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Frankreich, Gereist, Metz

Kulinarisch durch Elsass & Lothringen #4: Metz – Quiche Lorraine, Moselwein & Quartier impérial

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Wie bereits zuvor auf unserer Reise durch den Nordosten Frankreichs, haben wir auch bei Metz zunächst wenig Vorstellung von der Stadt. In den Tiefen meines Gedächtnisses tauchen während der Fahrt von Nancy nach Metz Bilder aus der Nibelungensage auf, nur äußerst dunkel erinnere ich mich an die Pflichtvorlesungen zum Mittelalter und versuche im Kopf Ordnung in die Geschichte des deutschen Kaiserreichs zu bringen – denn irgendwie bin ich sicher, dass das auch mit Metz zusammenhing. Mein Gedächtnis täuscht mich nicht und schon bald wird klar, dass die Stadt noch mehr als Mulhouse, Nancy und Straßburg für die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich steht. Somit findet unsere Reise durch eine Grenzregion, deren wechselhafte Geschichte wir in den Tagen zuvor schon ausführlich erkundet haben, in der Stadt an der Mosel ein passendes Ende.

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Kaiserviertel / Quartier impérial

Gleich nach unserer Ankunft treffen wir auf unsere Gästeführerin Estelle, die uns die kommenden beiden Tage begleiten wird und uns zunächst durch das Kaiserviertel führt, das wie kein anderer Teil der Stadt noch heute die Spuren der deutsch-französischen Geschichte trägt. Metz fiel nach dem Krieg von 1870/71 an das Deutsche Reich und wurde in den folgenden Jahren zu einer großen Festungsstadt ausgebaut. Dementsprechend kommen wir während unserer Stadttour an vielen Kasernen- und Verwaltungsgebäuden vorbei, die sich deutlich von der Altstadt innerhalb der Stadtmauern abheben. Durch die vielen neuen Militärs und Verwaltungsbeamten kam es zudem zu einem Bauboom an Privathäusern, die wir beim Spaziergang entlang der Avenue Foch bewundern können. Dabei ist ein bunter architektonischer Stilmix entstanden, der die Straße, die die Verbindung zwischen Alt- und Neustadt schafft, noch heute spannend macht: Jugendstilvillen stehen hier neben Renaissance- und Barockbauten.

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Ein besonderes Highlight ist aber der Gare de Metz-Ville, der von 1905 bis 1908 im Auftrag von Wilhelm II. erbaute monumentale Bahnhof der Stadt. Er sollte vor allem den Transport der vielen Soldaten, die hier stationiert waren, gewähren. Estelle nimmt sich viel Zeit, uns auf die vielen kleinen Details aufmerksam zu machen, die den 300 Meter langen Bau schmücken. So verraten uns die Verzierungen der Säulen zum Beispiel, in welchem der Räume damals die Wartesäle der dritten Klasse untergebracht waren (dort, wo die Biertrinker zu sehen sind) und wo dagegen die feinen Herrschaften der ersten Klasse ihre Zeit verbringen durften (erkennbar am Wein). Nach dem ausgedehnten Spaziergang durch das Quartier impérial können wir auf jeden Fall nachvollziehen, warum Metz für die einzigartige Mischung aus königlich-französischer und kaiserlich-deutscher Stadtgeschichte die Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe beantragt hat.

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Aber Metz hat natürlich noch viel mehr zu bieten: Ebenso viel Spaß macht es, sich durch die Gassen der Stadt treiben zu lassen, die von italienisch anmutenden Plätzen – wie der Place Saint-Louis, auf der (wenn das Wetter mitspielt) draußen gegessen und gefeiert wird – bis zur monumentalen Kathedrale genügend Abwechslung für unseren dreitägigen Aufenthalt bereithält. Und die Kulinarik kommt hier natürlich auch nicht zu kurz.

