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Gekocht, Gelesen

Neues vom Kochbuchmarkt 2020: Von Fernwehküche bis Must-haves für die Feiertage

Neue Kochbücher 2020 Rezension

// Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung //

Auch wenn das Jahr in vielerlei Hinsicht bescheiden war, lieferte es uns immerhin zahlreiche Gelegenheiten zum Kochen und Backen. Das Arbeiten im Homeoffice machte es möglich, auch mal am Mittag gemeinsam etwas aufwendiger zu kochen und vom üblichen Standard-Mittagspausen-Repertoire abzuweichen. Dazu beigetragen haben auch einige neue Kochbücher, die 2020 veröffentlicht wurden. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann wir zuletzt so viele Rezepte aus Kochbüchern nachgemacht haben. Einige der Neuerscheinungen, in denen wir in den letzten Monaten eifrig gelesen haben, wollen wir euch hier vorstellen. Mit dabei: Must-haves wie der neue Ottolenghi, alte Bekannte wie Jamie Oliver, Deftiges für alle, die gerne vegan kochen und – wenn das Reisen in diesem Jahr schon viel zu kurz kam – absolute Fernwehküche, die uns nach Japan, Mexiko und Palästina entführt.

Wenn ihr also noch ein Last-minute-Weihnachtsgeschenk sucht und keinen Mist verschenken oder euch selbst mit Lesestoff für die Feiertage eindecken wollt, ist hier vielleicht das eine oder andere spannende Kochbuch für euch dabei. Mit diesem ausufernden Post verabschieden wir uns auch in die Weihnachtspause – wir wünschen euch schöne, entspannte und vor allem schmackhafte Feiertage und freuen uns, wenn ihr hier am 31.12. zur traditionellen Foodblogbilanz wieder reinschaut.

Yotam Ottolenghi: „Flavour“

Ottolenghi Flavour Buchvorstellung

Worum gehts?

Der israelisch-britische Kochbuchstar widmet sich in seinem neuen Buch „Flavour“ voll und ganz der Welt des Gemüses und zeigt, wie mit unterschiedlichen Zubereitungsformen und durch die Kombination verschiedener Zutaten auch die letzten Geschmacksgeheimnisse herausgekitzelt werden können. Dabei soll jedes Rezept das Charakteristische des jeweiligen Gemüses in den Vordergrund stellen. Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Prozesse, Partner und Produkte. Während im ersten Teil optimale Zubereitungsmethoden erklärt werden, stellt Ottolenghi in Teil 2 seine Pairing-Regeln vor, um sich schließlich im letzten Part den Gemüsesorten selbst und ihren Aromen zu widmen. Jedem Teil steht ein einführender Text voran, in dem grundlegendes Wissen, etwa zum Bräunen, Ziehenlassen, zu Fett, Säure, Pilze oder Nüsse und Samen vermittelt wird. Menüvorschläge und ein umfangreiches Register schließen das 300 Seiten starke Buch ab. Darüber hinaus bekommt man weiterhin das, was man von einem Ottolenghi erwartet: nah- und fernöstlich inspirierte Küche, die ungewöhnlich, aber nicht abgehoben ist (eine Bezugsquelle für die entsprechenden Zutaten vorausgesetzt).

Innenabbildung Kochbuch Yotam Ottolenghi Flavour

Innenabbildung Kochbuch Yotam Ottolenghi Flavour

Das mögen wir

Die Rezepte! Den Geschmack! Wer den Kochstil von Yotam Ottolenghi mag, wird auch in „Flavour“ wieder viele neue Favoriten finden. Die kreativen Kombinationen klingen manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber das Ergebnis hat uns bisher fast nie enttäuscht. Dem Thema entsprechend ist zudem der Großteil der Gerichte vegetarisch, allerdings kommt hin und wieder Fischsoße zum Einsatz, die aber in der Regel gut ersetzt werden kann. Die Rezepte sind nachvollziehbar und ausführlich beschrieben (okay, manchmal etwas zu ausführlich, aber so wird sichergestellt, dass wirklich jede:r damit klarkommt). Schön ist, dass hinter den Zutaten oft kurze Erklärungen zu finden sind, in denen Zubereitungsschritte erläutert oder Alternativen vorgestellt werden. Einigen komplizierteren Rezepten sind zudem Schritt-für-Schritt-Fotos beigefügt, die das Nachkochen noch einfacher machen. Auch die kurzen Infotexte vor jedem Gericht sind hilfreich und liefern Tipps für die Zubereitung, die Kombination mit anderen Gerichten oder die Aufbewahrung.

