeln schälen und fein zerdrücken. Zusammen mit der Hefe-Milch-Mischung, dem restlichen Mehl, Zucker, Salz und Ei in eine Schüssel geben.

    2. Alles mit den Knethaken der Küchenmaschine oder des Handrührers auf kleinster Stufe verkneten, bis ein homogener Teig entstanden ist. Auf mittlere Stufe hoch schalten und nach und nach die weiche Butter hinzufügen. Anschließend auf hoher Stufe für 10 Minuten kneten, bis der Teig glatt ist und glänzt. Der Teig sollte elastisch und leicht klebrig sein. Die Schüssel mit dem Teig mit Plastikfolie und einem Küchentuch abdecken und bei Raumtemperatur ca. 1,5 Stunden gehen lassen.

    3. Eine Arbeitsfläche mit etwas Mehl bestäuben. Den Teig mit einem Teigschaber aus der Schüssel holen und verkneten, sodass die Luft entschwindet. Den Teig mit möglichst wenig Mehl zu einer Rolle formen und in 10 gleich große Stücke teilen. Daraus in den bemehlten Handflächen glatte Kugeln formen. Die Teiglinge mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und abgedeckt noch einmal 1 Stunde gehen lassen.

    4. Den Ofen auf 200 °C vorheizen. Eiweiß, Wasser und 1 Prise Salz verrühren und die Oberseite der Teiglinge damit bestreichen. Mit Kokosflocken bestreuen. 15-20 Minuten im Ofen backen, bis sie goldbraun sind. Anschließend abkühlen lassen und ggf. bis zur Verwendung abdecken. Nicht verwendete Buns lassen sich prima einfrieren.

    Big-Hahuna-Burger (für 4 Burger):

    4 Kartoffel-Brioche-Buns (oder andere Burgerbrötchen)

    Für die Ananas

    1 reife Ananas
    1 EL Honig
    60 ml Ahornsirup
    60 g Palmzucker (ersatzweise braunen Zucker)
    1 Prise Zimt
    1/2 Vanilleschote, ausgekratzt
    160 ml Ananassaft
    160 ml Kokoswasser
    1 EL Butter

    1. Die Ananas schälen und 3/4 der Frucht in ca. 1,5 cm dicke Scheiben schneiden, jeweils den Strunk aus der Mitte entfernen. Das restliche Viertel grob Würfeln und beiseitestellen.

    2. Honig, Ahornsirup und Zucker in einer Pfanne oder einem Topf bei mittlerer Hitze zum Schmelzen bringen und ein wenig karamellisieren lassen. Zimt, Vanillemark, Ananassaft und Kokoswasser dazugeben und gut verrühren. Anschließend die Ananasscheiben hineingeben und alles bei mittlerer Hitze 40-60 Minuten einkochen lassen, bis die Flüssigkeit eine sirupartige Konsistenz hat. Vom Herd nehmen, die Butter unterrühren und zur Seite stellen.

    Für die Kokos-Chili-Mayo

    100 ml Kokosmilch
    100 ml Gemüsebrühe
    1/2 rote Chili, fein gehackt
    1/4 TL gemahlener Koriander
    2 TL fertiges Passionsfruchtpüree (ersatzweise 1-2 pürierte Passionsfrüchte)
    2 TL Ananaspüree (dafür einfach die beiseitegestellten Ananasstücke von oben pürieren)
    6 EL Mayonnaise
    1 EL saure Sahne
    frischer Zitronensaft
    Salz, Pfeffer

    Kokosmilch und Gemüsebrühe in einem Topf aufkochen und auf die Hälfte reduzieren lassen. Vom Herd nehmen, Chili, Koriander und Fruchtpürees hinzufügen und abkühlen lassen. Zum Schluss alles mit Mayonnaise und saurer Sahne aufschlagen und mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

