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    Gegessen, Gekauft, Gereist, Getrunken, Mallorca, Spanien

    Mallorca Food & Travel Guide #1: Sóller & Port de Sóller – Orangen, wohin das Auge blickt

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    „Hm ja, da soll’s ja auch ganz schöne Ecken geben …“ So in etwa lauten sämtliche Reaktionen, als wir von unserem bevorstehenden Urlaub auf Mallorca erzählen. Das Image der Partyinsel haftet Mallorca noch immer an. Fast schon rechtfertigend ergänzen wir: „… aber wir wohnen in den Bergen, fernab von Ballermann und Eimersaufen.“ Natürlich treffen wir im Flieger nach Palma auf singende Fußballclubs, Klischeetouris mit Sandalen und weißen Socken und Junggesellenabschiede im Einheitslook, die uns kurz zweifeln lassen, ob das mit „Malle“ und uns wirklich so eine gute Idee war. Doch spätestens als wir die ersten Orangenbäume am Rande der Tramuntana passieren und uns Sóller mit freiem Blick auf das im Tal liegende Städtchen begrüßt, wird klar, dass das ein guter Urlaub werden könnte.

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    Nicht ganz leicht fiel uns die Wahl des Ausgangspunkts unserer einwöchigen Reise. Der Nordwesten mit seinen steilen Küsten, grünen Hügeln, hübschen Bergdörfern, Orangenplantagen und kurvigen Serpentinen oder der Süden mit seinen traumhaften Stränden, felsigen Buchten, türkisblauem Wasser, Salinen und Flamingos? Letztendlich sind wir sehr glücklich, uns für Sóller und die Berge entschieden zu haben. Zum einen zeigt sich der Nordwesten deutlich weniger touristisch als der Süden (okay, man ist trotzdem auf Mallorca, d.h. Touristen gibt es ohnehin überall, aber immerhin keine Bettenburgen, Reisebuskolonnen oder typische Touriorte, in denen sich Discos, Souveniershops und Fotomenükarten aneinanderreihen), zum anderen ist dieser Teil der Insel einfach so herrlich grün und reich an Flora und Fauna, dass wir in Kauf nehmen, für die schöneren Strände im Süden eben mal eine Stunde mit dem Auto zu fahren. Falls ihr bislang Berührungsängste bezüglich Mallorca hattet, können wir euch beruhigen, denn Ballermann und Partytourismus kann man wirklich gut aus dem Weg gehen! Stattdessen präsentiert sich uns die Baleareninsel von ihrer allerschönsten und entspanntesten Seite, sodass wir gedanklich schon weitere Urlaube dort planen (und uns abends am Pool ausmalen, wie schön es wäre, hier eine kleine Finca zu besitzen …).

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    Sóller

    Fährt man von Palma nach Sóller, wird man zunächst vor eine Entscheidung gestellt: Serpentinenreicher Gebirgspass mit toller Aussicht oder schnelle, mautpflichtige Strecke durch einen langen Tunnel? Noch bevor jemand das Wort „Serpentine“ aussprechen kann, zücke ich den 5-Euro-Schein, denn kurvige Straßen in schwindelerregenden Höhen sind so gar nicht meine Freunde. Ich ahne, dass ich ihnen in dieser Woche nicht gänzlich aus dem Weg gehen kann, doch der Urlaub soll nicht gleich ganz so nervenaufreibend beginnen. Gerade einmal 40 Minuten nach unserer Landung in Palma kommen wir an. Eng sind sie, die schmalen Gassen, die uns durch die Stadt zu unserer Unterkunft führen. Gut, dass wir uns für einen kleinen Mietwagen entschieden haben!

    Wir laden kurz das Gepäck ab und dann zieht es uns schon wieder raus – in die Sonne, in die Altstadt, auf die Plaça de la Consitució, den zentralen Platz der Stadt, auf dem sich alles in den Straßencafés abzuspielen scheint. Über dem Platz thront die hübsche Kirche Sant Bartomeu, die schon aus weiter Ferne hervorragt und Sóller erkennen lässt. Direkt davor führen auch die Gleise der alten Tram entlang, einem ehemaligen Orangenexpress, der Sóller noch immer mit dem Küstenstädtchen Port de Sóller verbindet und oberhalb des Platzes an der Bahnstation abfährt. Orangen haben Sóller reich gemacht – das merkt man auch heute noch. Das Tal ist grün und platzt fast vor Fruchtbarkeit – von allen Seiten umringen Zitrusbäume die Gärten und Plantagen der Stadt, hier und da ergänzt durch einen Feigen- oder Avocadobaum. Wir müssen uns bremsen, um nicht von jedem Baum etwas abzuzupfen.

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    Das Orangenthema begleitet uns durch die ganze Stadt – nicht nur jedes noch so kleine Geschäft bietet frische Orangen an (was uns jeden Morgen mit einem frisch gepressten Orangensaft starten lässt), wir sind auch noch ausgerechnet während der „Fira de la Taronja“ in Sóller, einem Orangenfest, das jedes Jahr Mitte bis Ende Juni stattfindet und zahlreiche Restaurants besondere Orangenmenüs anbieten lässt (darunter leider keine vegetarischen, aber wer Fisch, Meeresfrüchte und Fleisch isst, kann dabei tolle Kreationen entdecken).

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    Port de Sóller

    Natürlich wollen wir im alten Orangenexpress ins benachbarte Port de Sóller rattern! Fünf Kilometer rumpeln wir vorbei an Orangenplantagen und Olivenhainen, bis wir die langgestreckte Bucht von Port de Sóller erblicken. Die kleine Schwester von Sollér ist aufgrund der malerischen Lage am Meer und als Endpunkt der mit den historischen Bahnen aus Palma anreisenden Tagestouristen zwar deutlich belebter, aber trotzdem einen Ausflug wert. Das Städtchen ist von Sollér nicht nur mit der historischen Tram, sondern auch mit dem Bus gut zu erreichen und stellt sich als recht überschaubar heraus. Viele Geschäfte, Cafés und Restaurants drängeln sich im Halbkreis um die geschützte Bucht, in der sich heute Yachten, Fische und Badegäste das Wasser teilen. Zwar findet man hier vielleicht nicht den Topstrand der Insel, aber die Wasseroberfläche glitzert dennoch einladend türkis und wir ärgern uns, das Badezeug nicht eingepackt zu haben. Stattdessen bietet sich Port de Sóller aber als Ausgangspunkt für unterschiedlich lange Spaziergänge zu verschiedenen Aussichtspunkten an, von denen aus die raue Schönheit der Westküste bewundert werden kann.

    Sóller & Port de Sóller kulinarisch

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    {Bar El Tren}

    Eigentlich haben wir keinen Grund, frühstücken zu gehen. In unserer Unterkunft gibt es eine große Küche, in der sich frische Orangen stapeln, der Kühlschrank ist voll mit Käse und Oliven und wir haben eine schöne Terrasse, auf der es sich herrlich in der Sonne frühstücken lässt. Doch wir sind früh auf den Beinen, wollen mit dem Zug nach Palma und sind … zu früh. So früh, dass wir es noch schaffen, im Café vor dem Bahnhof ein kleines Frühstück zu bestellen mit mallorquinischem Mandelkuchen, einem frisch gepressten Orangensaft und einem Café con leche. Das alles für 3,90€ – da kann man nicht meckern, denn schmecken tut es auch noch! Bar El Tren // 4 Plaça d’Espanya, Sóller.

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    {Pastisseria Vidal}

    Direkt nebenan lacht uns an einem anderen Tag die Auslage der Pastisseria Vidal so sehr an, dass wir beschließen, unsere Tramfahrt nach Port de Sóller (direkt vor der Bäckerei befindet sich die Haltestelle) mit Gebäck zu versüßen – so eine Zugfahrt macht schließlich hungrig (auch wenn sie nur 15 Minuten dauert)! Ganz einfach ist es nicht, Zimt-Vanille-Ensaimada, Kokosbollen und Spinat-Blätterteigtasche elegant im Zug zu essen, gerade wenn man sie sich zu viert teilt, aber lecker sind sie allemal! Pastisseria Vidal // 4 Plaça d’Espanya, Sóller.

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    {Pasteleria La Lareña}

    Fast verlassen wir Mallorca, ohne die ursprüngliche Version der Ensaimadas gegessen zu haben, ganz ohne Vanillecreme, Zimt oder Aprikosen. Das Internet sagt, dass es in der Pasteleria La Lareña besonders gute Ensaimadas geben soll, manche behaupten sogar, es seien die besten der Insel. Und es stimmt, sie sind wirklich gut! Ganz leicht und fluffig und in genau der richtigen Größe, um uns über das Nachmittagstief hinwegzuhelfen. Auch das andere Gebäck in der Auslage der kleinen Bäckerei sieht fantastisch aus, aber das probieren wir lieber ein andermal. Pasteleria La Lareña // Plaça de la Constitució, 5, Sóller.

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    {Carrer de sa Lluna}

    Eine der Seitenstraßen, die von der Plaça de la Consitució abgeht, beheimatet ein kleines mallorquinisches Kulinarikparadies. In der Carrer de sa Lluna wechseln sich Feinkostläden mit Keramik- und Schuhgeschäften ab und bieten die Spezialitäten der Insel an. Selbst eine kleine Stadt wie Sóller hat einen eigenen Gin (Cabraboc), eigentlich nur logisch, denkt man an die Ginverrücktheit der Spanier_innen. Von der Vielzahl der mallorquinischen Ginsorten (wie Fever Island, Gin Eva oder Dos Perellons) ganz zu schweigen. Wir decken uns außerdem mit verschiedenen Craft-Bieren der ortsansässigen Brauerei Sullerica ein, von denen bei der Verköstigung am Pool das Porter Fosca mit Kakao und Orangenblüten sowie die Sonderedition Valenta, ein Session-IPA mit Rosenblüten, besonders gut abschneiden. Feinkostläden // Carrer de sa Lluna, Sóller.

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    {Mercat de Sóller}

    Ich kenne kein noch so kleines spanisches Städtchen, das keine lokale Markthalle besitzt. Natürlich findet man auch eine in Sóllers Innenstadt – sie ist nicht groß und unter der Woche sind auch nur eine Handvoll Stände geöffnet, doch Gemüse und Obst sind hier unschlagbar günstig und wir finden unsere heiß geliebten Pimientos de Padrón, die gleich am Abend mit etwas Olivenöl und Meersalz in der Pfanne landen. Am Samstag lebt der Markt aber richtig auf, denn dann belagert eine Vielzahl an Händlern die Halle und den Platz davor. Mercat de Sóller // Plaça de Mercat, Sóller.

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    {Fet a Sóller}

    Ein Laden, an dem man in Sóller einfach nicht vorbeikommt, ist der kleine Feinkostmarkt Fet a Sóller – hergestellt in Sóller, der Name ist Programm. Dahinter verbirgt sich eine lokale Initiative, die auf Ökologie setzt und feinste Qualitätsprodukte, hergestellt aus dem Besten, was die Natur der Insel zu bieten hat, vertreibt. Auch hier dominieren Orangen in allen Varianten: als Marmelade, Essig, Chutney, Honig, Sirup etc. Besonders interessant für Besucher_innen der Stadt ist die Möglichkeit, sich ein Stück Urlaub in Form einer 10-Kilo-Bio-Orangenkiste nach Hause schicken zu lassen. Ab 30 € liefert der Shop kostenfrei nach Deutschland und wir sind ganz glücklich, dass wir die vielen Flaschen Essig, Olivengläser und Orangen nicht im Koffer nach München schleppen müssen. Fet a Sóller //

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    {Sa Fabrica de Gelats}

    Direkt nebenan befindet sich eine Eisdiele, die ebenfalls zu Fet a Sóller gehört und Mallorquiner_innen und Tourist_innen gleichermaßen mit hausgemachtem Eis verwöhnt. Vermutlich gibt es kaum eine andere Eisdiele, die derart viele Orangeneissorten im Sortiment hat. Natürlich gibt es auch andere Geschmacksrichtungen, aber wir sind vom Orangenwahn gepackt und bestellen jeweils eine große Kugel Orange, Orange-Minze und Orangensorbet. Lecker und bei den hohen Temperaturen herrlich erfrischend! Sa Fabrica de Gelats //

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    {Cooperativa Agrícola San Bartolomé}

    Nicht nur die Orangenbäume prägen die Landschaft der Region, sondern auch die vielen Olivenhaine. Die Kooperative Agrícola San Bartolomé verarbeitet die Oliven vor Ort und stellt daraus verschiedene Öle, Pasten und Eingelegtes her – nachhaltig produziert und in Bio-Qualität -, die man direkt im Hofladen kaufen kann. Nach einer Verköstigung der verschiedenen Olivenöle, finden wir schnell unsere beiden Favoriten und sichern uns gleich mehrere Liter. Hier treffen wir außerdem auf viele Produkte, die wir bereits aus Fet a Sóller kennen, denn man arbeitet Hand in Hand. Sehr praktisch, denn so können wir unsere Lieferung Orangen durch diverse Öle ergänzen. Cooperativa Agrícola San Bartolomé //

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    {Ecovinyassa Sóller}

    Wer noch etwas genauer wissen will, was die Natur der Region hervorbringt und sich auf einen botanischen Entdeckungspfad begeben möchte, sollte unbedingt der Ecovinyassa einen Besuch abstatten. Die 18.000 m² große Zitrusplantage, umringt von einer beeindruckenden Gebirgslandschaft, kann gegen Voranmeldung und 10€ Eintritt besucht werden. Es erwarten die Besucher_innen ein wunderschön angelegter Rundweg über den Bio-Hof mit über 4o Infotafeln, die einem die Geschichte der Orangen in Sóller sowie die Besonderheiten der verschiedenen Sorten näherbringen (den botanischen Garten der Stadt kann man dagegen vergessen). Hin und wieder entdecken wir auch Granatapfelsträucher und Feigenbäume. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich frische Feigen direkt vom Baum esse. So gut haben sie wirklich noch nie geschmeckt. Zwischen uns laufen Hühner, Pfauen und Katzen, und als die Sonne zu sehr brennt, setzen wir uns in den Schatten und schälen Orangen, denn für Besucher_innen steht extra ein großer Korb frischer Früchte bereit, an denen man sich satt essen kann. Doch etwas Platz sollte man lassen, denn ebenfalls im Eintrittspreis enthalten sind zum Abschluss ein Snack mit frischem Orangensaft, selbst gemachter Zitronenlimonade und belegten Broten mit Tomaten, Oliven und Paprika. Am Ende unseres Besuchs bekommen wir noch kiloweise Orangen und Zitronen in die Hände gedrückt. Die nächsten Frühstückssäfte sind also gesichert! Ecovinyassa // Carretera Fornalutx, Camí de Sa Vinyassa, Sóller.