Das gefällt uns weniger

Das dem Buch zugrunde liegende Konzept hat uns nicht so recht mitreißen können. Wie bei „7 Mal anders“ von Jamie Oliver erscheint es etwas sperrig und erweckt den Eindruck, dass krampfhaft versucht wurde, ein Thema zu finden, unter dem man das nächste Kochbuch vermarkten kann. Dementsprechend stehen für uns die Rezepte im Vordergrund, und die sind auf jeden Fall so gut, dass sie für sich allein funktionieren. Wie bei Ottolenghi üblich muss man bei manchen Rezepten mit ellenlangen Zutatenlisten rechnen, mitunter mit Produkten, die fernab der Großstadt oder entsprechender Märkte vermutlich nicht ganz leicht zu beschaffen sein dürften. Uns stört das nicht, aber so manche:r wird sich davon sicher abschrecken lassen.

Ausprobiert

Pünktlich zum Beginn des Herbsts haben wir die Kürbis-Orangen-Galette mit Salbei zuerst probiert. Das Backwerk gehört auf jeden Fall zu den aufwendigeren Rezepten im Buch; es waren wirklich sehr viele Zubereitungsschritte nötig, bis das Ergebnis auf dem Tisch stand. Hier hatten wir ausnahmsweise mal Probleme mit dem Teig, der deutlich zu feucht war, und wir mussten mit ordentlich Mehl nachhelfen. Das Resultat war dann fast ein bisschen enttäuschend und konnte dem Aufwand nicht ganz gerecht werden. Geschmacklich zwar nicht schlecht (vor allem die Kombination mit Salbei passte sehr gut), aber auch nicht überragend, und vor allem deutlich zu süß, obwohl wir die Menge des Sirups schon reduziert hatten.

Kürbis-Orangen-Galette Ottolenghi

Auch nicht unaufwendig, aber umso großartiger war dagegen der süßsaure Rosenkohl mit Maronen und Weintrauben. Die Wohnung roch schon nach kurzer Zeit ganz wunderbar und das Gericht schmeckte noch viel besser als erhofft. Bereits zweimal kam es auf den Tisch, immer in Kombination mit den deutlich schneller zubereiteten (aber mindestens genauso guten) scharfen Röstkartoffeln mit Tahin und Sojasoße. Sowohl als Beilagen zu unserem Halloumi-Nuss-Braten als auch zusammen mit einem winterlichen Grünkohlsalat als Hauptspeise war das ein unglaublich befriedigendes Winteressen. Bei den Auberginenklößchen alla Parmigiana wurde es ungewöhnlich italienisch. Hier hat allein die etwas zu weiche Konsistenz gestört, geschmacklich gab es nichts zu meckern.

Fazit

Man bekommt das, was auf dem Titel steht: Flavour – höchst geschmackvolle und außergewöhnliche Gemüsegerichte von Ottolenghi, die trotz der langen Zutatenlisten und manchmal aufwendigen Schritte gut nachzukochen sind und für Abwechslung im eigenen Speiseplan sorgen. 4,5 von 5 süßsauren Zwiebeln.

Yotam Ottolenghi, „Flavour: Mehr Gemüse, mehr Geschmack“, DK Verlag, München 2020, 29,95 €.

Jamie Oliver: „7 Mal anders“

Jamie Oliver 7 Mal anders Buchvorstellung

Worum gehts?

Kaum ein Jahr ohne ein neues Buch von Jamie Oliver. Mit „7 Mal anders“ setzt er den Weg von „Jamies 5-Zutaten-Küche“ fort, es gibt also alltagstaugliche Rezepte, die „frischen Wind in den Speiseplan“ bringen sollen – und das bei minimalem Aufwand. Im Mittelpunkt stehen 18 Grundzutaten (u. a. Brokkoli, Hähnchenbrust, Süßkartoffeln und Eier), mit denen jeweils sieben Rezepte für Hauptgerichte entwickelt wurden. Man merkt dem Buch an, wie wichtig es Jamie Oliver ist, die Menschen zum Kochen zu bewegen, statt sich auf Fast Food oder den Lieferdienst zu verlassen, dementsprechend holt er sie mit den Rezepten bei ihren aktuellen Essgewohnheiten ab. Die Zutaten sind überschaubar, die Gerichte in der Regel schnell und unkompliziert zuzubereiten. Grundsätzlich geht es dabei recht deftig zu, so sind beispielsweise Salate eher die Ausnahme.