    Für den restlichen Belag

    1 1/2 rote Chilis, in feine Ringe geschnitten
    1 Bund Koriander, gewaschen und grob gehackt
    1 TL frischer Zitronensaft
    1 TL Olivenöl
    etwas Butter
    600 g grob gehacktes Rindfleisch (am besten vom vorderen Teil der Querrippe, der sogenannten Leiter, einem Stück mit hohem Fettanteil)
    4 Scheiben Cheddar
    eine Handvoll Kokoschips (ggf. kurz vorher im Ofen angeröstet)

    1. Chili und Koriander mit Zitronensaft und Olivenöl in einer Schüssel marinieren. Die Buns aufschneiden und in einer Pfanne in etwas Butter auf den Innenflächen goldbraun anbraten (sehr wichtig, das gibt den Brötchen den letzten Schliff). Jeweils beide Bun-Hälften mit der Kokos-Chili-Mayo bestreichen.

    2. Aus dem Fleisch 4 gleich große Patties formen. Das Fleisch auf einem Grill oder in einer Pfanne bis zur gewünschten Stufe garen (Tipps zum Braten von Burgerfleisch gibt es hier) und zum Schluss jeweils mit einer Scheibe Cheddar belegen.

    3. Die Patties auf die unteren Bun-Hälften legen. Die beiseitegestellten Ananasscheiben aus dem Sirup nehmen und in einer Pfanne oder auf einem Grill kurz von beiden Seiten karamellisieren lassen. Jeweils 1-2 Scheiben Ananas auf den Käse legen. Anschließend die Kokoschips und zum Schluss die Chili-Koriander-Mischung darauf verteilen und mit dem Brötchendeckel abschließen. Sofort servieren.

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    Gekocht

    Simple Food: Fenchel-Salat mit Burrata, Zitrone und Minze

    Fenchel-Salat mit Burrata, Zitrone und Minze Rezept Feed me up before you go-go-2

    Es gibt Rezepte, bei denen hadern wir ein bisschen, ob wir sie wirklich auf den Blog stellen sollen. Nicht, weil sie nicht gut schmecken würden – im Gegenteil! –, sondern weil sie fast schon unverschämt simpel sind. Keine außergewöhnlichen Zubereitungsmethoden, keine kreativen und noch nie da gewesenen Geschmackskombinationen, auf die man im Grunde auch gut hätte selbst kommen können. Sondern einfach ein ganz simpler, schneller und dennoch wirkungsvoller Sommersalat, der auch nach einem langen Arbeitstag genügend Zeit lässt, um den Abend auf dem Balkon ausklingen zu lassen und von einem Wochenendtrip nach Italien zu träumen.

    Verwendet habe ich für den Fenchel-Salat mit Zitrone und Minze eine unglaublich cremige Burrata mit Pinienkernen und Basilikum, die ich hier in München bei Eataly gefunden habe. An dieser Stelle entschuldige ich mich für den kleinen Burrata-Overload in letzter Zeit, aber sobald ab Mai die ersten Sonnenstrahlen hervorkommen (auch wenn sie dann wieder verschwinden …) und der Käsehändler des Vertrauens den sahnigen Mozzarella wieder im Sortiment hat, beginnt sie, unsere Burrata-Sucht. Aber offenbar sind wir damit auch nicht ganz alleine.

    Fenchel-Salat mit Burrata, Zitrone und Minze Rezept Feed me up before you go-go-1

    Fenchel-Salat mit Burrata, Zitrone und Minze (für 2 Personen):

    2 Fenchelknollen
    abgeriebene Schale von einer Bio-Zitrone
    2 EL Zitronensaft
    4 EL Olivenöl
    1 Handvoll Minzblätter
    250 g Burrata
    Salz, Pfeffer, Piment d’Espelette

    1. Die Fenchelknollen waschen, halbieren, vom Strunk befreien und in feine Streifen schneiden. Das Fenchelgrün grob hacken und beiseitestellen. Fenchelstreifen mit 3/4 des Zitronenabriebs, dem Zitronensaft und 3 EL Olivenöl in eine Schüssel geben, mit Salz und Pfeffer würzen und gut durchmischen. Abgedeckt ca. 10 Minuten marinieren lassen.

