Bowl Food und wir sind eigentlich nicht die allerbesten Buddies. Zu konstruiert, zu umständlich, zu irgendwie alles. Zumindest waren wir immer schnell genervt, wenn wir uns zu Hause an diversen Bowl-Rezepten probiert haben. Genervt von den vielen unterschiedlichen Bestandteilen, die jeweils eine andere Zubereitungsart für sich beanspruchen, genervt von Komponenten, die am Ende zwar gut aussehen, aber gar nicht so recht zusammenpassen wollen. Sind wir allerdings unterwegs, sieht die Sache ganz anders aus. Stellt man uns eine fertig angerichtete Gemüse-, Poké- oder Buddha-Bowl vor die Nase, greifen wir gerne zu und freuen uns über eine frische und gesunde Mahlzeit. Seit ein paar Monaten bereiten wir sogar eine bestimmte Bowl immer wieder selbst zu: die vegane Teriyaki-Auberginen-Bowl mit Edamame, Möhren und Ingwer. Warum? Weil sie so schön unkompliziert ist und ein prima Resteessen abgibt.
Sommer
Mein erstes Bánh Mì habe ich vor einigen Jahren in New York gegessen. Es war der zweite Tag in der Stadt und wir hatten den Vormittag mit Notfallshopping verbracht, da unsere Koffer und damit sämtliche Kleidung auf dem Weg nach New York gerade noch einen Umweg über Boston nahmen. Nachdem wir Unterwäsche, Zahnbürsten und sonstige Basics zusammen hatten, nahmen wir uns Dumbo vor, die Gegend zwischen der Manhattan Bridge und der Brooklyn Bridge, wo mich schließlich der Hunger packte. Den kleinen Streetfood-Truck unter der Manhattan Bridge erspähte ich gerade noch im richtigen Moment – ein vietnamesisches Sandwich klang genau nach dem, was meinen knurrenden Magen beruhigen würde (ich bin dafür bekannt, schnell ungemütlich zu werden, wenn mich im Urlaub der Hunger überkommt). Seitdem haben wir zahlreiche Bánh Mìs in Lokalen, Imbissen und Food Trucks bestellt, doch erstaunlicherweise haben wir es nie geschafft, uns das neben Phở und Sommerrollen wohl bekannteste vietnamesische Gericht zu Hause zuzubereiten. Bis jetzt! Denn die Idee eines Bánh-Mì-Brotsalats, die wir bei Serious Eats entdeckt haben, hat uns so gut gefallen, dass die Mischung aus Baguette, Möhren- und Rettich-Pickles, Gurken, Tofu, Koriander und würzigen Soßen nun endlich auch in der heimischen Küche ein regelmäßiger Gast ist. Nur eben in dekonstruierter Form.
Der September ist fast da und schon jetzt fühlt es sich so an, als hätte sich der Sommer bereits verabschiedet. Dabei hätten wir gerne noch mehr Abende ohne zu frösteln im Westpark verbracht oder weitere Seen im Münchner Umland getestet. Egal, wir füllen den Sommer einfach in die Flasche, und zwar in Form unseres neuen Lieblingsketchups. Der schnell gemachte Ananas-Ketchup fängt den Geschmack des Sommers perfekt ein – fruchtig, würzig und ein kleines bisschen scharf. Die Chipotle-Chili sorgt für eine leicht rauchige Note, die wunderbar zur fruchtigen Süße der Ananas passt. Aber keine Angst – der Ananas-Ketchup ist nicht so scharf, dass man unnötig ins Schwitzen gerät.
Wenn das Leben dich vor schwierige Entscheidungen stellt, mach Zitronen-Himbeer-Tarte mit Baiser! Die nimmt einem diese zwar nicht ab, beschäftigt einen aber für eine ganze Weile und fokussiert den überforderten Kopf erst mal auf die wichtigen Fragen: Wie macht man noch mal Mürbeteig? Wie schaffe ich es, nicht das gesamte Lemon Curd für die Füllung sofort aufzufuttern? Und ist es nicht eigentlich viel zu warm fürs Backen? Außerdem setzt der Kuchen ohne Ende Glücksgefühle frei, wenn die Messerspitze zum ersten Mal durch die glatt gestrichene Zitronencreme gleitet und man wenig später die butterweiche Symbiose von Zitrone und Himbeere am Gaumen spürt.
