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Gekocht, Gelesen

Von Tempeh Sandwiches und anderem Street Food: ein kulinarischer Streifzug durch New York {Buchvorstellung}

Tempeh-Sandwich-Vegan-Streetfood_Rezept Feed me up before you go-go-1

Es gibt Bücher, die hätte man gerne selbst geschrieben. Hätte sich gerne selbst auf Recherchereise nach New York begeben, durch sämtliche Imbisse der Stadt gefuttert, neue Restaurants an jeder Ecke entdeckt und die Menschen kennengelernt, die dahinter stecken. So erging es uns mit dem kürzlich im Hädecke Verlag erschienenen Buch „New York Street Food“. New York hat für uns unter allen Städten eine ganz besondere Bedeutung, und während unseres letzten Besuchs vor über drei Jahren (ist das wirklich schon so lange her?) haben wir nicht nur viel Zeit in unzähligen Museen verbracht, sondern auch mit kulinarischen Entdeckungstouren. Das vorliegende Buch hat es geschafft, diese Zeit wieder etwas zurückzuholen und den Wunsch verstärkt, bald mal wieder über den Atlantik zu fliegen.

Ihr merkt schon, das hier ist kein normales Kochbuch, sondern es verbindet „kulinarische Reiseskizzen“ mit Rezepten von den Straßen New Yorks. Tom Vandenberghe hat sich für dieses Buch zusammen mit der Journalistin Jacqueline Goossens und dem Fotografen Luk Thys auf die Reise begeben und zwischen Queens, Haarlem und Brooklyn nach dem gesucht, was echtes New York Street Food ausmacht. Egal, ob Hot-Dog-Stände, Food-Trucks, Kellerimbisse oder illegale Verkäufer mit Einkaufswägen, alles wurde mutig probiert. Die Ergebnisse finden sich im Buch in Form von Rezepten, sehr stimmungsvollen Fotos, einem Reisetagebuch des Autors und verschiedenen kurzen Artikeln, die Hintergrundinformationen zur historischen, sozialen und rechtlichen Situation der Street-Food-Szene liefern. Das hat an vielen Stellen schon Reportagecharakter, spricht auch problematische und kritische Punkte an und macht wirklich Spaß zu lesen.

New York Street Food-1

Die Fotos im Buch wurden alle in New York aufgenommen und zeigen die Gerichte, die Tom auf seinen Touren entdeckt hat. Die dazugehörigen Rezepte sind inspiriert von diesen Eindrücken und Informationen der KöchInnen vor Ort und entstanden im Anschluss. Das führt dazu, dass sich die Rezepte manchmal etwas von den Fotos unterscheiden und nicht immer zu 100% dem entsprechen, was man auf der Straße bekommen würde. Das ist aber nicht weiter störend, vermutlich wären bestimmte Zutaten in Europa ohnehin nur schwer zu bekommen. Im Melting Pot New York gibt es in dieser Hinsicht offensichtlich keine Probleme, denn die fünf vorgestellten Boroughs scheinen wirklich alle Küchen dieser Welt zu vereinen. Und so gestaltet sich auch die Zusammenstellung der Rezepte im Buch. Dies ist also kein Kochbuch der amerikanischen Küche (auch wenn Mac & Cheese und Pulled Pork Sandwich ihren Platz haben), sondern eine Sammlung kleiner, einfacher und bodenständiger Gerichte aus aller Welt. So ergibt das Nebeneinander von Lobster Rolls, Momos, Tamales und Souvlaki durchaus Sinn und man überlegt, was man sich davon am liebsten in die Lunchbox packen würde.

