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Bier

    Deutschland, Gereist, Getrunken, München

    München goes Craft: zu Besuch bei Giesinger Bräu

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    In München bewegt sich was. Zwar ist die Augustiner-Flasche noch immer das bestimmende Lieblingsaccessoire von Jung und Alt in der U-Bahn, am Isarufer oder bei Konzerten, doch die Bierauswahl für die hippen Großstädter steigt. Und damit meine ich nicht Tegernseer oder Tannenzäpfle, sondern junge Brauereien, die sich über das traditionelle Münchner Helle hinauswagen und den Craft-Beer-Trend auch in die Isarmetropole bringen. Da hätten wir zum einen Crew Republic, die wild mit Hopfen und Malz experimentieren und z. B. mit dem 7:45 Escalation ein Double IPA herausgebracht haben, das mit seinen vier Hopfensorten und 83 IBU (Bittereinheiten) eine unglaubliche Hopfen- und Fruchtbombe darstellt. Zum anderen hat sich 2011 im historischen Paulaner-Eiswerk eine Mikrobrauerei angesiedelt, die etwas experimenteller ans Brauen herangeht als der große Mutterkonzern. Hier kommt der Triple-Ale-Bock dann auch mal in der Champagnerflasche daher und dient beim stolzen Preis von gut 25€ auch eher dem Genuss als dem schnellen Runterkippen. Ganz neu im Münchner Bierzirkus ist dagegen Tilman Ludwig, der erst seit April 2014 sein eigenes Bier braut. Allerdings hat der junge Braumeister gleich mit dem ersten Produkt einen Volltreffer gelandet. Das Helle heißt sein Bier ganz unbescheiden und ist doch so viel mehr. Ein ordentlicher Hopfenanteil sorgt für Frucht und Bitterkeit, während im Hintergrund noch immer die malzbetone Süffigkeit des Münchner Hellen durchscheint. Finden wir super und hat sich seit dem ersten Schluck einen festen Platz in unseren Herzen (und im Kühlschrank) erkämpft.

    Gegen Tilmans Biere ist der größte Player in der Runde der Münchner Mikrobrauereien allerdings schon ein alter Hase. Bereits 2006 wurde in einer Garage in Untergiesing mit den ersten ernsthaften Brauexperimenten begonnen und schon bald hatte die Untergiesinger Erhellung einen Stammplatz unter den BierliebhaberInnen der Stadt gefunden. Seit 2014 gibt es in der Martin-Luther-Straße endlich eine richtige Brauerei mit Braustüberl, Hofverkauf und viel Platz für die Bierproduktion. Wie eigentlich alle neuen Brauereien steht auch Giesinger Bräu für die Rückbesinnung auf althergebrachte Brauverfahren, d.h. ohne Eingriffe wie Filtration oder thermische Behandlung.

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    Steffen Marx von Giesinger Bräu. Foto: Giesinger Bräu

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    Pünktlich zum Tag des Bieres 2015 haben Geschäftsführer Steffen Marx und sein Braumeister Simon Rossmann sich nun auch an das C-Wort gewagt. Giesinger goes Craft, aber natürlich nicht mit einem schnöden IPA. Stattdessen sind vier sehr unterschiedliche Biere entstanden, bei denen jede/r einen Favoriten finden sollte. Wir durften bereits zwei Tage vor offiziellem Verkaufsstart in die Brauerei kommen und uns zwischen den glänzenden Kesseln, Tanks und Leitungen einmal durchs Sortiment trinken.

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    Wheat Stout

    Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um ein Stout, bei dem zusätzlich zur üblichen Gerste noch Weizenröstmalz eingesetzt wurde. Herausgekommen ist ein tiefschwarzes Bier, das mit 4% allerdings erstaunlich leicht daherkommt. Den stärksten Auftritt hat es allerdings, wenn man die Nase ins Glas hält: Der Geruch, der einem da entgegenkommt, ist phänomenal. Schokolade, Kaffee, alles sehr intensiv. Wir fühlen uns sogar ein wenig an unsere Lieblingslimo, die Fritz Kola-Kaffee, erinnert. Der Geschmack ist nach dieser Nasenbombe fast ein wenig enttäuschend, da die Aromen im Mund deutlich schwächer ausgeprägt sind. Mit seinen Kaffeenoten und der leichten Bitterkeit ist es trotzdem ein tolles Bier, das zum Glück auch nicht so reinhaut wie andere Craft-Stouts.

    Lemondrop Triple

    Diese Variante einer traditionellen belgischen Biersorte ist nach einer neuen Hopfensorte benannt. Hinter Lemondrop verbirgt sich eine Kreuzung aus dem amerikanischen Cascade-Hopfen (dem Liebling aller IPAs) und einem namenlosen Zuchthopfen. Bisher ist Lemondrop nur in kleinen Mengen als Import erhältlich und somit etwas ganz Besonderes. In der Nase sammeln sich – dem Namen alle Ehre machend – kräftige Zitrusnoten. Der Geschmack besticht dann mit angenehmer Bitterkeit, schönen Fruchtnoten und auch die Hefe kommt deutlich durch. Gefällt. Sehr sogar!

    Doppel-Alt

    Warum eigentlich Doppel-Alt? Na, weil hier alles doppelt so stark und bitter ist wie beim normalen Alt! Wer die Biersorte also mag, wird mit dem Doppelt-Alt seine helle Freude haben. Der erste Eindruck beim Schnuppern am Glas ist ungewohnt, eher säuerlich, etwas essiglastig, als Hessen fühlen wir uns direkt an Apfelwein erinnert. Der Geschmack ist schön voll, hat einen langen Nachklang und obwohl die Bitterkeit (40 IBU) dominiert, ist alles recht ausgewogen. Unser Biertyp ist es aber trotzdem nicht unbedingt.

    Baltic Rye Porter

    Als „das perfekte Frühstück“ kündigt Braumeister Simon das Baltic Rye Porter an. Quasi ein Roggenbrot im Glas. Auch hier zeigt sich, dass Giesinger Bräu bei den Craft-Sorten nicht den einfachen Weg gegangen ist. Der Roggen ist ein äußerst undankbares und arbeitsintensives Getreide zum Brauen und nicht so leicht steuerbar. Umso stolzer kann das Team auf das sein, was in den Flaschen gelandet ist. Eine cremige Textur, leichte Schokoladen- und Röstaromen in der Nase und natürlich ordentliche Anklänge an Brot im Geschmack. Nicht zu bitter, leicht säuerlich und mit 6,7% Alkohol wenn’s denn sein muss auch am Morgen genießbar. Toll!

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    Mit Wheat Stout, Lemondrop Triple, Doppel-Alt und Batic Rye Porter startet Giesinger Bräu fulminant in die Grill- und Outdoor-Bier-Saison und bereichert die Münchner Craft-Beer-Szene um vier spannende Sorten. Vor allem das Lemondrop Triple wird uns diesen Sommer sicherlich häufiger begleiten!

    Konntet ihr schon die neuen Sorten probieren?

    Vielen Dank an Giesinger Bräu für die Einladung zum Tasting! Unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

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    Gelesen, Getrunken

    We Drink Craft {Buchvorstellung: Das Craft-Bier-Buch}

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    Ich gebe es zu, ich habe zwar schon immer gerne Bier getrunken – eigentlich sogar lieber als Wein -, aber ernsthafte Gedanken über die Auswahl habe ich mir nie gemacht. In der Kneipe, in der ich im Studium gearbeitet habe, gab es zwei Sorten Pils vom Fass, drei verschiedene Weizen und ein Flaschenbier. Wenn mich jemand fragte, habe ich immer das günstigere Pils empfohlen, die 40 Cent Unterschied waren für mich kaum zu schmecken (insbesondere wenn es nicht bei einem Bier blieb). Die Feststellung, dass sich die Industriebiere einfach zu sehr gleichen, haben in den letzten Jahren immer mehr Leute getroffen. Also haben sie angefangen, ihre eigenen Biere zu brauen. Gerade in den USA, wo der Unterschied zwischen Bier und Wasser oft nur marginal ist, hat sich seit den 80er Jahren eine Szene entwickelt, die dem schlechten Geschmack den Kampf angesagt hat. Seitdem hat sich die Bewegung über den gesamten Globus erstreckt und besonders seit den 2000ern enormen Aufwind erhalten. Weltweit ist seitdem ein Begriff in aller Munde: Craft Beer.

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    Im Gestalten Verlag ist jetzt ein Buch erschienen, das den aktuellen Stand der Craft-Beer-Bewegung dokumentiert und gleichzeitig als Nachschlagewerk für BierliebhaberInnen dient: „Das Craft-Bier-Buch. Die neue Braukultur„. Verfasst hat das Buch Sylvia Kopp, eine der ausgewiesensten Bierexpertinnen des Landes. Sie ist Bier-Sommelière, sitzt bei internationalen Bierwettbewerben in der Jury, schreibt für ungezählte Fachpublikationen und hat 2013 die Berlin Beer Academy gegründet. Beste Voraussetzungen also dafür, dass hier ein fachkundiges Buch entstehen konnte und nicht nur der oberflächliche Versuch, ein trendiges Thema zu besetzen.

    Das Buch ist neben einer Einleitung in drei Hauptkapitel aufgeteilt (Braukunde, Stilkunde und Craft-Beer-Pioniere). Abschließend werden einige Rezepte und passende Bierkombinationen vorgestellt. Wie bei fast allen Gestalten-Büchern fällt sofort die schöne Aufmachung des Bandes ins Auge. Viele tolle, teilweise sehr große Abbildungen sowie eine übersichtliche Gestaltung geben einen guten Einblick in die Welt des Craft Beers.

    Die Einleitung stellt neben wichtigen Begriffen wie dem Reinheitsgebot auch – und das freut mich als Historiker natürlich besonders – die interessante Geschichte des Biergeschmacks anhand von drei wichtigen Zäsuren vor. Dabei setzt Sylvia Kopp den letzten Einschnitt für 2007 an – das Jahr, in dem „Craft-Bier international wird“. Das wichtige Ereignis dieses Jahres ist der Gemeinschaftssud der noch verhältnismäßig jungen Brooklyn Brewery mit der bayrischen Traditionsbrauerei Schneider. Herauskam das Tap 5, eine „Hopfenweisse“ (die im Übrigen unglaublich gut schmeckt, eine dringende Trink-Empfehlung meinerseits!), die für Sylvia Kopp emblematisch für die Craft-Beer-Welle der 2000er steht und damit gut als Beginn einer neuen Ära funktioniert.

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    Wer nach dem Einstieg in das Thema Lust bekommen hat, es den tausenden Bierbegeisterten auf der Welt gleich zu tun und erste Schritte in Richtung Selbstgebrautes unternehmen möchte, für den ist das nächste Kapitel genau richtig. Nach einer knappen Einführung in die Zutaten folgt ein Rezept für ein DIY-American-Pale-Ale, schön und nachvollziehbar illustriert. Wenn ich eine Scheune zur Verfügung hätte, würde ich das ja gerne mal ausprobieren, aber in unserer Mietwohnung mit Mini-Küche könnte es schwierig werden. Es bleibt also zunächst beim Trinken und dafür liefert das nächste Kapitel die passenden Grundlagen. Vom Pilsener bis zu holzfassgereiften Bieren werden unzählige Biervarianten vorgestellt. Dabei werden die Besonderheiten des jeweiligen Brauprozesses hervorgehoben und erklärt, welche Zutaten besonderen Einfluss nehmen (z.B. der Hopfen bei der Craft-Beer-Sorte schlechthin, dem IPA) und – für FoodbloggerInnen besonders wichtig – zu welchem Essen das Bier passen könnte. Hinweise zur Glaswahl und zu besonders empfehlenswerten Referenzbieren gibt es zudem. Ich persönlich habe beim Lesen ziemlichen Durst bekommen und wäre am liebsten sofort in den nächsten Spezialladen (oder in eine Kneipe wie das Tap-House in München) gestürmt.

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    Den größten Teil des Buches nimmt aber der Überblick über die aktuelle Craft-Beer-Szene ein. Auf zwei bis vier Seiten werden Protagonisten und Protagonistinnen (die allerdings sehr in der Minderzahl sind) aus der ganzen Welt vorgestellt, die ganz verschiedene Facetten dieser heterogenen Gruppe repräsentieren. Darunter befinden sich nicht nur Brauereien, sondern z.B. auch spezialisierte Bars oder Geschäfte, die sich als Botschafter für eine neue Bierkultur einsetzen. Sympathisch finde ich, dass die Auswahl nicht unbedingt nach der Größe oder dem Absatz erfolgt ist, sondern die Autorin eher nach ihrem persönlichen Geschmack gegangen ist und auch winzigen Exoten Raum gibt. Spannend fand ich in dieser Hinsicht z.B. die Geschichte von 961 Beer, der bisher einzigen Craft-Beer-Brauerei im Libanon oder der auf den Fotos ziemlich verrückt aussehenden Esten von Pohjala. In beiden Fällen sind die ausdrucksstarken Biere richtige Verkaufsschlager und die Jungbrauer kommen mit der Produktion kaum hinterher. Zusammen mit den vorherigen Kapiteln erhält man so einen sehr soliden Überblick über all die Möglichkeiten, die Bier derzeit abseits der großen Marken der Getränkeindustrie bereithält. Etwas schade ist nur, dass man viele der erwähnten Biere wohl nie probieren können wird, weil sie entweder in Deutschland nur schwer erhältlich sind oder manchmal auch von den Brauereien nur für kurze Zeit hergestellt werden. Denn, das wird im Buch deutlich, es wird gerne und viel experimentiert und nach dem neuen Bier ist vor dem noch neueren Bier. Gut, dass ich wenigstens während unseres USA-Urlaubs fast jeden Abend ein anderes Craft Beer probiert habe.

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    Allerdings gibt es auch in Deutschland immer mehr spezialisierte Getränkehändler, die Biere aus der ganzen Welt führen. In der Nähe von München gibt es z.B. Liebick Getränke, die nach eigener Aussage 600-700 Biersorten vorrätig haben. Davon habe ich beim letzten Besuch immerhin 13 mitgenommen und gemeinsam mit Sabrina tapfer durchprobiert (unsere Verkostungsnotizen findet ihr bei Instagram unter #13tage13biere). Das „Craft-Bier-Buch“ war dabei eine große Hilfe und das perfekte Nachschlagewerk zu den verschiedenen Biertypen. An manche Sorten hätte ich mich ohne das Buch vielleicht auch gar nicht herangewagt. Das Ergebnis unseres Biermarathons: Während Sabrina ein klarer Fan von fruchtigen IPAs ist, darf es bei mir in Zukunft auch mal etwas herber und rauchiger sein.

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    Den Abschluss des Buchs bildet übrigens ein Kapitel mit zehn Rezepten, denen jeweils eine Bierempfehlung zur Seite gestellt wird. Die Rezepte sind zwar interessant (z.B. eine Petersilienwurzelschaumsuppe oder Rosenkohlgemüse mit Jakobsmuscheln) und schön fotografiert, sprechen mich persönlich allerdings nicht besonders an. Das schmälert den Gesamteindruck allerdings nicht im Geringsten und immerhin bekommt man einen groben Eindruck, welches Bier zu welcher Art von Essen passen könnte.

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    Fazit: Ein sehr schönes und kenntnisreiches Buch, das sowohl für Neulinge geeignet ist als auch für LeserInnen, die sich bereits ein wenig mit Craft Beer beschäftigt haben. Dank der übersichtlichen Gestaltung und einem Adressenverzeichnis ein wunderbares Nachschlagewerk! 5 von 5 IPAs.

    dascraftbierbuch_front_rgbSylvia Kopp

    „Das Craft-Bier Buch“

    Gestalten Verlag, Berlin 2014.

    35€ / ISBN 978-3-89955-534-9

    Vielen Dank an den Gestalten Verlag, der uns ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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