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Was bisher geschah – Januar 2019: Isländische Kaffeekultur, moderne Münchner Küche und japanische Kochkunst

Hütte im Schnee, Foto: Håkon Sataøen

// Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung, da wir u. a. über Presseeinladungen berichten, andere Blogs erwähnen sowie persönliche (nicht gesponserte) Empfehlungen aussprechen und verlinken. //

Da denkt man, das Jahr hätte so schleichend begonnen und man selbst nicht viel abseits des Winterschlafs erlebt, und doch kommt in diesem Monatsrückblick einiges zusammen, das zeigt, dass wir doch nicht nur faul auf dem Sofa geschlummert haben. Na gut, ein Lokal schummelt sich hier rein, das wir schon in der Vorweihnachtszeit besucht haben, aber da der letzte Monatsrückblick schon ein Weilchen zurückliegt, sei uns das verziehen.

Unterwegs

Winterausflug nach Garmisch*

Der Januar hat den Winter nach Bayern gebracht. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt solche Schneemassen direkt vor der Haustür hatten. Die Zeit, in der der Schnee in München mal eine kurze Pause einlegt und Platz für strahlend blauen Himmel macht, nutzen wir für einen Winterausflug nach Garmisch-Partenkirchen. Im Hotel Staudacherhof verbringen wir ein sehr entspanntes Wochenende mit kulinarischen Genüssen, Wellness und gelegentlichen Schneespaziergängen (ein ausführlicher Beitrag folgt). So können sogar wir dem Winter etwas abgewinnen.

Kirche in Garmisch-Partenkirchen im Winter

Hotel Staudacherhof Innenpool Garmisch-Partenkirchen

Kirche in Farchant Bayern im Schnee

Entdeckt

Isländische Kaffeekultur im Café Blá

Nur etwas über zwei Jahre hat es gedauert, bis ich mich ins Café Blá verirre. Dabei möchte ich das isländische Café, das etwas versteckt hinter der Museumsinsel liegt, schon seit seiner Eröffnung besuchen, sein guter Ruf und der Lakritz-Schokoladen-Kuchen (wo gibt’s das sonst schon in München?) eilen ihm nämlich voraus. Durch dicke Schneemassen stapfe ich also eines Freitags zu meinem Lunch-Date. Was mich abseits von nordischer Kaffeekultur erwartet, weiß ich gar nicht so genau, doch die Website verrät, dass es mittags auch kleine herzhafte Gerichte geben soll. Schon auf den ersten Blick fühle ich mich in dem kleinen Café wohl, die Atmosphäre ist entspannt, Kaffeegeruch liegt in der Luft und die hübschen blauen Kacheln an der Wand tun ihr übriges.

Café Blá isländisches Café München Lunch Bowl

Café Blá isländisches Café München Lakritz-Schokoladen-Kuchen

Das herzhafte Mittagsangebot ist mit drei kleinen vegetarischen Gerichten übersichtlich, aber die Lunch Bowl mit Quinoa, Gemüse, Feta und Kokos-Curry-Sauce (8,40 €) für diesen Moment genau richtig, frisch und gut abgeschmeckt. Und das Wichtigste: Sie lässt noch etwas Platz für ein Stück Lakritz-Schokoladen-Kuchen, den ich in meiner Vorstellung noch lakritziger wähnte, aber ich will mich nicht beschweren, er schmeckt prima! Ebenso wie das glutenfreie Bananenbrot (alle Kuchensorten 3,30 €), das ich bei meiner Begleitung probieren darf. Der nordeuropäische Einschlag lässt jedenfalls auch bei der hausgemachten Kuchen- und Gebäckauswahl grüßen – Skyrkuchen und kleine Zimtrollen sind nur zwei der Kandidaten, die ich beim nächsten Besuch probieren muss. Dazu bietet das Café Blá eine umfangreiche Kaffeeauswahl vom hauseigenen Espresso (2 €) bis zum Flat White (3,70 €). Schade nur, dass das isländische Café in der Lilienstraße etwas abseits meiner regulären Pfade liegt, ich würde sonst wohl viel Zeit dort verbringen. Café Blá // Lilienstr. 34, München.