    2. Die Minzblätter waschen und trocknen. Die marinierten Fenchelstreifen auf zwei Tellern anrichten. Die Burrata abtropfen lassen, vorsichtig teilen und auf den Fenchel setzen. Mit Minzblättern, restlichem Zitronenabrieb und Fenchelgrün bestreuen, das restliche Olivenöl über die Burrata träufeln und mit Salz, Pfeffer und Piment d’Espelette würzen.

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    Gereist, Israel, Tel Aviv

    Zwischen Hummus, Strand und weißer Stadt: Tel Aviv kulinarisch

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    Es ist Freitagmittag, als ich in Tel Aviv ankomme. 10 Minuten nach dem Start am Bahnhof bin ich dank zu großem Rucksack und mörderischen Temperaturen durchgeschwitzt und halte erst mal an, um ein Eis zu essen. Weitere 15 Minuten später bin ich in meiner Airbnb-Wohnung – das renovierte Bauhaus-Gebäude ist traumhaft – und laufe kurz darauf zum ersten Mal über die King George Street. Nur noch wenige Stunden bis zum Sabbat, und wie jeden Freitag vibriert die Stadt. Alle Einwohner_innen und  Tourist_innen scheinen auf den Beinen zu sein, noch schnell letzte Einkäufe erledigen, mit Freunden ein Bier trinken oder sich im Lieblingshummusrestaurant den Bauch vollschlagen, bevor am Abend vieles schließt. Ich bin völlig überwältigt von der Masse an Cafés, Restaurants und Bars – nach sechs Tagen im ruhigen Norden des Landes ist das ein kleiner Kulturschock. Ich tauche in das Getümmel des Carmel Markets ein, überall Händler mit Gemüse, Gewürzen und schrottigen T-Shirts, es riecht nach Falafel und frischen Kräutern, an mein Ohr dringt ein Sprachgewirr aus Englisch, Hebräisch, Arabisch und unzähligen weiteren Sprachen. Die Gassen werden enger, die Menschenmassen nehmen zu, aber schließlich lande ich am Ziel: einer kleinen Theke aus Sperrholz mit ein paar Barhockern und lauter Musik. Ich sitze am Beer Bazaar, der ersten Anlaufstelle für Craft Beer in Tel Aviv. Als das erste Glas kühles Fat Cat Ale vor mir steht, habe ich das Gefühl, dass mein Urlaub beginnen kann.

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    Zuvor habe ich beruflich sechs Tage in der Nähe von Akko verbracht, dabei Haifa besucht, einen Trip in die Berge unternommen und einen ganz untouristischen ersten Eindruck von Israel bekommen. Ich hatte so die Möglichkeit, das Land aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen und möchte im Folgenden ein paar meiner Highlights mit euch teilen.

    Tel Aviv Food & City Guide

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    {Benedict}

    Auch in Israel beginnt ein guter Tag mit einem guten Frühstück. Das gilt besonders für Tel Aviv. Das Nachtleben ist äußerst ausgeprägt, dementsprechend bieten viele Restaurants Frühstück rund um die Uhr an. Wer also am späten Nachmittag Lust auf French Toast bekommt, wird hier glücklich. Das Flaggschiff unter den Breakfast-Hotspots ist das Benedict mit seinen beiden Filialen, in denen ausschließlich Frühstück serviert wird. Eine davon befindet sich an der wichtigsten Straße der Stadt, dem Rothschild Boulevard. Ich probiere das Israeli Classic mit drei Eiern, Avocado-Hummus, Apfel-Zimt-Marmelade, Thunfisch-Mayonnaise, Salat und vielen weiteren Dips. Der Brotkorb mit den hausgemachten Brötchen wird außerdem kostenlos aufgefüllt. Dazu kommt eine Cocktail- und Mimosakarte – endlich wird man nicht komisch angeschaut, nur weil man montags um 11 Uhr Lust auf einen Drink mit Pastis und Sesampaste (eine Offenbarung!) hat. Auch was an den anderen Tischen serviert wird, sieht köstlich aus, insbesondere die riesigen Pfannkuchentürme. Vegane und vegetarische Optionen gibt es ebenfalls zur Genüge. Am Sabbat/Wochenende sollte man jedoch besser reservieren. Benedict // Rotschild 29, Tel Aviv & Ben Yehuda 171, Tel Aviv.