Es kommt wie es kommen musste. Natürlich haben wir uns für unsere Reise quer durch Deutschland den heißesten Tag des Jahres ausgesucht. Bei einer neunstündigen Autofahrt bringt es auch nicht viel, dass wir – für unsere Verhältnisse – mitten in der Nacht in München aufbrechen. Schon die ersten Sonnenstrahlen am Morgen bringen Hitze in unsere klimaanlagenlose Karre, die uns den Rest der Fahrt begleiten wird und unsere Körper mit den Autositzen verschmelzen lässt. Etwas Erfrischendes wäre jetzt gut – so ein kühles Sommersüppchen zum Beispiel, das ich kürzlich in einem Buch von Ottolenghi* fand. Tatsächlich gibt es kaum ein besseres Gericht für heiße Sommertage als die kalte Gurken-Ingwer-Suppe mit Blumenkohl und Mandeln.
Auch wenn vor allem der Blumenkohl in letzter Zeit ein regelmäßiger Gast auf unseren Tellern ist, haben wir seinen grünen Bruder, den Brokkoli, nicht vergessen. Aktuell hat das ursprünglich aus Kleinasien stammende Gemüse auch bei uns Hochsaison und passt perfekt zum Sommer. Zumindest, wenn er schön knackig zubereitet ist, denn gerade die Röschen sind sehr empfindlich und werden schnell matschig, wenn sie zu lange garen. Deswegen landet der Brokkoli bei uns nur kurz im kochenden Salzwasser, um anschließend der Hauptdarsteller in einem frischen Salat zu werden. Denn im Gegensatz zu seiner üblichen Rolle als Beilage, steht das auch als Spargelkohl bekannte Gemüse diesmal im Mittelpunkt und glänzt in unserem schnellen Brokkoli-Tahini-Salat mit Mandeln und Cranberries (PS: Wie gut ist eigentlich Tahini in der Salatsoße?).
So viele Menschen können nicht irren! Wir haben die beste vegane Bolognese gefunden – echt jetzt! Vor einiger Zeit erzählte ich Sabine von Pastamaniac von der Blumenkohl-Bolognese, die wir in den letzten Jahren so oft gekocht haben. Die, von der wir immer eine riesige Portion machen, weil sich die Soße so prima einfrieren lässt. Die, deren Konsistenz einfach perfekt ist – schlotzig und trotzdem mit Biss. Die vegane Bolo, die es mit jeder Hackfleischsoße aufnehmen kann und alle anderen übertrifft. Die, die ich auf einem amerikanischen Foodblog entdeckt habe und die sie unbedingt mal probieren müsse. Schwärm, schwärm, schmacht, schmacht.
Kaum zu glauben, dass schon über die Hälfte des Jahres vorbei ist. Nachdem die letzten Monate mit viel Arbeit, dem Schreiben mehrerer langer Aufsätze und sogar zwei Fernsehdrehs vollgestopft waren, kehrt langsam etwas Ruhe ein. Die Sommerhitze legt sich über das Land, nur ab und zu entlädt sich ein heftiges Gewitter und sorgt für etwas Abkühlung. Dazwischen nutzen wir einzelne Tage unter der Woche, um Überstunden abzubauen und bei Ausflügen und Wanderungen (vorzugsweise an und um Seen, von denen es hier in Bayern ja zum Glück mehr als genug gibt) abzuschalten. Gekocht wird trotzdem noch ziemlich viel, und wie in jedem Sommer ist es besonders die Levante-Küche, die uns glücklich macht. Viele Gewürze, frisches Gemüse, Kräuter, kühler Joghurt – so sieht aktuell ein ideales Abendessen für uns aus. Die Idee für die libanesischen Kichererbsen mit Auberginen aus dem Ofen und geschmorten Tomaten haben wir aus dem Kochbuch “Orientalisch vegetarisch”*, das wir regelmäßig aus dem Regal ziehen und uns bisher nie enttäuscht hat.