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Tokio II: von Godzilla, Karaokebars und Katzentempeln – Sightseeing und Kulinarisches in Shinjuku | Shibuya | Harajuku | Shimokitazawa

Tokio Reisetipps, Sightseeing und kulinarische Tipps für Shinjuku, Shibuya, Harajuku, Shimokitazawa

Shibuya Crossing, ein röhrender Godzilla, Winkekatzentempel, bunte Streetfood-Trends und vieles mehr – dass mich Tokio überfordert, habe ich an anderer Stelle ja schon einmal erwähnt. Und auch jetzt bin ich wieder etwas ratlos, wie ich unsere kulinarischen Empfehlungen und Sightseeing-Highlights im Westen der Stadt alle unter einen Hut bringen soll. Holt euch einen Kaffee und macht es euch gemütlich, denn es könnte länger werden! Im zweiten Teil unserer kleinen Tokio-Serie geht es also in den Westen, oder besser: nach Shinjuku, Harajuku, Shibuya und Shimokitazawa – und somit zu den ersten Tagen, die wir in Japan verbringen. Wir nehmen euch mit zu unseren liebsten Sehenswürdigkeiten in Tokio, streuen ein paar Shoppingtipps ein und natürlich auch kulinarische Empfehlungen: Streetfood, Sushi, Udon (oh mein Gott, sooo gut!), Craft-Bier und Süßes für zwischendurch. Alle genannten Restaurants und Cafés bieten auch einige vegetarische Optionen an – längst noch keine Selbstverständlichkeit in Japan.

Tokio – der Westen: Sightseeing-Highlights, kulinarische Empfehlungen und Einkaufstipps

Shinjuku

Shinjuku begrüßt uns mit Sonnenschein und 33 Grad. Schlaflos stolpern wir aus dem Flieger und mitten hinein ins wuselige Geschehen. Mit seinen Wolkenkratzern, Shoppingmeilen und Entertainment-Bezirken ist Shinjuku fast schon eine Stadt für sich. Hier tanzen Roboter, hier röhrt Godzilla und auch sonst ist in diesem Stadtteil ordentlich was los. Sobald die Dämmerung hereinbricht, verwandelt sich Shinjuku in ein buntes Lichtermeer. Inmitten von flackernden Leuchtreklamen und ohrenbetäubendem Lärm, der immer wieder durch die sich öffnenden Türen der Pachinko-Hallen auf die Straßen schallt, erwacht das Rotlicht- und Ausgehviertel Kabukichō mit seinen Clubs, Karaoke- und Erotikbars. Subtil geht anders, aber irgendwie trifft diese Rundumbeschallung unsere Vorstellung von Tokio ziemlich gut. Dennoch sind wir froh, dass unser Hotel nicht mittendrin im Neonlichtgewimmel liegt, sondern in einem ruhigeren Teil Shinjukus (weitere Infos zu unserem Hotel und zur Übernachtung in Tokio allgemein findet ihr in diesem Beitrag).

Tokio Reisetipps Godzilla in der Kabukichō Central Road

Tokio Reisetipps Shinjuku Kabukichō

Tokio Reisetipps Shinjuku Kabukichō

Tokio Reisetipps Shinjuku Sightseeing und kulinarische Tipps

Tokio Reisetipps Shinjuku Kabukicho

Shinjuku Gyoen Park – grüne Oase zwischen Hochhäusern

Shinjuku hat tatsächlich auch Ruheoasen, eine davon liegt zum Glück nur ein paar Schritte von unserem Hotel entfernt. Und so starten wir unseren ersten Morgen in Tokio nach dem Check-in ganz gemütlich mit einem Besuch des Shinjuku Gyoen Parks – natürlich nicht, ohne uns vorher im nahe gelegenen 7-Eleven mit Picknick-Essentials wie Onigiri, Warabimochi, crazy Eissorten (unbedingt probieren: Häagen-Dazs Edamame-Mochi!) und Milk Tea einzudecken. Zahlt man 500 Yen Eintritt, kann man eine der größten Parkanlagen Tokios erkunden, die bereits seit der Edo-Zeit existiert. Zwischen den Hochhäusern Shinjukus wartet hier in der Tat eine grüne Oase, die sich in drei Parkbereiche aufteilt: Durch den japanischen Garten im Süden meandern Wege an Seen entlang und Hügel hinauf, vorbei an Pavillons, Brücken und einem Teehaus. Nördlich davon befindet sich der englische Landschaftsgarten mit einem Gewächshaus und großen Rasenflächen, die im Frühjahr von Kirschblüten bedeckt sind. Weiter östlich erstreckt sich der französische Teil mit Rosengarten und Blumenbeeten.

Wir haben nicht nur besonderes Glück mit dem Wetter, sondern stolpern auch direkt in ein großes Food-Festival, das mit regionalen Spezialitäten an unzähligen Essensständen aufwartet und von Show- und Musikeinlagen begleitet wird. Einen besseren Start in den Urlaub kann man sich kaum wünschen.