Innenabbildung Kochbuch Jamie Oliver 7 Mal anders

Innenabbildung Kochbuch Jamie Oliver 7 Mal anders

Das mögen wir

Die Rezepte sind größtenteils recht einfach gehalten und für den Alltag bestens geeignet. Dennoch haben sie oft einen gewissen Twist, der Lust auf das Gericht macht. Wie bei allen Büchern von Jamie Oliver kann man sich zudem auf die Rezepte verlassen. Was hier steht, funktioniert auch. Die Aufmachung ist clean und übersichtlich strukturiert, die Fotos sind ansprechend wie immer. Jedem Rezept ist eine Doppelseite gewidmet, auf der nicht nur das fertige Ergebnis präsentiert wird, sondern auch alle Zutaten abgebildet sind. So erfasst man schnell, wie aufwendig ein Rezept ist und welche Zutaten noch eingekauft werden müssen. Schön ist auch, dass bei einigen Fleischgerichten angegeben ist, welche vegane oder vegetarische Alternative verwendet werden kann.

Das gefällt uns weniger

Das Thema erscheint uns ein wenig erzwungen, als ob unbedingt ein neuer Ansatz gefunden werden musste, mit dem sich ein Buch herausbringen lässt. Die Auswahl der 18 Grundzutaten ist uns an manchen Stellen zu ähnlich – so hätte es sicher nicht eigene Kapitel mit jeweils sieben Rezepten für Hähnchenbrust und ganzes Hähnchen gebraucht. Die Verwendung von Convenience-Produkten fällt auf und orientiert sich zudem deutlich am britischen Supermarktangebot, sodass man hin und wieder erfinderisch werden und zu ähnlichen Alternativen greifen muss. Die Auswahl an vegetarischen Gerichten könnte für unseren Geschmack zudem umfangreicher sein.

Ausprobiert

Der eigentliche Grund, wieso wir dieses Buch haben wollten, lautet Pasta mit Blumenkohl, Käse und Sauerteig-Knoblauch-Bröseln. Das Foto davon in der Vorankündigung sah einfach so verlockend aus. Das Ergebnis ist eine ungewöhnliche Nudelsoße (die uns an unsere Pasta mit Kürbis-Salbei-Sauce erinnert), die in ihrer Einfachheit überzeugt. Sie eignet sich auch prima zum Einfrieren, nur die Brösel sollten frisch gemacht werden. Die schnelle Wurstpizza mit Zwiebeln, Trauben, Pinienkernen und Mozzarella, die wir mit vegetarischer Wurst zubereitet haben, hat prinzipiell gut funktioniert, aber wir wissen schon, warum wir unseren Pizzateig mit Hefe machen und lange gehen lassen. Die Backpulvervariante war uns etwas zu fest und trocken.

Komplett begeistert hat uns dagegen das Blumenkohl-Kichererbsen-Curry mit selbst gemachtem Naan. Sehr unkompliziert, richtig lecker und die Verwendung von Mangochutney verleiht dem Gericht eine ungewöhnliche, fruchtige Süße. Das machen wir in Zukunft sicherlich noch öfter. Richtig schräg klang dagegen die glasierte Miso-Paprika. Die Kombi aus Paprika, (Dosen-)Ananas, Tofu und zerstoßenen Wasabi-Erbsen passt allerdings erstaunlich gut zusammen.

Blumenkohlpasta Jamie Oliver

Fazit

Am Ende sind wir zwiegespalten. Zum einen ist „7 Mal anders“ ein solides Kochbuch, mit gut durchdachten und alltagstauglichen Rezepten. Zum anderen entsprechen diese nicht ganz unserer Art zu kochen. Die Gerichte sind uns oft zu reduziert und verlassen sich zu sehr auf Convenience-Produkte. Wir haben sie dementsprechend oft als Grundlage genutzt, aber an unsere Art zu kochen angepasst. Für Kocheinsteiger:innen und nicht ganz so geübte Köch:innen bietet das Buch aber schöne und abwechslungsreiche Ideen. 3,5 von 5 Wasabi-Erbsen.

Jamie Oliver, „7 Mal anders. Je 7 Rezeptideen für deine Lieblingszutaten“, DK Verlag, München 2020, 26,95 €.

