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Gereist, Getrunken, München

Biertrends 2018 und Lieblingsbiere auf der Braukunst Live!

Frau Gruber Craft Beer im Glas auf der Braukunst Live

In diesem Jahr sind wir vorbereitet. Anstatt wie in den Jahren zuvor kopflos über die Braukunst Live! zu laufen und einfach alles zu probieren, was spannend klingt, gehen wir systematisch vor. Dank der Bierliste, die auf der Webseite der Braukunst Live! veröffentlicht wurde, können wir schon im Vorfeld der Biermesse eine Auswahl treffen und uns mit einem A3-Zettel bewaffnet ins Getümmel stürzen. Über 60 Biere haben wir vorgemerkt – ein ambitioniertes Vorhaben, das wir am Ende (zum Glück) nicht ganz schaffen. Nichtsdestotrotz ertrinken wir uns gemeinsam mit Björn von happy plate einen guten Überblick und werden ein paar unserer neuen Lieblingsbiere mit euch teilen.

Mehr noch als in den letzten Jahren versuchen wir, auf aktuelle Biertrends zu achten und können auch wirklich ein paar Tendenzen ausmachen. Zum einen scheint kaum eine Brauerei aktuell ohne New England IPA auszukommen. Die Ostküstenvariante des Craft-Beer-Stils schlechthin besticht in der Regel durch weniger Bitterkeit, noch mehr Tropenfrucht und ist aufgrund fehlender Filtrierung meist sehr trüb. Auch wenn die Qualität dieses Stils bei den europäischen Brauereien noch schwankt, können wir ein paar schöne NEIPAs probieren.

Zum anderen sind moderne Sauerbiere auf dem Vormarsch. Auch dieser Trend ist in den USA schon weiter fortgeschritten, aber nun auch in Deutschland auf dem Weg raus aus der Nische. Hier sind es vor allem ältere Bierstile wie Gose oder Berliner Weiße, auf deren Basis experimentiert wird. Überhaupt sind „klassische“ Bierstile (die ja oft auch nur knapp 150 Jahre alt sind) wieder gefragt. Überall wird ein Helles, Export oder Pils mit dem gewissen Extra angeboten. Auch das Reinheitsgebot ist erneut Thema und viele Brauer_innen sind der Meinung, dass bald Änderungen bei den Gesetzen erfolgen werden. Ich bin da noch etwas skeptisch, ist es doch gerade in Bayern als (historisch sehr fragwürdiges) Marketingexperiment fest verankert. Zu begrüßen wäre eine Liberalisierung in jedem Fall – vielleicht ließe sich ja stattdessen ein „Natürlichkeitsgebot“ verankern.

Hopfenköniginnen 2018 auf der Brauunst Live in München

Biere und Brauereien, die ihr 2018 im Auge behalten solltet:

Orca Brau

Instagram sei dank hatten wir Felix aus Nürnberg und sein Orca Brau schon länger auf dem Schirm. Jetzt schaffen wir es endlich, uns auch persönlich kennenzulernen und einmal durch die Palette einer der spannendsten jungen Brauereien zu probieren – am liebsten hätten wir ja gleich den ganzen Stand gekapert. Hier entdecken wir u. a. die Fortsetzung unseres letztjährigen Favoriten „Room 101“: das „Room 237“. Die Zutatenliste des gemeinsam mit Pirate Brew und Freigeist gebrauten Suds liest sich dank Tomaten, Salz, Pfeffer und Chipotles äußerst gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber erstaunlich gut und kann mit jeder Bloody Mary mithalten. Unser Favorit: das „I’m doing it for me“, ein North Eastern IPA – für uns eine der gelungensten Interpretationen des Trendstils. Laut Felix wird so ein Bier jedoch ein Nischenprodukt bleiben, seien doch die Herstellungskosten aufgrund der großen Mengen an Aromahopfen viel zu hoch für das, was man auf dem deutschen Markt für ein Craft Beer verlangen könne. Schade, denn das, was der junge Brauer da für sich selbst gebraut hat, ist der Knaller. Grasig, smooth und mit vielen tropischen Früchten.