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    {The Streets}

    Auch hier wird das Frühstück 24 Stunden lang serviert und man kann in zentraler Lage nahe des Dizengoff Center sehr schön draußen sitzen. Das WLAN ist stark (wie erfreulicherweise fast überall in Tel Aviv) und im Obergeschoss sitzen junge Menschen an großen Tischen und tippen fleißig in ihre Laptops. Dank der eigenen Kaffeerösterei bleibe ich wach und kann die vorzügliche Shakshuka (55 NIS inkl. Kaffee) genießen. Sie kommt klassisch mit Tomaten und Paprika daher, dazu drei Eier, die am Boden der Pfanne schöne Röstaromen angenommen haben. Dazu gibt es Brot (leider etwas zu trocken), die obligatorische Sesamsauce (das lokale Äquivalent zu Ketchup), eine scharfe Paste aus grünen Chilis und einen kleinen israelischen Salat mit Tomate und Gurke. Aufgrund der Nähe zu meiner Wohnung komme ich am letzten Tag noch einmal her und stärke mich mit Pancakes und karamellisierten Bananen für die Rückreise. Ich hätte sie mir zwar ein wenig fluffiger gewünscht, doch geschmacklich sind sie toll. Die bunte Mischung aus Israelis und Tourist_innen zeigt sich an beiden Tagen ähnlich glücklich, was vermutlich an den wirklich üppigen Portionen liegt. The Streets // 70th King George St, Tel Aviv.
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    {M25}

    Eher zufällig stoße ich beim Schlendern über den Carmel Market in einer unscheinbaren Seitenstraße (dort, wo Tel Aviv aus Wellblechhütten besteht) auf diesen überhippen Grill. Das M25 ist sowohl Metzgerei als auch Restaurant, in dessen Innenhof man zwischen großen Blumentöpfen (die Urban Jungle Bloggers lassen grüßen) nur wenige Meter vom Trubel des Marktes an mit Packpapier bedeckten Tischen bestes Fleisch (darunter auch viele Innereien) essen kann. Die handgeschriebene Karte gibt zwar nur auf Hebräisch Auskunft über das Angebot, aber der (wie überall) sehr freundliche Service übersetzt mir alles ins Englische. Kurz überlege ich, ob ich mir nicht alternativ etwas aus der Theke der Metzgerei aussuchen soll, das dann frisch zubereitet wird, bin aber vernünftig und entscheide mich für eine Portion Shawarma (58 NIS). Auch wenn ich es noch nicht oft gegessen habe, bin ich mir sicher, dass das Shawarma zu den besten gehört, die man kriegen kann. Perfektes Fleisch, Chili, Ingwer, Zitrone, Tomate, Sesamsauce, fluffiges Pitabrot – zusammen mit einer Flasche lokalem Craft Beer (25 NIS) genau das Richtige nach einem anstrengenden Nachmittag. M25 // Yom Tov St 3, Tel Aviv.