Neben Speisen, die sich gut aus der Hand essen lassen (Pastrami Sandwich!), findet man verschiedene Leckereien, die in eine Schüssel passen, wie Eintöpfe oder Pfannengerichte. Hier ist der Anteil an fleischlastigen Gerichten ziemlich groß, VegetarierInnen sollten daher vor dem Kauf erst mal einen Blick ins Rezeptverzeichnis werfen. Dazu gesellen sich verschiedene Beilagen und Drinks. Mir ist beim Durchblättern auf jeden Fall ordentlich das Wasser im Mund zusammengelaufen, und einiges davon wird es hier demnächst mit Sicherheit mal geben. Was ich z.B. gerne nachbacken würde, wäre die Key Lime Pie, aber hier kommt mir ein Problem in die Quere, was den bisher ja sehr positiven Eindruck des Buchs leider etwas trübt. Bei diesem Rezept fehlt die Mengenangabe für den Limettensaft, womit das Rezept für unerfahrene KöchInnen schwierig zu bewältigen sein dürfte. Leider finden sich auch im Rest des Buchs immer wieder Rechtschreibfehler, Buchstabendreher, doppelte Leerzeichen oder Fehler in der Zeichensetzung. Man hat fast den Eindruck, als wäre im Verlag die Schlusskorrektur vergessen worden. Das ist besonders bedauerlich, da der Rest des Buchs wirklich überzeugen kann. Es wäre zu hoffen, dass das Buch bald eine zweite Auflage bekommt und diese Fehler dann beseitigt werden.

New York Street Food-2

Trotz dieser Unstimmigkeiten bleibt festzuhalten, dass „New York Street Food“ einfach Lust macht, in den Flieger zu steigen und sich selbst auf Entdeckungsreise zu begeben. Da kann das Buch glücklicherweise gleich noch als Reiseführer dienen, denn neben den meisten Gerichten ist notiert, wo man sie in New York bekommen kann. Alle Adressen finden sich dann gebündelt am Ende des Buchs, zusammen mit einer Liste von Märkten und Food Courts. Darüber hinaus bietet das Buch einen Stadtplan, und der Verlag hat sich die Mühe gemacht, eine Google-Maps-Karte mit allen Adressen anzulegen.

Ausprobiert haben wir bisher das Tempeh Sandwich, das von den Sandwiches des mehrfach preisgekrönten Food-Trucks The Cinnamon Snail inspiriert wurde. Für uns war dies zugleich unsere Tempeh-Premiere und herauskam ein leckeres, schnelles vegetarisches Abendessen. Das Rezept, das wir noch etwas an unseren eigenen Geschmack angepasst haben, möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Tempeh Sandwich by feed me up before you go-go1-1

Tempeh Sandwich (für 2 Personen):

200 g Tempeh
1 daumengroßes Stück Ingwer
4 EL Sojasoße
2 EL Sherry
1 TL Sesamöl
Chilipulver, Salz, Pfeffer
1 kleine Zwiebel
2 EL Öl
4 Schreiben Toastbrot
1 Handvoll Rucola
1-2 Tomaten
4 EL Senf
3 EL Honig

1. Das Tempeh in Scheiben schneiden (ca. 1 cm dick). Den Ingwer schälen und in Scheiben schneiden. Für die Marinade Sojasoße, Sherry, Sesamöl und 1 EL Honig vermischen, den Ingwer unterrühren und mit Chili, Salz und Pfeffer würzen. Das Tempeh darin mind. 1 Stunde marinieren lassen.

2. Die Zwiebel schälen, in Ringe schneiden und in einer kleinen Pfanne in 1 EL Öl weich schmoren, bis sie gebräunt ist. In einer zweiten Pfanne ebenfalls 1 EL Öl erhitzen und darin die Tempeh-Scheiben von jeder Seite goldbraun braten. In der Zwischenzeit die Brotscheiben im Toaster oder in einer Grillpfanne anrösten.

3. Den Rucola waschen und trocken schleudern. Die Tomaten waschen und in Scheiben schneiden. Den Senf mit 2 EL Honig verrühren, salzen und pfeffern. Die gerösteten Toastscheiben mit der Soße bestreichen. Mit etwas Rucola, Tomaten, Tempeh und Zwiebeln belegen, dann eine zweite Toastscheibe auflegen. Durchschneiden, reinbeißen und sich wie in NYC fühlen.

