Folge uns:
Browsing Tag:

Bier

    Gegessen, Geteilt, Getrunken

    Was bisher geschah: August 2017 – von Münchner Eisdielen, neuen Wirtshäusern & Rauchbieren im Sommer

    Sonnenbrille am Pool

    Der August ist vorbei und somit auch der Sommer. Zumindest behauptet das der ein oder andere in den sozialen Netzwerken, und meteorologisch gesehen stimmt das sogar. Doch ich bin noch nicht bereit für einen Abschied, habe noch keine Lust auf Kürbis & Co. und erst recht nicht auf Wollsocken! Viel zu selten waren wir bisher am (und vor allem im) See, an der Isar und im Biergarten. Der Sommer und ich – wir brauchen noch etwas Zeit. Also hoffe ich, dass sich der September von seiner besten Seite zeigen wird. Genauso wenig wie ich mich vom Sommer verabschieden möchte, will ich mir eingestehen, dass der Urlaub dieses Jahr schon weggeurlaubt wurde. Alle um uns herum starten in den (Spät-)Sommerurlaub und ich wurde noch nie so oft wie in den letzten Wochen gefragt, wann und wohin es für uns denn in die Ferne ginge. Dann stammele ich irgendwas von wir waren schon so lange weg, wir sind durch“ und werde ein bisschen wehmütig. Immerhin bleiben uns noch die Wochenenden, die sich bestimmt ab und an verlängern lassen und uns so zumindest einen Hauch von Urlaubsgefühl bescheren können. Und auch ein paar Dienstreisen bringen etwas Abwechslung mit sich und haben den Mann im letzten Monat in die hessische Provinz (aka Bad Arolsen) und mal wieder nach Danzig geführt. Aber zu Hause ist es zur Zeit dank der beiden neuen Mitbewohner ja auch ganz schön. Read more

    Teilen:
    Deutschland, Gereist, Getrunken, München

    (K)Ein Helles, bitte! Ein Craft-Beer-Tasting für Einsteiger_innen in München

    Super Craft Beer Karton mit Flaschen

    Oat White IPA, Barrel Aged Stout oder Smoked Lichtenhainer Weisse – die Craft-Beer-Bewegung der letzten Jahre hat es für Biertrinker_innen nicht unbedingt einfacher gemacht, sich für ein Lieblingsbier zu entscheiden. Immer verrücktere Sorten werden abgefüllt und bald dürften wohl alle vergessenen Stile aus 10.000 Jahren Braugeschichte schon einmal neu aufgelegt worden sein (wobei ich nicht sicher bin, ob die mesopotamischen Brotbiere wirklich wiederentdeckt werden sollten). Wer bisher, je nach Wohnort, nur Helles, Pils oder Kölsch getrunken hat und Bananenweizen schon für eine gewagte Kombination hält, kann mit einem Craft-Beer-Tasting den Einstieg in die spannende Welt der neuen Bierkultur wagen. Vielleicht denkt ihr ja sogar, dass euch Bier gar nicht schmeckt. Auch in diesem Fall ist ein Tasting genau das Richtige, um euch zu begeisterten Fans und zukünftigen Stammgästen in Craft-Beer-Bars werden zu lassen. Read more

    Teilen:
    Getrunken, München

    Make beer great again! Braukunst Live! 2017: Biertrends und unsere Favoriten

    Braukunst Live 2017 Biertrends Make beer great again Feed me up before you go-go

    Der erste Stand am Eingang der diesjährigen Braukunst Live! ist dem 500-jährigen Jubiläum des Reinheitsgebots gewidmet. Ganz schön mutig, sich hier zu präsentieren, ist das Lebensmittelgesetz doch für viele der anwesenden jungen Brauereien ein rotes Tuch und die Kombination von Wasser, Malz, Hefe und Hopfen für die meisten mehr Ausgangspunkt als Richtlinie. Gerade kleine Brauereien reizen die Grenzen dessen, was vor zehn Jahren in Deutschland üblicherweise unter Bier verstanden wurde, immer weiter aus. Die Münchner Biermesse Braukunst Live! trägt diesem Innovationsgedanken verstärkt Rechnung – erstmals gibt es mit The Lab eine gesponserte Ausstellungsfläche für fünf junge, innovative Unternehmen, die sich sonst noch keinen eigenen Stand leisten könnten. Überhaupt merkt man den Betreibern die Bemühungen an, den Spagat zwischen Publikumsmesse und Angeboten für den harten Kern der Craft-Beer-Szene wieder deutlich stärker zu schaffen. Dementsprechend breit ist das Angebot – von international agierenden Schwergewichten über mittelständische Brauereien bis hin zu winzigen Anbietern, die gerade erst den Sprung vom Homebrewing gewagt haben. Read more