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    {Ca’n Ribes}

    In erhöhter zweiter Reihe zum Hafen und somit etwas entfernt von den geballten Tourimassen, versteckt sich das kleine familiengeführte Restaurant Ca’n Ribes. Innen ist es hübsch und modern eingerichtet, doch das Wetter ist zu bombig, um nicht draußen zu essen. Von dort aus kann man außerdem den schönen Blick über den Hafen und die gesamte Bucht von Port de Sóller viel besser genießen. Der wassernahen Lage entsprechend, bietet die Karte viele Fischgerichte sowie ein dreigängiges Mittagsmenü für 15,90€. Doch wir haben Lust auf Paella und teilen uns eine vegetarische Pfanne (14,90€ pro Person), die absolut überzeugen kann. C’an Ribes // Carrer Santa Caterina de Alexandria, 22, Port de Sóller.

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    {Ca’n Pintxo}

    Pintxos und Gin Tonics? Es kann kein Zufall sein, dass wir dem Ca’n Pintxo gleich am ersten Abend förmlich in die Arme laufen. Seit unserer Reise nach San Sebastián mögen wir die ausgefallenen baskischen Pintxos fast noch lieber, als die üblichen spanischen Tapas. Ab 19 Uhr stapeln sich hier warme und kalte Pintxos auf der Fensterbank, darunter auch mehrere vegetarische (zwischen 2 und 5€). Darüber hinaus bietet die zweistöckige Bar, die von einer Gruppe junger Mallorquiner betrieben wird, eine große Auswahl an etwas aufwendigeren Tapas, die von der Karte oder dem wechselnden Tagesmenü bestellt werden können (zwischen 2 und 8€). Alles schmeckt köstlich! Die Küche ist kreativ, die Speisen hübsch und ungewöhnlich angerichtet (z.B. Gambón Pirata – eine Riesengarnele in Kataifiteig mit Sesam, Wasabischaum und einer Spritze mit Kaffirlimettenöl) und die Liste der Gin Tonics ist so lang, dass es dafür eine eigene Karte gibt. Kein Wunder, dass wir gleich zweimal zum Essen kommen. Ca’n Pintxo // Carrer de la Rectoria, 1, Sóller.

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    Und sonst so?

    Sóller ist ein idealer Ausgangspunkt für kurze und längere Wanderungen in die Serra de Tramuntana. An einem nicht ganz so heißen Tag machen wir uns auf, jene Gipfel zu erklimmen (zumindest die kleinen), die uns jeden Morgen aus der Ferne begrüßen. Wir starten am Sportplatz von Sóller, von wo aus es über die Straßen Cami de Ses Moncades und Cami del Ermitaño weitergeht, bis das erste Schild den Weg bergauf in Richtung Fornalutx weist. Von da ab geht es über steinige, aber gut begehbare Wege bis zu dem malerischen Bergdorf (ausgezeichnet als das schönste Dorf Spaniens), das schon ein gutes Stück über dem Tal liegt. Auf dem Weg passieren wir knorrige Olivenhaine, riechen die allgegenwärtigen Orangenblüten und bekommen das ein oder andere Tier zu Gesicht. Der steilste Teil der Weges liegt nun vor uns. Von Fornalutx aus kraxeln wir etwa eineinhalb Stunden den Berg hinauf, bis wir schließlich den Mirador de ses Barques erreichen. Dort erwartet uns ein wunderschöner Ausblick auf Port de Sóller und – wie könnte es anders sein? – ein Glas frisch gepresster Orangensaft. Der Weg bergab ist zwar steinig und steil, aber ebenfalls gut angelegt und mit Treckingschuhen gut zu bewältigen. Dank unserer Apothekerin wird zwischendurch auch noch der Sonnenbrand vom Vortrag mit echter Aloe vera vom Wegesrand bekämpft, während Sóller immer näher rückt. Ein letzter Stopp lohnt sich bei Sa Capelleta, wo ein kleines Kloster die merkwürdigste Kapelle beherbergt, die wir bisher sehen durften. Der verwunschene Garten mit der bizarren Nachbildung der Grotte von Lourdes ist auch dann einen Abstecher von Sóller aus wert (45 Minuten für beide Wege), wenn man keine Lust auf die große Runde hat. Nach dem Tag wissen wir auch wieder, dass das Haus mit Pool die richtige Entscheidung war!

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    Unterkunft in Sóller

    Da wir den Urlaub zu viert verbringen, ist es uns wichtig, etwas mehr Platz zu haben. Also landen wir mal wieder bei Airbnb und finden eine Unterkunft, die fast nicht idealer hätte sein können: ein zweistöckiges Häuschen, superzentral und dennoch sehr ruhig und – ganz wichtig – mit einem Pool nur für uns alleine. Gerade der Gartenbereich mit gemütlicher Terrasse, Pool, Outdoor-Bett und -Küche hat es uns angetan und wird im Laufe der Woche intensiv genutzt.

    Wir hoffen, der erste Teil unserer kleinen Mallorca-Reihe hat euch gefallen. Wart ihr denn selbst schon mal auf Mallorca? Wo hat es euch denn am besten gefallen? (Wir sammeln gerne Tipps fürs nächste Mal.)

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    Deutschland, Gegessen, Gekauft, Gereist, Getrunken, Ulm

    Grabenhäuschen, Gin & Löwenmensch: Ein (nicht nur kulinarischer) Streifzug durch Ulm

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    Oft liegt das Gute so nah, und nah heißt in diesem Falle Ulm. Von München gerade einmal 155 km entfernt und somit in gut 1,5 Stunden mit dem Auto erreichbar, wurden das baden-württembergische Städtchen Ulm und seine bayrische Schwester Neu-Ulm bisher von uns sträflich vernachlässigt. Ein grober Fehler! Schon nach ein paar Stunden in der Stadt wird uns klar, dass Ulm ungeahnte Kurzurlaubsqualitäten besitzt – quasi ein Naherholungsgebiet für gebeutelte Großstädter_innen aus der näheren und weiteren Umgebung.

    Ein ganzes Wochenende verbringen wir in der schönen Stadt an der Donau, von der wir bislang nur wussten, dass sie den höchsten Kirchturm der Welt beheimatet. Höchste Zeit also, unsere Ulm-Kenntnisse zu vertiefen, und das tun wir am besten mit einer Stadtführung.

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    Die schönsten Ecken in Ulm

    Wir haben Glück und Ulm präsentiert sich uns bei allerschönstem Sommerwetter, als wir uns am Hotel mit unserer Gästeführerin treffen und dort beginnen, wo wir am Abend zuvor aufgehört haben: an der Donau, wo gerade das Internationale Donaufest stattfindet und die Flussufer mit Leben erfüllt. Zwischen den Zelten erfahren wir einiges über den Ursprung der Stadt, die 854 erstmals schriftlich erwähnt wurde und damals nur aus einigen Lehmhütten zwischen den Strömen Donau und Blau bestand. Am Flussufer fällt zuerst die Stadtmauer auf, die heute natürlich keine Verteidigungsanlage mehr ist, sondern vielmehr zum Flanieren einlädt. Beispielsweise durch den romantischen Rosengarten, von dem man einen herrlichen Blick auf den Fluss hat und die zahlreichen Boote beobachten kann, die das Wasser bevölkern. Direkt nebenan werden wir an der Stiege vorbeigeführt, einer auf den ersten Blick unscheinbaren Bar und Galerie, in der man im Sommer in Ulm aber definitiv einmal gewesen sein sollte.

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    Von dort aus führt der Weg in die Altstadt, wo unsere Begleitung viele Geschichten aus der Vergangenheit der Stadt bereithält. So erfahren wir beispielsweise, dass sich hinter der Benennung der Profosengasse Folgendes verbirgt: Der Profose war eine Art Scharfrichter, der vor allem die Frauen der Stadt während der Frühen Neuzeit in Schach halten sollte. Überhaupt war das frühe Ulm ein hartes Pflaster. Stritt sich ein Ehepaar zu heftig, steckte man sie mit einer Schüssel Suppe in den Kerker, gab ihnen aber nur einen Löffel. Am Ende hatten sich die beiden hoffentlich vertragen (und am besten gleich für Nachwuchs gesorgt) oder dem Scharfrichter die Arbeit abgenommen.

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    Heutzutage geht es in der Stadt etwas gemütlicher zu, was man besonders gut am Rande der Altstadt an den Grabenhäuschen im Frauengraben erkennen kann. Diese waren ursprünglich als Soldatenunterkünfte errichtet worden und gehören heute zu den begehrtesten Immobilien der Stadt. Und während wir in der Mittagssonne die kleinen Häuser mit den bunten Bänken, Blumen und schlafenden Hunde vor der Tür bewundern, wünschen wir uns ebenfalls, hier einziehen zu dürfen.

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    Etwas lebhafter geht es rund um das Ulmer Münster zu, besonders am Markttag. Der Turm ist übrigens von fast jedem Punkt der Stadt zu sehen – verlaufen kann man sich so wenigstens nicht. Bei der Besichtigung der Kirche erfahren wir auch, was ein Münster von einem Dom oder einer Kathedrale unterscheidet: Das Münster ist eine Bürgerkirche, wurde also von den Einwohner_innen der Stadt erbaut und ist nicht etwa der Sitz eines Kirchenoberen. Dementsprechend stolz sind die Ulmer_innen auch heute noch auf das eindrucksvolle Gebäude mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Den zu besteigen, lassen wir uns natürlich nicht nehmen, auch wenn die 768 Stufen eine ordentliche Herausforderung für unsere außer Übung geratene Kondition sind. Allerdings entschädigt der Blick von der Aussichtsplattform in 143 Meter Höhe für einiges und sollte bei einem Besuch der Stadt auf keinen Fall fehlen. Von hier aus kann man zudem erkennen, wie gut sich in Ulm alte und neue Architektur vertragen. Moderne Gebäude wie die Kunsthalle Weishaupt und die gläserne Pyramide der Stadtbibliothek stehen nicht weit entfernt von jahrhundertealten Gebäuden wie dem Rathaus mit seiner opulenten Fassadenbemalung und passen sich perfekt ins Stadtbild ein. Sie bestätigen auch, was wir während der Führung über die Mentalität der Stadt erfahren: dass Ulm nicht in der Vergangenheit verharre, sondern immer auch das Neue suche.

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    Dieser Gegensatz lässt sich auch einige Schritte vom Münster entfernt gut beobachten, wo sich die 2012 eingeweihte moderne Synagoge und das ursprünglich im 17. Jahrhundert erbaute Schwörhaus entgegenblicken. Der Balkon dieses Hauses steht zudem im Mittelpunkt des Schwörmontags, an dem der Ulmer Oberbürgermeister jedes Jahr am vorletzten Montag im Juli vor den Bürger_innen öffentlich Rechenschaft ablegen muss. Biegt man hinter dem Haus ab, kommt man schließlich ins wunderschöne Fischer- und Gerberviertel, wo wir uns sofort an unsere Reise nach Straßburg erinnert fühlen. Fachwerkhäuser direkt am Wasser, malerische Mühlbäche und viele kleine Cafés und Restaurants, um nach einer anstrengenden Tour durch die Stadt auszuspannen. Gelegenheiten gibt es dazu übrigens in der ganzen Stadt genügend, denn – noch so ein Superlativ – Ulm besitzt die höchste Kneipendichte Deutschlands. Auf 120.000 Einwohner_innen kommen aktuell über 500 Gasthäuser, Restaurants und Kneipen. Wir haben uns bemüht, alle zu besuchen, doch ein Wochenende war dann leider doch etwas zu knapp. Ein paar besonders schöne haben wir aber für euch herausgesucht.

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    {Fruchtrausch}

    Wer den ganzen Tag in praller Sonne durch die Stadt läuft, findet im Fruchtrausch eine gesunde und bunte Abkühlung. Die Smoothie-Bar bietet neben einer Vielzahl an leckeren fruchtigen und grünen Smoothies auch kleinere Snacks wie Sandwiches, Müslis und Suppen. Wir nehmen unseren Weltenbummler (Ananas, Papaya, Mango, Kirsche, Orange) und Hirnakrobat (Ananas, Honigmelone, Apfel, Banane, Kokos) to go und lassen uns weiter durch die Gassen Ulms treiben. Fruchtrausch // Hafengasse 1, Ulm.

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    {BellaVista}

    Schon unten vom Wochenmarkt aus sehen wir es, unser Plätzchen hoch oben auf der Dachterrasse des BellaVista. Kurz darauf nehmen wir unter einem der großen Sonnenschirme Platz – direkt neben uns das Ulmer Münster, unter uns die Stadt. Das BellaVista bietet moderne Küche mit mediterranem Einschlag, dazu ein wirklich schönes sommerliches Ambiente. Die Wochenkarte liest sich toll – abwechslungsreiche Gerichte, viele davon vegetarisch oder vegan und zu absolut fairen Preisen. Wir bestellen hausgemachte Tagliatelle mit Prosecco-Orangen-Sauce, Garnelen und Spargel (10€) sowie das vegane Mittagsangebot – gefüllte Portobello-Pilze mit Ratatouille, Salat und Kräuterbaguette (12€) -, das zudem mit einem Gurken-Minz-Smoothie serviert wird. Besonders gefällt uns, dass hier viel selbst hergestellt wird – Apfelsaft, Honig und auch Craft Beer, das natürlich sofort probiert werden muss. BellaVista OPALE (ein IPA mit leichter Limetten- und Kiwinote) und Bianco (ein spritziges Witbier mit Koriander und Curaçao-Orangenschale) nennen sich zwei der insgesamt sieben verschiedenen Biersorten des Hauses. Allein der Smoothie kann nicht überzeugen, alles andere auf unserem Tisch schmeckt ganz hervorragend! BellaVista // Münsterplatz 35, Ulm.