Moderne Münchner Küche im Irmi*

Die Gegend rund um den Münchner Hauptbahnhof hat sich in den letzten Jahren kulinarisch wirklich stark verändert. Dank neuer Hotels und ihren angeschlossenen Restaurants findet man dort nun neben (nicht unbedingt schlechten) Imbissen auch gute Burger, moderne israelische Küche oder sogar ein Wirtshaus mit eigener Brauerei. Letzteres hat nun Konkurrenz bekommen, denn am oberen Ende der Goethestraße schlägt das Irmi in eine ganz ähnliche Kerbe. Zwar wird das Bier nicht selbst gebraut, aber fast die komplette Palette Giesinger plus ausgewählte Craft-Biere aus der ganzen Welt auf der Karte zu haben, ist auch keine schlechte Ansage. Der Eingang des Restaurants liegt allerdings unscheinbar zwischen Friseursalons und Kosmetikshops, und so laufen wir zunächst daran vorbei. Drinnen erwartet uns ein modernes Ambiente mit viel Holz, das auf den ersten Blick so gar nicht nach Wirtshaus aussieht.

Irmi München Wirtshaus Brotzeit

Doch die Speisekarte offenbart, dass wir es hier mit einer „Modern Munich Kitchen“ zu tun haben, also jener zeitgemäßen Form der Wirtshausküche, die in der Stadt seit einigen Jahren ziemlich angesagt ist. Zum Bier passt das natürlich gut, also wollen wir uns auch gar nicht über die recht deftige Auswahl beschweren. Wir starten mit dem Brotzeitbrett, auf dem neben Klassikern wie Obazda, Radi und Käse auch ein besonders guter Wurstsalat zu finden ist. Der ist so schön säuerlich angemacht, dass ich kaum aufhören kann, davon zu naschen, obwohl klar ist, dass die Hauptspeisen erst noch kommen. Beim Sharing-Menü (ab 4 Personen, 30 € pro Person) landen diese dann in rosa Schüsselchen und Pfännchen in der Mitte des Tisches, wo wir uns nach Belieben bedienen können. Das Fleisch – vom Kalbsfleischpflanzerl über Krustenbraten bis zum Wiener Schnitzel – schmeckt durchweg sehr gut. Dagegen fallen die vegetarischen Gerichte und Beilagen etwas ab – ihnen fehlt allesamt die Würze, die Spinatknödel kommen dazu etwas trocken daher. Da könnte die Küche ruhig noch etwas mehr Mut (und die propagierte Modernität) beweisen. Der abschließende Kaiserschmarrn mit Apfelmus und Zwetschgenröster ist dafür geschmacklich top, er hätte nur noch etwas luftiger sein können.

Irmi München Wirtshaus Sharing Menü

Irmi München Wirtshaus Kaiserschmarrn

Passend zum deftigen Menü probieren wir uns einmal quer durch das Angebot von Giesinger Bräu, vom beliebten Hellen bis zum relativ neuen Munique, einem hopfenbetonten Bock. Das überaus aufmerksame und freundliche Servicepersonal kennt seine Biere und hilft auch gerne weiter, wenn die Auswahl zu überfordernd scheint. Gut zu wissen, dass in Wurfnähe des Hauptbahnhofs nun eine weitere warme Stube mit solidem Wirtshausessen, angemessenen Preisen und hervorragender Bierauswahl lockt. Irmi // Goethestraße 4, München.