Tim Anderson: „Tokyo Stories“

Tim Anderson Tokyo Stories Buchvorstellung

Worum gehts?

Die japanische Hauptstadt ist ein kulinarisches Paradies. Hier findet man sowohl die Spezialitäten der einzelnen Regionen des Landes als auch für Tokio typisches Essen. Tim Anderson widmet sich in seinem Buch dieser Vielfalt und führt die Leser:innen von Streetfood-Ständen bis zur modernen japanischen Küche. Das Buch ist dabei nicht einfach eine Sammlung von Rezepten, sondern auch ein kleiner Reiseführer. Zu jedem Gericht gibt es eine kurze Geschichte und die sehr vielen Fotos vermitteln ein lebendiges Bild der Stadt.

Innenabbildung Kochbuch Tim Anderson Tokyo Stories

Innenabbildung Kochbuch Tim Anderson Tokyo Stories

Das mögen wir

Der Aufbau von „Tokyo Stories“ ist ungewöhnlich, aber passend – statt der klassischen Kapitelabfolge von Vorspeise bis Dessert gibt es gastronomische Stockwerke. Los geht es im Untergeschoss, dort wo in japanischen Kaufhäusern die Lebensmittelmärkte und Feinkostabteilungen zu finden sind. Im Buch werden hier die Grundlagen japanischer Küche und notwendige Zutaten erklärt. Über das Erdgeschoss (Street- und Convenience Food) geht es anschließend immer weiter nach oben, bis zum Schluss ein Blick in die Wohnungen und Kochtöpfe der Einwohner:innen Tokios und schließlich auf die Teller der noblen Restaurants geworfen wird. Das alles ist so stimmungsvoll umgesetzt, dass wir uns sofort wieder nach Japan zurückversetzt fühlen. Dazu tragen auch die gelungenen Fotos ihren Teil bei, die die Millionenmetropole rau und schnörkellos zeigen. Ebenso die informativen Texte. Am Ende erhält man über das Buch einen sehr guten ersten Überblick über die japanische Küche, wie sie sich in Tokio manifestiert. Wir konnten jedenfalls vieles wiedererkennen, das uns bei unserem Besuch begegnet ist (von den bunten Getränkeautomaten bis zu den niedlichen Totoro Cream Puffs).

Das gefällt uns weniger

Für Vegetarier:innen ist das Buch weniger geeignet, denn fast alle Rezepte werden mit irgendeiner Form von Fisch oder Fleisch zubereitet. Dafür kann das Buch aber nichts, gibt es doch einen realistischen Eindruck der japanischen Küche wieder, wie auch wir sie vor Ort erlebt haben. Was allerdings leicht hätte vermieden werden können, sind die ab und zu auftretenden Ungenauigkeiten oder Fehler in den Rezepten. Dazu kommt, dass die Beschreibungen oft unnötig kompliziert sind und so mehrfaches Lesen und Interpretieren der einzelnen Schritte erforderlich machen. Geklappt haben die Gerichte am Ende aber dennoch. Viele Fotos zeigen nicht etwa die Ergebnisse der Rezepte, sondern die zugrunde liegenden Gerichte aus den Cafés oder Restaurants. Zwischen dem Selbstgemachten und dem Foto kann also manchmal ein größerer Unterschied liegen als erhofft (siehe die bereits erwähnten Cream Puffs. Wir sind uns sicher, dass wir sie zu Hause niemals so perfekt hinbekommen würden).

Ausprobiert

Curry-Pan ist ein frittierter Hefeteig mit scharfer Curry-Füllung. Die Zubereitung hat prima funktioniert (auch wenn der Teig nicht wie gewünscht aufgegangen ist) und das Ergebnis schmeckt nach japanischem Streetfood. Da hat sich die langwierige Zubereitung definitiv gelohnt. Von den Udon im Kagawa-Stil haben wir uns nur das Nudelrezept rausgepickt und als Grundlage für unsere Udon-Nudeln mit Miso-Kürbis und Sesamsoße genutzt. Auch hier war die Beschreibung an manchen Stellen etwas umständlich, aber die Nudeln haben am Ende gut geklappt, obwohl wir den Teig in Zukunft etwas dünner ausrollen werden. Auch die Soba-Nudeln werden wir demnächst ausprobieren, ebenso den Omurice, der uns in einer japanischen Tagesbar in New York bereits begeistert hat. Und an der Königsdisziplin Okonomiyaki, die im Buch Hiroshima-style mit Nudeln geschichtet werden, führt sowieso kein Weg vorbei.