Metz kulinarisch

{Marché Couvert}

Mitten in der Stadt, im Schatten der Kathedrale finden wir die lokale Markhalle. Während der Stadtführung erfahren wir, dass dies ursprünglich der Bischofspalast werden sollte, aber dann (glücklicherweise) die französische Revolution in die Quere kam. Die Geschichte erklärt auch die ungewöhnliche Gestaltung der Markthalle, die sich nun seit 1831 hier befindet. U-Förmig und über zwei Stockwerke (im unteren befinden sich zwei Restaurants) erstreckt sich das Gebäude und beherbergt eine Vielzahl an schönen Ständen. Sie ist zwar nicht so groß wie die Markthalle in Mulhouse, aber trotzdem einen Besuch wert, vor allem am Samstag, wenn auf dem Platz zwischen den Gebäudeflügeln noch Dutzende weitere Händler ihre Stände aufbauen und uns noch ein letztes Mal die volle Palette der Köstlichkeiten Ostfrankreichs präsentieren. Marché Couvert // Place du Marché Couvert, Metz.

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{Chez Mauricette}

Wer sich seit 18 Jahren mit seiner Épicerie inmitten des Trubels der Markthalle halten kann, muss irgendwas richtig machen. Wir setzen uns also an einen der einfachen Tische neben dem Stand und bekommen gleich ein Gläschen Moselwein vorgesetzt. Um 11 Uhr ist es ja auch höchste Zeit für einen Drink (da sind die Franzosen den Spaniern sehr ähnlich) und außerdem klappt es dann auch mit der Verständigung gleich viel besser. Hier gibt es nochmals das volle Frankreicherlebnis inklusive sprachlichem Hand-und-Fuß-Mischmasch, viel Hektik und noch mal so viel Herzlichkeit. Auf dem Tisch landet ein Degustationsteller, den es bei Mauricette in verschiedenen Varianten und Größen gibt. Darauf finden wir typischen Käse aus der Region wie Tomme oder Brie de Lorraine und jede Menge Wurstspezialitäten, denn darauf ist Madame Mauricette ganz besonders stolz. Man lässt uns nicht gehen, ohne die hausgemachte Mirabellentarte probiert zu haben, doch die könnte ehrlicherweise besser sein und kann nicht ganz mit den lokalen Käse- und Wurstdelikatessen mithalten. Dafür werden wir gleich als „blogueurs allemands“ dem Lokalradio vorgestellt, das wenige Meter von uns live aus der Markthalle berichtet. Chez Mauricette // Place du Marché Couvert, Metz.

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{Fresson}

Paris-Metz nennt sich die gigantische zweifarbige Macaron, die uns in der ganzen Stadt immer wieder begegnet. Natürlich reisen wir nicht ab, ohne die ostfranzösische Hommage an Paris-Brest probiert zu haben. Besonders hübsche (und leckere!) Exemplare der mit Himbeeren und Vanillecreme gefüllten Macarons finden wir in der Patisserie Fresson. Das Herz der Frau hüpft sofort höher, als sie dort auch noch schwarze Lakritz-Macarons erspäht. Und so wandert ein nicht ganz so kleines Tütchen mit französischem Gebäck in unsere Tasche. Fresson // 17 Rue du Grand Cerf, Metz.