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    {Miznon}

    Direkt an der King George Street befindet sich eine Filiale des Miznon, das von Israels kulinarischem Shootingstar Eyal Shani geführt wird und mir von Sylvia empfohlen wurde. Zwar gibt es hier hauptsächlich gefüllte Pitataschen, aber von einem Imbiss zu sprechen, würde dem Lokal nicht gerecht werden. Hinter der runtergerockten Fassade wird in der offenen Küche so köstliches Essen zubereitet, dass mir nur beim Schreiben schon wieder das Wasser im Mund zusammenläuft. Der rauhe Look gehört zum Programm, ebenso wie die nur auf ein Stück Karton gekritzelte Karte und die Lautstärke, gegen die ein startendes Flugzeug kaum ankommt. Ich bekomme ein Pitabrot, gefüllt mit Lammhackbällchen (81 NIS inkl. Beilage und Bier), verschiedene Saucen und Gemüse sowie eine gegrillte Süßkartoffel (den Signature-Dish – einen im Ganzen gegrillten Blumenkohl – habe ich meinem Hunger als Beilage nicht zugetraut). Wenig später bin ich im Himmel. Perfekt gewürzt, unglaublich saftig und das beste Pitabrot der Welt. Ehrlich! Allein deswegen lohnt sich der Flug nach Tel Aviv. (Und wer nicht ganz so weit reisen mag, besucht einfach die Filiale in Wien.) Miznon // King George St 30, Tel Aviv.

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    {Orna and Ella}

    Mitten in der weißen Stadt, dem Komplex von über 4000 Häusern im Bauhaus-Stil, liegt in einer ruhigen Straße das Orna and Ella, das sich auf moderne Bioküche spezialisiert hat. Helle, minimalistische Einrichtung, eine tagesaktuelle Karte, die globale Einflüsse mit der Küche des Mittelmeerraums verbindet, und sehr aufmerksames Personal lassen mich und meine Begleitung schnell glücklich werden. Nach dem Hinweis auf eine Nussallergie, kommt der Kellner noch zweimal an den Tisch und erkundigt sich, ob bestimmte Zutaten ein Problem sein könnten und macht Vorschläge, wie man sie gegebenenfalls ersetzen könnte. Wir entscheiden uns für die Yam-Pancakes als Vorspeise, die angenehm würzig und luftig sind. Auch der vegetarische Burger überzeugt auf ganzer Linie, ebenso wie der überbackene Blumenkohl. Nicht wirklich günstig, aber auf hohem Niveau, und sicherlich das eleganteste Restaurant, in dem ich in Tel Aviv gegessen habe. Orna and Ella // Shenkin 33, Tel Aviv.

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    {Shaffa Bar}

    Vor Tel Aviv war Jaffa, und zwar ein paar Tausend Jahre lang. Heute findet man in Jaffa die Altstadt der Mittelmeermetropole – eine der wichtigsten touristischen Attraktionen. Gerade in der Gegend des (Floh-)Marktes wimmelt es nur so von Restaurants und Cafés, die um die Aufmerksamkeit der Tourist_innen buhlen. Weiterhin fahren auch die Einwohner_innen Tel Avivs in den Süden der Stadt, wenn sie – gerade am Freitag vor dem Sabbat – ordentlichen Hummus essen wollen. Nach einer Tour vorbei an Moscheen, kleinen Geschäften und uralten Gemäuern, mache ich eine Pause in der Shaffa Bar, wo man sich im Schatten wunderbar erholen kann. Das junge, hippe Personal ist freundlich, die Karte nicht riesig, aber abwechslungsreich und Cocktails gibt es auch. Ich entscheide mich für eine köstliche Siniya (eine Lamm-Blumenkohl-Pfanne, auch mit Linsen statt Fleisch erhältlich) in Sahnesauce mit Mandeln, Zwiebeln, vielen Kräutern und leichter Schärfe. Hier lohnt sich auch ein Besuch später am Abend, wenn die Musik aufgedreht wird und ab und an kleinere Bands spielen. Shaffa Bar // Nakhman St 3, Tel Aviv-Yafo.