Fazit

Ein toller kulinarischer Reiseführer durch den Melting Pot New York mit vielen Hintergrundinfos zur Street-Food-Szene und abwechslungsreichen Rezepten aus aller Welt. Das Buch macht Lust, sich sofort in den nächsten Flieger zu setzen und sich durch die Straßen New Yorks zu futtern. Kleine Abzüge gibt es für die recht fleischlastige Rezeptauswahl und das unsaubere Korrektorat. 4 von 5 Hot Dogs.

New York Street Food Hädecke Tom Vandenberghe, Jacqueline Goossens & Luk Thys

„New York Street Food“

Hädecke Verlag, Weil der Stadt 2013.

€ 18,00 / ISBN 978-3-7750-0657-6

Vielen Dank an den Hädecke Verlag, der uns das Buch zur Verfügung gestellt hat. Unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

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16 Kommentare

  • Reply Hädecke Verlag (@haedecke)

    Lieber Steffen, danke für den Hinweis zu den Satzfehlern, die wir sehr bedauern – da war die Schlusskorrekturphase offenbar zu hektisch und wir korrigieren das in der kommenden Auflage. Schön, dass Dir das Buch sonst gut gefällt 🙂

    23. Oktober 2013 at 15:36
    • Reply steffen

      Liebes Hädecke-Team, vielen Dank für eure Rückmeldung! Unsere Begeisterung für das Buch ist hoffentlich dennoch spürbar. 😉

      23. Oktober 2013 at 22:18
  • Reply Backflittchen

    Auf diese Buchvorstellung (von euch) habe ich schon sehnlichst gewartet =) Hoert sich soweit echt gut an – aber ich bekomme immer einen ziemlichen ‚Hals‘, wenn in Buechern/Zeitschriften z.B. Fotos falsch sind oder wichtige Rezeptangaben fehlen oder einfach nur (Schreib-)’Fehler‘ drin sind. Vielleicht auch ein Grund, warum ich so viele Rezeptbuecher im Original (English) habe und dann lieber selbst umrechne.
    Vielen Dank fuer den ehrlichen Meinungseinblick – ganz oben wird das Buch wohl nicht auf meiner Wunschliste landen … schade!
    LG, Jo

    23. Oktober 2013 at 18:07
    • Reply Kitty Wu

      Liebe Jo, vielleicht kam es neben der Kritik nicht ganz rüber, aber wir sind eigentlich ziemlich begeistert von dem Buch! Tolles Konzept, toll umgesetzt, daher überdenke das noch mal mit deiner Wunschliste, es ist wirklich empfehlenswert! Die Sache mit den Fehlern ist natürlich ärgerlich, sollte aber dennoch nicht vom Kauf abhalten, wenn einen das Thema interessiert. Mag sein, dass ich aufgrund meines Jobs diesbezüglich übersensibel bin und mir solche Sachen daher etwas stärker ins Auge fallen. 😉 Das Buch ist übrigens zuerst auf Niederländisch erschienen, aber selbst ein Original ist ja keine Garantie für eine fehlerfreie Ausgabe. Was genau du mit falschen Fotos meinst, verstehe ich nicht recht. Blätter doch einfach bei Gelegenheit durchs Buch und entscheide dann aus dem Bauch heraus. 😉