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{El Theatris}

Nach einer ausgedehnten Tour durch die Altstadt und entlang der Mosel haben wir uns das Mittagessen redlich verdient und finden direkt vor der ältesten noch betriebenen Theater-Oper Frankreichs einen wunderschönen Platz. Mit Blick auf den im Kaiserreich erbauten Temple Neuf  und den Türmen der Kathedrale im Hintergrund genießen wir erst einmal bei einem Glas Weißwein den Gruß aus der Küche (eine überzeugende Lauch-Pannacotta) und verstehen plötzlich, warum man sich in Frankreich so viel Zeit fürs Mittagessen nimmt. Es wäre ja auch schade, wenn man die Kleinigkeiten wie das geröstete Brot mit Oliventapenade (okay, vor allem Sabrina findet an Letzter Gefallen) nicht in Ruhe genießen könnte. Die Hauptspeisen bestätigen unseren Eindruck, dass es in Metz nicht so sehr darum geht, um jeden Preis eine „traditionelle“ Küche zu servieren, was vielleicht auch daran liegt, dass man weniger Tourist_innen zu versorgen hat, als beispielsweise Straßburg. Uns soll es recht sein, denn wir kommen im Theatris in den Genuss kreativer französischer Küche, die auch nicht vor einer vegetarischen Auswahl zurückschreckt. Sabrinas Salade Maraichère sieht nicht nur frisch und bunt aus, er schmeckt auch ganz hervorragend. Meine Mirabellen-Wachtel mit Gemüsecouscous und gerösteten Mandeln ist nicht nur toll angerichtet, sondern überzeugt auch geschmacklich. Das Fleisch ist zart, die verschiedenen Saucen auf dem Teller sorgen für ganz unterschiedliche Geschmackskombinationen. Davon abgesehen mag ich die Kombination aus Obst und Fleisch wirklich gerne. Eigentlich sind wir danach nicht mehr furchtbar hungrig, aber wie so oft in den letzten Tagen sieht der Nachtisch auf den Nachbartischen einfach zu gut aus, um ihn nicht zu probieren. Der Financier mit Minze, Melonen-Bayrisch-Creme und Melonensorbet und die Sesam-Tube-Croustillant mit Zitronencreme und -sorbet schmecken mindestens so gut wie sie aussehen. El Theatris // 2, place de la Comédie, Metz.

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{Les Amis de Saint-Louis}

Am Rande der Altstadt nimmt die Dichte der Restaurants schlagartig ab und in Richtung Centre Pompidou kann es für nicht Einheimische schwierig werden, ein nettes Plätzchen fürs Mittagessen zu finden. Doch im Inneren eines ehemaligen Klosters und heutigen Priesterseminars entdecken wir eine kleine Ruheoase. Wir ergattern einen Platz auf der schönen Terrasse im Garten des Restaurants Les Amis de Saint-Louis und werden wieder einmal mit den kulinarischen Realitäten Frankreichs konfrontiert. Auch hier gibt es kein vegetarisches Hauptgericht auf der Karte und selbst auf Nachfrage zeigt sich der ohnehin leider nicht besonders aufmerksame Service sichtlich überfordert von der Idee eines fleisch- und fischfreien Tellers. Na gut, dann eben nur eine Vorspeise für Sabrina – der Rührei-Cappuccino mit Trüffel klingt schließlich nicht übel und ist es auch nicht. Ich habe dagegen Glück, denn es sind Muschelwochen und ich bestelle – wie fast alle an den umliegenden Tischen – meine ersten Moules frites. Die Kombination aus Miesmuscheln in Weißweinsauce und Pommes sieht zwar auch auf dem Tisch etwas gewöhnungsbedürftig aus, schmeckt aber großartig. Wir nutzen das schöne Wetter und die Tatsache, dass wir uns immer noch in der Mirabellenregion befinden, noch etwas aus und bestellen zum Abschluss Kaffee und Nachtisch: Die Tarte Tatin mit Mirabellen und Mirabellensorbet ergänzt die bisherigen Desserts aus der gelben Frucht ganz hervorragend. Alles in allem bietet das Restaurant ein wirklich schönes und ruhiges Ambiente, man sollte zwar etwas Zeit mitbringen, doch die Qualität der Speisen ist gut – allein Vegetarier_innen sollten ihr Glück besser woanders versuchen. Les Amis de Saint-Louis // 4 Avenue Jean XXIII, Metz.

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{La Brasserie Christophe Dufossé}