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    {Café Fräulein Berger}

    Spätestens nach Erklimmen der 768 Stufen des Ulmer Münsters und dessen Abstieg verlangen zittrige Beine nach einem Stück Kuchen. Den findet man z. B. mitten im Herzen der Stadt bei Fräulein Berger, einem kleinen, netten Café im Stil der 50er-Jahre mit täglich hausgemachten Kuchen (auch vegan) und Fokus auf regionalen Produkten. Am späten Sonntagnachmittag ist die Kuchenauswahl schon etwas eingeschränkt, doch wir ergattern noch zwei Stücke des leckeren Käsekuchens und Cappuccino bekommen wir natürlich auch. Und wer nach einem Stück Kuchen noch einen größeren Zuckerschock verträgt, kann sich beim gegenüberliegenden Ulmer Zuckerbäcker mit traditionellem Zuckerbrot mit Malaga, Rosenwasser und Anis eindecken. Café Fräulein Berger // Herrenkellergasse 14, Ulm.

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    {Drei Kannen}

    Einer der schönsten Biergärten Ulms eröffnet sich uns, als wir den Innenhof der Drei Kannen betreten – eine fast italienisch anmutende Enklave samt historischer Loggia. Die Traditionsgaststätte mit historischem Brauhaus braut heute jedoch nicht mehr selbst, sondern lässt sich mit dem exklusiv für sie hergestellten „Drei Kannen Spezial“-Bier von der in Ulm ansässigen Gold-Ochsen-Brauerei versorgen. Neben toller Innenhofatmosphäre und leckeren Bieren werden hier die Gäste mit deftigen schwäbisch-bayrischen Gerichten versorgt. Drei Kannen // Hafenbad 31/1, Ulm.

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    {Ronnie Biggs}

    Wer in Ulm von spontaner Burgerlust überkommen wird, steht vor der Qual der Wahl: Ronnie Biggs oder Damn Burger? So heißen die beiden Hotspots für Buns und Patties. Wir entscheiden uns für Ronnie Biggs und ergattern den letzten freien Tisch – samstagbends ist hier einiges los. Auch wenn wir mittlerweile viele Burgerläden durchprobiert haben, kann uns die Karte durchaus überraschen. Die Burgerkombinationen sind ungewöhnlich und spannend, die Auswahl der Drinks ist für einen Burgerladen erstaunlich gut. Unser Tisch platzt fast aus allen Nähten als unser Blue Dream (mit BBQ-Pfirsich-Sauce, Rucola, Blue Cheese, Preiselbeeren, Walnüssen, roten Zwiebeln und getrockneten Tomaten; 8,90€) und der vegetarische Meatless Sunshine (mit Rosmarin-Halloumi, grünem Spargel, Kürbis, Preiselbeeren, Rucola, Walnüssen und BBQ-Senf; 8,40€) sowie eine Portion Sweet Potato Fries mit einer sehr erfrischenden und leckeren Jalapeño-Koriander-Minze-Sauce (4€) serviert werden. Die einzelnen Komponenten harmonieren prima mit den hausgemachten Saucen, die selbst gemachte Zitronenlimo trinkt sich weg wie nix und der Service ist ausgesprochen aufmerksam. Zufrieden? Und wie! Was wir uns noch wünschen würden? Eine stärker saisonal ausgerichtete Karte, denn Spargel und Kürbis auf dem Veggie-Burger liegen jahreszeitlich schon recht weit auseinander. Ronnie Biggs // Donaustr. 14, Ulm.

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    {Rosebottel}

    Eine Bar, die es uns ganz besonders angetan hat, ist das Rosebottel. Dort dürfen wir an einem Gin-Tasting teilnehmen und uns dabei gleichzeitig von der Longdrink-Kompetenz der sympathischen Belegschaft überzeugen. Die im Stile einer 20er-Jahre-Prohibitionsära eingerichtete Bar serviert keine geshakten Cocktails. Aufgrund der Nähe zum Theater und dem entsprechenden Betrieb am Abend, muss es schnell gehen – daher besteht die Karte aus Longdrinks und fassgelagerten Cocktails, die ratzfatz an den Gast gebracht werden können. Für eine gute Auswahl ist dennoch gesorgt; schon bei über 20 Gins dürfte für jede_n was dabei sein. Besonders gut hat uns außerdem gefallen, dass die Bar eigene Sirups produziert und man somit hausgemachtes Tonic, Ginger Ale oder Orangenlimo genießen kann (selbstverständlich auch ohne zusätzliche Spirituosen). 50 Liter werden pro Woche hergestellt und nicht nur für die Bar in hübsche Flaschen abgefüllt. Wer in Ulm die Augen offen hält, kann sie in einigen Läden kaufen. Rosebottel // Zeitblomstr. 21, Ulm.

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    {Vegane Kochkurse}

    Die Anzahl der Ulmer Restaurants, Cafés und Bistros, die veganes Essen anbieten, ist zwar noch überschaubar, doch sie nimmt stetig zu. Für diejenigen, die Ulm vegan erleben möchten, hat Sabrina vom Blog Vegtastisch einen kleinen Guide zusammengestellt, der die veganen Optionen, die die Stadt zu bieten hat, aufzeigt. Wer gleich selbst aktiv werden möchte, kann darüber hinaus einen von Sabrinas veganen Kochkursen besuchen, die die Ulmerin zu verschiedenen Themen anbietet.

    Und sonst so?

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    {Übernachtung}

    Wir übernachten im Golden Tulip Parkhotel am Neu-Ulmer Ufer der Donau. Für unseren Besuch des Internationalen Donaufests ist die Lage des Hotels als Ausgangspunkt ideal, denn näher am Fest könnte man kaum wohnen. Dennoch würden wir beim nächsten Ulm-Besuch ein anderes Hotel wählen, da das Golden Tulip mit seinem 70er-Flair schon etwas in die Jahre gekommen ist und wir einen Standort auf der Ulmer Seite bevorzugen würden. Bei unserem Spaziergang durch das Fischerviertel kommen wir z.B. am Schiefen Haus, dem schiefsten Hotel der Welt, vorbei – ein altes Fachwerkhaus, ganz idyllisch an der Blau gelegen und perfekt geeignet für die Erkundung der Stadt.

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    {Shoppen}

    Viel Zeit zum Shoppen bleibt uns an diesem Wochenende zwar nicht, doch wir sehen einige interessante Läden, an denen wir nicht vorbeigehen können. Magisch angezogen werden wir vom großen Küchen- und Einrichtungsgeschäft abt am Münsterplatz, das uns mit einem erstaunlich stylishen Sortiment überrascht. Im Ochsen-Shop der gleichnamigen Brauerei erspähen wir ein Ulmer Pale Ale sowie den Ori-Gin, in dem Wacholder und Bier aufeinandertreffen. Im Fischerviertel entdecken wir beim Vorbeischlendern einige nette kleine Läden wie z.B. Gutes von hier oder die Donauwelle, in denen man Kulinarisches und Handgemachtes aus der Region kaufen kann.

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    {Museen}

    Auch in Sachen Museen hat Ulm einiges zu bieten. Die kostengünstigste Variante dafür bietet die UlmCard, mit der man für 18€ zwei Tage lang nicht nur den ÖPNV nutzen kann, sondern auch noch freien Eintritt in gleich acht Museen erhält. Das für Foodblogger_innen eigentlich prädestinierte Museum der Brotkultur schaffen wir zeitlich leider nicht, doch immerhin zwei andere Einrichtungen. Die Kunsthalle Weishaupt hat keine Dauerausstellung, sondern zeigt wechselnde Ausstellungen mit moderner Kunst. Daher lohnt sich hier ein Blick auf die Museumsseite, um zu schauen, ob einem die aktuell gezeigte Kunstrichtung grundsätzlich zusagt. Mit den Lackmalereien von Gerold Miller können wir beispielsweise recht wenig anfangen, doch über eine Brücke gelangen wir schnell ins nebenan gelegene Ulmer Museum, das neben Kunst aus unterschiedlichen Epochen auch einen großen Teil seiner Fläche der Archäologie und Frühgeschichte widmet. Hier steht auch das zentrale Stück der Sammlung – der Löwenmensch, eine über 35.000 Jahre alte Mensch-Tier-Skulptur. Aufgrund der umfangreichen Ausstellungsfläche kann man im Museum ohne Probleme auch einen verregneten Nachmittag verbringen.

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    Falls ihr bisher von Ulm nur wusstet, dass es dort den höchsten Kirchturm der Welt zu sehen gibt, hoffen wir, dass wir euch mit unserem Food & City Guide ein bisschen neugierig machen konnten auf das hübsche Städtchen in Baden-Württemberg.

    Herzlichen Dank an Ulm/Neu-Ulm Touristik, das Internationale Donaufest und die ARGE Deutsche Donau für die Einladung zu diesem schönen Wochenende! Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene. Ebenfalls ein dickes Dankeschön geht an unsere nette Reisetruppe: Burgturm, Traveltelling, Reisehappen & Annanikabu – es war schön mit euch!

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    Gegessen, Gereist, Getrunken, München

    RiminiRimini – eine Adria-Brise weht durch München

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    Dass München die nördlichste Stadt Italiens ist, wissen wir längst. Doch dass nun mitten in Münchens Innenstadt auch ein adriatisches Herz schlägt, mag einigen vielleicht noch nicht bekannt sein. Seit letzten Freitag bereichert RiminiRimini die Stadt – ein neues Pop-up-Restaurant, das sich den Spezialitäten aus der Emilia-Romagna verschrieben hat und einen Hauch Dolce Vita rund um den Viktualienmarkt versprüht. Und wo wäre so ein Restaurant besser aufgehoben als im Eataly – dem italienischen Feinkostmarkt in der Schrannenhalle?

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    Nach dem Betreten der Schrannenhalle ziehen rot-weiß gestreifte Sonnenschirme an der Decke die Blicke der Besucher_innen auf sich und locken ins Zwischengeschoss, wo ein kleiner italienischer Sommernachtstraum der 60er Jahre auf die Gäste wartet. Auch hier ist man dem Farbkonzept treu geblieben und so kann man auf ebenso rot-weiß gestreiften Stühlen Platz nehmen und von dort aus dem bunten Treiben in der Markthalle zusehen.

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    Die Speisekarte setzt auf leichte italienische Sommerküche – eine schöne Ergänzung zu den bisherigen Angeboten des Eataly (wo der Fokus auf Pizza, Pasta, Fleisch, Backwaren und Süßspeisen liegt) – und hält dem Konzept entsprechend eine große Auswahl an landestypischen Fisch- und Muschelgerichten bereit. Gestartet wird mit täglich wechselnden Antipasti, die wir beim Pre-Opening ausführlich probieren dürfen. Egal ob Meeresfrüchtesalat, Artischocken, marinierte Sardellen, sautierten Miesmuscheln in Weißweinsauce oder gefüllte Paprika: Alles ist unglaublich frisch, perfekt abgestimmt und sieht auf dem hübschen bunten Porzellan ganz besonders sommerlich aus. Besonders angetan haben es uns die Piadina, dünne Fladenbrote aus der Romagna, die u.a. mit Burrata, Rucola und Schinken belegt werden (8,50€).

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    Wer anschließend noch Hunger hat, kann zwischen frischem Fisch vom Grill, hausgemachter Pasta (z.B. Fischravioli oder Spaghetto mit Fischragout) und Muscheln wählen (10€-20€). Auch hier kann uns die Auswahl voll überzeugen, gerade der Fisch war auf den Punkt gebraten und so zart und saftig, wie nur möglich. Überhaupt bestechen alle Gerichte durch das Bemühen, der italienischen Küche so nahe wie möglich zu kommen: wenige, aber dafür hochwertige Zutaten und angenehme Zurückhaltung beim Würzen der Gerichte. Die Produkte sollen für sich sprechen, was der Küche wirklich hervorragend gelingt.

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    Den krönenden Abschluss bildet die Ankunft des Dessertwagens, von dem man sich verschiedene Dolcetti (5 Stück für 6€) aussuchen kann, sofern man im Magen noch ein Plätzchen dafür findet. Der kulinarische Ausflug nach Italien wird natürlich auch durch passende Drinks abgerundet. Lemon Spritz mit Limoncello, 6PM Spritz mit Montanaro oder unser Favorit, der Capotonic mit Amaro del Capo – einem leicht bitteren Kräuterlikör – sorgen dafür, dass man sich spätestens nach dem letzten Drink nicht mehr in München, sondern in Italien wähnt.

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    RiminiRimini_Eataly_Schrannenhalle-22Das Pop-up-Restaurant RiminiRimini kann voraussichtlich bis zum 31. Oktober im Zwischengeschoss von Eataly München besucht werden. Geöffnet ist diese Mittelmeer-Oase Dienstag bis Freitag von 18.00 bis 22.30 Uhr und samstags von 11.30 bis 15.00 Uhr sowie von 18.00 bis 22.30 Uhr. Mehr Adria war in München noch nie!