Curry-Pan japanisches Streetfood

Fazit

Als stimmungsvolles Gesamtwerk gefällt uns „Tokyo Stories“ außerordentlich gut und befeuert unser Fernweh ungemein. Die Rezepte erfordern etwas Mitdenken und richten sich deshalb nicht unbedingt an Kochanfänger:innen. Rundum ein überaus authentischer Einblick in die moderne japanische Küche mit all ihren Facetten, der (noch mehr) Lust auf Tokio macht. 4 von 5 Ramen.

Tim Anderson, „Tokyo Stories. Ein japanisches Kochbuch“, Südwest Verlag, München 2020, 29,99 €.

Johannes Riffelmacher, Thomas Kosikowski: „Salt & Silver Mexiko: Tacos, Tequila, Tattoos“

Salt & Silver Mexiko Buchvorstellung

Worum gehts?

Noch mehr kulinarisches Fernweh gibts vom Brandstätter Verlag, der das zweite Buch der Salt-&-Silver-Jungs mit anderem Cover und Titel noch einmal neu aufgelegt hat. „Mexiko“ nimmt uns mit nach Lateinamerika ins Heimatland der Tacos und Tortillas. Drei Monate sind die beiden Abenteurer durch die Küchen und Klimazonen Mexikos gereist – ihre Erfahrungen, Begegnungen, Rezepte und Eindrücke haben sie in diesem Koch- und Reisebuch versammelt. Dementsprechend erwarten einen die verschiedenen Regionalküchen von Tulum bis Tijuana, die mit vielen Anekdoten und Wissenswertem rund um Kulinarisches und Ländertypisches gespickt sind.

Innenabbildung Kochbuch Salt and Silver Mexiko

Innenabbildung Kochbuch Salt and Silver Mexiko

Das mögen wir

Auch mit diesem Buch lässt es sich wunderbar in ein anderes Land eintauchen, dem man kapitelweise immer ein Stückchen näher kommt. Los gehts mit einführenden Kapiteln zu Kochausrüstung (klar ist: Wir brauchen endlich eine Tortillapresse!), typischen Zutaten (was zu einem Großeinkauf im mexikanischen Onlineshop führte) sowie Taco- und Tortilla-Basics. Danach reisen wir durch die unterschiedlichen Regionen Mexikos, in deren Küchen sich sowohl spanische und französische sowie arabische und karibische Einflüsse niederschlagen, was für eine Vielfalt an Aromen und Zutaten sorgt.

Für uns ein Pluspunkt, für andere vielleicht ein Minus ist der deutliche Fokus auf Tacos. Wir lieben sie und freuen uns über die Vielzahl an neuen Ideen. Auch die Exkurse in Sachen Tequila und Mezcal stoßen hier auf offene Gläser. Und natürlich die vielen tollen Fotos, die das Land stimmungsvoll und rau eingefangen haben und uns noch mehr Lust auf eine Reise nach Mexiko machen.

Das gefällt uns weniger

Wir geben zu, auf den Tattoo-Part hätten wir gut verzichten können, allerdings ist er nicht so dominant wie der Untertitel befürchten lässt. Die eingestreuten Illustrationen und Tattoo-Motive fügen sich immerhin gut ein und stören das Gesamtbild nicht groß. Durchaus störender empfinden wir dagegen, dass die grafische Gestaltung an einigen Stellen nicht gut gelöst ist. Farbwahl und Overlays sind nicht besonders lesefreundlich – dass sich rote Schrift auf schwarzem Papier oder unruhigem Fotohintergrund nicht gut lesen lässt, hätte man durchaus ahnen können. Etwas zu viel gewollte Coolness für unseren Geschmack, die sich auch hin und wieder in den Texten niederschlägt.

Vegetarier:innen sollten wissen, dass viele der Rezepte Fleisch oder Fisch beinhalten und sich ähnlich wie bei „Tokyo Stories“ natürlich an der für das Land typischen Küche orientieren. Dennoch finden sich einige vegetarische Rezepte darin und andere, die sich leicht abwandeln lassen. Was uns zwar weniger stört, für andere aber sicher ein Kritikpunkt sein könnte, ist die Tatsache, dass die Rezepte etwas Planung benötigen, denn viele der Zutaten bekommt man nicht mal eben in jedem Supermarkt, sondern müssen im Fachhandel besorgt werden.