Nach acht Tagen Entdeckungstour durch Elsass und Lothringen und über 130 zu Fuß zurückgelegten Kilometern, sind wir an unserem vorletzten Abend fast ein bisschen froh, dass wir für das Abendessen nicht noch einmal das Hotel verlassen müssen. Wir haben das Glück, dass das Hotel Citadelle über zwei ganz hervorragende Restaurants verfügt – beide unter der Leitung von Christophe Dufossé. Das sterneprämierte Gourmetrestaurant Le Magasin aux Vivres besichtigen wir allerdings nur außerhalb der Öffnungszeiten, als uns der Chef persönlich durch die Küchen führt, in denen sich sein Team gerade konzentriert auf das Dinner vorbereitet. Stattdessen besuchen wir die Brasserie gleich nebenan, die für deutlich weniger Geld ebenfalls hervorragendes Essen bietet. Wenn Christophe Dufossé behauptet, es handele sich dabei um eine typische französische Brasserie, untertreibt der Küchenchef ein wenig, denn man merkt den servierten Tellern den Einfluss der benachbarten Sterneküche durchaus an. Hier wird mit viel Raffinesse die traditionelle Küche der Region modernisiert und um internationale Einflüsse ergänzt. Im Gespräch erzählt der Sternekoch auch, dass er dort die Zukunft für sich und andere sehe. Eine leichte, moderne Art des Kochens, die sich wieder auf das Produkt an sich besinnt, lokale Produzenten wertschätzt und auf höchste Qualität bei den Zutaten setzt. Auf diesem Niveau gibt es auch kein Problem mit speziellen Wünschen der Gäste – ein vegetarisches Menü ist selbstverständlich und ist alles andere als ein fader Ersatz. Die Gazpacho mit Guacamole ist wunderbar angerichtet und perfekt abgeschmeckt, das Pilzrisotto wunderbar cremig. Highlight des regulären Menüs ist mit Sicherheit die dekonstruierte Quiche Lorraine, die mich dieses einfache Gericht mit ganz neuen Augen sehen lässt. Das Dessert kommt ähnlich hübsch angerichtet – die Kokos-Ile Flottante mit Erdbeer-Gazpacho ist luftig leicht, die Mousse au Chocolat mit Pistazienkuchen sehr schokoladig. Die Brasserie ist jedenfalls eine gute Gelegenheit, die Küche von Christophe Dufossé kennenzulernen, ohne sich auf die doch recht hohen Menüpreise des Magasins einlassen zu müssen. La Brasserie Christophe Dufossé // 5 Avenue Ney, Metz.

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{Les Pas Sages}

Wir sind zwar nur drei Tage in Metz, doch eine Ecke zieht uns immer wieder an – die Rue Taison, ein malerisches Kopfsteinpflastergässchen mit vielen jungen und kreativen Boutiquen (wie dem Concept Store Vélo Rose) Spezialitätenläden, Cafés und kleinen Restaurants. Gleich als wir das erste Mal die Straße entlanggehen, fällt uns ein kleines Lokal auf, das erst vor ein paar Tagen eröffnet wurde. Doch die gute Küche des Les Pas Sages scheint sich offenbar schon herumgesprochen zu haben, denn wir ergattern draußen gerade so noch den letzten Tisch. Das Konzept ist jung und modern, die täglich wechselnde Karte übersichtlich und der Service überaus freundlich. Und so sitzen wir bei schummerigem Licht auf zwei wackeligen Stühlen an einem kleinen Tisch mitten in der Fußgängerzone und freuen uns, so etwas Unkompliziertes gefunden zu haben. Ein letztes Mal versuchen wir das Menü der von Tisch zu Tisch wandernden Kreidetafel mithilfe unseres Schulfranzösisch zu dechiffrieren. Das gelingt offenbar, denn bald darauf stehen zwei Gläser Wein, eine überbackene Süßkartoffel mit Nuss-Kräuter-Füllung und ein kreativ angemachtes Steak tartare auf dem Tisch. Über uns schwebt Graoully – der ewig hungrige Drache von Metz – und wir sind uns einig, dass es wohl keinen besseren Ort für unseren letzten Abend gegeben hätte. Les Pas Sages // 21, Rue Taison, Metz.

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Raus aus der Stadt

Umgeben von Mirabellenbäumen liegen entlang der Mosel zahlreiche kleine Orte, durch die sich die Weinstraße Route des vins de Moselle schlängelt. Wer von Nancy kommt, sollte also in Betracht ziehen, die Autobahn etwas früher zu verlassen und ein paar Winzereien und Destillieren anzusteuern, die auf dem Weg nach Metz liegen. Die meisten Produzenten bieten einen Hofverkauf an und normalerweise kann man sich vor dem Kauf auch ein wenig durch das Angebot probieren.