    Vielen Dank an Eataly für die Einladung zum Pre-Opening. Unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

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    Gegessen, Gekauft, Gereist, Getrunken, Ulm

    Zwischen Hahnhoden & Balkan-Pop: das Internationale Donaufest in Ulm

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    Wir sind absolut keine Stadtfest-Typen! Schuld daran ist wohl das Aufwachsen in der mittelhessischen Provinz, in der sich kulturelle Highlights besonders in den jährlich wiederkehrenden und mit zunehmenden Alter immer unerträglicher werdenden Stadtfesten manifestierten. Drittklassige Coverbands mit den durchgenudelsten Hits von vorgestern, heute und übermorgen, Gymnastikeinlagen des Turnvereins Hintertupfingen und verkokelte Bratwurstmeter versprühen einen Charme, dem wir bis heute ziemlich gut widerstehen können. Auch die Tatsache, dass wir während des Studiums mitten in der Marburger Fußgängerzone wohnten und an Festtagen Panflöten-Trios mit vier-Lieder-Sets in Endlosschleife direkt unter unserem Fenster ertragen mussten, ließ uns und Stadtfeste keine Freunde werden.

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    Man verzeihe uns also, dass wir eine ordentliche Portion Skepsis im Gepäck haben, als wir Anfang Juli für ein Wochenende nach Ulm reisen. Denn man hat uns nicht nur eingeladen, die Stadt kennenzulernen, sondern auch das Internationale Donaufest zu besuchen. Gespannt, was uns erwarten würde, beziehen wir zunächst unser Hotel in Neu-Ulm. Als wir die Fenster öffnen, wird klar, warum wir im Golden Tulip Parkhotel untergebracht sind – näher am Donaufest könnte man wirklich nicht wohnen, wir sind quasi mitten im Geschehen: Die Donau zum Greifen nah, Essensgerüche in der Nase, rund ums Flussufer Stände und direkt vor dem Fenster eine Band, die sich für ihren Auftritt bereitmacht. Es scheint, als wäre es Zeit, unser Stadtfesttrauma zu überwinden und uns ins Donaufest zu stürzen!

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    Seit 1998 findet das Internationale Donaufest im Zwei-Jahres-Turnus statt und bringt die zehn Länder, durch die sich der zweitlängste Fluss Europas schlängelt, ganze zehn Tage lang im Sommer in den Schwesterstädten Ulm und Neu-Ulm zusammen. Dabei steht nicht nur das Feiern im Vordergrund, sondern auch der kulturelle, künstlerische und kulinarische Austausch über Ländergrenzen hinweg und das gegenseitige Kennenlernen. Zunächst müssen wir allerdings eine Ländergrenze anderer Art überwinden und vom bayrischen Neu-Ulm ins baden-württembergische Ulm wechseln. Wir könnten natürlich zu einer der vielen Brücken laufen, doch wir sind faul und finden eine viel bequemere (und aufregendere) Möglichkeit: Gemächlich schiebt sich eine Solarfähre von Flussufer zu Flussufer (1€) und gleich nebenan sind die Zillenfahrer_innen am Werk, die die Gäste des Festes gegen ein Trinkgeld in kleinen Ruderbooten – den traditionellen Ulmer Zillen – auf die andere Seite der Donau befördern.

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    In Ulm angekommen bahnen wir uns den Weg durch die immer zahlreicher werdenden Besucher_innen. Es ist Freitagabend, herrlichstes Sommerwetter – beste Voraussetzungen also für ein Abendessen im Freien. Beim Schlendern über den Markt der Donauländer dringen so viele unterschiedliche Gerüche zu uns, dass wir uns kaum entscheiden können, welches Land unser Abendessen servieren darf. Im Gegensatz zu anderen Stadtfesten ist die Auswahl der angebotenen Speisen auf dem Donaufest äußerst abwechslungsreich – so bieten die teilnehmenden Donauländer typische Landesspezialitäten an, die man sonst außerhalb der Landesgrenzen vermutlich eher selten probieren kann. Es gibt Gulasch in zahlreichen Varianten, deftige Fleischgerichte, Fischsuppe im Brotlaib, Holzofen-Burger, vegetarische Dinnele, Palatschinken und mehr. Bestimmendes kulinarisches Thema des Festes ist jedoch ein ungarisches Hahnhodengulasch, das angeblich „nicht so schlimm wie erwartet“ schmecken soll – keine allzu verlockende Beschreibung des Abendessens, also ziehen wir weiter und landen vor einem Stand mit regionalen Spezialitäten aus Bulgarien. Bulgarische Pommes mit sehr viel Knoblauch und geriebenem Schafskäse sollen es sein, dazu eine Banitza – ein gefüllter Teigfladen mit Ei, Käse und Joghurt. Ein paar Stände weiter greift der Mann noch einen Teller Lamm vom Spieß mit Mangold-Kräuter-Pesto und Kartoffeln auf und zeigt sich überrascht ob der hohen Qualität des Essens. Schön sind die vielen Sitzmöglichkeiten, die das Fest bietet – überall entlang des Marktes findet man Bänke und Tische zum Niederlassen. Besonders nett ist es im „Weindorf“, in dem, wie der Name vermuten lässt, Weine aus unterschiedlichen Anbaugebieten angeboten werden und zwischen Ständen und Bühnen immer wieder kleine Sitznischen zum Verweilen einladen. Und wer keinen Sitzplatz finden sollte, nimmt sein Essen einfach mit ans Flussufer und kühlt beim Essen und Weinschlürfen die müden Füße in der Donau.

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    Auch in den nächsten Tagen zieht es uns noch einige Male auf das Donaufest – vielleicht liegt’s am guten Wetter (oder am Wein??), aber die Atmosphäre am Fluss ist so einladend und entspannt, dass selbst wir Gefallen am Stadtfest finden. Jedes Fest sollte sich wohl einen Fluss „besorgen“! Wir schlendern gemütlich über den Markt – auch dort zeigt sich die Vielfalt der Kulturen der Donau-Anrainerstaaten in einem abwechslungsreichen Angebot an Kunsthandwerk und Kulinarik: Handgefertigtes wie Keramik, Schmuck, Kleidung & Co. wechseln sich ab mit Honig, Baumstriezeln, Marzipanbällchen und anderen Spezialitäten aus dem Donauraum. Untermalt wird unser Bummel von traditioneller Musik, Jazzklängen und Balkan-Beats, die von den unterschiedlichen Bühnen zu uns vordringen.

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    Zu den Ständen gesellt sich während der zehn Tage ein umfangreiches Begleitprogramm mit Konzerten, Theatervorführungen, wissenschaftlichen Vorträgen, literarischen Abenden und Workshops. Leider verpassen wir das erstmals stattfindende Brückenfrühstück, bei dem Ulmer Bürger_innen und Vereine am letzten Tag des Festes jeweils die Patenschaft über einen Tisch übernehmen und auf der Herdbrücke Gäste bewirten. Eine schöne Idee, die hoffentlich zu einer regelmäßigen Veranstaltung wird. Ordentlich gefeiert wird auch der letzte Abend des Festes mit einem bombastischen Feuerwerk über der Donau. Wir suchen uns einen Platz am Neu-Ulmer Ufer, um so die explodierenden Farben vor der Kulisse des Ulmer Münsters und der Altstadt vor uns zu haben. Belohnt werden wir mit einem der gigantischsten Feuerwerke, die wir bisher erlebt haben. Ein letztes Mal laufen wir über den Markt zu unserem Hotel, ein Gläschen Wein in der einen Hand, Zimt-Baumstriezel in der anderen. Stadtfestversöhnt und mit Balkan-Pop im Ohr schlafen wir ein. Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns in zwei Jahren zum Donaufest wieder – das Brückenfrühstück müssen wir ja schließlich noch nachholen!

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    Ganz herzlichen Dank an Ulm/Neu-Ulm Touristik, das Internationale Donaufest und die ARGE Deutsche Donau für die Einladung zu diesem schönen Wochenende! Unsere Meinung bleibt dabei, wie immer, unsere eigene.

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    Gereist, Israel, Tel Aviv

    Zwischen Hummus, Strand und weißer Stadt: Tel Aviv kulinarisch

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    Es ist Freitagmittag, als ich in Tel Aviv ankomme. 10 Minuten nach dem Start am Bahnhof bin ich dank zu großem Rucksack und mörderischen Temperaturen durchgeschwitzt und halte erst mal an, um ein Eis zu essen. Weitere 15 Minuten später bin ich in meiner Airbnb-Wohnung – das renovierte Bauhaus-Gebäude ist traumhaft – und laufe kurz darauf zum ersten Mal über die King George Street. Nur noch wenige Stunden bis zum Sabbat, und wie jeden Freitag vibriert die Stadt. Alle Einwohner_innen und  Tourist_innen scheinen auf den Beinen zu sein, noch schnell letzte Einkäufe erledigen, mit Freunden ein Bier trinken oder sich im Lieblingshummusrestaurant den Bauch vollschlagen, bevor am Abend vieles schließt. Ich bin völlig überwältigt von der Masse an Cafés, Restaurants und Bars – nach sechs Tagen im ruhigen Norden des Landes ist das ein kleiner Kulturschock. Ich tauche in das Getümmel des Carmel Markets ein, überall Händler mit Gemüse, Gewürzen und schrottigen T-Shirts, es riecht nach Falafel und frischen Kräutern, an mein Ohr dringt ein Sprachgewirr aus Englisch, Hebräisch, Arabisch und unzähligen weiteren Sprachen. Die Gassen werden enger, die Menschenmassen nehmen zu, aber schließlich lande ich am Ziel: einer kleinen Theke aus Sperrholz mit ein paar Barhockern und lauter Musik. Ich sitze am Beer Bazaar, der ersten Anlaufstelle für Craft Beer in Tel Aviv. Als das erste Glas kühles Fat Cat Ale vor mir steht, habe ich das Gefühl, dass mein Urlaub beginnen kann.

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    Zuvor habe ich beruflich sechs Tage in der Nähe von Akko verbracht, dabei Haifa besucht, einen Trip in die Berge unternommen und einen ganz untouristischen ersten Eindruck von Israel bekommen. Ich hatte so die Möglichkeit, das Land aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen und möchte im Folgenden ein paar meiner Highlights mit euch teilen.

    Tel Aviv Food & City Guide

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    {Benedict}

    Auch in Israel beginnt ein guter Tag mit einem guten Frühstück. Das gilt besonders für Tel Aviv. Das Nachtleben ist äußerst ausgeprägt, dementsprechend bieten viele Restaurants Frühstück rund um die Uhr an. Wer also am späten Nachmittag Lust auf French Toast bekommt, wird hier glücklich. Das Flaggschiff unter den Breakfast-Hotspots ist das Benedict mit seinen beiden Filialen, in denen ausschließlich Frühstück serviert wird. Eine davon befindet sich an der wichtigsten Straße der Stadt, dem Rothschild Boulevard. Ich probiere das Israeli Classic mit drei Eiern, Avocado-Hummus, Apfel-Zimt-Marmelade, Thunfisch-Mayonnaise, Salat und vielen weiteren Dips. Der Brotkorb mit den hausgemachten Brötchen wird außerdem kostenlos aufgefüllt. Dazu kommt eine Cocktail- und Mimosakarte – endlich wird man nicht komisch angeschaut, nur weil man montags um 11 Uhr Lust auf einen Drink mit Pastis und Sesampaste (eine Offenbarung!) hat. Auch was an den anderen Tischen serviert wird, sieht köstlich aus, insbesondere die riesigen Pfannkuchentürme. Vegane und vegetarische Optionen gibt es ebenfalls zur Genüge. Am Sabbat/Wochenende sollte man jedoch besser reservieren. Benedict // Rotschild 29, Tel Aviv & Ben Yehuda 171, Tel Aviv.

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    {The Streets}

    Auch hier wird das Frühstück 24 Stunden lang serviert und man kann in zentraler Lage nahe des Dizengoff Center sehr schön draußen sitzen. Das WLAN ist stark (wie erfreulicherweise fast überall in Tel Aviv) und im Obergeschoss sitzen junge Menschen an großen Tischen und tippen fleißig in ihre Laptops. Dank der eigenen Kaffeerösterei bleibe ich wach und kann die vorzügliche Shakshuka (55 NIS inkl. Kaffee) genießen. Sie kommt klassisch mit Tomaten und Paprika daher, dazu drei Eier, die am Boden der Pfanne schöne Röstaromen angenommen haben. Dazu gibt es Brot (leider etwas zu trocken), die obligatorische Sesamsauce (das lokale Äquivalent zu Ketchup), eine scharfe Paste aus grünen Chilis und einen kleinen israelischen Salat mit Tomate und Gurke. Aufgrund der Nähe zu meiner Wohnung komme ich am letzten Tag noch einmal her und stärke mich mit Pancakes und karamellisierten Bananen für die Rückreise. Ich hätte sie mir zwar ein wenig fluffiger gewünscht, doch geschmacklich sind sie toll. Die bunte Mischung aus Israelis und Tourist_innen zeigt sich an beiden Tagen ähnlich glücklich, was vermutlich an den wirklich üppigen Portionen liegt. The Streets // 70th King George St, Tel Aviv.
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    {M25}

    Eher zufällig stoße ich beim Schlendern über den Carmel Market in einer unscheinbaren Seitenstraße (dort, wo Tel Aviv aus Wellblechhütten besteht) auf diesen überhippen Grill. Das M25 ist sowohl Metzgerei als auch Restaurant, in dessen Innenhof man zwischen großen Blumentöpfen (die Urban Jungle Bloggers lassen grüßen) nur wenige Meter vom Trubel des Marktes an mit Packpapier bedeckten Tischen bestes Fleisch (darunter auch viele Innereien) essen kann. Die handgeschriebene Karte gibt zwar nur auf Hebräisch Auskunft über das Angebot, aber der (wie überall) sehr freundliche Service übersetzt mir alles ins Englische. Kurz überlege ich, ob ich mir nicht alternativ etwas aus der Theke der Metzgerei aussuchen soll, das dann frisch zubereitet wird, bin aber vernünftig und entscheide mich für eine Portion Shawarma (58 NIS). Auch wenn ich es noch nicht oft gegessen habe, bin ich mir sicher, dass das Shawarma zu den besten gehört, die man kriegen kann. Perfektes Fleisch, Chili, Ingwer, Zitrone, Tomate, Sesamsauce, fluffiges Pitabrot – zusammen mit einer Flasche lokalem Craft Beer (25 NIS) genau das Richtige nach einem anstrengenden Nachmittag. M25 // Yom Tov St 3, Tel Aviv.