    Teilen:
    Geteilt, Getrunken

    Eins, zwei, drei, Bier: Eine Anleitung zum Craft-Beer-Tasting

    Craft Beer Tasting Anleitung Feed me up before you go-go-3

    Wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, ist Craft Beer seit einiger Zeit ein großes Thema bei uns. Die Umwälzung des Biermarktes ist in vollem Gange und auch wenn wir in Deutschland noch nicht ganz so weit sind wie in den USA (wo es vor dem Craft-Beer-Boom allerdings auch kaum trinkbares Bier gab), nimmt die Zahl der hier erhältlichen Biere rasend schnell zu. Dabei den Überblick zu behalten, ist sicher nicht ganz einfach. Noch diffuser gestaltet sich die Lage für jemanden, der/die gerade erst einsteigen möchte. Womit soll man denn nur anfangen? – Halten gute Fachgeschäfte inzwischen auch schon mal über 500 verschiedene Biere bereit. Dabei ist der Weg zur Bierexpertin bzw. zum Bierexperten gar nicht so schwer; ihr solltet nur möglichst viele Biere probieren. Klingt machbar, oder? Und weil das alleine zwar auch geht, aber gemeinsam mit anderen viel mehr Spaß macht (und die Leber entlastet), kommt hier eine kleine Anleitung für ein Craft-Beer-Tasting für Einsteiger_innen.

    Ich habe solche Bier-Tastings inzwischen auf einigen Barcamps durchgeführt (zuletzt auf dem wunderbaren FoodbloggerCamp in Reutlingen), wo der Großteil der Teilnehmenden meist aus interessierten Laien bestand, die sich in der Session auf eine erste Entdeckungsreise in die Welt der Biervielfalt gewagt haben. Am Ende konnten die meisten ein oder mehrere neue Lieblingsbiere für sich entdecken und hielten IPA nicht mehr für die Abkürzung einer internationalen Organisation.

    Craft Beer Tasting Anleitung Feed me up before you go-go-1

    Ihr wollt auch mal ein Craft-Beer-Tasting in einer kleinen Gruppe veranstalten? Dann helfen euch folgende Hinweise vielleicht bei der Planung.

    Wie man ein Craft-Beer-Tasting plant:

    1. Die Bierauswahl

    Wenn ihr in die Welt des Craft Beers einsteigen möchtet, ist der Getränkehändler um die Ecke meist keine gute Wahl. Dort mag es zwar gutes Bier von lokalen Brauereien geben, aber echte Spezialitäten findet man dort eher selten. Also auf ins Bierfachgeschäft oder zu einem Getränkehändler, der die Zeichen der Zeit erkannt hat und mehr als nur Pils und Weizen im Angebot hat. In München wären das beispielsweise das Biervana, die Getränkeoase oder Liebick Getränke in Germering. Eine gute Auflistung von Händlern, Brauereien und Bars findet ihr auch bei ratebeer.com. Ansonsten bieten inzwischen auch einige Onlineshops eine große Auswahl an Bieren an. Der Vorteil am Ladengeschäft ist natürlich die Beratung, denn normalerweise kennen die Verkäufer_innen ihre Bestände gut und können euch helfen, wenn ihr mit einem Wunsch wie „drei möglichst unterschiedliche Helle, bitte“ ankommt.

    Was die Bierauswahl für ein Einsteiger_innen-Tasting betrifft, rate ich euch, nicht gleich in die Vollen zu gehen. Der erste ernsthafte Kontakt mit Craft Beer sollte also nicht nur aus Imperial Stouts mit 12%, besonders trockenen Lambics und den bittersten IPAs, die ihr finden konntet, bestehen. Mein Tipp: Überlegt euch drei bis vier Bierstile, innerhalb derer ihr dann jeweils drei Biere anbietet. So bekommt man einen guten Überblick über die Vielfalt der Biersorten und kann gleichzeitig innerhalb eines Bierstils vergleichen. Für mich hat es sich bewährt, mit dem lokalen Standard zu beginnen, also z.B. mit Hellem, Pils oder Kölsch. Anhand von drei Bieren lässt sich dann gut zeigen, wie der Geschmack innerhalb eines Bierstils variieren kann. Ich habe zuletzt drei Sorten Helles verkosten lassen, bei denen jeweils der Fokus auf Malz, Hefe und Hopfen lag. So konnten wir erschmecken, wie allein durch die verschiedenen Schwerpunkte bei den Zutaten drei ganz unterschiedliche Biere entstanden sind. Das gleiche ist natürlich auch mit anderen Bierstilen möglich.