{Domaine Buzea}

Auf unserem Nachmittagsausflug machen wir zunächst Halt in Ancy sur Moselle, wo sich hinter einem unscheinbaren Hoftor die Domäne Buzea versteckt. Dort werden wir herzlich von Georgian begrüßt, der die junge Winzerei 2009 von seinem Vater übernommen hat, der selbst erst 1998 ins Weingeschäft eingestiegen war. Der französische Teil des Moseltals ist bis heute keine Weinregion mit großen Anbauflächen und erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts bei Weinliebhaber_innen wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Georgian lässt sich davon nicht beeindrucken und keltert fröhlich und mit spürbarer Begeisterung ein Dutzend verschiedene Weine – weiß, rosé und rot aus sechs unterschiedlichen Trauben. Wir sitzen mitten in der Werkstatt der Winzerei (hinter uns stehen Maschinen zum Etikettieren, Flaschensäubern und Verkorken) und probieren uns durch das aktuelle Angebot. Die Verständigung gelingt mit einem lustigen Mischmach aus ein paar Brocken Schuldeutsch und -französisch, dazwischen etwas Englisch gemischt mit wilden Hand- und Fußgesten. Mit jedem Glas Wein klappt es etwas besser. Wir lachen viel während dieser Verkostung, bei der man dem jungen Winzer die Leidenschaft fürs Weinmachen in jeder Sekunde anmerkt. Er liebt seine Weine und freut sich wie ein kleines Kind, wenn ein Jahrgang besonders gut gelungen ist. Natürlich kann man die Weine hier direkt kaufen, was man ausnutzen sollte, denn einen Internethandel gibt es für die vergleichsweise kleine Jahresproduktion von etwa 25.000 Flaschen bisher nicht. Besonders gut schmecken uns der superfruchtige Riesling von 2015 und ein halbtrockener Pinot Blanc von 2015 (Cuvée des Arches), der erst im April abgefüllt wurde. Hier bewährt es sich wieder, dass wir mit dem Auto nach Frankreich gereist sind und so eine volle Kiste Wein mit nach Hause nehmen können. Domaine Buzea // 10 Rue Raymond Mondon, Ancy sur Moselle.

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{Distillerie de Mélanie}

Einige Dörfer weiter sind wir mitten im Mirabellenland gelandet. Weite Obstplantagen bestätigen noch einmal, dass Lothringen das Zentrum der weltweiten Mirabellenernte ist, bieten doch die Sommer der Gegend mit ihren warmen Tagen und kühlen Nächten ideale Bedingungen für die Obstbäume. Wie wir bald erfahren, landet der größte Teil der Früchte in Brennanlagen und wird zu Schnaps verarbeitet. In der familiengeführten Distillerie de Mélanie bekommen wir die Herstellung dieses Markenzeichens der Region von echten Fachleuten erklärt. Wir sind froh, mit Vivienne vom Office de Tourisme in Metz eine sympathische Dolmetscherin an der Seite zu haben – ohne sie wären wir wirklich aufgeschmissen, denn den komplexen technischen Abläufen hätten wir auf Französisch wohl nicht folgen können. Als wir ankommen, trifft gerade eine frische Lieferung Mirabellen auf dem Hof ein und die reifen Früchte wandern kurz darauf über ein klappriges Förderband ins Innere der Halle, wo sie zerhackt und dann für die Fermentierung in große Edelstahlbehälter gefüllt werden. Rund zweieinhalb Monate lagern sie darin, dann erst beginnt der eigentliche Brennvorgang, bei dem in zwei Durchgängen aus 1500 Kilo Mirabellen 250 Liter Schnaps gewonnen werden. Mehrfach werden bis hierhin die strengen Anforderungen überprüft, die erfüllt werden müssen, um das begehrte AOC-Label (kontrollierte Herkunftsbezeichnung) erhalten zu können. Ist alles in Ordnung, wandert der Brand in Eschenholzfässer und reift dort ein bis 15 Jahre. Aus den verschiedenen Fässern werden dann Blends zusammengestellt, die in drei unterschiedlichen Qualitäten in den Handel kommen. Besonders die höchste Qualitätsstufe begeistert uns bei der anschließenden Verkostung. Zehn bis 15 Jahre alt sind die Fässer, die hier zusammenkommen; die lange Lagerzeit gibt dem Obstbrand eine spannende Tiefe, die man bei so einem Produkt niemals erwarten würde. Der hofeigene Laden bietet alle Brände und noch unzählige weitere Mirabellenprodukte direkt zum Kauf an – wir schlagen natürlich zu! Distillerie de Mélanie // 2 rue des Vignerons, Marieulles-Vezon.