Ausprobiert

Tacos natürlich! Die Tacos de Calabaza mit Kürbis und Essigzwiebeln treffen voll unseren Geschmack. Bei der Schärfe waren wir etwas verhaltener als das Rezept vorgibt, gut feurig war es dennoch. Völlig dem Tacofieber verfallen haben wir uns auch an den absoluten Taco-Klassiker al Pastor gewagt, der mit seiner charakteristischen säuerlichen Marinade auch überraschend gut als Veggie-Variante mit Sojaschnetzel funktioniert. Auf Michelada – gewürztes Bier – Aguas Frescas und andere Drinks sind wir sehr gespannt, klingen sie doch allesamt sehr verlockend.

Kürbis-Tacos mit Feta Salt & Silver Mexiko

Fazit

Wer einen gedanklichen Trip in die Ferne buchen möchte, Tacos so sehr liebt wie wir und nicht davor zurückschreckt, ein paar Zutaten zu besorgen, die es nicht in jedem Supermarkt gibt, wird mit „Salt & Silver Mexiko“ mit einer Abenteuerreise durch die Küchen des Landes belohnt. 3,5 von 5 Habaneros.

Thomas Kosikowski, Johannes Riffelmacher, „Salt & Silver Mexiko. Tacos, Tequila, Tattoos. Eine Abenteuerreise zum echten Geschmack Mexikos“, Brandstätter Verlag, Wien 2020, 35 €.

Sami Tamimi, Tara Wigley: „Palästina. Das Kochbuch“

Sami Tamimi Tara Wigley Palästina Buchvorstellung

Worum gehts?

Titel und Cover deuten es schon an: Das Buch ist eine Art Fortsetzung des Klassikers „Jerusalem“, das Sami Tamimi zusammen mit Yotam Ottolenghi vor ein paar Jahren veröffentlicht hat. Nun ist neben Tamimi auch Tara Wigley, die fest zum Ottolenghi-Team gehört, mit an Bord. Mit ihrem Buch wollen die beiden einen Überblick zur Küche Palästinas geben. Die Kapitelaufteilung ist praktisch und übersichtlich und beginnt mit dem Frühstück, darauf folgen acht weitere Abschnitte, u. a. zu Gemüsebeilagen und Salaten, Hauptgerichten mit Gemüse, Fleisch oder Süßem. Dazwischen finden sich kleinere Geschichten und biografische Porträts, über die man nicht nur die kulinarische Seite der Region kennenlernt. Ein Register und ein Glossar (zu „Küche und Politik in Palästina“) runden das Buch ab.

Innenabbildung Kochbuch Sami Tamimi Tara Wigley Palästina

Innenabbildung Kochbuch Sami Tamimi Tara Wigley Palästina

Das mögen wir

Auch hier: die Rezepte! Sie treffen größtenteils genau unseren Geschmack und eigentlich möchten wir beim Durchblättern fast jede Seite markieren. Wie auch bei den Büchern Ottolenghis sind die Rezepte ausführlich beschrieben und lassen sich gut nachkochen. Allerdings geht es hier deutlich einfacher und überschaubarer zu. In vielen Fällen reicht ein gut sortierter Gewürzschrank (und ein großes Glas Tahini) aus, um die Rezepte zubereiten zu können. Damit holt das Buch auch Kochanfänger:innen ab, die sich bislang nicht an Ottolenghis ausufernde Rezepte herangewagt haben, aber in eine ähnliche Geschmackswelt eintauchen möchten.