    Bei den anderen Bier-Trios seid ihr natürlich frei, aber ihr solltet unbedingt IPAs aufnehmen. An diesen Bieren versteht man auf Anhieb, was Craft Beer von vielen Alltagsbieren unterscheidet, die sonst getrunken werden. Weitere Möglichkeiten wären z.B.: Weizenbiere, Trappistenbiere, dunkle Biere (hier entweder Stile wie Stout oder Porter mischen oder gleich beides einzeln anbieten, denn Auswahl gibt es genug), spontan vergorene Biere (für die Mutigen) oder saisonale Biere. Zum Abschluss würde ich euch jedoch raten, tief in die Trickkiste zu greifen und auch ein oder zwei verrücktere Biere mitzubringen und zu zeigen, wie weit man (gerade außerhalb des Reinheitsgebots) die Braukunst treiben kann: z.B. auf Vanilleschoten gelagerte Stouts (Riegele Magnus 15 oder Mean Old Tom von der Maine Beer Company), Berliner Weiße mit Rauchmalz (Freigeist Abraxxxas), Kürbis-Chai-Ale (Pumpkin Chai von Saugatuck Brewing Company), Gurken-Bier (Steamworks Killer Cucumber Ale) oder mit Honig veredeltes Starkbier (Riegele Dulcis 12). Hier könnt ihr euch richtig austoben und zum Schluss die Geschmacksnerven noch einmal aufwecken. Grundsätzlich solltet ihr bei der Reihenfolge aber darauf achten, dass ihr mit leichteren Biersorten anfangt und euch langsam zu den starken, intensiven Sorten vortrinkt.

    2. Die Menge

    Es soll ein Tasting und kein Besäufnis sein, nicht jeder braucht also eine eigene Flasche. Ganz im Gegenteil bin ich zuletzt auch bei zehn Teilnehmer_innen gut mit nur einer Flasche pro Sorte ausgekommen, egal ob 0,33 oder 0,5. Selbst eine kleine Menge reicht normalerweise aus, um das Bier kennenzulernen. Allerdings würde ich empfehlen, wenn möglich zwei Flaschen pro Sorte zu kaufen (außer vielleicht von einem unverschämt teuren fassgelagerten Import aus den USA, das ihr unbedingt dabei haben wollt), denn so habt ihr zum einen noch etwas in Reserve und zum anderen besteht so für alle die Möglichkeit, nach dem Tasting den persönlichen Favoriten noch einmal in Ruhe und in größerer Menge zu probieren.

    Craft Beer Tasting Anleitung Feed me up before you go-go-1-2

    Craft Beer Tasting Glas Spiegelau Feed me up before you go-go-1

    3. Die Gläser

    Idealerweise habt ihr einige Kartons spezieller Craft-Beer-Gläser zu Hause, die ihr zum Tasting mitbringt. Falls nicht, könnt ihr euch aber auch anders behelfen. Praktisch sind sogenannte Biertulpen, die für alle Bierstile ein annehmbares Geschmacksergebnis liefern und nicht allzu teuer sind. Alternativ könnt ihr auch einfach Weißweingläser verwenden. Empfehlen würde ich in jedem Fall Gläser mit möglichst dünnem Rand und einer verengenden Öffnung, die das olfaktorische Erlebnis noch einmal optimieren.

    4. Das Wasser

    Wasser ist nicht nur wichtig, damit ihr nach jedem Bier das Glas ausschwenken könnt (schließlich werdet ihr nicht über ein dutzend Gläser pro Teilnehmer_in zu Hause haben), sondern damit ihr das Tasting auch am nächsten Morgen noch gut in Erinnerung behaltet. Also nach jedem Bier schön die Gläser durchschwenken und ein paar Schlucke trinken, dann gibts am Ende auch weniger Kopfschmerzen.

    5. Die Grundlage

    Am besten habt ihr vorher gegessen, denn erfahrungsgemäß schlagen sonst gerade die hochprozentigen Biere ganz schön zu. Ein Korb mit Brot zum Tasting mitzubringen, ist in jedem Fall nicht verkehrt, auch um die Geschmacksnerven zwischendurch zu neutralisieren. Auch Knabbereien oder etwas Käse sind eine gute Idee, auf zu viel Salz oder zu intensiven Geschmack solltet ihr dabei jedoch verzichten, schließlich soll das Bier ja im Mittelpunkt stehen.