Japanische Ästhetik trifft Tagesbar: Wabi-Sabi-Shibui

Wir nutzen die letzten Tage des Winterurlaubs, um uns an einem sonnigen Nachmittag durch die Münchner Innenstadt treiben zu lassen, trinken hier einen Kaffee, kaufen dort ein wenig ein und brauchen bald etwas Ruhe vom wuseligen Treiben. Die finden wir im Wabi-Sabi-Shibui, einer im Frühjahr letzten Jahres eröffneten japanischen Tagesbar am Odeonsplatz. Dass die Uhren hier etwas anders ticken, merken wir, als ich die unhandliche Einkaufstasche neben mich auf die Sitzbank stellen möchte. Ob ich sie an der Garderobe verstauen könne, fragt der Service, der Chef sehe das nicht so gerne. Aha, so, so, der Chef. Das passt wohl nicht in das ästhetische Gesamtkonzept, das Klaus St. Rainer, Betreiber der schönen Goldenen Bar im Haus der Kunst, mit seinem neuen Lokal verfolgt. Recht hat er. Jadegrüne Wände, helles Holz und Grünpflanzen dominieren das sonst eher minimalistisch gehaltene Interieur.

Wabi-Sabi-Shibui japanische Tagesbar München

Die Leidenschaft für japanische Kultur, Ästhetik und Kulinarik macht sich auf allen Ebenen bemerkbar, insbesondere natürlich auf der Speisekarte. Kleine japanische Gerichte, mehr zum Snacken als zum Sattwerden, stehen darauf. Onigiri mit Kürbis (3,50 €) und anderen Füllungen, Spicy Kimchi (6,50 €, richtig gut!), Aubergine Miso (13,50 €) und einiges mehr, das sich gut neben einem Cocktail wegknabbern lässt. Gegen den größeren Hunger gibt es Ramen (zw. 13,50 und 15,50 €), mit Schweinebauch, Ei, Wassermelonenrettich und Mais zum Beispiel, die schmecken und sättigen, deren Brühe jedoch intensiver sein dürfte. Kleiner Wermutstropfen für Vegetarier_innen: Die Fleischbrühenbasis wird in allen Suppen verwendet.

Ramen mit Schweinebauch im Wabi-Sabi-Shibui japanische Tagesbar München

Spicy Kimchi Wabi-Sabi-Shibui japanische Tagesbar München

Mit fortschreitender Tageszeit wechselt das Wabi-Sabi-Shibui fließend vom Café und Concept Store zum Restaurant und schließlich zur Bar. Day drinking ist mehr als erwünscht, allerdings sind wir dann doch etwas zu früh dran, erst ab 16 Uhr werden Cocktails hinter der Bar gemixt. Der Minimalismus des Designs findet sich auch in den Spirituosen wieder, denn bewusst wurde – entgegen des manchmal schon überfordernden Sortiments, das der Gin-Hype in den letzten Jahren in die Bars brachte – auf eine große Auswahl verzichtet. Lediglich ein Vertreter der jeweiligen Spirituose wird ausgeschenkt, Sake und Whisky bilden die Ausnahme. Während wir die spannenden Drinks der Karte studieren und dabei koreanischen Granatapfeltee schlürfen, beschließen wir: Ein weiterer Besuch ist Pflicht. Dann natürlich nach 16 Uhr! Wabi-Sabi-Shibui // Ludwigstr. 11, München.

Japanische Kochkunst am Viktualienmarkt: Emiko

Die Urlaubsplanung des neuen Jahres scheint unseren Appetit anzuregen, und so stimmen wir uns nicht nur mit dem Wabi-Sabi kulinarisch auf eines der Reiseziele ein, sondern auch im Emiko. Eigentlich wollten wir hier schon lange einmal zum Frühstücken vorbeischauen, denn die Aussicht auf einen japanischen und zu guten Teilen veganen Brunch klingt sehr verlockend. Doch auch die Abendkarte des zum Louis Hotel gehörenden und etwas versteckt in der Passage am Viktualienmarkt gelegenen Restaurants klingt mehr als spannend. Um 18 Uhr sind wir die ersten Gäste und starten den Abend mit dem Tagesdrink, einem fruchtigen Pisco Sour mit Birnensaft statt Angostura. Der aufmerksame Kellner erklärt uns das Konzept, bei dem man nach dem Sharing-Prinzip wie bei Tapas oder Mezze viele kleine Gerichte bestellt, die dann geteilt werden. Gut, dass wir an diesem Abend zu viert unterwegs sind und uns so eine breite Auswahl bestellen können.