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Und sonst so?

Auch in Metz sind wir nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, sondern verlassen uns lieber auf unsere Füße. Allerdings macht es uns die Stadt auch sehr leicht, sie auf diese Weise zu erkunden. Die vielen unterschiedlichen architektonischen Einflüsse lassen die Wege nie langweilig werden und zudem grünt es an jeder Ecke. Wir verstehen, warum Metz als die „Stadt der Gärten“ bekannt ist und erfahren, dass sie sogar die fünftgrünste Stadt Frankreichs ist. Besonders schön sind die Wege entlang der Mosel, wo man kaum noch das Gefühl hat, in der Stadt zu sein. Hier ist es ruhig und entspannt, Schwäne ziehen ihre Kreise und im Sommer kann man entspannt mit den Booten rausfahren.

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{Centre Pompidou-Metz}

Noch hinter dem Bahnhof, mitten in einem von Baukränen durchbrochenen neu erschlossenen Teil der Stadt, steht seit 2010 die Dependance des berühmten Pariser Museums. Der futuristische Ausstellungsbau ist auch dann einen Besuch wert, wenn man sonst mit (moderner) Kunst nicht viel am Hut hat. Wie ein UFO liegt das teflonbeschichtete (was einem als Foodblogger eben so im Gedächtnis hängen bleibt …) Gebäude am Rand der Innenstadt und bringt Metz hoffentlich den erwünschten Bilbao-Effekt. Die Ausstellungen wechseln regelmäßig und man kann wie wir auch etwas Pech haben und eine besonders spannende Retrospektive um zwei Tage verpassen. Andererseits passt die stattdessen zu besichtigende und ebenfalls spannend konzipierte Kooperationsausstellung „Zwischen zwei Horizonten. Deutsche und französische Avantgarden aus dem Saarlandmuseum“ dafür perfekt zum Thema unserer Stadtführung und dem, was uns die letzten Tage beschäftigt hat. Centre Pompidou-Metz // 1 Parvis des Droits de l’Homme, Metz.

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{Kathedrale Saint-Étienne}

Ein nicht zu verpassendes und unübersehbares Highlight in Metz ist die Kathedrale Saint-Étienne. Wie es sich für eine Stadt gehört, die bereits seit 1700 Jahren Bischofssitz ist, handelt es sich um ein ziemlich eindrucksvolles Gebäude. Die von 1220 bis 1552 errichtete Kirche wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch einen Brand stark beschädigt, jedoch aufwendig restauriert und u.a. mit einem neuen Portal versehen. Als wir die Kirche betreten, beeindruckt uns zunächst die Größe – tatsächlich haben wir eine der größten Kathedralen Frankreichs vor uns. Dieser Eindruck verstärkt sich auch durch die hohe, schmale und lang gestreckte Bauweise – eine kleine optische Täuschung, durch die die Kathedrale noch höher wirken soll, als sie ohnehin schon ist. Obwohl wir nach unzähligen Kirchenbesuchen in den letzten Jahren von Kathedralen, Münster & Co. mittlerweile etwas übersättigt sind, wirkt Saint-Étienne doch irgendwie besonders atmosphärisch. Das liegt nicht zuletzt auch an den unzähligen bunten Fenstern mit aufwendigen Glasmalereien, die den Innenraum in ein angenehmes Licht tauchen und dem hinteren Teil der Kirche den Beinamen „la lanterne du Bon Dieu“ („die Laterne Gottes“) verleihen. Besuchen sollte man das imposante Bauwerk auf jeden Fall – nicht allein wegen der von Marc Chagall gestalteten Fenster. Kathedrale Saint-Étienne // Place d’Armes, Metz.