    6. Let’s talk Bier

    Jede/r kann über Bier reden! Vergesst eure nervigen Bekannten, die bei jeder Weinflasche den Klugscheißer raushängen lassen und euch das Gefühl vermitteln, ihr müsstet eine Ausbildung absolviert haben, um mitreden zu können! Es ist hilfreich, wenn beim Tasting jemand dabei ist, der/die erklären kann, woher die Aromen kommen, die ihr im Mund schmeckt, aber es reichen Begrifflichkeiten aus, die ihr auch vom Essen kennt: süß, sauer, bitter? Oder etwa fruchtig? Wenn ja, an welche Früchte erinnert euch das Bier genau? Vergleicht die einzelnen Geschmäcker mit Aromen, die ihr bereits kennt – z.B. Grapefruit, Ananas, Kaffee, Karamell, Vanille – und ihr werdet merken, dass es ganz einfach ist, über Bier zu reden.

    Beginnen solltet ihr jedoch mit der Nase. Steckt eure Nasen tief ins Glas und beschreibt, was ihr riechen könnt. Dann nehmt ihr einen kleinen Schluck, den ihn im Mund ein wenig hin und her wälzt, bevor ihr ihn runterschluckt. Achtet darauf, wie sich der Geschmack verändert, wie unterschiedliche Bereiche eures Mundraums verschiedene Komponenten des Bieres erkennen. Dann nehmt ihr einen zweiten Schluck. Verändert sich der Geschmack? Könnt ihr weitere Bestandteile erschmecken? Und wie unterschiedet sich der Geschmack vom Geruch? Und das wichtigste: Tauscht euch aus über eure Eindrücke! Da es hier um eure ganz persönlichen Empfindungen geht, gibt es kein richtig oder falsch. Ihr werdet merken, dass zehn Zungen mehr schmecken als eine und irgendjemand wird schon daraufkommen, was sich hinter diesem einen unscheinbaren Geschmack verbirgt, der euch ganz hinten im Abgang den Gaumen kitzelt. Wer sich am Ende noch daran erinnern möchte, welche Gedanken man sich zum ersten Bier des Abends gemacht hat, sollte natürlich auch etwas zum Schreiben bereithalten oder ihr druckt gleich für alle Teilnehmer_innen ein Tasting-Sheet aus.

    Schlussendlich solltet ihr die Biere in drei Kategorien einteilen können: 1. Brauche ich nicht noch mal, 2. würde ich wieder trinken, wenn es im Glas landet und 3. davon muss ich sofort einen Kasten besorgen!

    Craft Beer Tasting Anleitung Feed me up before you go-go-2-2

    7. Das Hintergrundwissen

    Natürlich könnt ihr auch einfach so verschiedenen Biere probieren und drüber reden (s.o.), aber ein wenig Hintergrundwissen schadet eigentlich nie. Gerade als Gastgeber_in könnt ihr euch auf das Tasting ein bisschen vorbereiten und einige Infos zu den verkosteten Bierstilen bereithalten. Hier bietet es sich an, Informationen zum Brauvorgang, den Zutaten und Besonderheiten der jeweiligen Brauerei mit Anekdoten zur Herkunft und Geschichte der Biere zu verknüpfen. Diese Infos findet ihr natürlich bei Wikipedia oder, noch besser, in einem der großartigen Bücher, die es mittlerweile zum Thema Craft Beer gibt. Empfehlen können wir euch vor allem das Craft-Bier Buch von Sylvia Kopp (das wir hier schon mal vorgestellt haben), das Craft Beer Kochbuch von Torsten Goffin und Stevan Paul (auch hier schon einmal vorgestellt), trotz des mehr als dämlichen Titels: BEEF! CRAFT BIER: Meistestücke für Männer – Bier & Craft Beer von Ralf Frenzel oder Bier leben: Die neue Braukultur von Oliver Wesseloh.

    8. Nach dem Tasting

    Das ist der Zeitpunkt, an dem es noch mal etwas Kleines zu essen geben sollte und jede/r in Ruhe ein Glas seines Favoriten genießen kann, ohne ständig über den Geschmack nachdenken zu müssen.

    Zum Schluss natürlich das wichtigste: ein Tasting sollte Spaß machen! Habt das immer im Hinterkopf, bevor ihr jede Minute eures Abends verplant und keinen Raum für spontane Ideen, Austausch und Experimente lasst.

    Habt ihr noch Fragen zum Ablauf eines Tastings? Dann hinterlasst doch einen Kommentar und ich ergänze die Infos nachträglich im Artikel.