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    {Beer Bazaar}

    Craft Beer hat mittlerweile auch Israel erobert, und so findet man auf den Speisekarten modernerer Restaurants oft eine kleine Auswahl an guten Bieren. Wem das nicht genügt, der sollte vor/während/nach dem Bummel über den Carmel Market einen Stopp beim Beer Bazaar einlegen. Neben eigenen Bieren vom Fass gibt es viele weitere lokale Sorten aus der Flasche (auch zum Mitnehmen), und wer sich nicht entscheiden kann, wird vom Personal fachkundig beraten. Dazu bekommt man laute Musik, Comedyeinlagen durch die Barkeeper und regelmäßige Arrak-Shots für alle Gäste. Ja, auch mittags. Ein klein wenig ruhiger geht es in der zweiten Filiale zu, die gleich um die Ecke liegt. Beer Bazaar // 1 Rambam St &

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    {233}

    Wer es etwas gediegener mag, findet auch in Tel Aviv richtige Bars mit Ledersesseln, gedämpftem Licht und komplexen Drinks. Das 233 gehört zu dieser Kategorie und bietet mit seinen gut gekleideten Barkeeper_innen und der ruhigen Atmosphäre eine willkommene Abwechslung zum Trubel, der die Stadt ansonsten bestimmt. Die Karte wechselt regelmäßig und viele Drinks basieren auf lokalen Zutaten. Während der Happy Hour von 18 bis 20 Uhr erhält man zwei Drinks zum Preis von einem (sonst 34 bis 52 NIS pro Drink). So stehen plötzlich zwei Aperitifs vor mir, die mich ordentlich angeschickert zu meiner Abendessenverabredung erscheinen lassen. Aber wer kann bei Kreationen wie dem Call me Chili (Tequila, Chililikör, Passionsfrucht und Salzrand) oder dem Attitude #2 (Wodka, Campari und Passionsfrucht) schon Nein sagen? Letzterer kommt mit lichterloh brennender Limettenhälfte und jeder Menge Minze im Glas. Der Duft von Kräutern und angeräucherter Limette ziehen anschließend bei jedem Schluck in die Nase und sorgen bei mir für ein echtes Aha-Erlebnis. Wer will, kann die Drinks auch draußen genießen und dabei die vielen Menschen auf der Dizengoff Street beobachten. 233 //

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    {Und sonst so?}

    Tel Aviv lässt sich glücklicherweise hervorragend zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Ich muss nur einmal einen Bus nehmen und verlasse mich sonst auf meine Füße oder das Mietfahrradsystem Tel-O-Fun. Die Stationen mit den grünen Fahrrädern sind über die ganze Stadt verteilt und selbst ich (als nicht besonders erfahrener Radfahrer) komme gut mit dem Verkehr in Tel Aviv klar. Am schönsten fährt es sich sowieso auf der autofreien Strecke am Meer entlang, wo man zwischen Hochhäusern und Strand die Sonne und den Fahrtwind genießen kann. Währenddessen lohnt auch ein Abstecher ganz in den Norden, zum alten Hafen (oberhalb des Independence Park), wo heute viele Restaurants und Geschäfte in den alten Lagerhallen zu finden sind. Von den Holzplanken aus lässt sich hier der schönste Sonnenuntergang der Stadt beobachten. Wer neben seinem Strandurlaub (der Frishman Beach hat mir am besten gefallen) mehr über die Geschichte der Stadt erfahren möchte, sollte die kostenlose englische Stadtführung zum Bauhaus am Samstagvormittag nutzen (11 Uhr ab 46 Rothschild Blvd.), bei der man in etwas mehr als zwei Stunden viele spannende Infos zur Architektur erfährt und einen Einblick in die Stadtgeschichte bekommt. Wem das nicht genügt, der kann zudem die Independence Hall besuchen. Bei der kurzen, aber informativen Führung dreht sich alles um die Gründung Tel Avivs und des Staates Israel. Als Reiseführer kann ich den DIY Tel Aviv Guide empfehlen, der nicht nur unzählige Adressen bereithält, sondern in dem man auch alle notwendigen Informationen zur Sicherheit, Infrastruktur usw. findet.