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{Übernachtung}

Wer seinen Aufenthalt in Metz mit etwas Luxus verbinden möchte, dem sei die Übernachtung im Hotel La Citadelle empfohlen. Das Vier-Sterne-Haus liegt zwischen Altstadt und Kaiserviertel hinter der Place de la République und damit in Laufnähe zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten. Historisch aufgeladen ist der Ort darüber hinaus, denn in unmittelbarer Umgebung zum Hotel lassen sich Überreste aus 2000 Jahren Stadtgeschichte – von Römern über Templern bis zu Napoleon – entdecken. Antiquiert ist im Hotel allerdings nichts, vielmehr regiert pompöser Charme mit vielen Rotelementen, weichen Teppichen und moderner Einrichtung. Der Service ist überaus freundlich und aufmerksam und auch die großzügige Suite lässt keine Wünsche offen. Sogar das Frühstück ist erwähnenswert und mit Abstand das umfangreichste und qualitativ hochwertigste, das uns auf unserer Reise begegnet ist. Viele unterschiedliche Brotsorten, hausgemachte Marmelade und Aufstriche, ein toller Käseteller und vieles mehr erwarten die Gäste. Doch das Frühstück hat auch einen hoteltypisch hohen Preis. La Citadelle // 5 Avenue Ney, Metz.

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Hinweis: Mit diesem Beitrag nehmen wir am French City Award 2016 teil, der vom französischen Tourismusamt ausgerufen wurde. Herzlichen Dank an Atout France und das Office de Tourisme de Metz für die Einladung und Unterstützung. Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene.

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8 Kommentare

  • Reply Arold

    Metz.. da war ich vor vielen Jahren mal und weiß noch, dass ich damals auch sehr positiv von der Stadt überrascht war. Dein Bericht gefällt mit gut und ich hätte mal wieder Lust hinzufahren. Schöne Tipps!!
    Beste Grüße,
    Arold

    1. Dezember 2016 at 19:14
    • Reply Sabrina

      Danke Arold, das freut uns! Wir hatten wirklich kaum Vorstellungen von der Stadt und haben dann so viele schöne Ecken entdeckt – solche Überraschungen sind doch die schönsten!

      5. Dezember 2016 at 14:57
  • Reply Karin

    Hm…ich sehe schon…ich muss doch mal nach Frankreich. Eure Berichte machen wir nämlich richtig Lust auf unser Nachbarland. Und das trotz der „Sprachbarriere“! 🙂

    LG Karin

    2. Dezember 2016 at 13:09
    • Reply Sabrina

      Danke, wenn unsere Beiträge eure Reiselust geweckt haben, ist das ein schönes Kompliment! 🙂 Ja, ja, die Sprachhürde … aber die ist wirklich nur halb so schlimm, mit unseren Bröckchen Französisch kamen wir erstaunlich gut durch (und am Ende konnte ich fast ganze Dialoge führen 😉 ) – also nur Mut!

      5. Dezember 2016 at 15:00
  • Reply Grufti

    Super Reportage, danke. Ich kenne Metz etwas und nun haben Sie mir Lust gemacht, mal wieder dort hin zu fahren.

    17. August 2017 at 10:35
    • Reply Sabrina

      Das freut mich ungemein, vielen Dank! Gerade zur Mirabellenzeit ist Metz absolut eine Reise wert!

      17. August 2017 at 11:19
  • Reply Peter

    Wir waren gerade für 3 Tage mit unserem Boot im Sportboothafen von Metz. Nicht nur die hier beschrieben Ortspunkte sind sehr sehenswert, auch die im Sommer von Freitag bis Sonntag stattfindenden Wasserillumination ist sehenswert. Das anstehende Mirabellenfest ist sowohl kulturell wie auch gastronomisch äußerst willkommen.

    18. August 2017 at 22:04
    • Reply Sabrina

      Vielen Dank für die Ergänzungen – das Mirabellenfest ist sicher ein Erlebnis und auch die Wasserillumination klingt sehenswert.

      21. August 2017 at 13:54

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