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    {Miznon}

    Direkt an der King George Street befindet sich eine Filiale des Miznon, das von Israels kulinarischem Shootingstar Eyal Shani geführt wird und mir von Sylvia empfohlen wurde. Zwar gibt es hier hauptsächlich gefüllte Pitataschen, aber von einem Imbiss zu sprechen, würde dem Lokal nicht gerecht werden. Hinter der runtergerockten Fassade wird in der offenen Küche so köstliches Essen zubereitet, dass mir nur beim Schreiben schon wieder das Wasser im Mund zusammenläuft. Der rauhe Look gehört zum Programm, ebenso wie die nur auf ein Stück Karton gekritzelte Karte und die Lautstärke, gegen die ein startendes Flugzeug kaum ankommt. Ich bekomme ein Pitabrot, gefüllt mit Lammhackbällchen (81 NIS inkl. Beilage und Bier), verschiedene Saucen und Gemüse sowie eine gegrillte Süßkartoffel (den Signature-Dish – einen im Ganzen gegrillten Blumenkohl – habe ich meinem Hunger als Beilage nicht zugetraut). Wenig später bin ich im Himmel. Perfekt gewürzt, unglaublich saftig und das beste Pitabrot der Welt. Ehrlich! Allein deswegen lohnt sich der Flug nach Tel Aviv. (Und wer nicht ganz so weit reisen mag, besucht einfach die Filiale in Wien.) Miznon // King George St 30, Tel Aviv.

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    {Orna and Ella}

    Mitten in der weißen Stadt, dem Komplex von über 4000 Häusern im Bauhaus-Stil, liegt in einer ruhigen Straße das Orna and Ella, das sich auf moderne Bioküche spezialisiert hat. Helle, minimalistische Einrichtung, eine tagesaktuelle Karte, die globale Einflüsse mit der Küche des Mittelmeerraums verbindet, und sehr aufmerksames Personal lassen mich und meine Begleitung schnell glücklich werden. Nach dem Hinweis auf eine Nussallergie, kommt der Kellner noch zweimal an den Tisch und erkundigt sich, ob bestimmte Zutaten ein Problem sein könnten und macht Vorschläge, wie man sie gegebenenfalls ersetzen könnte. Wir entscheiden uns für die Yam-Pancakes als Vorspeise, die angenehm würzig und luftig sind. Auch der vegetarische Burger überzeugt auf ganzer Linie, ebenso wie der überbackene Blumenkohl. Nicht wirklich günstig, aber auf hohem Niveau, und sicherlich das eleganteste Restaurant, in dem ich in Tel Aviv gegessen habe. Orna and Ella // Shenkin 33, Tel Aviv.

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    {Shaffa Bar}

    Vor Tel Aviv war Jaffa, und zwar ein paar Tausend Jahre lang. Heute findet man in Jaffa die Altstadt der Mittelmeermetropole – eine der wichtigsten touristischen Attraktionen. Gerade in der Gegend des (Floh-)Marktes wimmelt es nur so von Restaurants und Cafés, die um die Aufmerksamkeit der Tourist_innen buhlen. Weiterhin fahren auch die Einwohner_innen Tel Avivs in den Süden der Stadt, wenn sie – gerade am Freitag vor dem Sabbat – ordentlichen Hummus essen wollen. Nach einer Tour vorbei an Moscheen, kleinen Geschäften und uralten Gemäuern, mache ich eine Pause in der Shaffa Bar, wo man sich im Schatten wunderbar erholen kann. Das junge, hippe Personal ist freundlich, die Karte nicht riesig, aber abwechslungsreich und Cocktails gibt es auch. Ich entscheide mich für eine köstliche Siniya (eine Lamm-Blumenkohl-Pfanne, auch mit Linsen statt Fleisch erhältlich) in Sahnesauce mit Mandeln, Zwiebeln, vielen Kräutern und leichter Schärfe. Hier lohnt sich auch ein Besuch später am Abend, wenn die Musik aufgedreht wird und ab und an kleinere Bands spielen. Shaffa Bar // Nakhman St 3, Tel Aviv-Yafo.

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    {Beer Bazaar}

    Craft Beer hat mittlerweile auch Israel erobert, und so findet man auf den Speisekarten modernerer Restaurants oft eine kleine Auswahl an guten Bieren. Wem das nicht genügt, der sollte vor/während/nach dem Bummel über den Carmel Market einen Stopp beim Beer Bazaar einlegen. Neben eigenen Bieren vom Fass gibt es viele weitere lokale Sorten aus der Flasche (auch zum Mitnehmen), und wer sich nicht entscheiden kann, wird vom Personal fachkundig beraten. Dazu bekommt man laute Musik, Comedyeinlagen durch die Barkeeper und regelmäßige Arrak-Shots für alle Gäste. Ja, auch mittags. Ein klein wenig ruhiger geht es in der zweiten Filiale zu, die gleich um die Ecke liegt. Beer Bazaar // 1 Rambam St &

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    {233}

    Wer es etwas gediegener mag, findet auch in Tel Aviv richtige Bars mit Ledersesseln, gedämpftem Licht und komplexen Drinks. Das 233 gehört zu dieser Kategorie und bietet mit seinen gut gekleideten Barkeeper_innen und der ruhigen Atmosphäre eine willkommene Abwechslung zum Trubel, der die Stadt ansonsten bestimmt. Die Karte wechselt regelmäßig und viele Drinks basieren auf lokalen Zutaten. Während der Happy Hour von 18 bis 20 Uhr erhält man zwei Drinks zum Preis von einem (sonst 34 bis 52 NIS pro Drink). So stehen plötzlich zwei Aperitifs vor mir, die mich ordentlich angeschickert zu meiner Abendessenverabredung erscheinen lassen. Aber wer kann bei Kreationen wie dem Call me Chili (Tequila, Chililikör, Passionsfrucht und Salzrand) oder dem Attitude #2 (Wodka, Campari und Passionsfrucht) schon Nein sagen? Letzterer kommt mit lichterloh brennender Limettenhälfte und jeder Menge Minze im Glas. Der Duft von Kräutern und angeräucherter Limette ziehen anschließend bei jedem Schluck in die Nase und sorgen bei mir für ein echtes Aha-Erlebnis. Wer will, kann die Drinks auch draußen genießen und dabei die vielen Menschen auf der Dizengoff Street beobachten. 233 //

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    {Und sonst so?}

    Tel Aviv lässt sich glücklicherweise hervorragend zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Ich muss nur einmal einen Bus nehmen und verlasse mich sonst auf meine Füße oder das Mietfahrradsystem Tel-O-Fun. Die Stationen mit den grünen Fahrrädern sind über die ganze Stadt verteilt und selbst ich (als nicht besonders erfahrener Radfahrer) komme gut mit dem Verkehr in Tel Aviv klar. Am schönsten fährt es sich sowieso auf der autofreien Strecke am Meer entlang, wo man zwischen Hochhäusern und Strand die Sonne und den Fahrtwind genießen kann. Währenddessen lohnt auch ein Abstecher ganz in den Norden, zum alten Hafen (oberhalb des Independence Park), wo heute viele Restaurants und Geschäfte in den alten Lagerhallen zu finden sind. Von den Holzplanken aus lässt sich hier der schönste Sonnenuntergang der Stadt beobachten. Wer neben seinem Strandurlaub (der Frishman Beach hat mir am besten gefallen) mehr über die Geschichte der Stadt erfahren möchte, sollte die kostenlose englische Stadtführung zum Bauhaus am Samstagvormittag nutzen (11 Uhr ab 46 Rothschild Blvd.), bei der man in etwas mehr als zwei Stunden viele spannende Infos zur Architektur erfährt und einen Einblick in die Stadtgeschichte bekommt. Wem das nicht genügt, der kann zudem die Independence Hall besuchen. Bei der kurzen, aber informativen Führung dreht sich alles um die Gründung Tel Avivs und des Staates Israel. Als Reiseführer kann ich den DIY Tel Aviv Guide empfehlen, der nicht nur unzählige Adressen bereithält, sondern in dem man auch alle notwendigen Informationen zur Sicherheit, Infrastruktur usw. findet.

    Außerhalb von Tel Aviv: Akko, Haifa und Jish

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    {Uri Buri}

    Wer guten Fisch essen möchte, findet in Israel mehr als ein passendes Restaurant. In Akko (dort gibt es übrigens eine sehr schöne Altstadt inklusive Basar) schafft es das Uri Buri regelmäßig auf die Bestenlisten des Landes. Nach einem Besuch kann ich sagen: vollkommen zu Recht. Am Rande der Altstadt, fast direkt am Wasser gelegen, wird hier auf sehr hohem Niveau gekocht. Glücklicherweise gibt es die Option, sich von den Hauptspeisen halbe Portionen zu bestellen, sodass ich gleich zwei Gerichte probieren kann. Beide Fische sind auf den Punkt gebraten, die Beilagen und Saucen nicht alltäglich (Spinat-Martini-Sauce und ein Reis-Linsen-Pilaw) und israelisches Craft Beer gibt es auch (160 NIS insgesamt). Uri Buri // Ha-Hagana St 2, Akko.

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    {Falafel Ha’zkenim & Abd al-Hadi}

    Die Hafenstadt Haifa zählt – abgesehen von den Bahai-Gärten, die man nur vormittags besuchen kann – nicht gerade zu den schönsten Städten des Landes. Nicht umsonst heißt es, dass in Tel Aviv gefeiert, in Jerusalem gebetet und in Haifa gearbeitet wird. Dennoch lohnt sich bei einem Besuch ein Spaziergang durch das arabische Viertel Wadi Nisnas, in dem man an jeder Ecke auf Street Art stößt (das Kulturzentrum Beit ha-Gefen bietet dazu auch Führungen an). Wer danach Hunger hat, sollte sich bei Falafel Ha’zkenim stärken – nach Aussage meiner israelischen Kollegin gibt es dort die besten Kichererbsenbällchen des Landes. Das kann ich natürlich schwer beurteilen, doch sie schmecken in der Tat besser als alle, die ich bisher in Deutschland bekommen habe. Arabische Süßigkeiten kauft man danach am besten ein paar Schritte weiter in der Konditorei Abd al-Hadi, wo sich die Tische unter den ganzen Köstlichkeiten nur so biegen (und ja, die Baklava war wirklich so gut). Wer alternative Kneipen und Cafés sucht, findet diese übrigens in der Mahada Street weiter oben am Berg. Falafel Ha’zkenim // 18 Wadi Street; Konditorei Abd al-Hadi // Sh’Hada Street 3, Haifa.

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    {Baladna}

    Wer länger in Israel unterwegs ist und etwas vom Land sehen möchte, sollte sich ein Auto mieten und auch einen Abstecher nach Jish unternehmen, einem christlich-arabischen Ort im Nordosten des Landes. Hier ist nicht nur der Sonnenuntergang besonders schön, sondern auch das Essen im Baladna. Dort findet man einen riesigen Tisch voller Schüsseln und Teller mit Mezze vor, die zu den besten gehören, die ich je gegessen habe. Ansonsten gibt es hier traditionelle arabische Küche und viele Grillgerichte. Baladna //

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    {Unterkunft}

    Übernachtet habe ich in Tel Aviv in einem Airbnb-Zimmer in einer wunderschönen Wohnung in der Dizengoff Street, von der aus der Markt, unzählige Restaurants und Bars sowie der Strand fußläufig erreichbar sind. Vorher war ich nördlich von Akko im Bait V’Kait untergebracht, was nicht nur sehr schön im Ghetto Fighters Kibbutz liegt, sondern auch ein unglaubliches Frühstücksbuffet bereithält. Auf jeden Fall ein guter Standort für die Erkundung des Nordens.

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    Frankreich, Gegessen, Gekauft, Gereist, Getrunken, Straßburg

    Flammkuchen, Eclairs & Gewürztraminer: Straßburg kulinarisch

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    Der erste Kurzurlaub des Jahres führt uns ins Elsass. „Flammkuchen in Straßburg essen“ stand schon lange auf unserer kulinarischen To-do-Liste. Und wenn man sich schon mal in Reutlingen (auf dem wie immer wunderbaren Foodbloggercamp) befindet und somit die französische Grenze nur noch ein Katzensprung entfernt ist, man Fromage, Vin und Eclairs fast schon riechen kann, nutzt man natürlich die Gunst der Stunde. Keine anderthalb Stunden dauert es, bis wir Strasbourg erreichen und vom Klang der französischen Sprache umgeben sind (uns verbindet eine Hassliebe, von der ich hier schon mal berichtet habe). „In Straßburg kommst du überall mit Deutsch oder Englisch durch!“ – Wie oft habe ich diesen Satz vor unserer Reise gehört. Denkste! Mein verstaubtestes und tief in den hintersten Gehirnregionen vergrabenes Französisch muss ich auspacken. Doch nach drei Tagen bin ich fast ein bisschen stolz, dass ich mich durch komplette Bestellungen und Minikonversationen im allerfeinsten Hand-und-Fuß-Französisch plappern kann. Voilà, geht doch!

    Drei Nächte verbringen wir in der beschaulichen Stadt am Rhein, was sich als ideal erweist, um Straßburg und seine kleinen Gässchen etwas kennenzulernen, gemütlich durch die historische Altstadt der Grande Île und das charmante Viertel Petite France zu schlendern, im jungen Szeneviertel um die Place du Marché Gayot zu shoppen, sich in der Rue des Orfèvres durch sämtliche Feinkostläden zu probieren, im Boot auf der Ill zum Europaviertel zu schippern und sich ein paar der wirklich interessanten Museen anzuschauen, die die Stadt im Elsass zu bieten hat.