Room 237 Tomatenbier Orca Brau auf der Braukunst Live in München

Tilmans Biere

Unsere Münchner Lieblingspunkerbrauer haben in diesem Jahr einiges vor. Nachdem die Biere in den ersten Jahren relativ klassisch daherkamen und man vor allem traditionelle Bierstile neu interpretierte, anstatt einen verrückten Sud nach dem anderen auf den Markt zu werfen, scheint sich das 2018 zu ändern. Nach den limitierten Experimenten „Ahoy-Ster Stout“ und dem Kräuterbier „Extra Rein“ können wir auf der Braukunst erstmals das neue Coffee Stout probieren. Die Kollaboration mit den Kaffeenerds von Man Versus Machine hört auf den Namen „Hopfenbohne“ und hat uns durch den intensiven Kaffeegeschmack bei gleichzeitig relativ leichtem (aber nicht flachem) Körper überzeugt. Bei der „Berliner Dunklen“, in Zusammenarbeit mit Heidenpeters entstanden, spalten sich bei uns dagegen die Meinungen. Ich mag die Annäherung an den Sauerbiertrend, während Sabrina davon nicht so recht zu begeistern ist. Passend zur aktuellen Bierschwemme bei Tilmans (einen neuen Bock gibt es auch) eröffnete übrigens gerade die Kneipe Frisches Bier, in der man sich u. a. durch diese Auswahl trinken kann.

Tilmans Biere Hopfenbohne auf der Braukunst Live in München

Braumanufaktur Welde

Die Biere von Welde stehen schon seit einigen Jahren hoch in unserer Gunst, besonders die „Badisch Gose“ und der „Bourbon Barrel Bock“ haben es uns angetan. In diesem Jahr kann uns zudem das Jahrgangsbier wieder voll überzeugen, bei dem der Hopfen diesmal aus Belgien kommt. Stilistisch hat man sich ebenfalls an unserem Nachbarland orientiert und ein würziges Saison eingebraut. Außerdem können wir ein neues IPA am Stand probieren und ein Stout ist auch schon in der Mache. 2018 wird wohl ein Jahr, in dem wir einige Biere von Welde trinken werden.

Vulkan Brauerei

Die Brauerei aus der Eifel ist ein gutes Beispiel für den aktuellen deutschen Biermarkt. Eigentlich völlig heruntergewirtschaftet wurde sie 2011 von zwei Brüdern gekauft und auf Craft Beer umgepolt. Im Angebot sind viele klassische Bierstile, aber auch aktuelle Trends werden mitgenommen. Besonders erfolgreich war man dabei in Sachen Fasslagerung – der „Vulkan Bourbon Barrel Doppelbock“ hat beim Meiningers International Craft Beer Award 2017 den ersten Platz als bestes deutsches Craft-Bier gewonnen. Klar, dass wir das Bier probieren müssen! Im Glas landet ein unglaublich ausbalanciertes, sehr süßes Bier, das einen noch den letzten Rest aus dem Glas lecken lässt und zu unseren absoluten Favoriten der diesjährigen Braukunst Live! zählt. Wenn ihr eine Flasche seht: unbedingt zugreifen!

Vulkan Bourbon Barrel Doppelbock auf der Braukunst Live in München

Schneeeule Brauerei

Sauerbiere liegen im Trend, das Angebot wird breiter und man ist weniger von Importen aus Belgien abhängig. Während die Leipziger Gose schon seit einer Weile wieder im Kommen ist (eine Fruchtgose gehört für viele Brauer_innen mittlerweile fast schon zum guten Ton), blieb die Berliner Weiße noch etwas im Hintergrund. Das zu ändern, ist die Mission von Ulrike Genz, die unter dem Label Schneeeule fast ausschließlich Varianten des traditionellen Sauerbiers herstellt. „Yasmin“ wird z. B. mit Jasminblüten eingebraut, während „Harry“ gleich mit Salz und Rauch aufwarten kann. Nicht nur wegen der hübschen Flaschen eine Empfehlung!