Tokio Reisetipps Shinjuku Gyoen Park

Metropolitan Government Building – kostenloser Blick von oben

Wer sich erst einmal von oben einen Blick über Tokio verschaffen möchte, kann dazu die kostenlose Aussichtsplattform des Metropolitan Government Buildings nutzen. Mit den unverkennbaren Zwillingstürmen bietet das Stadtverwaltungsgebäude gleich zwei Aussichtsdecks auf 202 Metern Höhe. Bei unserem Besuch ist lediglich der Südturm offen und wir müssen kurz anstehen, bis uns der Fahrstuhl in die 45. Etage bringt. Oben angekommen, gewährt uns die gläserne Front einen Panoramablick auf Shinjuku und Umgebung – ideal zur Orientierung, die uns in den ersten Tagen in Tokio noch etwas schwerfällt. Während wir versuchen, die hohen Gebäude und Parks zu identifizieren und Mount Fuji zu entdecken (keine Chance bei diesigem Wetter, aber wir werden ihn später in Hakone noch in voller Pracht bestaunen), wird hinter uns eifrig auf dem gelben Piano mit dem charakteristischen Muster der Künstlerin Yayoi Kusama geklimpert. Jede*r darf sich hier ans Klavier setzen, doch die Latte liegt irre hoch. Alle Damen, denen wir lauschen, könnten Profipianistinnen sein, so großartig spielen sie. Wir bleiben noch ein Weilchen oben, hören ihnen zu und gönnen unseren Füßen eine wohlverdiente Pause.

Tokio Reisetipps Shinjuku Metropolitan Government Building Aussichtsplattform

Tokio Reisetipps Shinjuku Metropolitan Government Building Aussichtsplattform

Tokio Reisetipps Shinjuku Metropolitan Government Building Aussichtsplattform

Tokio Reisetipps Shinjuku Metropolitan Government Building Aussichtsplattform

Zu Besuch bei Godzilla auf dem Toho Building

Genug orientiert und akklimatisiert, jetzt geht es mitten hinein ins Gewusel, genauer gesagt ins Rotlichtviertel. Kabukichō genießt vielleicht nicht den besten Ruf und ist eines der wenigen Viertel Tokios, vor denen in Reiseführern etwas gewarnt wird, doch unwohl fühlen muss man sich hier nicht. Vor allem nicht am frühen Abend, wenn gefühlt die halbe Stadt durch die neonschilderbeleuchteten Straßen zieht, zum Robot Restaurant strömt oder Godzilla hallo sagen möchte. Godzilla? Jup, er wacht hier über Bars und Love Hotels und brüllt zur vollen Stunde, um sich gegen die Lautstärke der umliegenden Clubs durchzusetzen.

Wer will, kann Godzilla sogar auf dem Dach des Toho Buildings am Ende der Kabukichō Central Road (aka Godzilla Road) einen Besuch abstatten. Natürlich wollen wir! Der Fahrstuhl bringt uns in den 8. Stock, in die Lobby des Gracery Hotels, denn hier wohnt das Monster auf der Terrasse des Bonjour Cafés. Da der Zutritt zur Dachterrasse laut Beschilderung nur Gästen gewährt wird (kontrolliert wird das aber nicht), bestellt euch einfach ein Getränk und ruht euch etwas aus (kann ja nie schaden), bevor ihr Godzilla gegenübertretet. Bei unserem Besuch ist so wenig los, dass wir uns fast ungestört vor den Augen Godzillas (und eines stoischen Wachmanns) zum Affen machen und von dort oben überlegen können, in welche Richtung des Viertels wir uns als nächstes treiben lassen.

Wer dem King of the Monsters gar nicht mehr von der Seite weichen möchte, kann sich von ihm auch im Schlaf bewachen lassen und neben ihm auf Augenhöhe in einem der Godzilla-Zimmer des Gracery Hotels nächtigen.

Tokio Reisetipps Shinjuku Kabukicho Godzilla auf dem Toho Building

Tokio Reisetipps Shinjuku Kabukicho Godzilla Road

Tokio Reisetipps Shinjuku Kabukicho Godzilla auf dem Toho Building

Trink- und Esskultur aus einer anderen Zeit: Golden Gai und Omoide Yokochō

Wir lassen das Geblinke des Vergnügungsviertels hinter uns und unternehmen eine kleine Zeitreise ins Tokio der 1950er. Am Rande von Kabukichō taucht man im Golden Gai in das ehemalige Rotlichtviertel ab. Hier herrscht eine ganz andere Atmosphäre, merkwürdig irgendwie. In einem Block von sechs engen Gassen reihen sich über 200 teilweise winzige Kneipen und Bars in abgeschrabbelten Häuschen aneinander. Fotos sind verboten, Ausländer*innen teilweise auch. „No tourists“ prangt an mancher Tür und unterstreicht die Exklusivität, die nicht allein durch die wenigen Sitzplätze der Kneipen diktiert wird. Doch einige der Bars, die sich Themen wie 80er oder Punk verschrieben haben, zeigen sich weltoffen und gewähren auch Tourist*innen Einblicke in die japanische Trinkkultur. Ob man in einer der begehrten Kneipen einen Platz erwischt oder nicht – allein schon zum Treibenlassen lohnt sich ein Ausflug in diese andere Welt.

Nostalgisch geht es weiter durch die Omoide Yokochō, die auch unter dem wenig schmeichelhaften Spitznamen Piss Alley bekannt ist. Düster, eng, ein bisschen siffig – dass hier früher der Schwarzmarkt stattfand, kann man sich gut vorstellen. Heute riecht es nach gebratenem Hühnchen und Bier. Aus den Küchen der Yakitori-Lokale dampft es, doch wer auf der Suche nach etwas Vegetarischem ist, wird hier nicht fündig. Stattdessen kämpft man sich durch wildes Gepose. Denn dass die lampionbehängte „Memory Lane“ mit ihrer saisonalen (Plastik-)Deko ganz hübsch aussieht, hat sich längst herumgesprochen. Die enge Gasse muss nun vor allem als Instagram-Fototapete für „old Japan vibes“ herhalten. Extra wegen der Straße herkommen, muss man sicher nicht, doch wer ohnehin in der Nähe der Shinjuku Station ist und Hunger oder Durst verspürt, findet in den traditionellen Izakayas Abhilfe.