      23. Oktober 2013 at 22:38
      • Reply Backflittchen

        Huhu, hab ich schon gemerkt, dass ihr von dem Buch begeistert seid 🙂 Und natuerlich auch ein grosses Lob an den Verlag, dass er hier sogar dazu kommentiert hat! Vermutlich spielen da mehrere Komponenten bei mir momentan eine Rolle, weshalb ich diesen ‚Sachverhalt‘ zur Zeit etwas ‚ueberbewerte‘ =) Ich arbeite selbst in der Verlagsbranche, kenne auch den taeglichen Termindruck, aber solche Fehler werden uns dann trotzdem um die ‚Ohren gehauen‘. Ausserdem habe ich gerade diesen Fall, bei dem ein falsches Foto neben einem Rezept veroeffentlicht wurde (was NICHT auf dieses Buch bezogen war!) und der Verlag will trotz zweifacher Meldung nicht dazu Stellung nehmen. Das aergert mich einfach ^^
        Werde das Buch bei meinem naechsten Buchhandlungsstreifzug nochmals durchblaettern und dann, wie du richtig geschrieben hast, aus dem Bauch heraus entscheiden bzw. die Wunschlistenposition ueberdenken *g*
        Schoenen Wochenanfang wuensche ich euch beiden!! LG, Jo

        28. Oktober 2013 at 7:35
  • Reply Andrea Marquetant

    Toll geschriebene Buchrezeszion und klasse,dass der Verlag auch darauf geantwortet hat 🙂
    lg Andrea

    23. Oktober 2013 at 19:28
    • Reply steffen

      Vielen Dank, liebe Andrea! Wir finden’s auch wunderbar, dass der Verlag hier kommentiert! 🙂

      23. Oktober 2013 at 22:19
  • Reply sciencemade

    Da kommt man von der Arbeit, hat hunger wie ein Bär und dann sowas… Dann schieb ich mir mal schnell normales Toast mit Teewurst (?!) in den Mund und warte bis die zweite Auflage des Buches erscheint. Denn ich denke, das hätt‘ ich gern.
    Alles Liebe,

    Nova

    23. Oktober 2013 at 21:25
    • Reply steffen

      Hehe, na der Hunger treibt’s sicher runter 😉 Ist ja trotzdem ein tolles Buch und natürlich auch in der ersten Ausgabe verständlich. 😉

      23. Oktober 2013 at 22:21
  • Reply Sandra Gu

    Wir waren auch vor 3 Jahren in NY – eine wirkliche Traumstadt. Mich zieht es auch schon wieder hin 😉

    Wirklich schade, dass es einige kleine Fehler im Buch gibt! Dann warte ich jetzt um so gespannter auf eine Ausgabe eines anderen Verlags, wobei die anders ist. Nicht wirklich Streetfood denke ich…

    24. Oktober 2013 at 8:39
    • Reply Kitty Wu

      Ja, New York ist immer toll! Wir wollen eigentlich schon seit unserer Rückkehr vor 3 Jahren wieder hin! 😉
      Oh, welches Buch meinst du denn?

      24. Oktober 2013 at 8:55
      • Reply Sandra Gu

        Das Buch heißt I <3 NY – Mein NY Kochbuch. Hatte es auf der Buchmesse in der Hand, allerdings noch die englische Version. Sah sehr gut aus. Es kommt am 29.10. in deutscher Sprache raus 🙂

        Ist aber eine etwas andere Richtung, als das Buch vom Hädecke Verlag. Das hatte ich auf der Buchmesse ebenfalls in der Hand – hat mir auch sehr gut gefallen 🙂

        24. Oktober 2013 at 11:04
        • Reply Kitty Wu

          Klingt gut, danke für den Tipp! Das Buch werden wir mal im Auge behalten. 🙂

          26. Oktober 2013 at 15:44
  • Reply Karin

    Wirklich schade, dass die Rezepte sehr fleischlastig sind! Aber dann begnüge ich mich eben mit diesem Sandwich! Das erinnert mich übrigens daran, dass wir mal gemeinsam zum Burgeressen müssen 🙂

    26. Oktober 2013 at 18:28
  • Reply Luk THYS

    Hi Steffen,
    We are very happy you like the book we made in NYC on street food.
    Last week we made a promo tour in NY;
    Catch the vibes and look the clip we made :

    Cheers,
    luk&tOm

    6. November 2013 at 15:25
    • Reply steffen

      Hi Luk,
      thank you for your comment and for the video link – it really seems that you guys had a blast in NY! We envy you! 😉
      Best,
      Steffen

      18. November 2013 at 18:50

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