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    Wer nur für ein paar Tage nach Straßburg reist, sollte seinen Trip nicht ausgerechnet auf Sonntag und Montag legen, da viele Geschäfte und Restaurants an diesen beiden Tagen geschlossen haben. Verhungern muss man natürlich trotzdem nicht, auch wenn es für Vegetarier_innen auf den ersten Blick unmöglich erscheint, etwas anderes als Brot, Gebäck oder Käse zu finden. Hier ist im Vorfeld etwas Recherche und ein Blick auf die meist online einsehbaren Menükarten der Restaurants hilfreich, wenn man sich am Abend langes Suchen ersparen möchte. Gerade die traditionelleren Lokale (von denen es in Straßburg sehr viele gibt) haben – wenn überhaupt – nur ein vegetarisches Gericht im Angebot. Das Preisniveau ist insgesamt (selbst im Vergleich zu München) recht hoch – ein großes Bier bekommt man für ca. 6,50 €, Hauptspeisen mit etwas Glück ab 15 €. Kulinarisch hat das Elsass natürlich einiges zu bieten und wir haben uns vorgenommen, ein paar der typisch elsässischen Gerichte zu probieren. Unsere kulinarischen Highlights haben für euch zusammengestellt:

    Straßburg Food- und City-Guide

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    {Square Delicatessen}

    Wir geben es zu, seit unseren letzten Urlauben sind wir ganz schön frühstücksverwöhnt! Normalerweise beginnt ein Urlaubstag für uns mit einem ausgedehnten Frühstück in einem netten Café, das uns gestärkt in den Tag starten lässt. Offensichtlich waren wir zu lange nicht mehr in Frankreich, um uns daran zu erinnern, dass die französischen Frühstücksgewohnheiten doch ein bisschen anders sind. Ein nettes, modernes Café ist mit dem Square schnell gefunden, doch das Frühstück, das uns serviert wird, irritiert uns zunächst: zwei Minischeibchen Baguette, etwas beschwipstes Obst, ein Minicroissant, dazu Marmelade und Butter aus der Packung. Hm. Etwas später am Tag bemerken wir, dass alle Cafés – wenn überhaupt – ein Frühstück dieser Art anbieten und wir wohl für die nächsten Tage umdenken müssen. Kein Problem bei der Anzahl an tollen Boulangerien in der Stadt. Das Square können wir dennoch empfehlen – zwar nicht zum Frühstücken, aber zum Nachmittagsstopp in schöner Atmosphäre, denn Kaffee, Tee und der frische Orangensaft sind richtig gut und das italienisch angehauchte Mittagsangebot liest sich ebenfalls toll. Square Delicatessen // 12 Rue du Vieux Marché aux Grains, Straßburg.

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    {Au pain de mon Grand-Père}

    Wir sind lernfähig und beschließen am nächsten Morgen direkt zu einer Boulangerie zu gehen, an deren Scheibe wir uns bereits am Vortag die Nasen platt gedrückt haben: Die traditionellen Bio-Brote und das Gebäck von Au pain de mon Grand-Père sind nicht nur wahnsinnig hübsch anzusehen, sondern machen einen auch auf der Stelle süchtig. Opa weiß wirklich, wie man Brot backt! Wir decken uns hier nicht nur fürs Frühstück ein, sondern kommen vor unserer Abreise noch einmal vorbei, um ein paar der herrlich duftenden Brote mit nach München zu nehmen. Der Einkauf eskaliert ein wenig: Feigenbrot, Nussbrot, Dattel-Mandel-Brot, Fougasse aux olives, Brioches aux pralines roses, Nuss-Marzipan-Streusel. Alles ganz hervorragend, ausnahmslos! Au pain de mon Grand-Père // 58 Rue de la Krutenau, Straßburg.

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    {Pains Westermann}

    Eine weitere Institution in Sachen Backkunst ist die Bäckerei des Sternekochs Eric Westermann in der Rue des Orfèvres, einer kleinen Gasse nahe der Kathedrale, in der sich Feinkostläden, Patisserien und Boulangerien aneinanderreihen. Schon die Brot- und Gebäckauslage im Schaufenster lässt erahnen, dass es uns schwerfallen wird, eine Entscheidung zu treffen. Gegen den Nachmittagshunger packen wir ein kleines Käse-Tomaten-Brot und eine der beinahe kleinkindgroßen Meringue ein, an der wir gleich mehrere Tage zu knabbern haben. Pains Westermann // 1, Rue des Orfèvres, Straßburg.

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    {Maison Naegel}

    Ein paar Schritte weiter stehen wir vor dem nächsten Gourmettempel: Maison Naegel – der wahr gewordene Traum französischer Patisseriekunst. Eclairs, Mille feuilles, Tartelettes, Macarons: Kann man diese kleine Wunderwerke wirklich essen? Mais oui! Sogar zu erstaunlich fairen Preisen. Es dauert also nicht lange, bis wir uns in die Schlange der Unterzuckerten einreihen und uns ein Pistazien-Eclair, ein Vanille-Karamell-Mille-feuille und für zu Hause noch zwei der großen Salzkaramell- und Pistazien-Macarons einpacken lassen. Alles schmeckt fast noch besser, als es ohnehin schon aussieht. Besonders die Macarons, die den Rückweg nach München zum Glück unbeschadet überstehen, sind wahrlich die besten, die wir je probiert haben! Maison Naegel // 9, Rue des Orfèvres, Straßburg.

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    {Suspenders Coffeeshop}

    Wenn man nachmittags durch die engen Gassen von La Petite France schlendert und von einem plötzlichen Koffeinverlangen überkommen wird, ist der Suspenders Coffeeshop die ideale Anlaufstelle. Hier gibt es nicht nur richtig guten und für Straßburger Verhältnisse äußerst günstigen Kaffee (z.B. aus der Chemex oder AeroPress), sondern auch das ein oder andere verführerische Kuchenstück. Das alles in einem jungen, urbanen Ambiente in einem alten, knarzenden Fachwerkhaus. Suspenders Coffeeshop // , Straßburg.

    View More: http://photographybywinter.pass.us/omg

    Copyright: Oh My Goodness

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    Copyright: Oh My Goodness

    {Oh My Goodness}

    Zwischen unserem Hotel und der Innenstadt entdecken wir ein hübsches buntes Café, das uns nicht nur vor dem Regen rettet, sondern auch mit hervorragendem Kaffee versorgt. Junge, entspannte Atmosphäre, schöne Deko, bequeme Sofas und Bänke – wir verstehen, warum das zweistöckige Café Oh My Goodness abends auch ein beliebter Ort für Lesungen und Konzerte ist! Oh My Goodness // 13 Rue de la première armée, Straßburg.

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    la corde a linge - zone mercerie + office + atelier 4 - cred

    Copyright: La corde à linge

    {La corde à linge}

    Pittoresker könnte das hübsche Restaurant La corde à linge wohl kaum liegen: Direkt am Fluss an einem der schönsten Plätze der Altstadt kann man hier bei sommerlichen Temperaturen wunderbar im Freien dinieren. Die Märzeskälte treibt uns jedoch ins Warme, wo wir zwischen Wäscheleinen (wie könnte es bei dem Namen auch anders sein?) und aufgehängten Kleidungsstücken Platz nehmen. Wir sind gekommen, um hausgemachte Spätzle zu essen. Hier soll es nämlich besonders gute in besonders vielen Variationen geben. Mit Waldpilzen zum Beispiel oder mit Münsterkäse, geschmorten Zwiebeln und Speck. An die deftige elsässische Küche könnten wir uns gewöhnen! La corde à linge // 2 Place Benjamin Zix, Straßburg.

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    {Au pont Saint Martin}

    Wenn man in Straßburg traditionell elsässisch essen gehen möchte, sollte man keine Berührungsängste vor touristisch anmutenden Lokalen mitbringen. Die gibt es – gerade in La Petite France – nämlich zuhauf. Ganz malerisch und mit Blick aufs Wasser findet man in einem traditionsreichen Fachwerkhaus an der Pont Saint Martin ein umfangreiches Angebot an elsässischen Spezialitäten. Drinnen werden wir begrüßt von urigem Elsass-Charme, doch gemütlich ist es allemal auf den langen Holzbänken am Fenster des alten Wirtshauses. Wir bestellen Flammkuchen. Endlich! Und ich bin froh, eine vegetarische Variante mit Gemüse gefunden zu haben, denn ganz so einfach ist das wirklich nicht. Der Mann wählt traditionell einen Flammkuchen mit Münsterkäse und Speck. Dazu ein Gläschen Gewürztraminer, ein lokales Bier und das Rauschen der Ill im Ohr – so haben wir uns Straßburg vorgestellt. Au pont Saint Martin // 15 Rue des Moulins, Straßburg.

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    {Gurtlerhoft}

    Direkt gegenüber des Münsters und somit mitten im Zentrum der Altstadt geht es hinab in den Keller des Gurtlerhoft. Eine derart zentrale Lage mag nicht immer Gutes verheißen, doch das Restaurant scheint der richtige Ort zu sein für alle, deren Bauch sich nach großen Portionen elsässischer Küche sehnt. Große Fleischberge in urigen Kellergewölben – Touristenherz, was willst du mehr? Schweinshaxe mit Münster für den Mann und – um die Liste der probierten regionalen Spezialitäten zu erweitern – Bibeleskäs mit Bratkartoffeln und Münster für mich. Deftig! Aber richtig gut. Eigentlich hatten wir vor, der Empfehlung von Penne im Topf zu folgen und dort die Schwarzwälder Kirschtorte zu probieren, aber die üppige Hauptspeise lässt uns keinen Platz im Magen. Schade, denn die Blicke am Nachbartisch lassen ahnen, dass sich die Bestellung wohl lohnen würde. Gurtlerhoft // 13 Place de la Cathédrale, Straßburg.

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    {Und sonst so?}

    Wir haben uns für die drei Tage bei der Touristeninformation den Strasbourg-Pass besorgt. Für 18,90 € bekommt man den Eintritt in ein Museum seiner Wahl (sowie 50% Rabatt in einem weiteren), den Aufstieg auf die Kathedrale Notre-Dame, eine Bootsfahrt und einige weitere Vergünstigungen. Die Auswahl der Museen fällt uns nicht ganz leicht, denn allein das Palais Rohan beherbergt drei verschiedene. Wir besuchen das Musée des Arts décoratifs im ehemaligen Stadtpalais der Fürstbischöfe und das allein schon architektonisch sehenswerte Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Von dort kann man über den Vauban-Staudamm zurück ins malerische Petite France laufen und dabei die Aussicht auf die Stadt genießen.

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    Wer etwas abseits der einschlägigen Touri-Shops einkaufen möchte, findet u.a. hinter dem Straßburger Münster um den Place du Marché Gayot neben einigen Bars und moderneren Restaurants viele kleine Boutiquen und individuelle Designerläden mit hübschen Accessoires, Möbeln & Co. Unser Einkauf im Comptoir de Famille in der Mémé d’Autriche (11 Rue des Bouchers), in dem uns erneut das Interiorherz aufgeht. Im dazugehörigen Geschäft nebenan findet man zudem schöne Papeterie und allerlei Retro-Schnickschnack zum Verschenken.

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    {Übernachtung}

    Wir übernachten in dem kleinen, recht günstigen Boutique-Hotel Diana Dauphine am Rande der Altstadt. Die Zimmer sind klein, aber modern, der Service ausgesprochen freundlich und die meisten Sehenswürdigkeiten lassen sich von dort aus gut zu Fuß erreichen. Wer etwas zentraler (bzw. so zentral wie nur möglich) und dennoch bezahlbar übernachten möchte, sollte sich das Hotel Cathedrale genauer anschauen, das – wie der Name schon vermuten lässt – direkt gegenüber des Münsters liegt und mit einem besonders hübschen Innenhof ausgestattet ist. Im Vorbeigehen verlieben wir uns jedoch in das Hotel Cour du Corbeau im vermutlich schönsten historischen Gebäude der Stadt, das ebenfalls einen wunderschönen Innenhof aus dem 16. Jahrhundert sein Eigen nennt. Wer hier nächtigen möchte, sollte allerdings etwas mehr Budget einplanen. Vielleicht heben wir uns das für den nächsten Straßburgbesuch auf – man munkelt, dass wir das Elsass schon recht bald wiedersehen werden. Wir freuen uns darauf, denn es gibt noch so viel zu entdecken!

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    Gereist, Getrunken, München

    Craft, lokal und hochprozentig – die neuesten Trends der Finest Spirits 2016

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    Das Jahr der Münchner Alkoholliebhaber_innen beginnt nicht am 1. Januar (da ist man vermutlich eher damit beschäftigt, dem Hochprozentigen abzuschwören), sondern an einem Wochenende im Februar. Dann öffnet im MVG-Museum die Spirituosenmesse Finest Spirits ihre Pforten und über 100 Aussteller präsentieren die neusten Trends zum Thema Whisky, Gin & Co. In diesem Jahr waren wir das erste Mal zu zweit auf der Messe unterwegs, und da Sabrina keine Whiskytrinkerin ist, haben wir den Fokus diesmal stärker auf andere Spirituosen gelegt. Denn obwohl auf der Messe immer viele Single Malts und Bourbons angeboten werden, sind die drei Tage längst nicht mehr nur ein Treffen für Whiskyfans. Dementsprechend ließ uns der immer noch anhaltende Gin-Boom auch 2016 noch neue Entdeckungen machen und wir stellten fest, dass Rum als Ersatz für die immer teurer werdenden Single Malts dabei ist, sich einen dauerhaften Platz in den Sprituosensammlungen zu sichern. Nicht ganz warm geworden sind wir dagegen mit der Schwerpunktspirituose Wodka. Da fehlt uns für den puren Genuss die Abwechslung (wobei uns die neue Kartoffelvariante von Windspiel gut geschmeckt hat) – aber zum Glück gibt es ja noch Cocktails, und in dieser Form konnte uns der klare Schnaps dann doch für sich gewinnen.