Das gefällt uns weniger

Eigentlich gibt es nicht viel zu meckern. Man bekommt, was auf dem Titel steht: einen guten Rundumschlag in Sachen palästinensischer Küche. Der in unseren Augen größte Kritikpunkt hat allerdings nichts mit den Rezepten zu tun, sondern mit der politischen Ausrichtung des Buchs. Die Autor:innen schaffen es leider nicht, auf dem „schmalen Grat“ zu balancieren, den sie selbst in der Einleitung ansprechen. „Böse und schuld“ an der heiklen politischen Lage ist immer die israelische Besatzung. Von den ständigen Raketenangriffen auf israelische Zivilist:innen, dem in der palästinensischen Gesellschaft und ihren Institutionen weit verbreiteten Antisemitismus oder der Terrorherrschaft von Hamas und Fatah liest man dagegen kaum etwas. Richtig ärgerlich wird es beispielsweise beim Bericht zu Banksys „Walled Off Hotel“, in dem „Kleinigkeiten“ wie die Kriegserklärung der arabischen Staaten 1948 oder die unzähligen Selbstmordanschläge auf Israel, die die Mauer erst notwendig gemacht haben, einfach unterschlagen werden. Somit bleibt trotz der großartigen Rezepte, der zahlreichen Beispiele für Versöhnung im Buch sowie dem etwas differenzierter geschriebenen Glossar ein schaler Beigeschmack. Natürlich ist „Palästina“ in erster Linie ein Kochbuch, aber wenn das Thema Politik schon so dominant behandelt wird wie hier, hätten wir uns eine weniger einseitige Darstellung gewünscht.

Ausprobiert

Sofort beim ersten Durchblättern angesprungen haben uns die Hefeschnecken mit Sumach-Zwiebeln. Wir wurden glücklicherweise nicht enttäuscht und haben das Rezept für die saftigen Teigschnecken gleich auf dem Blog geteilt. Der leicht süßliche und gleichzeitig würzige Geschmack trifft genau das, was wir von der palästinensischen Küche erwartet haben. Nur dem Hinweis im Buch, dass die Schnecken auch zwei Tage später noch bei Zimmertemperatur gegessen werden können, können wir nicht zustimmen. Sie sollten ganz frisch gegessen oder notfalls eingefroren werden, sonst büßen sie an Luftigkeit ein.

Hefeschnecken mit Sumach-Zwiebeln und Kräutern

Schon mehrmals nachgekocht haben wir die Linsen mit Granatapfel und Auberginen, die leider furchtbar unfotogen sind, aber großartig schmecken und sich recht einfach zubereiten lassen. Ein ebenso schnelles Gericht zum Abendessen unter der Woche ist die Pasta mit Joghurt und Petersilienbröseln, die dank weniger, aber geschmackvoller Zutaten (Butter! Öl! Griechischer Joghurt!) unfassbar gut ist. Die abwechslungsreichen Texturen der einzelnen Bestandteile tun ihr Übriges, sodass die Nudeln sicherlich bald wieder auf unseren Tellern landen werden.

Fazit

Tolle, abwechslungsreiche und oft nicht allzu aufwendige Rezepte, die einen wunderbaren Einblick in die kulinarische Vielfalt Palästinas gewähren. Allein der eher einseitige politische Diskurs verleiht dem Ganzen einen schalen Beigeschmack. Dennoch 4 von 5 Labneh-Bällchen.

Sami Tamimi, Tara Wigley, „Palästina. Das Kochbuch“, DK Verlag, München 2020, 28 €.

Anne-Katrin Weber, Wolfgang Schardt: „Deftig vegan“

Anne-Katrin Weber Wolfgang Schardt Buchvorstellung

Worum gehts?

„Du magst deftiges Essen?“, fragt Anne-Katrin Weber gleich auf der ersten Seite des Buchs und macht klar, wohin die Reise geht. Vegane Küche ohne Verzichtsethik für alle Kochbegeisterten, die kräftige, aber durchaus auch gesunde pflanzliche Gerichte mögen. Nach einer knappen Einführung zu den fünf Geschmacksrichtungen und den Säulen der veganen Ernährung geht es gleich los mit Slow-Food-Rezepten, also solchen, bei denen die Zubereitung auch mal etwas länger dauern darf, wobei sich das vor allem auf Gar- oder Gehzeiten bezieht. Die anschließenden One-pot-, one-pan-Rezepte machen deutlich, was im Buch allerdings im Vordergrund steht: Gut machbare Gerichte für jeden Tag. Es folgen Abschnitte zu saisonalen Gemüsegerichten sowie veganisierten Rezeptklassikern wie Pulled-Jackfruit-Burger und geschmorte Wirsingröllchen. Das Kapitel Take 5 erinnert ein wenig an Jamie Olivers „5-Zutaten-Küche“, denn auch hier wird mit maximal fünf Zutaten gekocht. Abschließend runden Schoko-Erdnuss-Blondies und andere Süßspeisen das vegane Kochbuch ab.