    Craft Beer Tasting Anleitung Feed me up before you go-go-2

    Teilen:
    Gelesen

    Kochen mit Bier: das Craft Beer Kochbuch {Buchvorstellung}

    Cheeseburger_web_8R4A3906_klein

    © Daniela Haug/Brandstätter Verlag

    Der Craft-Beer-Trend reißt einfach nicht ab. Nachdem inzwischen nicht nur die großen Getränkekonzerne eigene Pale Ales auf den Markt werfen, sondern Doppelbock und Zwickerl sogar beim Discounter zu finden sind, ist es kein Wunder, dass die Craft-Beer-Welle auch auf den Kochbuchmarkt überschwappt. Eines der schönsten neuen Bücher, das Bier und Kochen miteinander verbindet, ist vor einiger Zeit bei uns eingezogen und hat uns bereits u.a. eine extrem leckere Sauerkrautpizza mit dunklem Hefeweizen im Teig beschert.

    „Craft Beer Kochbuch“ nennt sich das im Brandstätter Verlag erschienene Werk ganz schnörkellos. Geschrieben wurde es von Torsten Goffin und Stevan Paul, fotografiert von Daniela Haug. Zumindest Zweitgenannter sollte den geneigten Kochbuchkäufer_innen ein Begriff sein. Wer Stevan Pauls bisherige Bücher oder seinen Blog Nutriculinary kennt, ahnt, dass sich auch hinter diesem Titel ein ansprechendes und hochwertiges Buch verbirgt.

    Worum gehts?

    Der Titel verspricht ein Craft-Beer-Kochbuch, also Rezepte nicht nur zum, sondern auch mit Bier; nicht nur Foodpairing, sondern eben auch Bier in der Soße, Bier im Teig und Bier im Nachtisch. Denn bisher, so die Autoren im Vorwort, sei der Verbindung von Essen und Bier noch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Dementsprechend will das Buch auch Grundlagenforschung betreiben und präsentiert auf den 240 Seiten nicht nur 44 Rezepte, sondern auch massig Infos zum weiteren Themenfeld. So wird z.B. erklärt, welche Regeln beim Foodpairing mit Bier hilfreich sind, ohne dabei dogmatisch zu werden. Das Buch möchte Anstöße geben und die Leser_innen auffordern, die spannende Welt des internationalen Craft-Beer-Booms zu entdecken.

    S 50_2-001

    © Daniela Haug/Brandstätter Verlag

    Aufbau & Optik

    Beim ersten Durchblättern fallen die vielen Fotos und das dicke, matte, griffige Papier auf, das für eine robuste, zum Thema passende Haptik sorgt. Auch das recht dunkel gehaltene Layout stimmt gut in die Thematik des Buchs ein. Ein nettes Gimmick ist übrigens im Einband in Form eines Bierdeckels versteckt. Nun aber zum Inhalt: Die ersten 20 Seiten beschäftigen sich mit den Grundlagen des Brauens, der Geschichte des Kulturguts Bier von Ägypten bis Brooklyn und des Hopfens, aber auch mit der Wahl des richtigen Glases (hier liegt der Fokus auf dem Angebot von Spiegelau, über deren Gläser wir ja auch schon berichtet haben) und mit dem Thema Foodpairing. Damit ist klar, dass sich das Buch nicht nur an Expert_innen richtet, sondern auch Leser_innen abholt, die Bier bisher nur im Sonderangebot gekauft haben. Für interessierte Laien oder gar Hobbybrauer_innen dürften die Kapitel, in denen Bier auf Essen trifft, wohl den größten Neuigkeitswert bieten. Da allerdings alle Texte von Torsten Goffin interessant und kenntnisreich verfasst wurden, sind alle Exkurse auch für diejenigen spannend, die schon etwas Vorwissen mitbringen und können vielleicht sogar der Auffrischung des eigenen Wissens dienen. Im Hauptteil des Buchs wechseln sich Rezepte, Infoseiten zu den wichtigsten Bierstilen und Reportagen zu 15 verschiedenen Brauereien ab. Letztere porträtieren zum einen Größen der Szene, die man auch aus anderen Büchern kennt, wie Schneider, Ale-Mania, Sierra Nevada oder de Molen, aber auch unbekanntere Bier-Aficionados, wie Feral aus Australien, BRLO aus Berlin oder Vormann aus Hagen-Dahl, werden auf jeweils sechs Seiten in Text und Bild vorgestellt. Ähnlich wie im Craft-Bier-Buch“ von Sylvia Kopp erfährt man viel über die jeweiligen Eigenheiten der Brauereien, und zumindest bei mir ist die Liste der zu probierenden Biere wieder einmal um dutzende Flaschen und Dosen gewachsen.