    Außerhalb von Tel Aviv: Akko, Haifa und Jish

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    {Uri Buri}

    Wer guten Fisch essen möchte, findet in Israel mehr als ein passendes Restaurant. In Akko (dort gibt es übrigens eine sehr schöne Altstadt inklusive Basar) schafft es das Uri Buri regelmäßig auf die Bestenlisten des Landes. Nach einem Besuch kann ich sagen: vollkommen zu Recht. Am Rande der Altstadt, fast direkt am Wasser gelegen, wird hier auf sehr hohem Niveau gekocht. Glücklicherweise gibt es die Option, sich von den Hauptspeisen halbe Portionen zu bestellen, sodass ich gleich zwei Gerichte probieren kann. Beide Fische sind auf den Punkt gebraten, die Beilagen und Saucen nicht alltäglich (Spinat-Martini-Sauce und ein Reis-Linsen-Pilaw) und israelisches Craft Beer gibt es auch (160 NIS insgesamt). Uri Buri // Ha-Hagana St 2, Akko.

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    {Falafel Ha’zkenim & Abd al-Hadi}

    Die Hafenstadt Haifa zählt – abgesehen von den Bahai-Gärten, die man nur vormittags besuchen kann – nicht gerade zu den schönsten Städten des Landes. Nicht umsonst heißt es, dass in Tel Aviv gefeiert, in Jerusalem gebetet und in Haifa gearbeitet wird. Dennoch lohnt sich bei einem Besuch ein Spaziergang durch das arabische Viertel Wadi Nisnas, in dem man an jeder Ecke auf Street Art stößt (das Kulturzentrum Beit ha-Gefen bietet dazu auch Führungen an). Wer danach Hunger hat, sollte sich bei Falafel Ha’zkenim stärken – nach Aussage meiner israelischen Kollegin gibt es dort die besten Kichererbsenbällchen des Landes. Das kann ich natürlich schwer beurteilen, doch sie schmecken in der Tat besser als alle, die ich bisher in Deutschland bekommen habe. Arabische Süßigkeiten kauft man danach am besten ein paar Schritte weiter in der Konditorei Abd al-Hadi, wo sich die Tische unter den ganzen Köstlichkeiten nur so biegen (und ja, die Baklava war wirklich so gut). Wer alternative Kneipen und Cafés sucht, findet diese übrigens in der Mahada Street weiter oben am Berg. Falafel Ha’zkenim // 18 Wadi Street; Konditorei Abd al-Hadi // Sh’Hada Street 3, Haifa.

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    {Baladna}

    Wer länger in Israel unterwegs ist und etwas vom Land sehen möchte, sollte sich ein Auto mieten und auch einen Abstecher nach Jish unternehmen, einem christlich-arabischen Ort im Nordosten des Landes. Hier ist nicht nur der Sonnenuntergang besonders schön, sondern auch das Essen im Baladna. Dort findet man einen riesigen Tisch voller Schüsseln und Teller mit Mezze vor, die zu den besten gehören, die ich je gegessen habe. Ansonsten gibt es hier traditionelle arabische Küche und viele Grillgerichte. Baladna //

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    {Unterkunft}

    Übernachtet habe ich in Tel Aviv in einem Airbnb-Zimmer in einer wunderschönen Wohnung in der Dizengoff Street, von der aus der Markt, unzählige Restaurants und Bars sowie der Strand fußläufig erreichbar sind. Vorher war ich nördlich von Akko im Bait V’Kait untergebracht, was nicht nur sehr schön im Ghetto Fighters Kibbutz liegt, sondern auch ein unglaubliches Frühstücksbuffet bereithält. Auf jeden Fall ein guter Standort für die Erkundung des Nordens.

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