Innenabbildung Kochbuch Anne-Katrin Weber Wolfgang Schardt Deftig vegan

Innenabbildung Kochbuch Anne-Katrin Weber Wolfgang Schardt Deftig vegan

Das mögen wir

Die Rezepte sind ausgesprochen alltagstauglich und lassen sich grundsätzlich auch gut nach einem stressigen Arbeitstag zubereiten. In den allermeisten Fällen handelt es sich um Hauptgerichte, auch das erleichtert das schnelle Nachkochen aus dem Buch. Gut gefällt uns auch, dass deftig hier nicht einfach mit fettig gleichgesetzt wird. Auch wenn das Buch nicht den Anspruch erhebt, ausschließlich supergesunde Rezepte zu liefern, sorgt der Verzicht auf tierische Produkte doch dafür, dass man nicht nur kein schlechtes Gewissen haben muss, sondern sich sogar sehr abwechslungsreich ernährt (viele der Rezepte arbeiten beispielsweise neben frischem Gemüse mit Nüssen und Hülsenfrüchten).

Das gefällt uns weniger

„Deftig vegan“ ist sehr übersichtlich aufgebaut und versteht sich in erster Linie als eine Rezeptsammlung zum Thema. Das lässt nicht viel Raum für eine persönliche Note oder opulente Ausschmückungen. Die Rezepte sind bodenständig und ansprechend, doch an der einen oder anderen Stelle hätten wir uns weniger Basisrezepte wie Gemüselasagne oder -pommes und noch etwas mehr Raffinesse gewünscht, aber das ist Jammern auf hohem Niveau (und manch eine:r freut sich vielleicht, nicht immer gleich drei neue Gewürze pro Rezept kaufen zu müssen).

Ausprobiert

Gleich das erste Rezept im Buch mussten wir testen: eine Kürbis-Kichererbsen-Pizzette, die inzwischen auch auf dem Blog zu finden ist, und das völlig zu Recht. Kichererbsen auf einer Pizza hatten wir in der Tat noch nie – ein Fehler, wie sich zeigte. Bei der rustikalen Linsen-Pie mit Selleriepüree schieden sich dagegen die Geister. Ich war von der Linsenmasse mit Selleriedecke begeistert, Sabrina fühlte sich dagegen zu sehr an das Linsensuppentrauma aus der Kindheit erinnert. Am Rezept lag das allerdings nicht, das hat einwandfrei funktioniert. Bald probieren werden wir auf jeden Fall die Blumenkohlensteaks mit zitroniger Kapernsalsa und das Kürbis-Apfel-Gratin mit Walnuss-Salbei-Crumble.

Vegane Kürbis-Kichererbsen-Pizzette mit Haselnüssen

Fazit

Wir haben nicht viele rein vegane Kochbücher im Regal stehen, deswegen ist „Deftig Vegan“ für uns eine super Ergänzung. Für alle, die alltagstaugliche Rezepte aus der modernen veganen Küche suchen, die zudem toll in Szene gesetzt sind und über die üblichen Buddha-Bowls und Avocado-Toasts hinausgehen, ist das Buch eine echte Bereicherung. 4 von 5 Kichererbsen.

Anne-Katrin Weber, Wolfgang Schardt, „Deftig vegan. Schmoren, rösten, grillen, gratinieren, karamellisieren …“, Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2020, 29,95 €.

Vielen Dank an die Verlage, die uns Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt haben. Unsere Meinung bleibt davon unberührt.

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2 Kommentare

  • Reply Anne-Katrin

    Liebe Sabrina, lieber Steffen,

    vielen Dank für Eure umfassenden, ausführlichen Rezensionen! Das verschafft uns einen guten Überblick über aktuelle Bücher und Euer Feedback zu unserem Buch ‚Deftig Vegan‘ ist für uns sehr hilfreich. Zwischen Ottolenghi, Tamimi/Wigley, Oliver & Co. fühlen wir uns sehr wohl – was für eine Ehre!

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Anne-Katrin und Wolfgang von veggielicious.de

    30. Dezember 2020 at 21:20
  • Reply "Falastin" von Sami Tamimi und "Indisch Vegetarisch" von Meera Sodha: zwei Länder-Kochbücher - Herbs & Chocolate

    […] muss ich im Nachhinein dem zustimmen, was Sabrina und Steffen von Feed me up before you go-go in ihrer Rezension geschrieben haben: die Darstellung ist einseitig gefärbt. Mich persönlich stört das nicht, denn […]

    18. Januar 2021 at 8:07
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