    Entrecote_web_8R4A4461_klein

    © Daniela Haug/Brandstätter Verlag

    Die Rezepte

    Die Rezepte sind in fünf Kategorien unterteilt: Vorspeisen, Fisch, Fleisch, Klassische Bierküche und Desserts. Wer genau aufgepasst hat, dem sollte aufgefallen sein, dass ein Kapitel mit vegetarischen Rezepten ausbleibt. Damit wären wir auch schon beim für uns größten Kritikpunkt, denn für nicht-fleischessende Haushalte ist das Buch nicht uneingeschränkt geeignet. Auch bei den kleineren Gerichten liegt der Fokus auf Fleisch und Fisch, was 2016 in der Tat etwas schade ist und wo ich mir von Stevan Paul etwas mehr Mut gewünscht hätte. Wer allerdings nicht auf Fleisch und Fisch verzichtet, der findet hier tolle Gerichte, die zwar oft das Klischee deftiger Wirtshausküche bedienen, aber gerade im Fisch-Kapitel auch sanftere Töne anschlagen. Man merkt außerdem, dass dies nicht Stevan Pauls erstes Kochbuch ist, denn die Rezepte sind logisch aufgebaut, unbekanntere Zutaten oder Zubereitungsmethoden werden erklärt und alte Klassiker mit ungewöhnlicheren Zutaten aufgefrischt (das Schnitzel kommt z.B. vom Hirsch und wird mit einer Kartoffel-Zitronen-Gremolata verfeinert). Neben der wirklich sehr leckeren Sauerkrautpizza haben wir auch den Cheeseburger mit Bierzwiebeln probiert, der uns ebenfalls ziemlich gut geschmeckt hat.

    Jedes Rezept wird durch eine (sehr gelungene) zweigeteilte Bierempfehlung ergänzt. Zum einen werden ganz allgemeine Stile oder Geschmackstypen empfohlen, zum anderen gibt es immer auch „die besondere Empfehlung“ mit ein oder zwei Bieren, die perfekt zum Gericht passen. Glücklicherweise sind die Autoren dabei auf dem Teppich geblieben und haben nicht nur Raritäten ausgewählt, sondern empfehlen größtenteils gut erhältliche Biere.

    Sauerkraut-Pizza mit Bierteig Rezept Feed me up before you go-go-3

    Fazit

    Ein rundum gelungenes und durchdachtes Buch in schöner Optik, das nicht einfach auf der Craft-Beer-Welle mitsurft, sondern diese vielmehr voranbringt. Einzig ein wenig mehr Rücksicht auf vegetarische Craft-Beer-Fans hätten wir uns gewünscht. 4 von 5 Bierdeckeln.

    Beer-download Stevan Paul, Torsten Goffin, Daniela Haug

    „Craft Beer Kochbuch“

    Brandstätter Verlag, Wien 2015

    € 34,90

    Vielen Dank an den Brandstätter Verlag, der uns ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

    Teilen:
    Gebacken, Gekocht

    Backen mit Bier: Sauerkrautpizza mit Bierteig

    Sauerkraut-Pizza mit Bierteig Rezept Feed me up before you go-go-1

    Gründe, Bier zu trinken, gibt es ja eine ganze Menge. Zuletzt würden mir da beispielsweise die immer noch anhaltende Freude über den neuen Star-Wars-Film (schon gesehen? Ich bin ja trotz der offensichtlichen Parallelen zu Episode IV-VI ziemlich zufrieden) oder der Frust nach einem nicht ganz so produktiven Tag am Schreibtisch (ich versuche gerade, innerhalb von sechs Wochen auf eine dreistellige Seitenzahl der Doktorarbeit zu kommen) einfallen. Beides verlangt jedenfalls nach nicht ganz alltäglichen Bieren, und ich glaube, dass Bier da immer noch ziemlich unterschätzt wird. Bier gilt mehr als Alltagsgetränk, von dem man eine Menge trinkt, ohne groß darüber nachzudenken, was man gerade in sich hineinschüttet. Eher selten wird sich bewusst für eine besondere Flasche entschieden. Dabei bietet es sich doch bei der Vielzahl an außergewöhnlichen Craft-Bieren an, zum Abendessen mit Freunden mal keine Flasche Wein auf den Tisch zu stellen, sondern einige Flaschen besonderes (und zum Menü passendes) Bier. Read more