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    Wie in jedem Jahr betreute Richi Link (vormals Wasserwerk, jetzt Juleps) zusammen mit seinen Kollegen die Finest-Spirits-Bar, wo er perfekte Varianten verschiedener Cocktailklassiker zubereitete und uns vor allem mit seinen ganz besonderen White Russians überzeugen konnte. Das Geheimnis war neben dem hochwertigen Beluga-Wodka zum einen die Sahne. Leicht angeschlagen sorgte sie für ein tolles Mundgefühl und machte den Drink gleich noch viel runder. Zum anderen wurden die Drinks mit Macadamia- bzw. Toncabohnensirup gesüßt, was ihnen den letzten Schliff verlieh. Ordentlich süß, aromatisch und supercremig – da sehnt man sich sofort den Bademantel herbei. Die White Russians waren für uns natürlich nicht das einzige Highlight der Finest Spirits.

    Wir haben für euch unsere hochprozentigen Entdeckungen der Messe zusammengefasst:

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    Whisky

    Beim Whisky setzen sich jene Trends fort, die auch schon im letzten Jahr zu beobachten waren: Single Malts ohne Altersangabe und aus anderen Ländern als Schottland bevölkerten die Stände zwischen den alten Straßenbahnen. Wer aktuell im Bereich alter Whiskys noch Schnäppchen schlagen will, muss echte Trüffelschweinqualitäten besitzen oder eben bereit sein, auch mal etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Andererseits sorgt die Knappheit in den Lagerhäusern auch dafür, dass sehr gute Tropfen auf den Markt kommen, die sich eben nicht nur über die zweistellige Zahl auf der Flasche definieren. Am Stand des langjährigen Premiumpartners Andrea Caminneci konnten wir beispielsweise den Spey Tenné von der Speyside Distillery probieren, einen sehr gelungenen Einsteigerwhisky mit Portwein-Finish und ohne Altersangabe (wobei uns versichert wurde, dass jedes verwendete Fass mindestens acht Jahre auf dem Buckel hat). In der Nase kitzelt der Spey Tenné ziemlich fruchtig – dunkle Beeren und Trockenfrüchte –, im Geschmack dann relativ scharf alkoholisch, aber immer noch mit genügend Portwein- und Eichennoten, um den Alkohol einzubinden. Mir hat er auf jeden Fall Lust auf die anderen Flaschen der kleinen Brennerei aus der Speyside gemacht.

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    Eine gute Möglichkeit weiterhin an besondere Flaschen zu kommen, sind natürlich die jeweiligen Clubs der großen Whiskymarken. Wer sich dort anmeldet, bekommt regelmäßig Angebote für (natürlich trotzdem nicht ganz günstige) Sondereditionen, die es meistens nicht auf den freien Markt schaffen. Gut, dass es die Finest Spirits gibt, auf der dann solche ausverkauften Flaschen am Stand stehen und probiert werden können. Bei Glenmorangie hat mich beispielsweise die letzte Private Edition Milsean in ihrer schönen rot-weißen Flasche sehr begeistert, in der sich ein süß-herber, im Rotweinfass gefinishter Single Malt befindet.

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    Rum

    Zuckerrohrspirituosen waren schon bei der letzten Finest Spirits ein großes Thema. In diesem Jahr hatten wir die Gelegenheit, uns beim Bremer Spirituosen Contor durch die Vielfalt verschiedener Rumsorten zu probieren. Aufgrund der hohen Temperaturen in der Karibik ist der Angels‘ Share bei der Lagerung von Rum ziemlich hoch, dementsprechend sind die verfügbaren Sorten längst nicht so alt, wie vergleichbare Single Malts. Aber wer Glück hat und mal die Gelegenheit, einen 18- oder 21-jährigen Rum probieren zu können, sollte sich das nicht entgehen lassen. Die Aromen werden komplexer, der Alkohol weicher und zum Mixen sind diese Flaschen definitiv viel zu schade. Spannend war auch zu sehen, wie sehr sich der Charakter verschiedener Inseln herausriechen und -schmecken lässt. Hier war beispielsweise der Six Saints von der kleinen Insel Grenada ein tolle Überraschung. Wer Bananen und Papaya mag, muss diesen Rum probieren!

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    Gin & Tonic

    Beim Gin hatten wir den Eindruck, dass vor allem ein Wettbewerb besteht, in dem sich alles darum dreht, immer unbekanntere Botanicals in den Gin zu bekommen. Jeder neue Gin-Produzent versucht in der eigenen Umgebung eine Pflanze zu finden, die bisher noch nicht verwendet wurde und baut darum dann sein Marketing auf. Ob Sellerie oder Alpenkräuter – zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Natur noch einiges herzugeben. Mal schauen, wie lange der Markt das noch mitmacht und welche Start-ups in drei bis vier Jahren immer noch Gin produzieren. Allerdings konnte man uns auch in diesem Jahr wieder überraschen – mit ungewöhnlichen Zutaten im Glas. Wir waren überrascht, als uns am Stand von Weinwelt Gin & Tonics mit Salzpopcorn und Paprika angeboten wurden. Gerade die Kombination mit salzigem Popcorn zum Roner Z44-Gin aus Südtirol passte perfekt. Die leicht buttrige Salznote sorgt für ganz neue Geschmacksexplosionen im Mund. Ebenso interessant war die Erfahrung, eine scharfe Paprika einmal kurz durchs Glas gezogen zu bekommen. Schon wenige Momente hinterlassen im Drink eine leichte Schärfe und Würze. In Zukunft müssen wir also noch stärker experimentieren, wenn es ans Mixen geht!

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    Craft & lokal

    Immer mehr kleine Start-ups drängen auf den Sprituosenmarkt und versuchen Lücken zu finden, die noch nicht besetzt sind. Aktuell scheint genau das in Deutschland mit Moonshine versucht zu werden. Moonshine war eigentlich ein illegal gebrannter Schnaps in den USA, ist heute aber auch eine Bezeichnung für oft ziemlich süße Liköre mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Klassischerweise wird Moonshine in Mason Jars verkauft (so war es früher einfacher, den Selbstgebrannten zu schmuggeln), was marketingtechnisch aber auch ganz schlau ist, sieht das Getränk so doch gleich ganz fesch aus und versprüht einen gewissen Retro-Charme. Probiert haben wir u.a. den Moonshine von O’Donnell, deren Bratapfelvariante uns ziemlich begeistert hat und dessen schnieke Ausgießer übrigens stilecht in der JVA Vechta hergestellt werden.

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    Ebenfalls aus Berlin kommt der Wood N Wodka, bei dem der etwas farblosen Spirituose durch die Zugabe von Rauch (die Flaschen werden wirklich erst mit Rauch gefüllt, dann kommt der Wodka dazu und alles wird verschlossen) eine interessante neue Note verliehen wird. Gerade experimentiert man mit verschiedenen Holzsorten, da wäre also noch Platz für viele neue Geschmackserlebnisse. Eine große Zukunft wäre der Mischung Wood N Wodka und Club-Mate zu wünschen, denn die Kombination passt wie die Faust aufs Auge.

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    Ebenfalls ganz frisch auf dem Markt sind die Jungs von Weissbrand Distilling, die mit Birds einen Weinbrand aus Weißwein und zwölf Botanicals hergestellt haben. Weissbrand nennen sie das Zeug, für das je 0,5-l-Flasche zehn Liter Riesling notwendig sind. Pur ist der Geschmack der Spirituose etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach Auskunft der jungen Erfinder, zielt man sowieso stärker auf die Barszene und damit auf eine Verwendung in Cocktails ab. Testen konnten wir das gleich mit dem neuen Green Monaco, dem Herbal Tonic von Aqua Monaco (das auch pur ein Knaller ist). Wirklich tolle Kombi, könnte unser Sommerdrink werden! Und der Preis für die schönste Flasche der Messe geht ohnehin an Birds.

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    In München beheimatet, aber bisher schändlicherweise völlig an uns vorbeigegangen, ist Grimm Spirit, die verschiedene Liköre auf den Markt gebracht haben. Neben Holly Van, einem leckeren Holunderblütenlikör mit Madagaskar-Vanille hat die Bar-Manufaktur den wohl besten Haselnusslikör am Start, den wir je probiert haben: Natali – flüssiges Nutella, nur viel besser! Auch ihr Rumlikör Affengeil kann überzeugen. Die Basis des Likörs bilden Jamaika-Rum und Pedro Ximénez-Sherry aus Spanien, die dann mit Gewürzen wie Zimt, Vanille, Pfeffer und Kardamom verfeinert wird. Recht süß, aber komplex, würzig und lecker. Verliebt haben wir uns auch direkt in das hübsche kupferfarbene Barzubehör, das die Manufaktur vertreibt – besonders der French Copper Shaker ist ein Traum!

    Das waren unsere Eindrücke von der Finest Spirits – einen besseren Start ins #Alkoblogger-Jahr hätten wir uns kaum wünschen können. Was sind denn eure aktuellen Favoriten und Geheimtipps auf dem Feld der Schnäpse und Liköre?

    Vielen Dank an storykitchen für die Einladung zur Messe. Unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

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    Gegessen, Gereist, Getrunken, Portland, USA

    Willkommen in Mainelandia: Portland, Maine kulinarisch

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    Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und lädt dazu ein, zurückzublicken – auf die vielen Begegnungen, die schönen Reisen und natürlich auch das gute Essen. Es ist auch genau die richtige Zeit, um erneut das Fernweh anzukurbeln, Pläne zu schmieden und sich gedanklich schon mal auf das nächste Urlaubsziel einzustimmen. Auf Neuengland vielleicht, mit seinen schroffen Felsküsten, wilden Ozeanen, wunderschönen Landschaften und gastfreundlichen Orten. Dass es uns die Nordostküste der USA ganz besonders angetan hat, dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein. Deshalb nehmen wir euch (ein vorerst letztes Mal) mit in den Norden des Landes – dorthin, wo die Wälder dichter werden, die Klippen steiler und die Tiere wilder: nach Maine. Der Bundesstaat, der sich bis an die Grenze Kanadas erstreckt, hat neben unberührter Natur auch eine Reihe von interessanten Städten zu bieten. Allen voran Portland, die größte Stadt Maines. Im Gegensatz zur Namensvetterin an der Westküste – dem Hipstermekka Portland, Oregon – ist der nur 66.000 Einwohner_innen zählende Ort an der Ostküste noch relativ unbekannt. Das ist mehr als bedauerlich, denn auch Portland, Maine ist ein urbaner Hotspot, der uns innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen ist und eine Vielzahl an Attraktionen und Ausflugsziele für einen mehrtägigen Besuch bereithält.

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    Portland ist DIE Foodie-Stadt schlechthin, beherbergt eine vibrierende Kunstszene mit erstrangigen Museen und Galerien, mehreren Craft-Beer-Brauereien, genügend Bars mit Craft-Cocktails für unzählige viel zu lange Abende und eine Vielzahl an kleinen Läden und Cafés für ausgedehnte Stadtbummel. Und wem die rustikalen Backsteingebäude irgendwann doch zu urban werden, der kann im Umland wunderschöne Wanderwege entlang der steinigen Küste entdecken und am Cape Elizabeth den schönsten aller schönen Leuchttürme Neuenglands in hopperesquer Landschaft bewundern. Ihr merkt, uns hat es hoch im Nordosten außerordentlich gut gefallen, und die Menge an empfehlenswerten Restaurants, Bars und Cafés hat uns im Nachhinein selbst ein wenig erschreckt (das sollen wir wirklich alles gegessen und getrunken haben??). Gut, dass wir anschließend zum Wandern und Kajaking in den Acadia National Park gefahren sind …

    Unser Portland-Food-Guide:

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    {Bakery | Tandem Coffee Roasters}

    Nur ein paar Minuten zu Fuß von unserer Unterkunft im West End entfernt, befindet sich wohl Portlands stylischster Coffeeshop. In einer ehemaligen Tankstelle haben sich die Tandem Coffee Roasters mit einer Bäckerin zusammengetan und Hipsterlandia für Kaffee- und Frühstücksjunkies erschaffen. Minimalistische Einrichtung, volltätowiertes Personal, klebriges Gebäck, dazu der Duft von frisch gerösteten Bohnen. Wir brauchen Kaffee, natürlich! Dazu ein großes Sticky Bun (4$) und – um nicht ganz dem morgendlichen Zuckerschock zu erliegen – ein hausgemachtes Granola mit Joghurt und Früchten (6,50$). Während wir mit dem Sticky Bun kämpfen (eine echte Herausforderung am Morgen und so sticky und buttrig, dass es von einer Person kaum zu bewältigen ist. Gut, dass wir zu zweit sind!), schauen Feuerwehrleute und Bauarbeiter rein, um ihren Koffeinspiegel hochzutreiben. In der Ecke sitzen bärtige Väter mit ihren Kindern und verschlafen aussehende Hipsterpärchen trinken Cold Brew auf den Holzbänken vor der Tankstelle. Können wir diesen Ort nicht einfach mit nach München nehmen? Bakery | Tandem Coffee Roasters // 122 Anderson Street, Portland, ME.

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    {Hot Suppa!}

    Ebenfalls in Laufnähe zu unserer Wohnung liegt dieses kleine Café und Bistro, in dem sich die Nachbarschaft zum Frühstück trifft. Gemütlich eingerichtet, mit viel Holz, Backstein und Sitzecken, erinnert es an eine moderne Version des klassischen Diners. Auch die Karte wartet mit einer Palette an amerikanischen Frühstücksvariationen auf, alle jedoch mit einem modernen Dreh und Fokus auf regionalen Zutaten. Ergänzt wird die Karte durch wechselnde saisonale Gerichte wie Crêpe mit Schinken, Gruyère, karamellisierten Zwiebeln, Ahornsenf und Fiddleheads (10$). Wir haben Glück und dürfen hier zum ersten Mal grüne Farnspitzen probieren – eine saisonale Spezialität aus Neuengland, die ein wenig nach schärferem grünen Spargel schmeckt, aber gleichzeitig auch an nussigen Kohl erinnert. Auf jeden Fall eine tolle Entdeckung und eine absolute Empfehlung! Der Breakfast Burrito mit Rührei, Avocado, Tomatensalsa und Hash browns (10$) kann ebenfalls überzeugen. Dazu läuft im Hintergrund die beste Musikauswahl des Urlaubs, u.a. mit den Shins, Rocky Votolato und City and Colour. Hot Suppa! // 703 Congress Street, Portland, ME.