Tokio Reisetipps Shinjuku Omoide Yokocho aka Memory Lane

Tokio Reisetipps Shinjuku Omoide Yokocho aka Memory Lane

Shopping in Shinjuku: Tokyu Hands und Don Quijote

Dass uns ausländische Supermärkte magisch anziehen und wir darin Stunden verbringen können – geschenkt. Doch in Japan eskaliert alles ein wenig. Nicht nur, dass jeder Konbini-Besuch zu einem halbtagesfüllenden Ausflug ausartet, auch die Kaufhäuser haben eine hypnotische Anziehungskraft auf uns. Dabei kaufen wir nicht einmal viel, sondern schauen, entdecken und staunen vor allem.

Eines der ersten Warenhäuser, in denen wir versacken, ist Tokyu Hands. Das Kaufhaus mit besonderem Fokus auf Haushaltswaren und DIY-Zubehör findet man zwar auch in anderen Vierteln und Städten, doch die Shinjuku-Filiale gefällt uns am besten. Hier gibt es so ziemlich alles – schöne Schreibwaren, eine irre Auswahl an hübschen Regenschirmen (allein daran lässt sich ablesen, wie oft es in Japan regnet) sowie riesige Küchenzubehör- und Kosmetikabteilungen, in denen es allerlei Absurditäten zu entdecken gibt.

Garantiert kein Geheimtipp, aber ein Shop, an dem man in Japan kaum vorbeikommt, ist Don Quijote. Wer die ultimative Auswahl an japanischen Süßigkeiten, perfekten Mitbringseln und völlig beklopptem Schnickschnack sucht, sollte sich in eine der unzähligen Filialen wagen. Von singenden Zahnbürsten bis zum 500er-Pack getrocknete Tintenfische findet man hier alles, was man bislang nicht vermisst hat. Aber Vorsicht: Lange hält man es in dem Kaufhaus nicht aus. Die Gänge sind eng und vollgestellt, die Regale quellen über, an jeder Ecke dudeln und blinken Werbevideos. Klingt nach reinstem Horror? Das ist es! Don Quijote ist mein shopgewordener Albtraum – und trotzdem muss man das mal erlebt haben!

Tokio Reisetipps Shinjuku

Im Udon-Himmel: Udon Shin

Gerade mal vier Leute stehen vor uns in der Schlange. Bei einem Restaurant, das als Tokios bester Udon-Laden gehandelt wird, hatten wir Schlimmeres erwartet. Wieder einmal zahlt es sich aus, dass wir etwas früher als sonst am Abend essen gehen. Noch in der Schlange bekommen wir die englische Speisekarte in die Hand gedrückt. Gut 20 Gerichte – alle mit Udon natürlich, deswegen sind wir ja auch hier. Unterteilt wird in Zaru Udon (kalte Nudeln mit Toppings, die in eine Soße getaucht werden) und Kake Udon (warme Nudeln, serviert in einer Brühe mit verschiedenen Einlagen). Die Kalten solle man probieren, um Geschmack und Konsistenz der hausgemachten Udon am intensivsten wahrzunehmen, sagt man uns. Daran halten wir uns. Ich entscheide mich für eines der wenigen vegetarischen Gerichte – Udon mit Gemüse-Tempura, Frühlingszwiebeln, Rettich und weich gekochtem Ei (1150 Yen) –, werde aber vom freundlichen Service darauf aufmerksam gemacht, dass die Dipping-Soße Fisch enthält, sie aber durch Sojasoße ersetzt werden kann. Wunderbar!

Langsam geht es voran und wir können den Udon-Meister*innen nun auch bei der Zubereitung der Nudeln zuschauen. Die Küche ist winzig, doch auch sonst ist das Udon Shin recht kompakt. Gerade einmal 12 Gäste finden hier Platz. Nur ein paar Minuten nachdem wir an der Theke platziert werden, stehen auch schon zwei große Portionen der dicken Nudeln vor uns, die sich unwiderstehlich in die Teller schmiegen. Ganz reduziert bei mir, bei Steffen etwas üppiger mit Tempura-Pancake, eingelegter Pflaume, Ei und Bonitoflocken (1380 Yen). Was soll ich sagen? Es schmeckt großartig! Die Udon sind perfekt – samtig, elastisch und endlos lang. Nur das Schlürfen der Nudeln müssen wir noch üben, das wirkt bei allen anderen deutlich gekonnter. Glücklich, wenn auch mit eingesauten Shirts, verlassen wir den kleinen Laden und staunen nicht schlecht über die lange Schlange, die sich nun die ganze Straße hinunter formiert hat. Allergrößte Empfehlung und das beste Beispiel dafür, dass man in Japan für großartiges Essen nicht viel Geld ausgeben muss.

Tokio Reisetipps Shinjuku Udon Shin Zaru Udon

Harajuku

Harajuku ist jung, bunt, schrill und quirlig. Das Viertel, das zum Bezirk Shibuya gehört und an Shinjuku grenzt, ist vor allem als Kawaii-Hochburg und Zentrum der Pop- und Jugendkultur bekannt. Hinter dem Bahnhof trifft sich sonntags die Cosplay-Szene, folgt man dem Duft von Crêpes und Zuckerwatte, steht man früher oder später in der Takeshita-dori, dem Zentrum Harajukus, umzingelt von Teenies und bunten Food-Trends. Doch auch Harajuku hat seine ruhigen Ecken. Lässt man die schrillen Shops und großen Einkaufsstraßen hinter sich, findet man im Westen eine gigantische Grünanlage, die mit dem Meiji-Schrein einen der bekanntesten Shinto-Schreine der Stadt beheimatet.