    Teilen:
    Getestet, Getrunken

    Ein Craft-Beer-Glas für alle Fälle: IPA, Wheat & Stout

    Spiegelau Bier Craft Beer-1

    Es gibt Dinge, von denen man gar nicht ahnt, dass man sie braucht. Craft-Beer-Gläser stehen auf dieser Liste bei den meisten Leuten vermutlich ganz weit oben. So auch bei uns. Wenn man nicht direkt die Flasche ansetzen möchte, gibt es in München z.B. eigentlich nur drei Varianten, sein Bier zu trinken: aus dem typischen 0,5-l-Lagerglas fürs Helle, dem hohen Weizen- oder Weißbierglas und natürlich dem Bierkrug (nur echt in der 1-l-Ausfertigung). Höchstens in einer spezialisierten Bar wie dem Tap-House trifft man auch mal auf ein besonderes Tasting-Glas. Doch der Craft-Beer-Boom schafft neue Wünsche, und die Frage, ob ein tiefschwarzes Imperial Stout eigentlich aus dem gleichen Glas getrunken werden sollte wie ein klares, fruchtiges IPA, wird plötzlich virulent. So ist es nicht verwunderlich, dass ein globaler Konzern wie der Glashersteller Spiegelau die Zeichen der Zeit erkannt und sein Sortiment um drei Gläser erweitert hat. Wie es dazu kam, worin die Unterschiede zwischen einem Witbier aus der Flasche und aus einem Spiegelau-Glas bestehen und was ein Rollrand ist, durften wir vor einiger Zeit zusammen mit einigen anderen Food- und BierbloggerInnen ausführlich erfahren (und ertrinken). Read more

    Teilen:
    Deutschland, Gereist, Getrunken, München

    München goes Craft: zu Besuch bei Giesinger Bräu

    Giesinger Bräu Craft Beer-1

    In München bewegt sich was. Zwar ist die Augustiner-Flasche noch immer das bestimmende Lieblingsaccessoire von Jung und Alt in der U-Bahn, am Isarufer oder bei Konzerten, doch die Bierauswahl für die hippen Großstädter steigt. Und damit meine ich nicht Tegernseer oder Tannenzäpfle, sondern junge Brauereien, die sich über das traditionelle Münchner Helle hinauswagen und den Craft-Beer-Trend auch in die Isarmetropole bringen. Da hätten wir zum einen Crew Republic, die wild mit Hopfen und Malz experimentieren und z. B. mit dem 7:45 Escalation ein Double IPA herausgebracht haben, das mit seinen vier Hopfensorten und 83 IBU (Bittereinheiten) eine unglaubliche Hopfen- und Fruchtbombe darstellt. Zum anderen hat sich 2011 im historischen Paulaner-Eiswerk eine Mikrobrauerei angesiedelt, die etwas experimenteller ans Brauen herangeht als der große Mutterkonzern. Hier kommt der Triple-Ale-Bock dann auch mal in der Champagnerflasche daher und dient beim stolzen Preis von gut 25€ auch eher dem Genuss als dem schnellen Runterkippen. Ganz neu im Münchner Bierzirkus ist dagegen Tilman Ludwig, der erst seit April 2014 sein eigenes Bier braut. Allerdings hat der junge Braumeister gleich mit dem ersten Produkt einen Volltreffer gelandet. Das Helle heißt sein Bier ganz unbescheiden und ist doch so viel mehr. Ein ordentlicher Hopfenanteil sorgt für Frucht und Bitterkeit, während im Hintergrund noch immer die malzbetone Süffigkeit des Münchner Hellen durchscheint. Finden wir super und hat sich seit dem ersten Schluck einen festen Platz in unseren Herzen (und im Kühlschrank) erkämpft.

    Gegen Tilmans Biere ist der größte Player in der Runde der Münchner Mikrobrauereien allerdings schon ein alter Hase. Bereits 2006 wurde in einer Garage in Untergiesing mit den ersten ernsthaften Brauexperimenten begonnen und schon bald hatte die Untergiesinger Erhellung einen Stammplatz unter den BierliebhaberInnen der Stadt gefunden. Seit 2014 gibt es in der Martin-Luther-Straße endlich eine richtige Brauerei mit Braustüberl, Hofverkauf und viel Platz für die Bierproduktion. Wie eigentlich alle neuen Brauereien steht auch Giesinger Bräu für die Rückbesinnung auf althergebrachte Brauverfahren, d.h. ohne Eingriffe wie Filtration oder thermische Behandlung.