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    {Standard Baking Co.}

    Seit zwei Jahrzehnten versorgt die kleine familiengeführte Bäckerei die Bewohner_innen Portlands mit Selbstgebackenem. Traditionelles französisches Brot und Gebäck stehen dabei im Vordergrund. Der Duft, der einem entgegenströmt, wenn man die Bäckerei am Hafen betritt, ist unbeschreiblich! Das Brioche ist perfekt, das Käse-Olivenöl-Gebäck süchtig machend und die Granola Bar die beste, die ich je gegessen habe. Standard Baking Co. // 75 Commercial Street, Portland, ME.

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    {The Holy Donut}

    Dass die Öffnungszeiten der örtlichen Donutlegende an die Verfügbarkeit der Waren gebunden sind, müssen wir gleich an unserem ersten Tag in Portland feststellen. Wer also am Nachmittag noch Donuthunger verspürt, hat oftmals einfach Pech. Gut, dass wir länger in der Stadt sind und die zweite Filiale perfekt an unserer Ausflugsroute liegt. So kommen wir doch noch in den Genuss der klebrigen Teigkringel. Die Besonderheit der Holy Donuts: Sie sind aus Kartoffeln gemacht. Das sorgt für einen festeren Teig und macht das Gebäck ein bisschen kompakter. Schmeckt bombig und ersetzt quasi eine ganze Mahlzeit. Besonders gut schmecken die Sorten Kokos und Süßkartoffel-Ingwer (jeweils 2,50$), wenn man sie einpackt und erst beim Picknick zwischen Meer und Leuchtturm wieder auspackt! The Holy Donut // 194 Park Avenue, Portland, ME.

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    {Urban Farm Fermentory}

    Neben Craft Beer scheint Craft Kombucha gerade DAS Ding in Neuengland zu sein. Da wir neugierige Menschen sind, fahren wir in Portlands Industriegebiet und besuchen die Urban Farm Fermentory, die sich nicht nur der Fermentation von Kombucha verschrieben hat, sondern auch Cider und Met herstellt. Wer sich durch möglichst viele Sorten des fermentierten Tees probieren möchte, bestellt am besten ein Tasting Set mit vier Gläschen nach Wahl (3$). Seine Lieblingssorte (in unserem Fall Blueberry und Honey Ginger) lässt man sich dann zum Mitnehmen in Flaschen oder gleich in große Growler abfüllen. Urban Farm Fermentory // 200 Anderson Street, Portland, ME.

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    {Rising Tide Brewing Company & Maine Craft Distilling}

    Ein wenig außerhalb des Stadtzentrums haben sich in einigen alten Lagerhäusern eine Reihe von jungen Brauereien und Destillerien niedergelassen. Rising Tide ist eine der Brauereien, deren Biere einem in Portland und Umgebung überall begegnen. Vor Ort erhält man alle Sorten in Flaschen oder Dosen, doch die gemütlichen Sitzgelegenheiten vor der Tür laden dazu ein, das frisch gezapfte Bier direkt auf der Stelle zu probieren. Für nur 6$ bietet die Brauerei ein Tasting Set mit vier verschiedenen Biersorten an. Da es früher Nachmittag ist und wir noch weitere Pläne für den Tag haben, setzen wir uns mit einem Glas Ishmael (ein malzbetontes American Copper Ale und ein MUSS für jeden Moby-Dick-Fan *hüstel) in die Sonne und packen weitere Sorten lieber für später ein. Kurz darauf werden wir von zwei Kanadiern in die Kunst des Bean Bag Tossings eingeführt – offensichtlich der inoffizielle Nationalsport aller Craft-Beer-Fans. Wem der Blick von außen in die Produktionshalle nicht genügt, kann übrigens auch an einer der täglich stattfindenden Führungen durch die Brauerei teilnehmen. Eine Lagerhalle weiter wird mit etwas härterem Stoff hantiert. Dort stellt Maine Craft Distilling eigenen Whisky, Gin, Rum, Wodka und andere Schnäpse her. Wie bei fast allen Produktionsstätten, die wir bisher in den USA besuchen durften, trifft man auch hier auf äußerst offene und freundliche Mitarbeiter_innen, die sich viel Zeit für einen nehmen und alles erklären. Wir dürfen nicht nur den tollen Blueshine (ein Blaubeer-Moonshine), den Alchemy Gin sowie einen Kräuter-Karotten-Schnaps probieren, sondern bekommen auch gleich noch einen kleinen Rundgang durch die Destillerie. Alles ist offen, man läuft mitten durch die Produktion, kann in die blubbernden Bottiche schauen und zusehen, wie auf dem Parkplatz das Malz für den Whisky mit Seaweed in einem eigenen Ofen geräuchert wird. Rising Tide Brewing Company // 103, Fox Street, Portland, ME; Maine Craft Distilling // 101 Fox Street, Portland, ME.

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    {Liquid Riot Bottling Company}

    Wer nach dem ganzen Bier und Schnaps Lust auf etwas Deftiges verspürt und dennoch in gemütlicher Atmosphäre weitertrinken möchte, wird sich bei Liquid Riot am Hafen Portlands sicherlich pudelwohl fühlen. Die Brauerei und Destillerie hat nicht nur großartige Biere im Repertoire, sondern bringt auch tolle, bodenständige Gerichte aus der Küche. Der Rote-Bete-Salat mit Ziegenkäse und Haselnüssen (12$) überzeugt ebenso wie der Infinity Burger mit geschmorten Tomaten, Chipotle-Aioli, superknusprigen Pommes und Bier-Käse-Dip (15$). Begleitet wird unser Essen von einem grandiosen Coconut Porter (5,50$), von dem ich noch immer träume, und einer wuchtigen Black Mamba (5,75$), die wunderbar zu den kräftigen Gerichten passen. Bierselig bestellen wir uns zum Abschluss noch ein Stück Chocolate Mousse Cheesecake mit Blutorangensoße. Nachtisch kann die Brauerei also auch. Liquid Riot Bottling Company // 250 Commercial Street, Portland, ME.

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    {Grace}

    Dinner und Cocktails in einer Kirche? Das klingt so spannend, dass wir bereits Wochen vor unserem Urlaub im Grace einen Tisch reservieren. Scheinbar geht es der katholischen Kirche auch in den USA nicht sonderlich gut, sodass sie eine ihrer schönsten Kirchen für kulinarische Gelage hergegeben hat. Die Location in der Chestnut Street ist imposant, besonders die Plätze auf der Empore beeindrucken, speist man dort doch mit Blick auf den gesamten Kirchenraum und auf das Herzstück der Kirche: die runde Bar. Für Vegetarier_innen gestaltet sich die Auswahl einer Speise jedoch, leider wie so oft in gehobeneren Restaurants, als kleine Herausforderung: ein einziges Gericht kommt infrage, aber zum Glück trifft die Rote-Bete-Pasta meinen Geschmack. Günstig sind die Hauptspeisen nicht gerade (zwischen 20 und 40$), dazu recht überschaubar, sodass man ohne Vor- und Nachspeise Gefahr läuft, das Grace hungrig zu verlassen. Doch die Gerichte sind köstlich, die ausgefallenen Drinks (z.B. den Elyon mit Gin und Chai-Likör) süffig und die Atmosphäre unschlagbar. Grace // 15 Chestnut Street, Portland, ME.

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    {Green Elephant}

    Ganz und gar vegetarisch und vegan geht es dagegen im Green Elephant zu, einem modernen Bistro mit asiatischem Einschlag und Fokus auf glutenfreien Speisen mit regionalen Zutaten. Mindful dining – so beschreibt das Restaurant sein Konzept und bietet bunte und geschmacksintensive Gerichte zu sehr fairen Preisen an: Stir-fries, Green Tea Noodles, Tempeh, Fake-Fleisch & Co. machen es einem nicht leicht, eine Entscheidung zu fällen. Wir starten mit Hot & Spicy Soy Sticks – sehr authentisch schmeckenden Fake-Hühnchen-Spießen mit Koriander-Chili-Soße – und vegetarischen Dumplings (beides 7$) und gehen über zu Stir-fry mit Gemüse und knusprigem Sojafilet (12$) sowie gedämpftem Gemüse mit Erdnusssoße (11$). Dazu eine Mexicaine Cola und ein Ginger Brew vom lokalen Getränkehersteller Maine Root und wir sind glücklich. Wer hier abends einen Tisch erwischen will, kommt am besten früh, denn reservieren kann man nicht. Green Elephant // 608 Congress Street, Portland, ME.

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    {Vena’s Fizz House}

    Das Schicksal führt uns zu einem der schönsten Läden, denen wir in unserem Urlaub begegnen: Vena’s Fizz House – Soda-Bar und Cocktail-Shop in einem – entpuppt sich als Paradies für Mixolog_innen und Hobby-Alkoholiker_innen. Hinter dem Laden mit Barzubehör und einer riesigen Auswahl an Cocktail-Bitters befindet sich eine kleine Bar, in der man sich auf hausgemachte Sodas und Craft-Cocktails spezialisiert hat. Tagsüber geht es hier alkoholfrei zu, doch auch die Auswahl der Mocktails und Fizzes ist riesig und zeigt die Kreativität des Besitzerehepaars. Dass Bitters durchaus ihre Berechtigung in alkoholfreien Drinks haben, beweisen unsere Nachmittagscocktails Blackberry Coconut Fizz und Blood Orange Chocolate Cordial (je 5$). Ein absoluter Liebhabershop und ein Muss für alle Cocktailbegeisterten! Vena’s Fizz House // 345 Fore Street, Portland, ME.

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    {The Portland Hunt + Alpine Club}

    Wer vor oder nach dem Dinner einen Drink in stilvoller Atmosphäre zu sich nehmen will, hat in Portland die Qual der Wahl. DIE Anlaufstelle für hochwertige und ungewöhnliche Drinks ist aber mit Sicherheit der Portland Hunt + Alpine Club. Stylischer wird es bis zur kanadischen Grenze vermutlich nicht mehr: reduziertes skandinavisches Design, eine Karte, die selbst schon ein kleines gestalterisches Meisterwerk ist und eine Anzahl an Drinks, die einen nicht erschlägt und dennoch in Entscheidungsnöte bringt. Steffen traut sich an den Bonecrusher (11$), einen harten Drink für harte Männer und Frauen. Mezcal, Tequila, Limette und roter Pfeffer sorgen für eine scharfe, rauchig-säuerliche Mischung, die perfekt ausbalanciert ist. Mein Haskell’s Cooler (9$) ist etwas leichter, jedoch nicht weniger komplex: Tea Vodka, Zimtsirup und Zitrone verbinden sich zu einem ungewohnten, aber tollen Geschmack. Leckere hausgemachte Kleinigkeiten zum Knabbern (wie Parmesan-Popcorn (5$)) gibt es auch, aber natürlich kommt man wegen der Drinks. The Portland Hunt + Alpine Club // 75 Market St, Portland, ME.

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    {Novare Res Bier Café}

    Wer durch Neuengland reist und die Gelegenheit verpasst hat, sich durch die vielen Craft-Biere der Region zu trinken, kann im Novare Res an einem Abend alles nachholen. Das „Bier Café“, das uns bereits in Boston von Craft-Beer-Fans empfohlen wurde, liegt mitten in der Innenstadt und ist eine Mischung aus Biergarten, Pub und Bar. Bei gutem Wetter kann man – ganz der bayrischen Tradition folgend – draußen sitzen und sich nach ausführlicher Beratung durch die kompetente Bedienung eines der wechselnden 30 Biere vom Fass bringen lassen (von der schier endlosen Karte mit teilweise sehr raren und teuren Flaschenbieren erst gar nicht zu sprechen). Wir trinken ein Allagash White, ein würziges Witbier aus Portland, und das Jimmy’s Black Box, ein dunkler Doppelbock, den der Besitzer des Novare Res 2014 beim Sierra Nevada Beercamp brauen durfte. Ihr merkt, es gibt einfach keine Entschuldigung dafür, sich in Portland ein Bud Light zu bestellen! Novare Res Bier Café // 4 Canal Plaza, Portland, ME.

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    {Und sonst so?}

    Gerne hätten wir abends noch mehr Bars unsicher gemacht, aber mehr ging einfach nicht. Trotz mehrfacher Empfehlung nicht besuchen konnten wir deswegen u.a. das Central Provisions und die Bearded Lady’s Jewel Box. Aber man muss sich ja schließlich auch immer einen Grund zum Zurückkehren aufbewahren – vielleicht geht ihr ja auch mal vorbei und erzählt uns, was wir verpasst haben. Keinesfalls verpassen sollte man jedoch das Portland Museum of Art, das eine großartige Sammlung mit Fokus auf nordostamerikanischer Kunst aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart beheimatet sowie einen schönen Shop, in dem man Stunden verbringen kann. Apropos Shoppen – das kann man in Portland ohnehin ganz wunderbar. Rund um den Hafen gibt es viele kleine Geschäfte mit hübschen Dingen, die einen gleichzeitig zur Verzweiflung bringen, wenn man an das sehr begrenzte Freigepäck denkt: z.B. den mehrstöckigen Küchenladen Leroux Kitchen, den wunderschönen Home-Decor- und Buchladen k colette, die Portland Trading Co. mit ihrer feinen, kinfolkesquen Mischung aus Indie-Kleidung, ungewöhnlichen Accessoires und Vintage-Sammlerstücken, den liebevoll verschrobenen Kunst- und Krimskramsladen Pinecone + Chickadee und Longfellow Books, eine Buchhandlung, die nicht nur eine tolle Literaturauswahl anbietet, sondern auch mit dem örtlichen Tierheim kooperiert und immer wieder Katzen bei sich einziehen lässt, die sich von Kund_innen abschmusen und adoptieren lassen können.

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