Freigeist Bierkultur

Okay, den Titel des Brauers mit dem abgefahrensten Bier in Deutschland wird Sebastian Sauer wohl noch eine Weile behalten. In diesem Jahr entdecken wir u. a. das „Avocado Ale“, das mehr an ein ganzes Gericht als an Bier erinnert, sind für das cremige Ale doch die gesamten Zutaten einer Guacamole im Braukessel gelandet. Wirklich umgehauen hat mich allerdings eine weitere Kreation. „Mamma Mia“ (eine Kollaboration mit Birrificio Italiano) hat leichte 4,7 % und ist eigentlich ein Rhabarberkuchen im Glas. Butteraroma – sonst eher ein Geschmacksfehler im Bier – wird hier durch Butterscotch-Aromen verstärkt und mit Gewürzen sowie Frucht kombiniert. Herausgekommen ist ein Bier, das irgendwie an Obstkuchen mit Mürbeteig erinnert und mich völlig begeistert. Ich bin schon gespannt, was im kommenden Jahr bei Freigeist aus dem Zapfhahn fließt.

Frau Gruber Craft Brewing

Die Brauerei, die uns das Dosenbier nahegebracht hat, haut noch immer einen Hit nach dem anderen raus. Gefühlt wird jeden Monat ein neues Bier veröffentlicht, zuletzt vier limitierte Sondersude in schicken Metal-Band-Cover-Style-Dosen. Besonders das „Butcher’s Lamb“ hat es uns angetan, ein Imperial NEIPA mit cremigem Mundgefühl, seeehr viel Tropenfrucht in der Nase und natürlich ebenso viel Hopfen im Abgang. Nicht so scharf wie das „Hounds of Hell“ aus der gleichen Reihe, aber nicht weniger charakterstark. Wir dürfen gespannt sein, was 2018 noch aus Augsburg kommt!

Frau Gruber Craft Beer im Glas auf der Braukunst Live

Hopfmeister

Bei der Münchner Jungs von Hopfmeister sind wir seit jeher gespaltener Meinung. Neben einigen sehr guten Bieren („Franz Josef“ oder „Himbaer-Toni“) findet sich in meinen Augen auch viel Durchschnitt im Sortiment. Ähnlich geht es uns auch auf der Braukunst, wo sich das „Brazilian Roadtrip“ mit Kakaobohnen und Açai zwar super anhört, aber geschmacklich enttäuscht – viel zu flach und mit unangenehmer Säure. Ganz im Gegensatz dazu der bisher nur in kleiner Menge hergestellte Sondersud „Kriecherlweiße“. Grundlage sind Kriechen-Pflaumen aus dem Nachbarsgarten, die für ein zum aktuellen Trend passendes Sauerbier Verwendung finden. Gerade mal 4 % stark, irgendwie an leicht vergorenen Saft erinnernd, wäre es das perfekte Sommerbier. Hoffen wir mal, dass es noch einen weiteren Sud geben wird!

Was sind denn eure bisherigen Lieblingsbiere in diesem Jahr? Was sollten wir unbedingt probieren?

Hinweis/Werbung: Wir haben am Presserundgang teilgenommen und erhielten Pressetickets für die Braukunst Live!. Unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

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2 Kommentare

  • Reply ThemeIt

    Danke ?

    20. März 2018 at 1:01
  • Reply Lieblingslinks | März – Wallygusto Der Blog, der durch den Magen geht

    […] Erlebnisse.  Bei der Gelegenheit stellen uns Sabrina und Steffen auch gleich ihre persönlichen Biertrends 2018 […]

    2. April 2018 at 11:00
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