Emiko japanisches Restaurtant München

Emiko japanisches Restaurtant München

Die Karte bietet gehobene japanische Küche, unterteilt ist sie in kalte und warme Speisen, mal klassisch, mal modern interpretiert, Sushi und Fleischgerichte. Auch Vegetarier_innen finden hier einige Gerichte ohne Fleisch und Fisch. Bald kommen die ersten Teller an den Tisch, immer toll angerichtet und nacheinander, sodass es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Ein frühes Highlight ist das Kalbs-Tataki mit Blumenkohlcreme und schwarzem Knoblauch, das sogar die knoblauchskeptischen Mitesser_innen überzeugen kann. Ganz anders, aber ebenso lecker, ist die Spicy Avocado im Karottenmantel, die auf einer würzigen Cashewcreme serviert wird. Noch besser ist allerdings der als schnöde Beilage getarnte Miso-Sesam-Spinat, den wir vielleicht noch nie so gut gegessen haben. Der Teller ist jedenfalls so schnell leer, dass wir ihn gleich noch einmal bestellen. Ebenfalls überzeugen können die wunderbar zarten Shortribs mit japanischem Chili und Rettich. Ein Gericht, das auf der Karte etwas unspektakulär klingt, uns geschmacklich aber umhaut, ist der Lauch, im Ganzen und mit Miso-Sesam-Soße serviert. Der Lauch ist auf den Punkt gegart und kommt so perfekt zu Geltung. Die Soße ist dick und süßlich und eine tolle Ergänzung. Dass die abschließende Portion Sushi da im Vergleich zu den anderen Gerichten etwas abfällt, ist also zu verkraften. Wie oft bei solchen Sharing-Konzepten ist der Besuch im Emiko kein ganz günstiges Vergnügen, 40 bis 50 € pro Person sollte man für einen Abend schon einplanen. Emiko// Viktualienmarkt 6, München.

Hörenswert

Die langen Autofahrten im Dezember und Januar haben uns mal wieder etwas intensiver nach neuen Podcasts suchen lassen. Spannend und hörenswert sind für uns diese Entdeckungen:

  • Die unglaublich gut produzierte Show 99% Invisible spürt dem Einfluss unsichtbaren Designs in unserem Alltag nach.
  • Song Exploder nimmt sich in jeder Folge ein Lied vor und durchlebt gemeinsam mit den Musiker_innen noch einmal den Entstehungsprozess. Klingt nerdig, ist aber oft unglaublich spannend. Besonders gut hat uns z. B. die Folge zu „Try not to Breathe“ von R.E.M. gefallen.
  • Faking Hitler ist ein Podcast des Stern, der sich in 10 Folgen einen der größten Medienskandale der Bundesrepublik vornimmt: die gefälschten Hitler-Tagebücher.
  • Die aktuelle Folge von Lakonisch elegant, einem Podcast von Deutschlandfunk Kultur, geht den Ergebnissen einer neuen Studie zum Thema Geschlechterklischees auf Instagram nach. Spannend, wenn auch (leider) wenig überraschend.
  • Und was hört ihr gerade so?

Und sonst so im Januar?

Hinweis: Zu dem mit Sternchen (*) markierten Essen/Aufenthalt wurden wir freundlicherweise eingeladen – wie immer bleibt unsere Meinung davon unberührt.

Fotocredit: Hütte im Schnee, Foto: Håkon Sataøen via Unsplash.

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1 Kommentar

  • Reply Anna

    Der Winter in Deutschland ist echt eine tolle Reisezeit. Danke für den inspirierenden Beitrag! Die Bilder sehen so gut aus, da bekommt man gleich Apetit. 😉 Und beim Song Exploder werde ich auch mal reinhören, klingt spannend. So viele tolle Tips in einem Post, danke. 🙂

    17. Februar 2019 at 11:39
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