    Giesinger Bräu Steffen Marx

    Steffen Marx von Giesinger Bräu. Foto: Giesinger Bräu

    Giesinger Bräu Craft Beer-3

    Pünktlich zum Tag des Bieres 2015 haben Geschäftsführer Steffen Marx und sein Braumeister Simon Rossmann sich nun auch an das C-Wort gewagt. Giesinger goes Craft, aber natürlich nicht mit einem schnöden IPA. Stattdessen sind vier sehr unterschiedliche Biere entstanden, bei denen jede/r einen Favoriten finden sollte. Wir durften bereits zwei Tage vor offiziellem Verkaufsstart in die Brauerei kommen und uns zwischen den glänzenden Kesseln, Tanks und Leitungen einmal durchs Sortiment trinken.

    Giesinger Bräu Craft Beer-4

    Giesinger Bräu Craft Beer-7

    Wheat Stout

    Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um ein Stout, bei dem zusätzlich zur üblichen Gerste noch Weizenröstmalz eingesetzt wurde. Herausgekommen ist ein tiefschwarzes Bier, das mit 4% allerdings erstaunlich leicht daherkommt. Den stärksten Auftritt hat es allerdings, wenn man die Nase ins Glas hält: Der Geruch, der einem da entgegenkommt, ist phänomenal. Schokolade, Kaffee, alles sehr intensiv. Wir fühlen uns sogar ein wenig an unsere Lieblingslimo, die Fritz Kola-Kaffee, erinnert. Der Geschmack ist nach dieser Nasenbombe fast ein wenig enttäuschend, da die Aromen im Mund deutlich schwächer ausgeprägt sind. Mit seinen Kaffeenoten und der leichten Bitterkeit ist es trotzdem ein tolles Bier, das zum Glück auch nicht so reinhaut wie andere Craft-Stouts.

    Lemondrop Triple

    Diese Variante einer traditionellen belgischen Biersorte ist nach einer neuen Hopfensorte benannt. Hinter Lemondrop verbirgt sich eine Kreuzung aus dem amerikanischen Cascade-Hopfen (dem Liebling aller IPAs) und einem namenlosen Zuchthopfen. Bisher ist Lemondrop nur in kleinen Mengen als Import erhältlich und somit etwas ganz Besonderes. In der Nase sammeln sich – dem Namen alle Ehre machend – kräftige Zitrusnoten. Der Geschmack besticht dann mit angenehmer Bitterkeit, schönen Fruchtnoten und auch die Hefe kommt deutlich durch. Gefällt. Sehr sogar!

    Doppel-Alt

    Warum eigentlich Doppel-Alt? Na, weil hier alles doppelt so stark und bitter ist wie beim normalen Alt! Wer die Biersorte also mag, wird mit dem Doppelt-Alt seine helle Freude haben. Der erste Eindruck beim Schnuppern am Glas ist ungewohnt, eher säuerlich, etwas essiglastig, als Hessen fühlen wir uns direkt an Apfelwein erinnert. Der Geschmack ist schön voll, hat einen langen Nachklang und obwohl die Bitterkeit (40 IBU) dominiert, ist alles recht ausgewogen. Unser Biertyp ist es aber trotzdem nicht unbedingt.

    Baltic Rye Porter

    Als „das perfekte Frühstück“ kündigt Braumeister Simon das Baltic Rye Porter an. Quasi ein Roggenbrot im Glas. Auch hier zeigt sich, dass Giesinger Bräu bei den Craft-Sorten nicht den einfachen Weg gegangen ist. Der Roggen ist ein äußerst undankbares und arbeitsintensives Getreide zum Brauen und nicht so leicht steuerbar. Umso stolzer kann das Team auf das sein, was in den Flaschen gelandet ist. Eine cremige Textur, leichte Schokoladen- und Röstaromen in der Nase und natürlich ordentliche Anklänge an Brot im Geschmack. Nicht zu bitter, leicht säuerlich und mit 6,7% Alkohol wenn’s denn sein muss auch am Morgen genießbar. Toll!

    Giesinger Bräu Craft Beer-6

    Giesinger Bräu Craft Beer-8

    Mit Wheat Stout, Lemondrop Triple, Doppel-Alt und Batic Rye Porter startet Giesinger Bräu fulminant in die Grill- und Outdoor-Bier-Saison und bereichert die Münchner Craft-Beer-Szene um vier spannende Sorten. Vor allem das Lemondrop Triple wird uns diesen Sommer sicherlich häufiger begleiten!

    Konntet ihr schon die neuen Sorten probieren?

    Vielen Dank an Giesinger Bräu für die Einladung zum Tasting! Unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

    Teilen: