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Chef Ramzi und die libanesische Küche {Buchvorstellung: Chef Ramzis arabisches Kochbuch}

Während unseres Berlin-Trips in der letzten Woche bekam Frau Wu plötzlich Heißhunger auf Baklava. Daraufhin sind wir nach dem Sushiessen noch eine Weile durch Friedrichshain spaziert und haben in gefühlt ein Dutzend Dönerbuden reingeschaut, aber nirgends eine Spur von Blätterteig, Honig und Pistazien. Als wir dann beschlossen hatten, die Suche aufzugeben und zur U-Bahn zu laufen, sind wir tataaa … an einem kleinen Laden für Nüsse und arabische Süßigkeiten vorbeigekommen. Da gab es nicht nur Baklava, sondern auch unzählige andere klebrige, süße Köstlichkeiten voll mit Honig, Walnüssen und Sesam. Warum ich euch das erzähle? Nun, in Chef Ramzis arabisches Kochbuch* habe ich im Kapitel „Süßspeisen und Gebäck“ nicht nur ein Rezept für Baklava gefunden, sondern auch für jede Menge andere Gebäckteilchen, die wir ebenfalls in diesem kleinen Laden in der Warschauer Straße gesehen haben. Wenn Frau Wu also das nächste Mal wieder einen Baklava-Jieper bekommt, kann ich in die Küche stürzen und die Herdplatten glühen lassen. Danke, Chef Ramzi!

Ich bin mir allerdings sicher, dass ich nicht der Einzige bin, der dank diesem Kochbuch in die Geheimnisse der arabischen bzw. libanesischen Küche eingetaucht ist. Laut des Vorworts hat sich das Buch nämlich bis heute über 150.000 Mal verkauft und 2003 auch einen Preis als das „beste arabische Kochbuch der Welt“ erhalten. Die Erwartungen waren also hoch.

Chef Ramzis arabisches Kochbuch Innenseiten

Chef Ramzi hat gut lachen – bei 150.000 verkauften Exemplaren …

Beim ersten Blättern gab es gleich eine Überraschung. Die Rezepte sind nicht nur auf Deutsch abgedruckt, sondern gleichzeitig auch auf Arabisch. Da sich meine Arabischkenntnisse in Grenzen halten, muss ich mich an die deutsche Übersetzung halten und habe im einführenden Text gleich einiges über die libanesische Küche gelernt. Dank der guten klimatischen Bedingungen, gibt es dort traditionell viel Fleisch und Gemüse sowie Fisch aus dem Mittelmeer. Kombiniert mit der Gewürztradition der östlichen Mittelmeerregion also beste Voraussetzungen für eine abwechslungsreiche Küche. Natürlich findet man in den Kapiteln zu Vorspeisen, Hackfleischgerichten, Hauptspeisen und Nachspeisen die zu erwartenden Klassiker: Baba Ghanoush, Hummus, Falafel, Couscous und eben Baklava. Aber man stolpert auch über Hähnchen mit Esskastanien oder vegetarische Kibbeh (dahinter verbergen sich kleine Bällchen aus Bulgur, die mit Zwiebeln und Pinienkernen gefüllt werden).

Chef Ramzis arabisches Kochbuch Innenseiten

Im Uhrzeigersinn: Kibbeh Shish Barak (libanesische Ravioli mit Koriander und Joghurtsoße), Taktiaa (Dattelküchlein) & Awamat (Krapfen in Zuckersirup)

Die Zutaten sind zwar in den meisten Fällen für die traditionelle mitteleuropäische Küche ungewohnt, aber wer einen halbwegs gut sortierten Asialaden in der Stadt hat, sollte auch mit Zutaten wie Sumach (ein säuerliches Gewürz, lässt sich zur Not durch Zitronensaft ersetzen) klarkommen. Wir selbst haben inzwischen ein ganz gut sortiertes Gewürzfach im Schrank, das für 90% der Rezepte im Buch ausreicht. Man muss als Leser/in also keine Angst haben, hier auf unüberwindbare Hürden zu stoßen.

Optisch kommt das Buch mit dem fuchsiafarbenen Einband und dem goldenen Vor- und Nachsatz sehr edel daher und passt zumindest zu meinen orientalistischen Bildern. Außerdem finden sich darin viele stimmungsvolle Fotos aus dem Libanon, die sowohl die moderne, als auch die traditionelle Seite des Landes einfangen. Dann aber kommen die Rezeptfotos und plötzlich ist es, als ob mich eine Zeitmaschine in die 80er Jahre verfrachtet hätte. Modern Talking dröhnen aus dem Kassettendeck, meine  ausgebleichte Jeansjacke hat magischerweise Schulterpolster bekommen und Gerichte werden wieder mit Petersilienbüscheln, Zitronenscheiben und Tomatenrosen garniert. Die Rezeptfotos sind definitiv nicht die Stärke dieses Buches, da sind meine Ansprüche irgendwie höher.

Fazit:

Arabisch lernen und dabei lecker Essen kochen? Mit Chef Ramzi kein Problem, insbesondere wenn man Lust auf die Klassiker der libanesischen/arabischen Küche hat. Die Foodfotos könnten zeitgemäßer sein, aber sonst ein schönes Buch, das in unserem Regal seinen Platz neben Schuhbecks Gewürzbänden finden wird. 4 von 5 Falafelbällchen.

Ramzi Choueiry, Chef Ramzis Arabisches Kochbuch*. Text Bo Masser, Fotos Bruno Ehrs. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2012. 168 Seiten.

€ 29,80 / ISBN: 978-3-487-08517-3

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3 Kommentare

  • Reply babyrockmyday

    Ich muss so lachen über Jeansjacke mit Schulterpolster, danke für die Vorstellung, sieht ja schon mächtig lecker aus !

    4. Dezember 2012 at 20:53
  • Reply Farina

    wie toll! das kannte ich noch gar nicht und das werde ich mir definitiv nochmal genauer anschauen! danke 🙂

    4. Dezember 2012 at 21:59
  • Reply Zoe

    Klingt super, das wäre auch ein gutes Weihnachtsgeschenk für den besten aller Männer gewesen… V.a. nach dem Dubai Urlaub in diesem Jahr! Danke für den Tip,
    xo Zoe

    5. Dezember 2012 at 7:20
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