Tokio Reisetipps Harajuku Takeshita-dori

Street Food in der Takeshita-dori

Ein Meer aus Schirmen erstreckt sich vor uns, als wir am oberen Ende der Takeshita-dori stehen, der berühmten Shopping- und Street-Food-Straße in Harajuku. Ja, wir hätten uns sicher einen besseren Tag aussuchen können, das merken wir spätestens, als wir uns ebenso beschirmt durch das dichte Gedränge schieben. Die Takeshita-dori gilt als Epizentrum der Jugendkultur und des Cosplays – zumindest liest man das überall. Das mag vielleicht vor einigen Jahren zutreffend gewesen sein, nun reihen sich vor allem 100-Yen- und Souvenirshops aneinander, die mehr bunten Plastikschrott verkaufen als wahre Trends. Nach wie vor kann man hier allerdings einige spannende Food-Stationen entdecken, die auch über Japan hinaus Berühmtheit erlangt haben – gigantische Zuckerwattewolken in Regenbogenfarben zum Beispiel.

Wir aber sind gekommen, um Crêpes zu essen. Die nicht weniger gigantischen und mit allerhand Kuchenstücken, Früchten, Eis, Sahne und Soßen gefüllten Pfannkuchen dürfen bei einem Besuch in Harajuku offenbar nicht fehlen. An mindestens einer Handvoll Crêpesstände, alle mit ähnlichem Angebot, laufen wir vorbei und entscheiden uns schließlich für einen Halt bei Marion Crêpes. Gut, dass die Schlange etwas länger ist und uns Zeit gibt, die zwei Fenster mit Crêpes-Attrappen zu bestaunen. Erdbeeren, Cheesecake, Vanilleeis und Sahne (620 Yen) werden in unseren Pfannkuchen eingerollt – wenn schon, denn schon! Natürlich schmeckt der üppige Nachtisch, auch wenn die Geschmacksexplosion kleiner ausfällt als erhofft.

Tokio Reisetipps Harajuku Marion Crêpes Takeshita-dori Foodtrends

Dann entdecken wir einen Laden, den wir bereits aus einem Video von Paolo from Tokyo kennen: Calbee Plus. Wer sich schon einmal durch die Snack-Abteilung eines Konbinis gewühlt hat, wird sicher auf die eine oder andere Calbee-Packung gestoßen sein – Chips, Kartoffelsticks, Hauptsache Kartoffeln und frittiert. Das gilt auch im Shop in der Takeshita-dori, in dem sich nicht nur zig unterschiedliche Chipssorten stapeln, sondern auch frische Kartoffelsnacks gekauft werden können. Wir bestellen das saisonale Angebot: Frisch gebackene Chips mit Ziegenkäse und Honig. Klingt komisch, schmeckt komisch, aber nach zwei Bissen sind wir angefixt.

Warum nicht mal von 15-jährigen Japanerinnen influencen lassen? Die Aufregung um Xing Fu Tang und ihre taiwanesischen Brown Sugar Boba Drinks ist so groß, dass wir die Takeshita-dori nicht verlassen können, ohne den aktuell größten Food-Trend zu probieren. So richtig wissen wir gar nicht, für was wir uns da genau angestellt haben, aber wir vertrauen der großen Fanbase und den zahlreichen Ständen, an denen Drinks dieser Art in ganz Tokio angeboten werden. Schon das Anstehen wird in dem engen Laden zum Erlebnis, kann man währenddessen doch beobachten, wie die kleinen Bobakugeln frisch zubereitet, dann in einer riesigen Pfanne mit braunem Zucker karamellisiert und die Drinks schließlich per aufwendigem Verfahren zusammengestellt werden: Unten eine Schicht heiße Boba, darüber Milk Tea und eine Marshmallowcreme, die zu guter Letzt noch flambiert wird. Oookay. Kostet satte 700 Yen, schmeckt aber bombig. Anfang des Jahres hat Xing Fu Tang eine Filiale in New York eröffnet – wir sind gespannt, wann das taiwanesische Trend-Getränk auch den Weg zu uns findet.

Tokio Reisetipps Harajuku Xing Fu Tang Brown Sugar Boba Milk Tea Takeshita-dori Foodtrends

Shopping in Harajuku

Südlich und parallel der Takeshita-dori liegt der ein Kilometer lange Einkaufsboulevard Omotesandō mit zahlreichen Kaufhäusern, Boutiquen und großen Flagship-Stores. Auch wenn die meisten Shops etwas zu posh für unseren Geschmack (und Geldbeutel) sind, lohnt es sich dennoch, sich in der Gegend etwas umzuschauen, denn sie hat auch architektonisch einiges zu bieten. So stolpern wir auf der Suche nach einer Toilette mitten in einen Instagram-Hotspot – den verspiegelten, kaleidoskopartigen Eingang des Kaufhauses Tokyu Plaza Omotesando Harajuku, wo sich Shoppingmüde und Posing-Queens und -Kings nebeneinander auf der Treppe räkeln.

Tokio Reisetipps Harajuku verspiegelter Eingang Tokyu Plaza Omotesando Harajuku

Doch vor allem sind es die Seitenstraßen der Omotesandō, in denen es spannend wird. So wie in der Cat Street, die die Viertel Harajuku und Shibuya miteinander verbindet. Nur wenige Schritte von der prunkvollen Prachtstraße entfernt, herrscht hier beschaulicher Vorstadtflair und eine ganz eigene, coole Atmosphäre. Alternative Modeshops, ausgefallene Concept Stores und skurrile kleine Läden – überall gibt es was zu bestaunen.

Tokio Reisetipps Harajuku Cat Street

Tokio Reisetipps Harajuku Cat Street

Mitten im Grünen: Meiji-Schrein

Zwischen all den bunten, schrillen Ecken des Viertels ruht der große Meiji-Schrein inmitten einer riesigen Parkanlage. Als wir den Schrein besuchen wollen, meint es das Wetter nicht gut mit uns. Es regnet immer stärker und der Weg durch das große Waldstück (120.000 Bäume wurden beim Bau der Anlage gepflanzt), das später in den Yoyogi-Park übergeht, ist weniger erfreulich als erhofft. Dennoch ist ordentlich was los. Denn der relativ junge Schrein, der zu Ehren des 1912 verstorbenen Kaisers Meiji und seiner Frau Shoken errichtet (und wie so vieles in Japan im Zweiten Weltkrieg zerstört und wieder aufgebaut) wurde, gehört zu den wichtigsten Shinto-Schreinen Tokios und somit zu den beliebtesten Attraktionen der Stadt.

Der Weg zum Schrein führt durch eines der beiden riesigen Torii. Vor Ort können Besucher*innen den üblichen Schrein-Gepflogenheiten folgen – von der rituellen Säuberung (bunte Hinweisschilder erklären den Ablauf ganz genau) bis zum Kauf eines Zettel-Orakels (Omikuji), das einem in Form von Gedichten einen Blick in die Zukunft beschert.

Aufgrund des zunehmend schlechteren Wetters verzichten wir auf den Besuch des inneren Gartens (500 Yen Eintritt) und laufen in Richtung Parkausgang. Auf dem Weg bewundern wir die bunten Sake-Fässer, die sich vor dem Schrein stapeln und von unzähligen japanischen Brauereien gespendet wurden.

Tokio Reisetipps Harajuku Meiji Schrein Torii

Tokio Reisetipps Harajuku Meiji Schrein

Tokio Reisetipps Harajuku Meiji Schrein

Tokio Reisetipps Harajuku Meiji Schrein Sake-Fässer

Shibuya

Wer das Tokio aus „Lost in Translation“ sucht, muss nach Shibuya. Noch heftiger als in Shinjuku trifft uns die komplette Reizüberflutung, als wir zum ersten Mal an der Shibuya-Station aus der Metro steigen und kurz darauf am berühmten Shibuya Crossing stehen. Tausende Menschen, die bei Grün gleichzeitig aus allen Richtungen die Straße überqueren, flackernde und plärrende Videoleinwände an jeder Häuserfront und dazu riesige rundum mit Werbung für Teenie-Bands oder Fernsehserien bedruckte LKWs, aus denen in tierischer Lautstärke Musik donnert. Ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll, überall passiert was. Mittendrin steht als Ruhepol die bekannteste Hundestatue Japans, die in Erinnerung an den treuen Hachikō errichtet wurde, der am Shibuya-Bahnhof jahrelang auf sein verstorbenes Herrchen wartete. Uns ist die Schlange derer, die für ein Porträt mit dem Hund anstehen, zu lang und so schieben wir uns lieber mit den Massen über die belebteste Kreuzung der Welt.

Tokio Reisetipps Shibuya Crossing

Tokio Reisetipps Shibuya Crossing von oben

Tokio Reisetipps Shibuya bei Nacht

Shibuya Crossing von oben

Bis zu 15.000 Menschen pro Grünphase sollen es sein, die zu Spitzenzeiten am Abend von allen Seiten die riesige Shibuya-Kreuzung überqueren. So viele sind es sicher nicht, die sich zeitgleich mit uns über die Straße drängen, doch die Menschenmenge, die einem da entgegenkommt, ist schon ziemlich beeindruckend (bzw. beängstigend). So richtig erfassen kann man das Spektakel allerdings nur von oben. Dafür gibt es am Shibuya Crossing gleich mehrere gute Möglichkeiten.

Das Gewusel der Kreuzung gut im Blick hat man zum Beispiel vom 1. Stock des Starbucks aus. Das Café ist allerdings meist rappelvoll und die Plätze an der großen Glasfront heiß begehrt. Also setzen wir auf Aussicht Nr. 2 und fahren rauf zur Dachterrasse im 8. Stock des Kaufhauses Magnet by Shibuya109. Der Eintritt kostet zwar 600 Yen, doch dafür hat man einen wirklich guten Blick auf die Kreuzung. Bei unserem Besuch regnet es leider, was zwar für wenig Betrieb auf dem Aussichtsdeck sorgt, aber das Fotografieren durch die Wassertropfen an der Panoramascheibe etwas erschwert.

Tokio Reisetipps Shibuya Crossing von oben

Tokio Reisetipps Shibuya Crossing

Wer noch höher hinaus will und sich gleich einen Überblick über ganz Shibuya verschaffen möchte, kann seit Ende 2019 auch vom Shibuya Scramble Square aus die Aussicht genießen. Das höchste Gebäude Shibuyas wurde erst kurz nach unserer Reise eröffnet und bietet mit dem Shibuya Sky eine neue Aussichtsplattform auf 229 Meter Höhe. Mit 1800 Yen Eintritt bezahlt man für den Blick auf die Stadt allerdings auch einiges mehr.

Big in Japan: Rainbow Karaoke

Früher oder später musste es geschehen. Wir können Tokio nicht verlassen, ohne eine der zahlreichen Karaokebars besucht zu haben. Die Tatsache, dass man hier ein privates Zimmer bucht und nicht auf einer Bühne vor wildfremden Menschen singen muss, macht das Singen für Nichtsingende wie uns deutlich attraktiver. Ganz in der Nähe von Shibuya Crossing wartet im 8. Stock des Modi Buildings das noch recht neue Rainbow Karaoke, das wesentlich stylisher daherkommt, als viele andere, oft schrabbelige Karaokeketten. Die Preise variieren wie bei den meisten Karaokeläden nach Tag und Uhrzeit. Die erste Stunde ist im Rainbow Karaoke sogar kostenlos, es gibt lediglich einen Mindestverzehr von 460 Yen pro Person für Getränke. Da lohnt sich also gleich die Getränke- und Eis-Flatrate für 600 Yen.

Mit Softdrinks und Softeis bepackt machen wir uns auf die Suche nach unserem Zimmer, von denen es Dutzende in sämtlichen Größen und zu unterschiedlichen Themen gibt. Wie es der Zufall will, landen wir in „Brooklyn“. Dort wartet nicht nur ein Tamburin auf uns (kann man ja immer mal gebrauchen …), sondern auch zwei Tablets, über die sich dank englischem Menü so ziemlich jeder Song finden lässt. Bald klingelt das Telefon unserer Kabine und erinnert uns daran, dass die letzten 1,5 Stunden im Nu verflogen sind. Was ein Spaß! Wir brauchen so etwas auch in München!

Tokio Reisetipps Shibuya Rainbow Karaoke

Shoppen im Loft – oder shut up and take my money

Wer schon immer mal niedliche Post-its mit dicken Katzen-, Panda- und Hamsterhintern oder Otter-Gesichtsmasken besitzen wollte, ist im Loft genau richtig. Das Lifestyle-Kaufhaus für Designaffine bringt mich auf sieben Etagen zur Verzweiflung, weil ich nicht weiß, wie ich den ganzen Kram jemals nach Hause transportieren soll. Überall gibt es so viel Schönes zu entdecken – angefangen bei der irrsinnigen Schreibwarenabteilung, in der wir uns mit Geburtstagskarten und Post-its für die nächsten fünf Jahre eindecken, bis zu den schmucken Keramikschälchen und Bento-Utensilien in allen Formen und Farben. Bester Shop, um sich selbst und andere zu beschenken!

Tokio Reisetipps Shibuya Loft Kaufhaus

Easy-peasy Fließbandsushi: Genki Sushi Shibuya

Unser erster Abend in Japan. Wir sind müde, aber hungrig, brauchen etwas, das schnell geht und nicht allzu erklärungsbedürftig ist. Fließbandsushi it is! Nur wenige Schritte entfernt vom Shibuya-Crossing-Gewusel wartet eine Filiale der beliebten Kaiten-Sushi-Kette Genki Sushi. Bestellt wird per Touchscreen (über das englische Menü) direkt am Platz, dort befindet sich auch ein eigener Wasserhahn für grünen Tee, den man kostenfrei wie in vielen japanischen Lokalen dazubekommt.

Alles wird frisch zubereitet. Ist die Bestellung fertig, kommt sie über das Fließband angesaust und bleibt mit einem „Bing“ vor einem stehen. Neben einer großen Auswahl an verschiedenen Sushis und Beilagen gibt es auch saisonale Gerichte und tagesaktuellen Fisch. Steffen ist vor allem vom Thunfisch-Special begeistert, der mit echtem Wasabi serviert wird. Ich meine, es ist das erste Mal, dass wir Wasabi so frisch probieren – daran könnten wir uns gewöhnen! Auch ein anderes erstes Mal erleben wir hier: Sushi mit Nattō. Die fermentierten Sojabohnen zeichnen sich nicht gerade durch ihr appetitliches Aussehen aus, sind aber fester Bestandteil der japanischen Küche. Im Maki versteckt bemerkt man ihre schleimige Konsistenz zum Glück nicht allzu sehr, aufs Nachordern verzichten wir dennoch.

Allgemein ist die Auswahl für Vegetarier*innen zwar nicht riesig, aber ich probiere u. a. Gurken-Maki, Tamago-Nigiri mit einem leicht süßen Omelett (schmeckt sehr gut, auch wenn man bei japanischen Omelettes nie hundertprozentig sicher sein kann, dass keine Fischsoße enthalten ist) und Nigiri mit eingelegter Aubergine. Die Sojasoße, die auf den Tischen steht, enthält zwar Bonitoflocken, aber auf Nachfrage bekommt man auch vegane Halal-Sojasoße. Beim Bezahlen an der Kasse fallen uns fast die Kinnladen runter – 2500 Yen für nicht gerade wenige Teller. Wow. Superfrisch, superzentral, supergünstig!

Tokio Reisetipps Genki Sushi Shibuya Conveyor Belt Sushi

Tokio Reisetipps Genki Sushi Shibuya Conveyor Belt Sushi

Tokio Reisetipps Genki Sushi Shibuya Conveyor Belt Sushi

(Nicht nur) vegetarisches Sushi: Katsu Midori Seibu Shibuya

Für sushiverwöhnte Japaner*innen gilt das nicht nur wegen seiner günstigen Preise beliebte Katsu Midori im 8. Stock des Kaufhauses Seibu Shibuya wahrscheinlich als Fast-Food-Restaurant, doch im Vergleich zum deutschen Standardsushi sind Qualität und Auswahl um Welten besser. Vor dem Eingang zieht sich eine lange Reihe von Stühlen für wartende Gäste an der Wand entlang, was unseren müden Beinen sehr entgegenkommt. Glücklicherweise sind wir am Nachmittag außerhalb der Stoßzeiten dort und können schon nach fünf Minuten an der Theke Platz nehmen. Neben dem fortlaufend ergänzten Fließbandangebot können auch hier über Tablets spezielle Wünsche geordert werden, die uns über ein Extralaufband per Fischwagen geliefert werden – very kawaii! Auch grüner Tee kann direkt am Platz gezapft werden.

Steffen freut sich über die große Thunfischauswahl und die vielen kurz angebratenen Nigiris – welcher Fisch genau vorbeigefahren kommt, ist trotz der englischen Übersetzungsversuche nicht immer ganz klar, aber es ist alles unglaublich frisch und von hoher Qualität. Na gut, alles bis auf eine Ausnahme: Die Süßkartoffeln sind kalt und trocken, vermutlich sind sie schon ein Weilchen auf dem Band herumgefahren. Überraschend groß ist die Bandbreite der vegetarischen Sushis und Beilagen – vor allem das in frittierte Tofutaschen gehüllte Inari-Sushi ist großartig. Leider gibt es keine Sojasoße ohne Bonito; wer damit ein Problem hat und nicht darauf verzichten möchte, sollte sich vorher im 7-Eleven eine eigene Sojasoße besorgen. Wie immer hätten es am Ende auch zwei, drei Teller weniger getan, aber die direkt vor der Nase vorbeiziehenden Leckereien machen es einem schwer, vernünftig zu bleiben. Zusammen landen wir bei 2600 Yen, was angesichts der Qualität ein absolutes Schnäppchen ist.

Tokio Reisetipps Shibuya Sushi Katsu Midori Seibu Shibuya

Tokio Reisetipps Shibuya Sushi Katsu Midori Seibu Shibuya

Craft Beer with a view: Goodbeer Faucets

Craft Beer ist in Japan natürlich auch längst angekommen. Gerade in den großen Städten finden wir eine solide Auswahl an entsprechenden Bars. In Shibuya treibt uns der strömende Regen in eine der besten Bierbars des Viertels. Das im 1. Stock gelegene Goodbeer Faucets gehört zu einem japanischen Großhändler und kann mit einem wechselnden Angebot von 40 Fassbieren (vor allem aus Japan und den USA) punkten. Dank des Tasting flights können wir für 2300 Yen fünf verschiedene Biere probieren. Die Zusammenstellung variiert je nach Angebot, wir bekommen ausschließlich uns bisher unbekannte japanische Biere, die mal mehr, mal weniger unseren Geschmack treffen. Dazu snacken wir Kleinigkeiten von der übersichtlichen Speisekarte – scharfe Chicken Wings für Steffen, geräucherte Edamame für mich – und beobachten von unseren Plätzen an der großen Fensterfront die sich im Regen spiegelnden Neonlichter der Stadt.

Tokio Reisetipps Shibuya Goodbeer Faucets Craft Beer

Shimokitazawa

Kurz sind wir verwirrt, als wir vier Stationen vom Shibuya Crossing entfernt aus dem Bahnhof in Shimokitazawa kommen. Es dauert einen Moment, bis uns dämmert, was anders ist: Es fehlen die massive Geräuschkulisse und das Dauerblinken der Leuchtreklamen, die keine fünf Minuten von hier das Straßenbild bestimmen. In Shimokitazawa im Bezirk Setagaya geht es deutlich ruhiger und entspannter zu. Eingebettet in Wohnviertel mit den typischen kleinen Häusern und engen Gassen liegen zwei Dutzend Einkaufsstraßen, die einen alternativen, künstlerischen Indie-Flair versprühen. Alles ganz schön cool und hip. Hier wimmelt es von Buchläden, netten Cafés, Restaurants, besonderen Boutiquen und Second-Hand-Shops. Erst am späten Nachmittag erwacht das Viertel so richtig, wenn die Bars und Restaurants öffnen und die jungen hippen Japaner*innen umherstreifen. Tourist*innen sieht man dafür in diesem ganz anderen Tokio deutlich weniger.

Tokio Reisetipps Shimokitazawa Shopping

Shopping in Shimokitazawa

Shimokita erlebt man am besten, wenn man sich treiben lässt. Damit kann man schon nahe der Metrostation beginnen. Im dreistöckigen und dennoch winzigen Sansato findet man ausgewählte Second-Hand-Kleidung, ausgefallene Stücke von lokalen Designer*innen, handwerklichen Krimskrams, tollen Schmuck und ganz oben sogar ein Mini-Café, von dem aus man das Treiben auf der Straße beobachten kann.

Schräg gegenüber zieht uns die pflanzenbewucherte Front des Darwin Room magisch an. Hier hat man sich ganz der Naturwissenschaft verschrieben. Zwischen ausgestopften Tieren, alten Landkarten und Büchern lässt es sich gut durch Kunstdrucke und Absurditäten stöbern, einen Kaffee trinken oder auch arbeiten, denn irgendwie ist der Darwin Room alles auf einmal – Shop, Café, Museum und Co-Working-Space.

Tokio Reisetipps Shimokitazawa Darwin Room Shoppingtipps

Weniger wissenschaftlich, dafür mit der vollen Dröhnung Popkultur begrüßt uns der Village Vanguard Store. Der große verwinkelte Shop ist eine Mischung aus Buchladen, Manga-Store, Fanshop, Kleidungsgeschäft und 100-Yen-Shop – eine Art Don Quijote in Cool und Alternativ. Es ist laut, bunt und vollgestellt, aber es gibt viele coole und skurrile Sachen zu entdecken. Steffen ist immer noch traurig, dass er es versäumt hat, das japanische Hawaiihemd mit Katzenaufdruck zu kaufen. Na ja, beim nächsten Mal …

Tokio Reisetipps Shimokitazawa Shoppingtipps

Fast zu süß zum Essen: Shirohige’s Cream Puff Factory

Eine ganze Weile laufen wir bereits durch ein unscheinbares Wohnviertel und fragen uns, ob das, was wir suchen, hier überhaupt noch kommt. Dann sehen wir andere Touris, die sich ebenso verwirrt umschauen und den Weg immer wieder mit dem Smartphone abgleichen. Ganz versteckt am Ende der Straße blitzt zwischen Tannen und Efeu ein Eckhaus hervor. Drei niedliche Totoros lächeln uns auf einem Schild vor dem Eingang an. Wir sind richtig. Shirohige’s Cream Puff Factory war eines der ersten Cafés in Tokio, das ich auf Maps markiert hatte, lange bevor klar war, dass wir nach Japan reisen würden. In die Windbeutel in Totoro-Form habe ich mich sofort verliebt, dabei wusste ich weder wer Totoro ist noch konnte ich was mit Studio Ghibli anfangen.

Hinter der Verkaufstheke im Erdgeschoss begrüßt uns eine nette ältere Dame. Es ist spät am Nachmittag, die Auslage ist schon gut geplündert, aber ein paar Cream Puffs starren uns noch mit aufgerissenen Augen an. Verschiedene Füllungen stehen Auswahl: Matcha, Schokolade, Pudding sowie die Herbst-Specials Kürbis und Marone. Letztere soll es sein. Da wir gleich weiter das Viertel erkunden wollen, tragen wir unseren essbaren Totoro (460 Yen) vorsichtig nach draußen zu den Sitzgelegenheiten. Wer sich mehr Zeit nehmen möchte, kann sich in das Café im 1. Stock setzen, auch dort soll es sehr nett sein. Auf den ersten Bissen ist der Windbeutel etwas trocken, doch sobald man auf die sahnige Füllung stößt, ergibt sich eine köstliche Kombi. Der Irrweg durch die Wohngegend lohnt sich also!

Tokio Reisetipps Shimokitazawa Totoro Shirohige's Cream Puff Factory

Tokio Reisetipps Shimokitazawa Totoro Shirohige's Cream Puff Factory

Gōtoku-ji-Tempel – Winkekatzen unter sich

Zwar nicht direkt in Shimokitazawa, aber auch in Setagaya und nicht weit davon entfernt, wartet auf Katzenliebhaber*innen ein ganz besonderer Ort. Wer von den Touri- und Pilgermassen an den großen Tempeln genug hat, sollte einen Ausflug in eine der ruhigeren Ecken Tokios unternehmen – zum Winkekatzentempel. Vielleicht ist es dem schlechten Wetter oder der frühen Uhrzeit geschuldet, dass am Gōtoku-ji-Tempel so wenig Betrieb herrscht – an den Stars der Anlage liegt es ganz sicher nicht! Hunderte rot-weiße Winkekatzen bzw. Maneki neko, wie sie hier heißen, begrüßen uns mit erhobener Pfote. Ein ganzer Tempel für Katzen? Genau unser Ding!

Um die Entstehung des buddhistischen Tempels ranken sich einige Mythen. Die bekanntesten Legende geht auf die Edo-Zeit zurück. Ein reisender Fürst soll während eines Unwetters von einer Katze in einen verfallenen Tempel gewunken und so vor einem Blitzschlag gerettet worden sein. Zum Dank ließ er einen neuen Tempel und einen Schrein für die Katze errichten. Dankbare Gläubige sollen daraufhin angefangen haben, tönerne Winkekatzen zu spenden, wenn sich ein Wunsch erfüllt hat. Diese Tradition wird auch heute noch fortgesetzt, und so bevölkern Hunderte Glückskatzen in allen Größen die Außenanlage.

Auch sonst ist das Areal des Katzentempels wirklich hübsch. Nur eine Handvoll Besucher*innen ist früh am Morgen unterwegs und so können wir ganz in Ruhe die verschiedenen Gebäude und den angrenzenden Friedhof durchwandern. Während unserer Japanreise sind es vor allem etwas kleinere und abgelegenere Schreine und Tempel wie dieser, die uns besonders gut gefallen.

Übrigens ist auch die Gegend rund um den Winkekatzentempel wirklich hübsch. Der Weg zurück zur Gotokuji Station führt durch eine nette Wohngegend und an einigen kleinen Geschäften und Imbissen vorbei.

Tokio Reisetipps Setagaya Winkekatzentempel Gōtoku-ji-Tempel

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Weitere Tipps für Tokio und Japan findet ihr hier:

Tokio I: Basics für die Reiseplanung – wie viele Tage, wo übernachten und was es sonst so zu beachten gibt

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2 Kommentare

  • Reply Lisa

    Danke für den Ausflug 😍 Wenigstens ein bisschen Urlaubsstimmung. Unsere Japanreise mussten wir nun endgültig absagen….sooo traurig. Jetzt bin ich zwar wehmütig, aber meine Liste für Tokyo dafür um so länger! 😅
    Lg,
    Lisa

    1. Juni 2020 at 12:23
    • Reply Sabrina

      Ach Mensch, das tut mir leid! Gut, dass Japan nicht wegläuft. Vielleicht könnt ihr die Reise ja nächstes Jahr antreten und seid dann bestens vorbereitet. 🙂

      1. Juni 2020 at 20:11

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